Runmarö ist mit rund 1.500 Hektar eine der größeren Inseln im Stockholmer Schärengarten. Sie befindet sich südlich von Kanholmsfjärden, in der Mitte von Sandön im Osten und Stavsnäs im Westen auf Värmdös östlichsten Teil. Die Insel ist zirka 3 Kilometer lang und 5 Kilometer breit. Der höchste Punkt befindet sich 35 Meter über Meeresniveau. Die Anzahl der Einwohner liegt bei etwa 300. In den Sommermonaten steigt diese Zahl auf 3.000 bis 4.000 Personen. Der Grund sind die vielen Sommergäste auf Runmarö. Auf der Insel gibt es unter anderem eine Gaststätte, ein Kino, Cafés, eine Bäckerei, einige Geschäfte, eine Bootswerft sowie Tennis- und Fußballplätze. Runmarö ist bekannt für seine vielen Orchideenarten.
Die regulären Bootslinien fahren ab Stavsnäs und legen an Runmarös Anlegestellen in Styrsvik, Gatan und Långvik an.
Geschichte Ortsname Der Name Runmarös war im 12. Jahrhundert „Rudmi“, in den 1500er und 1600er Jahren „Rödman“, „Rudman“, „Rumban“ oder „Rumman“ und wurde erst ab dem 17. Jahrhundert Runmarö genannt. Der Name hat vermutlich mit dem Wort „Rodd“ () zu tun. In alten Zeiten war man sehr oft gezwungen, die Segelschiffe in den Buchten der großen Inseln gegen die Strömung zu rudern. Eine andere Theorie zur Entstehung des Ortsnamens besagt, dass der Name von den vielen rötlichen Steinplatten stammt, die man auf Runmarö und in dessen Umgebung findet. Die alten schwedischen Ursprungsworte sind: rudhme, rødhme, 'rötlich; Rost'.Svenskt ortnamnslexikon (2003), S. 260
„Rumlarön“ ist ein Spitzname der Insel, den August Strindberg in einem Brief von 1906 an seinen Freund Gustaf Jansson in Långvik verwendete.Runmarö Tidning, nr 2/1999
Kalk- und Mineraliengewinnung Der älteste Text über Runmarö stammt aus dem Jahre 1288, als Magnus Ladulås Orminge, Runmarö, Skarp-Runmarö, Munkö und viele andere Inseln dem Sankta Klara Kloster auf Norrmalm und dem Gråbrödraklostret (Einem Franziskanerorden) auf Riddarholmen spendete. Auf Runmarö gibt es Kalkstein. Schon im 12. Jahrhundert wurde dieser gewonnen und zu Kalk gebrannt.Marin arkeologi: Runmaröprojektet, Jim Hansson (2005/3). Das gewonnene Produkt war in erster Linie Maurerkalk in Pulverform. Außer von den Klosterbaunationen wurde Kalk aus Runmarö in den ältesten Teilen der Riddarholmskyrkan verwendet. Nach der Reformation übernahm das schwedische Königshaus die Macht über den Kalkabbau. Im Jahr 1691 schrieb der Direktor für Landvermessung Carl Gripenhielm:
Stockholms Slått [det vill säga Tre kronor] skall mästadels wara upmurat med den Kalck, som är bränd wijd Rumbo [det vill säga Runmarö] Kalckbruuk. () Frei übersetzt aus dem Altschwedischen.
Die zwei größten Kalkbrüche befinden sich in Uppeby und zwischen Lerkila und Nore. Das war der spätere Kalkbruch, welcher das Baumaterial für die Schwedische Krone lieferte. In der Nähe des Strandes gibt es heute noch Hinterlassenschaften aus der alten Zeit. Zu diesen zählen große, sandgrubenähnliche Brennöfen und weiter oben mehrere alte Hausfundamente.
Der Kalkstein wurde aus heute noch sichtbaren Kalkbrüchen in der Nähe abgebaut und wurde entweder von Hand gebrochen oder mit der „Feuermethode“ (Wobei der Kalk zuerst mittels eines Feuers heiß gemacht und anschließend schnell mit Wasser abgekühlt wurde) gewonnen. Es wurden dabei sehr große Mengen Holz verbraucht und alle Inseln in der Umgebung waren über hunderte von Jahren abgeholzt, wie alten Reiseberichten zu entnehmen ist.
Für die Arbeiter, die in der Kalkindustrie beschäftigt waren, gab es eine Form von Arbeitspflicht, besonders für die Bevölkerung von Nämdö und Ornö. Menschen, die zum Beispiel nicht mit in den Krieg ziehen konnten, wurden gezwungen, auf Runmarö zu arbeiten. Außerdem wurden verurteilte Verbrecher und Kriegsgefangene dorthin zur Strafarbeit geschickt.Bengtsson, G, "Kalkbruk" på Runmarö, 1992 Ab dem 16. Jahrhundert musste der Kalk aus Runmarö immer mehr mit dem Kalk aus Öland und Gotland konkurrieren. Ab 1730 wurde der Kalkabbau auf Runmarö eingestellt.
Im 20. Jahrhundert wurden verschiedene andere Bergbaumaßnahmen erprobt. Mit wechselndem Erfolg. Eine Fabrik zur Herstellung von Zinkweiß wurde im Jahr 1909 gleich nördlich von Söderby eröffnet. Diese musste jedoch bereits 1919 aufgrund mangelnder Rentabilität wieder schließen. Die Fabrik wurde im Jahre 1967 abgerissen, nachdem diese viele Jahre als Maßstab für die Seefahrt gedient hatte. Mehrere Gruben an der Ostseite Runmarös erinnern an diese Zeit.
Russische Verwüstungen in Schweden 1719 bis 1721 mini|hochkant|Russischer Ofen Die Russischen Verwüstungen im Jahre 1719 betrafen auch Runmarö. Bei dem Versuch Stockholm einzunehmen, brannte eine russische Galeerenflotte mehrere Städte und viele einzelstehende Häuser entlang der schwedischen Ostseeküste nieder. Ein Geschwader mit hunderten Schiffen und mehreren tausend Mann Besatzung übernachtete für einige Nächte am Ende der Bucht gleich südlich von Gatan. Am Hang des Ortes, einst Russische Flucht genannt, befinden sich etwa 40 Meter vom Strand entfernt die Ruinen einiger Russischer Öfen. Diese dienten in damaliger Zeit zum Kochen und als Wärmespender.Runmarö - en pärla i skärgården!, 1990
Eines der wenigen erhalten gebliebenen Häuser aus dieser Zeit befindet sich in der Båtsmanstorpet () Nummer 95 in Södersunda. In diesem Haus ist heute ein kleines Privatmuseum untergebracht, in dem sich tausende alter Gebrauchsgegenstände und Dokumente befinden. Die Kate wurde im 16. Jahrhundert an ihrem heutigen Platz errichtet.
Nach einer von Prinzessin Kristina erlassenen Verordnung aus dieser Zeit, hatte jedes Dorf im Kriegsfall einen Soldaten zu stellen. Für die Dörfer entlang der Küste galt, dass dieser Soldat ein Marinesoldat oder Bootsmann sein musste.Bengtsson, G, Röjgård-Sjöberg, J och Wibom, S, Välkommen till Runmarö, Runmarö hembygdsförening, 1992
Schule und Kirche In dem Dorf Uppeby befindet sich die Schule von Runmarö. Dort werden die Klassen 1 bis 9 unterrichtet. Außerdem gibt es dort noch eine Vorschule. Im 20. Jahrhundert ist die Anzahl der Kinder in der Vorschule stetig gesunken. Heute besuchen gerade mal 40 Schüler die Schule. Die Reduzierung der Schülerzahlen hat ihre Ursache auch darin, dass es in Djurö eine bedeutend größere Schule gibt.
Die Schule in Runmarö hat eine lange Tradition. Schon 1846 öffnete in Södersund eine Skärgårds-Schule für die Kinder der Lotsen. Dort unterrichtete anfänglich der Organist aus Djurö. Der Lehrer, der nach ihm kam, hieß Carl Wilhelm Allard. Als dieser im Jahre 1884 seine berufliche Tätigkeit einstellte, wurde in Uppeby eine neue Schule gebaut (Im neuen Pfarrgarten). Die erste Lehrerin in dieser Schule hieß Selma Söderström. Die Zahl der Schüler stieg sehr schnell an und es dauerte keine zwei Jahre, da wurde es nötig, einen zweiten Lehrer einzustellen. Dieser hieß Gustav Hellqvist. Hellqvist riss sich für die neue Schule förmlich in Stücke, doch er verfügte nur über ein sehr geringes Budget. Insgesamt leistete der Lehrer Hellqvist in den 40 Jahren, in denen für die Schule tätig war, sehr gute Arbeit. Im Jahr 1953 wurde in Uppeby ein neues Schulgebäude errichtet. Schon 20 Jahre später musste die Schule auf Grund von Schülermangel wieder schließen. Doch weil sich Runmarös Interessenvereinigung und viele andere sehr stark dafür einsetzten, konnte die Schule im Jahr 1980 wieder eröffnet werden. Ab 1983 war es an dieser Schule möglich, einen Hochschulabschluss zu machen.
Auf Runmarö gibt es keine eigene Kirche. Lediglich eine kleine Kapelle, die im Sommer 1973 eingeweiht wurde. Der Bau der Kapelle und der des umgebenden Kirchgartens konnten durch eine Schenkung von dem Rechtsanwalt Gösta Grönberg ermöglicht werden. Dieser wohnte auf Söderby Kullskär und stiftete das Land und eine Geldsumme in Höhe von 10.000 Schwedischen Kronen. 1947 wurde eine Stiftung zur Verwaltung der Kapelle gegründet. Der Kirchgarten und der Glockenturm wurden im Sommer 1953 eingeweiht. Die Kapelle, die von Gösta Uddén entworfen wurde, hat anstelle des Altars eine große Fensterwand mit Ausblick auf die Natur. Der Glockenturm hat folgende Inschrift: Ich läute für ewigen Frieden, bis ans Ende der Zeiten.
Geografie Lage mini|Runmarös Lage in Stockholms Skärgård Runmarö liegt östlich vom Brandfjärden und gehört zum Runmarö-Archipel, welcher aus einigen hundert kleiner Inselchen besteht. Alle zusammen befinden sich in einem etwa 7 × 10 Kilometer großen Meeresgebiet. Die Inselgruppe erstreckt sich von Runmarö im Norden bis nach Aspö im Süden. Fast alles Land befindet sich in Privatbesitz, bis auf ein paar kleine Bereiche, die zum Eigentum der Värmdö Kommun gehören. Das Grundgestein des Archipels besteht aus Kalkstein, welcher mit dafür verantwortlich ist, dass es eine reiche Pflanzenwelt auf der Insel gibt. Der Teil der Insel, der sich in Stockholms skärgård befindet, liegt an einem Knotenpunkt zwischen wichtigen Fahrrinnen und hat schon früher bei einem Angriff feindlicher Truppen auf Stockholm als Truppenbasis gedient. Durch die besondere Lage der Insel ist diese besonders als Lotsenstützpunkt geeignet gewesen.
Häuser und Straßen Die Bebauung von Runmarö konzentriert sich auf die, auf der Insel gelegenen Dörfer. Davon sind mehrere im typischen Baustil der Skärgårds errichtet. Die ältesten Dörfer wurden teilweise mit dem Aufleben der Kalkindustrie und teilweise von den damaligen Lotsen gegründet. Auf der Insel gibt es ein Netz von Straßen und Wegen. Dies sind überwiegend Schotterwege, welche sich sternförmig von der Mitte der Insel ausgehend verzweigen. Auf den meisten dieser Wege ist es möglich, entlang der Inselküste zu wandern oder mit dem Fahrrad zu fahren.
Binnenseen Auf der Insel gibt es neun Binnenseen. Diese werden auf der Insel Träsk () genannt. Die Namen der Seen sind: Viträsk, Uppeby träsk, Nore träsk, Kasviken, Styrsviksträsk, Nästräsk, Hemträsk, Svartträsk und Silverträsk.
Der Silverträsk ist ein kleiner Waldsee, der von nährstoffarmen Sümpfen umgeben ist. Den See umgibt ein ganz besonderer Charme. August Strindberg, welcher die Sommer der Jahre 1889, 1890 und 1891 auf der Insel verbracht hatte, angelte in diesem See Hechte. Wahrscheinlich ist es aber nicht dieser See, den er in seiner Novelle Silfverträsket erwähnte, sondern der Nästräsk.
Wie die übrigen Seen auf der Insel war der Viträsk während des Mittelalters noch eine Bucht. Infolge von Sedimentablagerungen des Meeres entstand später der See. Das Gebäude Hwijte Träsk lag bis zum 17. Jahrhundert auf einer Wiese zwischen den Wegen und dem Viträsk. Die Gebäude wurden vermutlich in Zusammenhang mit den russischen Überfällen im Jahr 1719 in das Dorf Vånö verlegt. Noch heute findet man dort Ruinen der alten Bebauung sowie Johannis- und Stachelbeerbüsche und andere Nutzpflanzen.
Styrsvik mini|Styrsviks Landungssteg und Runmarös Gaststätte In Styrsvik befindet sich der Hauptlandungssteg für den Personen- und Gütertransport nach Runmarö. Dort haben auch Lebensmittelgeschäfte, die Apotheke, das Systembolaget, ein Fahrradverleih, ein Restaurant sowie die zentrale Recycling-Station ihren Sitz. Styrsvik wird von zwei Bootslinien angelaufen. Einmal von der Linie Stavsnäs–Sandhamn und Stavsnäs–Nämdö–Mörtö–Tyresö–Saltsjöbaden.
Der Lotsenausguck in Styrsvik ist eine einsame Hütte auf einer kahlen Bergnase südlich des alten Dampfschiff-Anlegestegs.
Långvik, Stenbro und Lerkila Das Dorf Långvik befindet sich in der großen nördlichen Bucht auf Runmarö. Es ist eingebettet in eine vergleichsweise üppige Vegetation. Das Dorf zog aufgrund von Landerhöhungen von seinem angestammten Platz etwa einen Kilometer weiter hinab ins Tal.
Stenbro ist ein kleines Dorf, welches etwas abseits der üblichen Bebauung und von Wegen liegt. August Strindberg wohnte hier im Sommer 1890. Er beschrieb das Dorf in einem Brief als entzückend.
Lerkila liegt etwas östlich und unterhalb von der Båtsmanstorpet Nummer 94.