miniatur|Die Mühlbergkellergasse miniatur|Alfred Komarek bei der Eröffnung des Viertelfestivals 2013 in der Mühlbergkellergasse miniatur|Historische Gerätschaften
Die Mühlbergkellergasse ist eine (teilweise) zweizeilige Kellergasse am nördlichen Ortsausgang von Sitzendorf an der Schmida. Sie ist eine von ungefähr 1.100 Kellergassen in Niederösterreich.
Beschreibung der Gesamtanlage miniatur|Lageplan der beschriebenen Objekte
Die Anlage der Kellergasse erfolgte im 18. Jahrhundert in einem Hohlweg nördlich des Mühlberges. Im Franziszeischen Kataster aus dem Jahre 1823 sind bereits mehrere Kellerbauten in diesem Bereich verzeichnet. Die Mühlbergkellergasse bildete ursprünglich eine Einheit mit der südlich des Mühlberges liegenden Mühlkellergasse, der Kellergasse und einem Stück der Lerchenfelder Straße,Heimatbuch der Marktgemeinde Sitzendorf von der sie nach Norden führend ansteigend abzweigt und in einem weiten Bogen nach Osten verlaufend endet.
Die im Kern durchwegs aus dem 19. und 20. Jahrhundert stammenden giebel- und traufständigen Presshäuser mit Sattel- und Schopfwalmdächern und einige neuere Kellerbauten reihen sich gassen- beziehungsweise reihenartig aneinander. Die meisten Kellerbauten werden nicht mehr zur Weinherstellung oder -lagerung verwendet, sondern wurden ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Wohn- und Freizeitanlagen adaptiert. Dabei ist das äußere Erscheinungsbild weitgehend erhalten geblieben und teilweise sind auch noch die alten Baumpressen und andere Teile der Ausstattung vorhanden.
Am 14. und 15. Juni 2013 war die Mühlbergkellergasse einer der Schwerpunkte des Weinviertelfestivals 2013. Die Veranstaltung wurde mit einer Lesung von Alfred Komarek eröffnet und vermittelte den Besuchern neben einer Kellergassenführung auch Einblicke in historische Gerätschaften, die zur Weinherstellung verwendet wurden.
Beschreibung der einzelnen Objekte Die Lage der beschriebenen Objekte ist auf der Skizze rechts oben markiert.
Objekt 1 miniatur|Objekt 1
Der Keller liegt am nördlichen Ende der Mühlbergkellergasse auf der linken Seite in Blickrichtung zur Lerchenfelder Straße. Die Eintragung im Grundbuch erfolgte erstmals im Jahre 1913. Bis zum Jahre 1967 war an dieser Stelle nur die Kellerröhre vorhanden, weil die Trauben in einem anderen Keller gepresst wurden und dieser Keller nur der Vergärung und Lagerung diente. Dann entstand zunächst ein einfacher Überbau des Kellerzuganges, welcher im Jahre 1985 einen überdachten Eingangsbereich erhielt.„12 Keller erzählen ihre Geschichte“, S. 6.
Der traufständige Kellerbau mit Pultdach hat eine schlichte Fassade mit einem Fenster und einem breiten Zugang mit Segmentbogen. Der Zugangsbereich erhält zusätzliche Beleuchtung durch eine südseitig angebrachte Maueröffnung mit Segmentbogen. Rechts daneben befindet sich eine weitere kleine Fensteröffnung.
Objekt 2 Nach dem Objekt 1 folgt auf der linken Gassenseite eine Kellerröhre ohne vorgebautes Presshaus über die keine Informationen vorliegen.
Objekt 3 miniatur|hochkant|links|Räucherofen am Objekt 3
Der nächste Kellerbau linksseitig in Richtung Ortszentrum ist erstmals im Jahre 1890 grundbücherlich erfasst. Das Presshaus war bis zum Ende des 20. Jahrhunderts bereits verfallen und abgetragen. Im Jahre 2008 war Baubeginn für einen Neubau, der ein Jahr später fertiggestellt war.„12 Keller erzählen ihre Geschichte“, S. 12. Die schlichte Fassade des Kellerbaues ist straßenseitig durch ein mittiges segmentbogiges Portal sowie ein kleines und ein großes Fenster gegliedert. Nordseitig ist ein von außen beheizbarer Räucherofen mit einem mächtigen Kamin angebaut. Das mit einem Pultdach versehene Gebäude verfügt nur über einen Raum, der den Zugang zur Kellerröhre bildet.
Objekt 4 miniatur|Objekt 4
Gegenüber dem Objekt 3 steht auf der rechten Seite der Kellergasse ein Keller mit schlichter Fassade und Rechteckportal, dessen Eintragung im Grundbuch erstmals im Jahre 1884 erfolgte.„12 Keller erzählen ihre Geschichte“, S. 18. Über einem links vom Portal unterbrochenen gekehlten Giebelgesims befindet sich ein Schopfwalmdach mit verbrettertem Giebel. Zur Einrichtung gehört eine gut erhaltene Baumpresse, die bis zum Jahre 1984 verwendet wurde.
Objekt 5 miniatur|links|Objekt 5
Die erste Grundbucheintragung stammt aus dem Jahre 1850. Im Jahre 2004 erwarb ein Architekt die aus drei Parzellen bestehende Liegenschaft und restaurierte das Presshaus. Die Kellerröhre wurde saniert und für Flaschenlagerung adaptiert.„12 Keller erzählen ihre Geschichte“, S. 24.
Das Presshaus hat ein Segmentbogenportal und ein segmentbogiges Fenster mit einer Fensterbank aus unverputzten gebrannten Ziegeln. Über einem abgetreppten Gesims setzt ein Schopfwalmdach mit verbrettertem Giebel mit einer zweiflügeligen Dachbodentür an.
Auf der linken zur Liegenschaft gehörenden Parzelle ist eine Terrasse angelegt.
Objekt 6 miniatur|Objekt 6
Das renovierte Presshaus hat ein Segmentbogenportal und rechts davon eine segmentbogige Fensteröffnung. Über einem abgetreppten Gesims setzt ein Schopfwalmdach mit verbrettertem Giebel an. Im Giebel befindet sich eine Dachbodentür.
Die Seitenfassaden sind glatt und nur durch eine Putzrahmung gegliedert.
Links neben dem Presshaus ist eine Terrasse angelegt. An der befestigten Hangseite der Terrasse ist der Gewölbebogen einer vermauerten Kellerröhre zu erkennen.
Objekt 7 miniatur|Objekt 7 / Beispiel einer gelungenen Revitalisierung
Der nächste erstmals 1892 im Grundbuch erfasste Keller war in einem desolaten Zustand, ehe ihn am 1. Mai 2004 während der Beitrittsfeiern der Tschechischen Republik zur Europäischen Union die Familie eines Restaurators aus Tschechien erwarb.
Der Kellerbau hatte ursprünglich ein Schopfwalmdach, im Zuge der umfangreichen Restaurierung erhielt er ein neues Satteldach. Die alten Dachziegel wurden von Hand gereinigt und für die Neueindeckung des Daches verwendet. In dem Bestreben möglichst viel von der alten Substanz zu erhalten, mussten zweihundert Nägel aus der Kellertür entfernt, ausgeklopft, in heißem Öl brüniert und wieder eingeschlagen werden.„12 Keller erzählen ihre Geschichte“, S. 30.
Die schlichte Fassade ist durch die große quadratische Türöffnung, durch die früher das Lesegut eingebracht wurde, ein Rechteckportal und ein kleines lukenartiges Fenster gegliedert. Den oberen Abschluss bildet ein gekehltes Gesims, über das sich der verbretterte Giebel des Satteldaches erhebt.
Objekt 8 miniatur|links|Objekt 8 / vor dem Verfall bewahrt
Die folgende tief liegende Kellerröhre auf der rechten Seite war durch kein Presshaus überbaut und diente zur Lagerung von Kartoffeln. Sie war auch bis zum Verkauf im Jahre 2005 nicht im Grundbuch erfasst und fast verfallen. Heute führt eine durch Stützmauern gesicherte Treppe zum Rundbogenportal aus Sandstein, das durch eine neue Holztür unter Verwendung der alten Beschläge verschlossen wird.
Eine besondere Funktion ist für diese Kellerröhre nicht vorgesehen. Die Revitalisierung erfolgte in dem Bestreben, altes Kulturgut zu erhalten.„12 Keller erzählen ihre Geschichte“, S. 36.
Objekt 9 miniatur|Objekt 9 / heute Bad und WC
Das nächste Kellerbauwerk auf der rechten Seite ist seit dem Jahre 1881 im Grundbuch erfasst, hatte keine gewölbte Röhre und war bis zu seiner Renovierung desolat und verwachsen. Im Jahre 2006 erfolgte die Einverleibung für die Besitzer des Objektes 7, welche es sanierten und einer neuen Bestimmung zuführten. Derzeit beherbergt es ein WC und eine Dusche.„12 Keller erzählen ihre Geschichte“, S. 42.
Die glatte Fassade unter einem Pultdach ist durch ein Rechteckportal sowie eine große und eine kleine Fensteröffnung gegliedert. Sowohl das Portal als auch die Fensteröffnungen haben einen Sturz aus Balken des alten Gebäudes. Das kleine Fenster verfügt über eine Außenfensterbank aus einem Sandsteinganter.
Objekt 10 miniatur|hochkant|Objekt 10
Im Jahre 1866 erfolgte die Ersteintragung dieser Liegenschaft im Grundbuch. Im dritten Viertel des 20. Jahrhunderts wurde die Baumpresse mit dem eingravierten Namen des Erstbesitzers durch eine hydraulische Presse ersetzt. Seit dem letzten Viertel des 20. Jahrhunderts wird der Keller nicht mehr bewirtschaftet.„12 Keller erzählen ihre Geschichte“, S. 48.
In der Mitte der Straßenfront befindet sich ein Segmentbogenportal, das von einer größeren quadratischen und einer kleinen rechteckigen Fensteröffnung flankiert wird. Das an einem Gesims anschließende Satteldach ist im Giebel verbrettert und hat eine Dachtür aus Holz. Das Dach ist im Bereich des Giebels weit vorragend.
Objekt 11 miniatur|hochkant|links|Objekt 11
Die erstmalige Eintragung dieser Liegenschaft ins Grundbuch erfolgte im Jahre 1882. Als der Vorbesitzer des derzeitigen Eigentümers im Jahre 1963 den Keller kaufte, war er in desolatem Zustand. Das Presshaus wurde renoviert und fand bis zum Jahre 2002 bestimmungsgemäße Verwendung. Anschließend wurde es nicht mehr benutzt, bis es im Jahre 2012 vom derzeitigen Besitzer erworben und für Freizeitzwecke adaptiert wurde. Der Dachboden, in welchem früher Heu gelagert war, dient nun als Schlafraum für Besucher.„12 Keller erzählen ihre Geschichte“, S. 54.
Die schlichte Fassade des giebelständigen Gebäudes hat ein Segmentbogenportal und links davon ein kleines segmentbogiges Fenster. Es wird von einem Satteldach mit verbrettertem Giebel gedeckt, in dem sich ein Rechteckfenster mit einem Fensterladen aus Holz befindet. Über eine außen liegende Treppe gelangt man zum Eingang des Dachbodens an der Gebäuderückseite.
Objekt 12 miniatur|Objekt 12
Im Jahre 1912 ist die erste Eintragung dieses Grundstückes im Grundbuch erfolgt. Das Presshaus war bereits in desolatem Zustand, ehe es im Jahre 2004 von einem neuen Besitzer vor dem gänzlichen Verfall gerettet wurde. Heute dient es der Überwinterung von Oleanderpflanzen, in der Kellerröhre werden Äpfel und Fruchtsäfte gelagert.„12 Keller erzählen ihre Geschichte“, S. 60.
Die glatte schmucklose Fassade hat ein Segmentbogenportal und links davon eine segmentbogige Fensteröffnung. Eine kleine lukenartige Fensteröffnung rechts neben dem Portal ist mit einem Sturz und einer Außenfensterbank aus Sandsteingantern ausgestattet. Über einem umlaufenden abgetreppten Gesims setzt ein Schopfwalmdach mit verbrettertem Giebel an. Im Giebel befindet sich eine Dachbodentür.
An der Südfassade ist die Seitenleiter eines Leiterwagens angebracht. Diese diente mit den Zacken nach oben gerichtet dem Transport von Getreidegarben und verhinderte, dass diese vom Wagen fielen.
Objekt 13 miniatur|links|Objekt 13
Auf der rechten Seite der Kellergasse in Richtung zum Ortskern folgen zwei Kellerröhren ohne vorgebaute Presshäuser. Beide haben ein Tonnengewölbe aus gebrannten Ziegeln und werden durch Rundbogenportale mit doppelflügeligen Holztüren erschlossen. Weitere Informationen über die beiden Keller liegen nicht vor.
Objekt 14 miniatur|Objekt 14
Das nächste Kellerobjekt auf der rechten Seite verfügt nur über ein putzgeramtes Rechteckportal und eine kleine lukenartige Fensteröffnung. Das Fehlen einer weiteren großen Maueröffnung, der im Weinviertel als „Geittür“ bezeichneten„Weinviertlerisch von A bis Z“ von Hubert Bruckner im Eigenverlag, 2004, ohne ISBN Tür, durch die das Lesegut abgeladen und in das Presshaus eingebracht wird, lassen diesen Kellerbau als reinen Lagerkeller erkennen.
Der einfache Bau wird durch ein Pultdach abgeschlossen.
Objekt 15 miniatur|links|Objekt 15
Über einem Sockel aus Bruchsteinmauerwerk erhebt sich dieses zu Wohnzwecken adaptierte Kellerbauwerk. Die schlichte Fassade ist durch Putzrahmungen des Rechteckportals und der beiden flankierenden Rechteckfenster gegliedert. Über einem gekehlten Traufgesims wird das Gebäude von einem Pultdach abgeschlossen.
Objekt 16 miniatur|Objekt 16