mini|Panorama von Oberglogau Oberglogau ( Głogówek []; vormals auch: Klein Glogau oder Kraut Glogau, schlesisch: Klee Gloge oder Kraut Glôge, ; auch Horní Hlohov) ist eine Stadt im Powiat Prudnicki der Woiwodschaft Opole in Polen. Sie ist zugleich Sitz der Stadt- und Landgemeinde Oberglogau mit etwa 13.400 Einwohnern. Seit 2009 ist Oberglogau offiziell zweisprachig (polnisch und deutsch). Stadtteile von Oberglogau sind: Glöglichen (Głogowiec) Hinterdorf (Oracze) Weingasse (Winiary) Tiergarten (Zwierzyniec) Zu Oberglogau gehören die Wohnsiedlungen Jan Paweł II (Johannes Paul II) und Maria Konopnicka.
Geographie Die Stadt liegt in der Nizina Śląska (Schlesische Tiefebene) an der Hotzenplotz, etwa 23 Kilometer östlich von Prudnik und 35 Kilometer südlich von Opole (Oppeln). Die Grenze zu Tschechien verläuft etwa 10 Kilometer südwestlich von Oberglogau.
Nachbarorte von Oberglogau sind im Norden Repsch (Rzepcze), im Südosten Alt Kuttendorf (Stare Kotkowice), im Süden Tomice (Thomnitz), im Südwesten Dirschelwitz (Dzierżysławice) und im Westen Mochau (Mochów).
Geschichte mini|Das alte Schlosstor mit dem 1595 erbauten Gefängnisturm mini|Schloss der Grafen von Oppersdorff Dass die erste Erwähnung einer Siedlung auf dem Gebiet des heutigen Głogówek aus dem Jahr 1076 stammt, ist eine neuzeitliche Legende. Die hier viel zitierten „russischen Quellen“ beziehen sich mit Sicherheit auf Glogau, die spätere Hauptstadt des 1251 entstandenen Herzogtums Glogau. Diese wurde bereits im Jahre 1010 als „urbs Glogua“ urkundlich erwähnt und war nachweislich eine Kastellanei. Eine Erwähnung Glogaus in russischen Quellen ist trotzdem für das Jahr 1076 nachvollziehbar. Damals befand sich Herzog Boleslaus von Polen im Konflikt mit Wratislaus von Böhmen, den er mit russischen Hilfstruppen in dessen Marken Lausitz und Meißen angriff. Auf diesem Feldzug kann die Kastellanei Groß-Glogau ein Stützpunkt gewesen sein, Oberglogau in Oberschlesien hingegen kaum.Gotthold Rhode: Kleine Geschichte Polens. Darmstadt 1965, S. 24–25.
In den schlesischen Quellen findet sich ein erster urkundlicher Hinweis auf Oberglogau in den Jahren 1212/14, als unter den Zehntdörfern des Klosters Leubus im Distrikt von Jaroslaw der Ort „Glogov“ genannt wird. Dass die Urkunde von Dörfern spricht, die künftig von „terminis Glogov et Ierozlauie, que nunc Cazemiria dicitur, usque ad fluvios Stradunam et Ozoblog, ubi in Odoram hii duo amnes fluunt“ (deutsch: „von den Grenzen Oberglogaus und Jaroslaws, das nun Casimir genannt wird, bis an die Flüsse Straduna und Hotzenplotz (Osobłoga), wo diese in die Oder münden“)Schlesische Regesten, Nr. 154 oder Schlesisches Urkundenbuch, Bd. 1, Nr. 143. aus gegründet würden, bestätigt die schon damals hohe Bedeutung des Ortes (Ober-)Glogau sowie einen Zusammenhang mit dem Gebiet zwischen Hotzenplotz und Straduna. Damals werden hier allerdings nur eine Burg und ein Markt (Suburbium) vorhanden gewesen sein.
Die deutsche Stadt entstand vermutlich im Jahr 1225.700 Jahre Oberglogau in Oberschlesien. Kurznachrichten in der Vossischen Zeitung, 30. Juni 1925, Morgen-Ausgabe, S. 9. Das Stadtrecht soll Oberglogau/Głogówek, das zum Herzogtum Oppeln gehörte, im Jahre 1275 erhalten haben. Die entsprechende Urkunde ist nach Angaben des Schlesischen Urkundenbuches jedoch eine Fälschung. Die in der Urkunde genannten 12 Ratsleute sind viel zu viele für diese Zeit, selbst Breslau hatte damals nur fünf Ratsleute. Dennoch wird die Gründung etwa zu dieser Zeit erfolgt sein. Die Urkunden der StadtSchlesische Regesten oder Schlesisches Urkundenbuch. zeigen aber deutlich, dass es sich im Mittelalter um eine deutschrechtliche Gründung mit deutschen Siedlern handelte.
Im Jahr 1327 kam die Stadt zusammen mit dem Herzogtum Oppeln als ein Lehen an die Krone Böhmen. 1373 wurde das Stadtrecht erneuert, diesmal nach Magdeburger Recht. 1379 errichtete Herzog Heinrich von Falkenberg an der Pfarrkirche St. Bartholomäus ein Kollegiatstift. Nur wenig später baute Herzog Wladislaus II. von Oppeln in der Nähe der Stadt ein Paulinerkloster als Tochterkloster von Tschenstochau.
1425 übertrug Herzog Bolko IV. Oberglogau seinem gleichnamigen Sohn Bolko V., der sich „Herr auf Klein Glogau und Prudnik“ nannte. Als am 13. März 1428 ein Hussitenheer Oberglogau stürmte, gelang es Bolko, dieses vor weiteren Überfällen zu schützen. Anschließend ging er als einziger schlesischer Fürst zu den Hussiten über. Nach seinem Tod 1460 wurde diese Herrschaft wieder mit dem Herzogtum Oppeln verbunden.
mini|Oberglogau – Ansicht aus der Mitte des 18. Jahrhunderts mini|Lithographie von Oberglogau aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts Im Jahre 1562 erhielt Hans von Oppersdorff vom böhmischen Landesherrn, Kaiser Ferdinand I., Oberglogau als Pfand. Bis zum Jahre 1935 (1945?) befand sich das Majorat Oberglogau im Besitz der Freiherren, ab 1700 Grafen von Oppersdorff. Die katholische Adelsfamilie vollzog im Dreißigjährigen Krieg auch die Gegenreformation in Oberglogau. 1582 vernichtete ein Großbrand weite Teile der Stadt. Während der Herrschaft Georgs III. von Oppersdorff (1617–1651) wurde in der Stadt ein gegenreformatorisch inspiriertes „Sanktuarium“, bestehend aus der Franziskanerkirche mit Loretto-Kapelle, einer Nachbildung des hl. Grabes in Jerusalem etc., errichtet. Weitere schwere Zerstörungen brachten die Schweden im Dreißigjährigen Krieg 1643. Vom 17. Oktober 1655 bis zum 18. Dezember 1655 suchte der polnische König Jan Kasimir mit seiner Frau Maria Ludwiga Zuflucht im Schloss Oberglogau.
Im 18. Jahrhundert gehörte Oberglogau zur Steuerrätlichen Inspektion in Neustadt O.S.
Mit dem Ersten Schlesischen Krieg fiel Oberglogau 1742 an Preußen. 1765 wütete in dem Ort ein großes Feuer.
mini|Gründerzeitliche Wohnhäuser aus dem Ende des 19. Jahrhunderts Eine weitere wichtige Person kam 1806 nach Oberglogau: Ludwig van Beethoven weilte im Oberglogauer Schloss und widmete seine Vierte Sinfonie dem Grafen Franz von Oppersdorff.
1858 lebten 3937 Menschen in der Stadt, die 1876 an das preußische Eisenbahnnetz angeschlossen wurde. Seit 1889 erschien die Oberglogauer Zeitung.
1895 gab es 5706 Einwohner, davon 299 Militärpersonen, die teilweise Polnisch (sog. wasserpolnischer Dialekt 568 Personen), Deutsch (2670 Personen) oder beide Sprachen (2468 Personen) beherrschten. Die Volkszählung 1910 ergab für Oberglogau 7136 Einwohner, davon 3767 deutscher und 2728 polnischer Muttersprache, größtenteils katholischer Konfession, weitere 10 Einwohner gaben eine andere und 631 gaben Deutsch sowie eine andere Sprache an.
Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Oberglogau eine evangelische und vier katholische Kirchen, eine Synagoge, ein katholisches Schullehrerseminar, eine Präparandenanstalt, eine Zuckerfabrik, eine Ziegelei und war Sitz eines Amtsgerichts.
Nach dem Ersten Weltkrieg sollte am 20. März 1921 eine Volksabstimmung über die weitere staatliche Zugehörigkeit Oberschlesiens entscheiden. Nur der Ostteil des Kreises Neustadt O.S. mit Oberglogau gehörte zum oberschlesischen Abstimmungsgebiet. Der Besitzer des Fideikommisses Oberglogau, Hans Georg Graf von Oppersdorff, sprach sich für eine Abtretung an Polen aus, da Oberschlesien „im katholischen Polen besser geborgen [sei] als im protestantischen, glaubenslosen Norddeutschland.“ Gleichwohl wurden in Oberglogau 4995 Stimmen (95,9 %) für den Verbleib bei Deutschland abgegeben, und 215 Stimmen waren für den Anschluss an Polen. In Schloss Oberglogau waren es 100 zu 11 Stimmen. Mit dem ganzen Kreisgebiet verblieb Oberglogau in der Weimarer Republik.
1936 lebten in Oberglogau 7742 Menschen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde in der Zuckerfabrik in Głogówek ein Außenlager des Internierungslager Lamsdorf für Häftlinge aus dem britischen Empire eingerichtet. Im Januar 1945 wurden im heutigen Schulkomplex, im Kinderheim, in der Batorego-Straße und in der Mittelschule Feldlazarette eingerichtet. Im selben Monat zogen Kolonnen von Häftlingen aus deutschen Konzentrationslagern durch Oberglogau. Während der sogenannten Todesmärsche starben viele Menschen, auch durch Ermordung, so wurden beispielsweise Ende Januar rund ein Dutzend Juden im örtlichen Park erschossen. Sie wurden an einem unbekannten Ort begraben.
Im Februar 1945 wurde die Stadt in eine Festung verwandelt. Der örtliche Volkssturm und Zwangsarbeiter begannen mit dem Ausheben von Schützengräben, dem Bau von Dämmen und Panzersperren, rund 30 deutsche Deserteure wurden hingerichtet. Im sogenannten Kessel von Oberglogau wurden eingekreist: die 344. Infanterie-Division anfangs unter dem Kommando von Generalmajor Georg Koßmala, welcher ab 28. Februar 1945 als vermisst galt, und am Mitte März 1945 unter General Erwin Jollasse, die 18. SS-Panzergrenadier-Division unter dem Kommando von SS-Oberführer Georg Bochmann, die Überreste der 168. Infanteriedivision der 20. estnischen SS-Grenadierdivision von Generalmajor Franz Augsberger. Teile dieser Einheiten brachen durch. Am Abend des 19./20. März befand sich die gesamte Gemeinde Oberglogau in sowjetischer Hand. Bei den Kriegshandlungen wurde die Kleinstadt zu etwa 40 % zerstört.
Nach Kriegsende wurde Oberglogau von der Sowjetunion unter polnische Verwaltung gestellt und in Głogówek umbenannt. Die einheimische deutsche Bevölkerung wurde, soweit sie nicht schon vorher geflohen war, weitgehend vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner waren teilweise Zwangsumgesiedelte aus Ostpolen, das an die Sowjetunion gefallen war.
Bei der 2002 durchgeführten Volkszählung in Polen bezeichneten sich 24,83 % der Gemeindebevölkerung als Deutsche und 1,45 % als Schlesier.Vgl.
Seit 2009 ist die Gemeinde offiziell zweisprachig, zum 1. Dezember 2009 führte sie bis auf die vier Ortsteile Kazimierz (Kasimir), Racławice Śląskie (Deutsch Rasselwitz), Szonów (Schönau) und Tomice (Thomnitz) zweisprachige Ortsbezeichnungen ein. In diesen Orten stellen polnische Nachkriegsumsiedler und Siedler aus anderen Teilen Polens die Mehrheit, die sich im Jahre 2009 keine zweisprachigen Ortsschilder wünschten.Vgl. nto.pl
Etymologie des Stadtnamens Dem Namen der Ortschaft soll die polnische Bezeichnung głóg für Hagedorn zugrunde liegen.Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien, Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1865, S. 1063.
Sehenswürdigkeiten mini|Schloss Oberglogau mini|hochkant|Bartholomäuskirche
Das Schloss Oberglogau (Zamek Oppersdorffów) war von 1562 bis 1945 im Besitz der Freiherren, ab 1700 Reichsgrafen von Oppersdorff. Es wurde im 16./17. Jahrhundert auf den Grundmauern der Burg aus dem 13. Jahrhundert erbaut. Diese war Mitte des 16. Jahrhunderts abgerissen worden. Der heutige Baukomplex entstand in zwei Hauptbauphasen: Das sogenannte Oberschloss mit flankierenden Türmen wurde 1561–1571 unter Johann von Oppersdorff im Renaissancestil errichtet. 1606 wurde an der Ostseite mit dem Bau des Niederschlosses begonnen. 1645–1668 wurde die bis heute erhaltene Schlosskapelle errichtet, wohl unter Mitwirkung der Steinmetzen Jakob Schwabe und Salomon Steinhafer, und im Inneren um 1780 mit Fresken von Franz Anton Sebastini ausgemalt. 2005 wurde das Gebäude an einen privaten Investor verkauft. Das Gebäude verfiel weiter und so wurde es 2013 nach einem Gerichtsbeschluss wieder an die Gemeinde übertragen. Heute beherbergt das Schloss das Regionalmuseum. Sehenswert sind ebenfalls das im Barockstil erbaute Schlosstor und der Schlosspark.
Die Pfarrkirche St. Bartholomäuskirche wurde im 14. Jahrhundert erstmals erwähnt. Die im Gotikstil erbaute Kirche war bis 1810 Kollegiatstift. Der Innenraum der Kirche wurde durch den aus Kojetín stammenden Barockmaler Franz Anton Sebastini gestaltet. Die Franziskanerkirche (kościół pw. św. Franciszka) mitsamt der dazugehörenden Klosteranlage stammt aus dem 17. und 18. Jahrhundert.