Der Bahnhof Oschatz ist eine Betriebsstelle der Bahnstrecke Leipzig–Dresden und der hier beginnenden Schmalspurbahn Oschatz–Mügeln–Döbeln auf dem Gemeindegebiet der Stadt Oschatz in Sachsen. Bis 1972 war der Bahnhof zudem Ausgangspunkt der Schmalspurbahn nach Strehla. Zu Zeiten der größten Ausdehnung besaß der Bahnhof 25 Normalspur- und 18 Schmalspurgleise.
Geschichte mini|links|Ausfahrender Güterzug Richtung Mügeln in Höhe des Stellwerks Der Bahnhof Oschatz wurde am 3. November 1838 als Durchgangsbahnhof im Zuge der Eröffnung der Bahnstrecke Leipzig–Dresden eröffnet. Über die Ausstattung der Gleise zur Anfangszeit gibt es keine Angaben. 1880/1881 wurde das jetzige Empfangsgebäude errichtet. Die Schmalspurbahn Oschatz–Mügeln–Döbeln wurde 1884 südlich von diesem Gebäude angelegt. Über die Gleisanlagen ist aus der Literatur nur zu entnehmen, dass sie zur Anfangszeit noch bescheiden waren.Ludger Kenning: Schmalspurbahnen um Mügeln und Wilsdruff; Verlag Kenning 2000, ISBN 3-933613-29-9, Seite 30 Fotografien aus der Zeit um 1900 zeigen den Bereich um das Empfangsgebäude mit drei Schmalspurgleisen. Auf der Normalspurseite ist hinter dem am Hausbahnsteig haltenden Zug noch umfangreiche Bebauung zu sehen.Ludger Kenning: Schmalspurbahnen um Mügeln und Wilsdruff; Verlag Kenning 2000, ISBN 3-933613-29-9, Seite 10 Es können auf der Normalspurseite keine allzu großen Gleisanlage bestanden haben. Während der Bahnhof nördlich den Charakter eines Durchgangsbahnhofes besaß, war er auf der Schmalspurseite ein End- und Spurwechselbahnhof. 1890 wurde die Strecke nach Strehla eröffnet, dadurch wurden die Abstellanlagen des Schmalspurbahnhofes um 400 m verlängert. Ab 1894 erhielt Oschatz eine Zuckerfabrik, was sich vergrößernd auf die Bahnhofsanlagen auswirkte. Wann diese Anlage den Normalspuranschluss erhielt, ist aus der Literatur nicht zu entnehmen.
Einige Normalspurgleise wurden zum Beginn des Schmalspurbetriebes auch auf die südliche Seite des Bahnhofes verlegt. Bestand anfangs zum Warenumschlag Schmalspur/Normalspur lediglich eine auf den Schmalspurgleis 13 und dem Normalspurgleis 17 liegende Umladehalle, kamen 1898 eine Rollbockgrube hinzu, ab 1906 bestand die Möglichkeit einer Umladung auf Rollwagen. Aus der Anfangszeit der Schmalspurbahn sind folgende Daten der vorhandenen Betriebsmittel und die Mengen der umgeschlagenen Güter vorhanden; innerhalb der ersten zehn Jahre des Betriebes erhöhte sich die Zahl der benötigten Lokomotiven auf neun, bei den benötigten zweiachsigen Personenwagen auf 26 sowie bei den gedeckten Güterwagen auf 41 und bei den offenen Güterwagen auf 189. 1885 betrug bei der Schmalspurbahn die Masse der transportierten Güter noch 39.384 t, 1889 betrug sie schon 81.466 t, 1894 betrug sie 104.296 t, 1909 213.000 t und 1931 397.000 t.Ludger Kenning: Schmalspurbahnen um Mügeln und Wilsdruff; Verlag Kenning 2000, ISBN 3-933613-29-9, Seite 11 mini|links|Blick auf die Zusammenführung von Schmalspur- und Normalspurbereich zum Dreischienengleis im Bahnhof Oschatz Jedenfalls erlangten die Dimensionen des Bahnhofes die Ausmaße, wie sie 1981 noch zu sehen waren, und der Bahnhof war eine wichtige Schnittstelle zwischen der Normalspur und der Schmalspur.Gleisplan des Bahnhofs Oschatz aus dem Jahr 1981 Sie besaßen 25 Normalspur- und 18 Schmalspurgleise. Im Schmalspurbereich waren 18 Einfachweichen und im Normalspurbereich 22 Einfachweichen vorhanden. Dazu gab es noch im Normalspurbereich zwei DKW. Zwei mechanische Stellwerke steuerten die Weichen im Normalspurbereich südlich und nördlich des Empfangsgebäudes. Ein 1914 errichtetes Stellwerk der Schmalspurbahn steuerte die Signale für die Ein- und Ausfahrt der Züge, die Weichen mussten von Hand gestellt werden. Von diesem Stellwerk konnte das Signal für die Strecke aus Strehla sowie dessen Abzweigweiche bedient werden. Besonders charakteristisch waren die Einfahrgleise im Schmalspurbereich aus Richtung Mügeln. Diese lagen im Steigungsbereich von 16,7 ‰ Das erforderte für schwere Züge die Zugunterstützung durch die Rangierlokomotive des Bahnhofes. Eine Schutzweiche im Ausfahrbereich des Schmalspurbahnhofes sorgte dafür, dass kein Zug den Bahnhof ungeplant verlassen konnte. Außer den genannten Anlagen besaß der Bahnhof noch eine Überladerampe zum Versenden der Schmalspurfahrzeuge auf Normalspurgleisen. Nördlich des Empfangsgebäudes bestanden die Gleisanlagen auf drei Personenzuggleise für die beiden Bahnsteige (Hausbahnsteig- und Zwischenbahnsteig) und mehrere Güterzuggleise mit dem Güterschuppen und einem zusätzlichen Schuppen mit Ladestraße.
Am 31. Mai 1970 erreichte der Fahrdraht den Normalspurbereich des Bahnhofs Oschatz. Erste Einschnitte im Betrieb des Bahnhofs waren die Beendigung des Rübenverkehrs zur Zuckerfabrik und die Schließung der Schmalspurbahn Oschatz–Strehla. Nach 1989 folgte ein radikaler Rückbau der Gleisanlagen. Von der Deutschen Bahn wurde auf der Nordseite vor dem Empfangsgebäude der Hausbahnsteig weiter westlich verlegt, die Züge werden zum Halt nur noch über Außenbahnsteige an den Gleisen 15 und 3 abgefertigt. Die Gleise 1 und 2 fungieren als Durchfahrtsgleis. Entfernt wurde das Gleis 16. Im Bereich des Empfangsgebäudes können die Züge von dem Gleis 15 auf das Gleis 1 einschwenken. Von der Einfahrt aus Richtung Riesa ist die Einfahrt nur noch auf die Gleise 2 und 3 möglich, die Gleise 4, 6 und 7 sind nur noch von der Bahnhofseinfahrt Leipzig möglich und sind bis zur Bahnhofsmitte gekürzt. Der ehemalige Güterschuppen ist noch vorhanden. Die Gleise 8 bis 13 wurden entfernt. Anstelle der Gleisstellen an der Bahnhofseinfahrt Riesa der genannten Gleise wurde ein Parkplatz eingerichtet.Foto von den Gleisanlagen des Bahnhofs Oschatz auf einer originalen Luftbildfotografie
Auf der Südseite des Empfangsgebäudes wurde 1993 die Normalspurschiene des Dreischienengleises entfernt, auf dieser Seite besteht normalspurseitig nur noch die Zufahrtsmöglichkeit zu der in diesem Jahr neu errichteten Umschlaghalle für den Kaolinumschlag.Foto von der Umschlaganlage des Bahnhof Oschatz Seit 1996 wird der gesamte Normalspurbereich von einem elektronischen Stellwerk gesteuert. Das ESTW-A Oschatz war dabei das erste elektronische Stellwerk Sachsens. Es ist heute am ESTW-UZ Wurzen angeschlossen und wird von der Betriebszentrale Leipzig gesteuert. Nachdem im Rahmen des Ausbaus zur Schnellfahrstrecke auch Linienzugbeeinflussung installiert worden war, kam es 2001 fast zu einem schweren Unfall (siehe auch Linienzugbeeinflussung#Fehlfunktionen). Von den Schmalspurgleisen wurden als erstes die Gleise am Empfangsgebäude sowie Gleis 4 entfernt. An ihrer Stelle kam ein Parkplatz und eine Bushaltestelle. Die Schmalspurzüge enden auf Gleis 3, welches als Stumpfgleis ausgeführt ist sowie auf Gleis 5, welches zusammen mit Gleis 6 das Umfahrgleis für die Züge bildet. Zwischen den Gleisen 3 und 5 wurde der Bahnsteig für die Schmalspurbahn eingerichtet, welcher eine Überdachung von dem Normalspurbereich bekam. Die Gleise 7 und 8 wurden ebenso entfernt wie Gleis 13 mit der Umladehalle. Die komplette Übergabeeinrichtung für die Normalspur wurde komplett entfernt. Dafür wurde im Bereich zu den Schmalspurgüterschuppen eine neue Umschlaganlage für den Kaolinverkehr gebaut, die von beiden Spurweiten aus der westlichen Richtung seitlich anfahrbar ist. Der Lokschuppen ist gegenwärtig noch vorhanden, ebenso der Güterschuppen der Schmalspurbahn. Inwieweit diese Gleisbaumaßnahmen der Endzustand sind, muss abgewartet werden, da in der Zwischenzeit der Kaolinverkehr auf der Schiene 2000 eingestellt wurde.
Nach dem Kauf durch die Stadt Oschatz begann Ende 2017 die Sanierung des Empfangsgebäudes, welches größtenteils in seinen Ursprungszustand zurückversetzt werden soll. Im Mittelteil des Gebäudes wird die Döllnitzbahn ab 7. Dezember ein Reisezentrum betreiben. Hauptmieter wird die Abteilung Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Hauptzollamtes Dresden.
Bahnsteige mini|links|Blick vom Gleis 3 auf die Normalspurgleisanlagen und zum Empfangsgebäude des Bahnhofs Oschatz (2013) Über die Anzahl der Bahnsteige auf der Normalspurseite in der Anfangszeit gibt es in der Literatur keine Angaben. Die Schmalspurbahn besaß um 1905 ein Bahnhofsgleis, welches nah am Empfangsgebäude gelegt wurde sowie zwei Umfahrgleise.Ludger Kenning: Schmalspurbahnen um Mügeln und Wilsdruff; Verlag Kenning 2000, ISBN 3-933613-29-9, Foto oben Seite 10 Mit der Eröffnung der Schmalspurbahn Oschatz–Strehla wurde ein zusätzliches Bahnhofsgleis angelegt.
Zu Zeiten der größten Ausdehnung besaß die Normalspurseite zwei Bahnsteige, den Hausbahnsteig für das Gleis 1 und einen Inselbahnsteig für die Gleise 2 und 3. Die Schmalspurgleise benutzten die vorhandenen Gleise mit Zugang vom Empfangsgebäude in Höhe der Einfahrweiche. Der übrige Bereich war mit einem Zaun abgesperrt. mini|rechts|Blick auf den Schmalspurbereich des Bahnhofs Oschatz (2014) Heute wurden auf der Normalspurseite der Hausbahnsteig weiter westlich an das Gleis 15 verlegt, und die Züge halten nur auf den Gleisen 15 und 3. Die Normalspurgleise 1 und 2 sind Durchfahrtsgleise. Auf der Schmalspurseite ist der Zugang von dem ehemaligen Hausbahnsteig der Normalspurbahn realisiert. Der Bahnsteigbereich wurde großzügig ausgebaut und überdacht.
Verkehr mini|links|Zug aus Mügeln mit Normalspurwagen auf schmalspurigen Rollwagen auf dem Dreischienengleis vor der Bahnhofseinfahrt 1991 Die Normalspurseite war von Anfang an durch starken Personen- und Güterverkehr geprägt. Angaben über die Anzahl der verkehrenden Züge sind aus der Literatur nicht zu entnehmen.
Auf der Schmalspurseite liegen hingegen detaillierte Angaben vor. Im Güterverkehr wurden vorwiegend der Rübenverkehr abgewickelt, es wurden Kohlen, Koks, Kaolin, Getreide, Kartoffeln, Baustoffe, Bau- und Düngekalk, Mehl, Futtermittel, Langholz, Düngemittel und Stroh befördert. Im Personenverkehr fuhren 1894 auf der Bahn von Oschatz nach Mügeln täglich fünf Zugpaare,Kursbuchausschnitt Oschatz–Mügeln–Wermsdorf 1894 auf www.sachsenschiene.net im selben Jahr waren es zwischen Oschatz und Strehla vier Zugpaare.Kursbuchausschnitt Oschatz–Strehla 1894 auf www.sachsenschiene.net 1914 verkehrten zwischen Oschatz und Mügeln sechs Zugpaare,Kursbuchausschnitt Oschatz–Mügeln–Wermsdorf 1914 auf www.sachsenschiene.net zwischen Oschatz und Strehla waren es fünf.Kursbuchausschnitt Oschatz–Strehla 1914 auf www.sachsenschiene.net 1925 verkehrten zwischen Oschatz und Mügeln fünf Zugpaare,Kursbuchausschnitt Oschatz–Mügeln–Wermsdorf 1925 auf www.sachsenschiene.net zwischen Oschatz und Strehla waren es vier Zugpaare.Kursbuchausschnitt Oschatz–Strehla 1925 auf www.sachsenschiene.net 1939 waren es sieben Zugpaare, die zwischen Oschatz und Mügeln eingesetzt waren,Kursbuchausschnitt Oschatz–Mügeln 1939 auf www.sachsenschiene.net zwischen Oschatz und Strehla verkehrten sechs Zugpaare.Kursbuchausschnitt Oschatz–Strehla 1939 auf www.sachsenschiene.net 1943 verkehrten zwischen Oschatz und Mügeln lediglich fünf Zugpaare.Kursbuchausschnitt Oschatz–Mügeln 1943 auf www.sachsenschiene.net Für die Strecke Oschatz–Strehla liegen für den Zeitraum 1946/1947 die Angaben von drei Zugpaaren vor.Kursbuchausschnitt Oschatz–Strehla 1946/47 auf www.sachsenschiene.net 1950/51 waren es sieben Zugpaare, die zwischen Oschatz und Mügeln verkehrten.Kursbuchausschnitt Oschatz–Mügeln 1950 auf www.sachsenschiene.net Zwischen Oschatz und Strehla verkehrten zur selben Zeit drei Zugpaare.Kursbuchausschnitt Oschatz–Strehla 1950/51 auf www.sachsenschiene.net 1965/66 waren es noch drei Zugpaare zwischen Oschatz und Strehla.Kursbuchausschnitt Oschatz–Strehla 1965 auf www.sachsenschiene.net 1971/1972 waren es zwei Zugpaare zwischen Oschatz und Mügeln.Kursbuchausschnitt Oschatz–Mügeln 1971 auf www.sachsenschiene.net Im letzten Betriebsjahr waren es zwischen Oschatz und Strehla lediglich zwei Zugpaare, die noch verkehrten.Kursbuchausschnitt Oschatz–Strehla 1971 auf www.sachsenschiene.net