Jan Janca (eigentlich Harald Janca; * 1. Juni 1933 in Danzig; † 8. Dezember 2023 in Tübingen) war ein polnisch-deutscher Organist und Komponist.

Werdegang Jan Janca stammte aus einer deutsch-polnischen Familie in Danzig. Bei seinem Vater, dem Organisten Anton Janca, erhielt er den ersten Orgelunterricht. Nach Abschluss der staatlichen Musikschule in Danzig-Langfuhr studierte er von 1950 bis 1955 an der Musikakademie in Krakau Orgel bei Bronisław Rutkowski, Komposition bei Stanisław Wiechowicz sowie Cembalo und Klavier. Anschließend war er als freier Organist tätig. Es entstanden erste Aufnahmen für den Polnischen Rundfunk mit Konzerten im Dom zu Oliva.

Nach einer Konzertreise in die Bundesrepublik Deutschland 1957 kehrte Janca nicht mehr nach Polen zurück. Von 1958 bis 1962 studierte er an der Musikhochschule Stuttgart Komposition bei Johann Nepomuk David. Später war er mehrere Jahre Privatschüler von Marcel Dupré in Paris. Von 1962 bis 1996 war Janca Musiklehrer am Wilhelmsstift in Tübingen und Organist an der Tübinger Johanneskirche. Zudem unterrichtete er an der Bischöflichen Musikschule in Rottenburg. Er lebte in Tübingen und Berlin.

Janca initiierte und plante auch den Bau der Rieger-Orgel für St. Johannes in Tübingen, die 1990 fertiggestellt wurde.

(Sein Nachfolger als Chorleiter der Johanneskantorei wurde Wilfried Rombach, der seit 2014 nach dem Tod von Jürgen Maag auch das Organistenamt innehat.)

Janca komponierte mehrere Orgelwerke, die er anfänglich unveröffentlicht gelassen hatte. Er erforschte auch die Geschichte des Orgelbaus, insbesondere in Westpreußen (das heute ein Teil des nördlichen Polen ist), dessen Ergebnis mehrere Schriften sind. Zudem rekonstruierte er mehrere Renaissance-Orgelkompsitionen, die er bei dieser Forschung fand, und spielte sie später ein.

Seit Mitte der 1990er Jahre litt Janca an Tinnitus – das Leiden fing noch vor seiner Pensionierung an –, der ihm eine künstlerische Arbeit zunächst unmöglich machte; aber im Laufe mehrerer Jahre konnte er ihn allmählich kompensieren, so dass er sich wieder künstlerisch betätigen konnte. Seit 1990 widmete er sich verstärkt dem Komponieren und ab 2008 war er wieder gelegentlich in Konzerten und in der Liturgie als Organist tätig.

Jan Janca wurde auf dem Sülchenfriedhof in Rottenburg am Neckar bestattet.

Ehrungen Georg Dehio-Kulturpreis (Ehrenpreis) (2011) Bundesverdienstkreuz am Bande (2013) Gloria-Artis-Medaille für kulturelle Verdienste (2023)

Werkverzeichnis (chronologisch) Schriften (Artikel, Aufsätze und Bücher) Takt und Tempo im katholischen Gemeindegesang. In: Kirchenmusikalische Mitteilungen, Hrsg. vom Amt für Kirchenmusik Rottenburg, Nr. 19, Juli 1975, S. 9–14. Erbauer der Gefangenenorgel von Rimini gestorben. Werner Renkewitz (Nehren b. Tübingen) zum Gedächtnis. In: Musik und Kirche 48. Jg., Heft 5. Kassel 1978, S. 256. Erbauer der „Blechorgel“ von Rimini gestorben. In: Musica Sacra, 99. Jg. Heft 1. Regensburg 1979, S. 28. mit Werner Renkewitz: Andreas Hildebrandt, ein Danziger Orgelbauer des 18. Jahrhunderts. In: Musik des Ostens, Hrsg. vom J. G. Herder-Institut, Marburg, Bd. 9, Kassel 1983, S. 123–145. mit Werner Renkewitz: Geschichte der Orgelbaukunst in Ost- und Westpreußen von 1333-1944, Bd. I, Würzburg 1984, Bd. II,1, Berlin 2008. mit Hermann Fischer: Geschichte der Orgelbaukunst in Ost- und Westpreußen von 1333-1944, Bd. II,2, Köln 2015. Orgellandschaft Danzig-Westpreußen, Text zur Doppel-LP, MD+G 0 1274/75, Detmold 1986. Z twórczości budowniczego organów Andrzeja Hildebrandta i jego szkoły [Zur Tätigkeit des Orgelbauers Andreas Hildebrandt und seiner Schule]. In: Muzyka w Gdańsku, Wczoraj i Dziś [Musik in Danzig, Gestern und Heute], Bd. I, Hrsg. von der Akademia Muzyczna Gdańsk [Musikakademie Danzig], Gdańsk 1988, S. 179–208. Abriss der Geschichte des Orgelbaus in den Kirchen Danzigs bis 1800. In: Musik des Ostens, Bd. 11. Kassel 1989, S. 17–73. Polnische Ausgabe: Zarys dziejów budownictwa organowego w kościołach Gdańska do 1800, Manuskript, Akademia Muzyczna Gdańsk, 55 S., Druck in Vorbereitung. Friedrich Silchers Tätigkeit im Bereich des Orgelspiels und der Orgelkomposition. In: Kirchenmusikalische Mitteilungen, Hrsg. vom Amt für Kirchenmusik der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Nr. 76, Sept. 1989, S. 2–9. Zur neuen Orgel und ihren Vorgängerinnen. In: Festschrift zur Orgelweihe, St. Johannes Tübingen, Tübingen 1990, S. 7–18. Die große Orgel im Zisterzienserkloster Oliva bei Danzig, Oberschwäbische Einflüsse in Westpreußen. In: Beiträge zu Orgelbau und Orgelmusik in Oberschwaben im 18. Jh. Tutzing 1991, S. 511–524. Najstarszy zachowany kontrakt budowy organów z Prus Książęcych i Królewskich (1571 r.) [Der älteste erhaltene Orgelbauvertrag aus dem Herzogtum Preußen und Königlich Preußen, (1571)]. In: Organy i muzyka organowa [Orgel und Orgelmusik], Bd. VIII, Akademia Muzyczna Gdańsk, Gdańsk 1991, S. 129–134. Zarys historii muzyki w klasztorze oliwskim w latach 1224–1831 [Abriss der Musikgeschichte im Kloster von Oliva in den Jahren 1224–1831], Akademia Muzyczna Gdańsk, Gdańsk 1991, Deutsche Ausgabe: Beiträge zur Geschichte der katholischen Kirchenmusik in Westpreußen und im Ermland, I. Zur Musikgeschichte des Klosters Oliva bei Danzig von 1224-1831. In: Musik des Ostens, Bd. 12, Kassel 1992, S. 15–85. Oliwskie tabulatury organowe (ok. 1619 r.), Nowe źródła do historii muzyki w Gdańsku i na Warmii [Die Olivaer Orgeltabulaturen (ca. 1619), Neue Quellen zur Geschichte der Musik in Danzig und im Ermland]. In: Muzyka w Gdańsku, Wczoraj i Dziś [Musik in Danzig, Gestern und Heute], Bd. II, Gdańsk 1992, S. 63–98. Die Olivaer Orgeltabulaturen (ca. 1619). Neue Quellen zur Musikgeschichte Königlich-Polnisch Preußens. In: Musica Baltica, Interregionale musikkulturelle Beziehungen im Ostseeraum, Konferenzbericht Greifswald/Gdańsk, 28. November bis 3. Dezember 1993, Academia Verlag, St. Augustin 1996, S. 97–124. Der Danziger Bachschüler J. G. Goldberg. Zur polnischen Erstausgabe seiner 24 Polonaisen in allen Tonarten für Cembalo. In: Musica Baltica, siehe oben, S. 307–314. Oliwskie tabulatury organowe [Die Olivaer Orgeltabulaturen]. In: Ruch Muzyczny, Jhg. XXXVI, Nr. 9, Warschau 1993. Aus dem Musikleben des Zisterzienserklosters Oliva / Z życia muzycznego klasztoru oo. Cystersów w Oliwie / Sketches from the Musical Life of the Cistercian Monastery in Oliva, Dreisprachiger Aufsatz, Manuskript 1993. Hildebrandt, Andrzej, organmistrz gdański [Hildebrandt, Andreas, ein Danziger Orgelbauer]. In: Słownik biograficzny Pomorza Nadwiślańskiego [Biographisches Lexikon Weichsel-Pommerns], Gdańsk 1994, S. 203–204. O działalności organmistrzowskiej rodziny Goeblów. W setną rocznicę założenia firmy [Über die Orgelbautätigkeit der Familie Goebel. Zum hundertjährigen Jubiläum der Firmengründung]. In: Organy i muzyka organowa IX, Akademia Muzyczna Gdańsk 1994, S. 247–266. Deutsche Ausgabe: Die ost- und westpreußische Orgelbauerfamilie Goebel. Zum hundertjährigen Jubiläum der Firmengründung (1994). In: Beiträge zur Musikgeschichte Ostmittel-, Ost- und Südosteuropas, Edition IME, Reihe I, Schriften, Studio Verlag Sinzig, 1999, S. 194–224. Organ building in East Prussia [Orgelbau in Ostpreußen]. In: Encyclopedia of Keyboard Instruments, Vol. 2., The Organ, Universität Provo, Utah (USA), Druck in Vorbereitung. A brief Overview of Organ Building in former East Prussia. In: Organy i muzyka organowa, X, Akademia Muzyczna Gdańsk 1997, S. 59–69. Der Konkurrenzkampf zwischen den Orgelbauern Obuch (Mohrungen) und Casparini (Königsberg) in den Jahren 1741–1750. In: Musica Baltica, Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main 1997, S. 283–294 (= Greifswalder Beiträge zur Musikwissenschaft, Bd. 4). Mosengel, Johann Josua (1663-1731). In: Neue Deutsche Biographie, Bd. 18, Berlin 1997, S. 172–173. Sztuka organmistrzowska na Pomorzu Zachodnim w dobie baroku — najwybitniejsze dzieła i ich twórcy miedzy Słupskiem a Stargardem Szczecirińskim [Orgelbaukunst in Hinterpommern im Barockzeitalter — Wichtigste Werke und ihre Erbauer im Gebiet zwischen Stolp und Stargard]. In: Organy i muzyka organowa, XI, Akademia Muzyczna Gdańsk, 2000, S. 168–179. mit Alfred Reichling: Casparini. In: Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), 2. Ausg. Personenteil, Bd. 4. Kassel 2000, Spalte 369–373. mit Wiktor Łyjak: Orgel V., 15, Polen mit West- und Ostpreußen V., 18. mit Alexander Fiseisky: Russland mit Ostpreußen. In: MGG, 2. Ausg., Sachteil Bd. 7, Kassel 2000, Spalte 966–969, 976–978. Konkordanzen zu bisher anonymen Instrumentalstücken in der Olivaer Orgeltabulatur, Vilnius, Sign. F 15-284. In: Musica Baltica, Danzig und die Musikkultur Europas, Akademia Muzyczna Gdańsk, 2000, S. 145–158. Aus meinen Erinnerungen an Marcel Dupré. Zum 30. Todestag des Meisters (Beitrag für das Programmheft der Dupré-Konzertreihe), Bad Schussenried / Ravensburg 2001. Handschrift Ms. bei Tobias Frank. mit Hermann Fischer: Die ehemalige Mosengel-Orgel im Dom zu Königsberg. In: Ars Organi, 50. Jg. Heft 2, 2002, S. 70–75. Hildebrandt, Andreas, Orgelbauer. In: MGG, 2. Ausg. Personenteil, Bd. 8. Kassel 2003, Spalten 1533–1534. Eine Auswahl von Orgeldispositionen Adam Gottlob Casparinis. In: Organy i muzyka organowa, Bd. XII. Akademia Muzyczna Gdańsk, Gdańsk 2003, Konferenzbericht, S. 138–159.

Kompositionen (ab 1971) Ausgewählte Choralvorspiele, Heft 1, Advent und Weihnachten, Strube, Ed. 3234, Heft 2, Passion und Ostern, Strube, Ed. 3265. 1971–2003. Choraltoccata über „Nun danket all“ (1973), Strube, Ed. 3140,. Orgelverse über „Hilf, Herr meines Lebens“ (1979), Pro Organo, Leutkirch 1988. Missa de Angelis für vierstimmigen gemischten Chor, Gemeindegesang oder einstimmigen Chor und Orgel (1979), Carus 1989, Partitur, Nr. 40.696. Introduktion und Toccata aus der Suite Romantique (1985), Strube, Ed. 3179. Suite Romantique (vier Sätze), Strube, Ed. 3179. Tripartita für Orgel über „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ (1985), Strube, Ed. 3194. Choraltoccata über „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (1986), Strube, Ed. 3346. „Ite missa est“, Triptychon für Orgel (1988), Pro Organo 1992. Orgelverse über „Gott liebt diese Welt“ (1990), Carus, Nr. 18.107, 1999. Orgelverse über „Solang es Menschen gibt auf Erden“ (1991), Carus, Nr. 18.110, 1999. Weihnachtskantate „Hört, der Engel helle Lieder“ / „Angels from the Realms of Glory“ für dreistimmigen Frauenchor und Orgel (1991), Carus, Nr. 40.707 1999. Suite in 7 Sätzen für Orgel (1991), Strube, Ed. 3195. Tripartita über „Christ ist erstanden“ für Posaune und Orgel (1991), Strube, Ed. 2556. Orgelverse über „Manchmal kennen wir Gottes Willen“ (1992), Carus, Nr. 18.109, 1999. Sortie für Orgel (1993), Strube, Ed. 3139, revidierte Auflage 2015. 9 Choralvorspiele. In: Choralvorspielsammlung „in Ewigkeit dich loben“, Bd. 1–5, Breitkopf und Härtel, 1993 ff. „Maria durch einʼ Dornwald ging“, Meditation zur Adventszeit (1994), Strube, Ed. 3178. Toccatina über „Hört, der Engel helle Lieder“ / „Les anges dans nos campagnes“ (1995), Carus, Nr. 18.108, 1999. Orgelverse über „Brich dem Hungrigen dein Brot“ (1995), Carus, Nr. 18.106, 1999. 27 Sätze. In: Orgelsätze zum Evangelischen Gesangbuch. Ausgabe für die Evang. Landeskirche in Württemberg. Strube 1995, Ed. 3122. Suite in sieben Sätzen für Posaune und Orgel (1995), Strube, Ed. 2556.