mini|Xhosa, Khoikhoi und einige Deserteure im Achten Grenzkrieg in einer Stellung am Waterkloof Die Grenzkriege, auch Kapgrenzkriege, Xhosakriege oder – veraltet – Kaffernkriege genannt, waren neun aufeinanderfolgende Kriege zwischen Xhosa und europäischstämmigen Siedlern der Kapkolonie in der heutigen südafrikanischen Provinz Ostkap. Sie fanden zwischen 1779 und 1879 statt.
Im Vierten Grenzkrieg nutzten die Xhosa erstmals Feuerwaffen, später auch Guerillataktiken. Trotzdem verloren sie schrittweise ihr Territorium und wurden Teil des britischen Empire, dessen Kriegseintritt den Beginn des modernen Kolonialismus in Afrika markiert.Christoph Marx: Geschichte Afrikas. Von 1800 bis zur Gegenwart. Schöningh UTB, Paderborn 2004. ISBN 3-8252-2566-6, S. 49 Das Kriegsziel der Kap-Truppen war die Gewinnung von Siedlungsraum und die Vertreibung der dort lebenden Xhosa.Peter Johann: Thixo befreie uns. Tiyo Sani Soga und Janet (Burnside) Soga im viktorianischen Schottland und in Kolonial-Südafrika: Der afrikanisch-christliche Beitrag zur Befreiung der Xhosa-Nation im 19. Jahrhundert. Peter Lang, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3631601273, S. 44–75. Digitalisat (Auszüge) Zu den Kriegsparteien gehörten neben Xhosa und Briten Buren, Khoikhoi und andere Ethnien. So kämpften die Mfengu, die heute zu den Xhosa zählen, auf Seiten der Siedler.
Vorgeschichte Die Zahl der europäischen Siedler in der Kapprovinz nahm im 18. Jahrhundert zu, so dass sie von Kapstadt aus immer weiter ostwärts drängten, wo es fruchtbare Weidegründe und Ackerland gab. Dort siedelten jedoch Xhosa. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts trafen die Siedler in der Nähe des Great Fish River auf die Xhosa. Mit knapper werdenden Weidegründen kam es auf beiden Seiten zu Viehdiebstählen und Vergeltungsmaßnahmen. Dazu kamen europäische Missionare, denen die Xhosa-Anführer feindlich gesinnt waren, da sie das traditionelle Herrschaftssystem untergraben wollten.
Grenzkriege Erster Grenzkrieg Der Erste Grenzkrieg fand von 1779 bis 1781 statt. Er wurde ausgelöst durch die Erschießung eines Xhosa durch einen Buren im Gebiet Bosberg, nahe dem heutigen Somerset East. Die burischen Siedler hatten den Vorteil der Bewaffnung mit Schusswaffen und der Pferde, während die Xhosa sich besser in der Gegend auskannten und zahlreiche erfahrene Krieger in ihren Reihen hatten. Die Siedler organisierten sich in kleinen Milizen, konnten sich aber nicht erlauben, die Xhosa lange zu verfolgen, da sie so ihre Farmen nicht verteidigen konnten. Beide Seiten mussten sich um die Landwirtschaft mit ihrem festen Jahresablauf kümmern, besonders während der Erntezeit.
Nach dem ersten Krieg wurde eine Grenze zwischen dem Great Fish River und dem Sundays River eingerichtet.
Zweiter Grenzkrieg Der zweite Krieg dauerte von 1789 bis 1793. Er begann mit Auseinandersetzungen verschiedener Xhosa-Gruppen. Dabei drangen sie auf das Zuurveld vor, das Gebiet zwischen dem Great Fish River und dem Sundays River. Obwohl die Buren bis zum Buffalo River vordringen konnten, blieb das Zuurveld in der Hand der Xhosa. Im Friedensvertrag wurde die Grenze nach Westen zum Sundays River verlegt.Conquest of the Eastern Cape bei sahistory.org.za (englisch), abgerufen am 23. Juni 2013
Dritter Grenzkrieg Von 1799 bis 1803 fand der Dritte Grenzkrieg statt. 1795 war es zu Rebellionen der Buren in Graaff-Reinet und Swellendam gekommen, die zur Gründung kurzlebiger Burenrepubliken führten. Eine zweite Rebellion in Graaff-Reinet löste 1799 den Dritten Grenzkrieg aus. Khoikhoi verbündeten sich mit Xhosa und überfielen Farmen von Siedlern. Sie drangen bis Oudtshoorn vor. Die Regierung der Batavischen Republik, zu der die Kapregion damals gehörte, befürchtete eine ausgedehnte Khoikhoi-Revolte und schloss 1803 einen Friedensvertrag, der die Grenze am Sundays River bestätigte. Das Vereinigte Königreich annektierte die Kapkolonie 1806. Die nachfolgenden Feldzüge gegen die Xhosa hatten auch die Aufgabe, die Vorherrschaft der Briten über die Buren zu sichern.
Vierter Grenzkrieg Der vierte Krieg dauerte von 1811 bis 1812. Es war der erste Krieg, in dem britische Berufssoldaten fochten. Das Zuurveld war zu einer Pufferzone geworden, mit den Briten und Buren im Westen und den Xhosa im Osten. Bis 1811 hatten Xhosa das Gebiet besetzt. Oberst John Graham hatte die Aufgabe, die Xhosa aus dem Zuurveld zu vertreiben. Er führte eine gemischte Truppe aus Berufssoldaten und Freiwilligen und schlug die Xhosa Anfang 1812, so dass die 20.000 Xhosa das Gebiet räumen mussten.
An der Stelle seines Hauptquartiers entstand die nach ihm benannte Garnisonstadt Grahamstown.
Fünfter Grenzkrieg Der fünfte Krieg dauerte von 1818 bis 1819. Er war auch als „Nxele-Krieg“ bekannt. 1817 war es zu Auseinandersetzungen zwischen der Regierung der Kapkolonie und Xhosa über Viehdiebstähle gekommen. Zwischen den Ngqika (auch Gaika) und den Gcaleka, beide zu den Xhosa gehörig, brach wegen der Überbevölkerung ein Krieg aus. Da die Kapbehörden mit den Ngqika ein Verteidigungsabkommen geschlossen hatten, kamen sie ihnen 1818 zu Hilfe.
Der Xhosa-Prediger und -anführer Makhanda Nxele (auch Maqana oder Makana Nxele) versprach, feindliche Gewehrkugeln in Wasser zu verwandeln. Er führte die Xhosa-Gruppe der Ndlambe in mehreren Attacken an. Am 22. April 1819 griff er mit 10.000 Mann Grahamstown an, das damals von einer 350 Mann starken Garnison gehalten wurde. Erst nachdem die Briten Unterstützung durch eine Khoikhoi-Gruppe unter Jan Boesak erhalten hatte, konnten sie die Belagerung abwehren. Dabei starben rund 1000 Xhosa. Makhanda wurde gefangen genommen und auf Robben Island bei Kapstadt inhaftiert. Diesmal drängten die Briten die Xhosa noch weiter ostwärts auf das Gebiet jenseits des Keiskamma River zurück. Das Land zwischen Great Fish River und Keiskamma River wurde zur Pufferzone, wo die Briten versuchten, loyale Afrikaner anzusiedeln. 1819 mussten die westlichen Xhosa Ngqika – den Anführer der Ngqika – als Oberhaupt anerkennen. 1820 wurde der Albany District um Grahamstown gegründet und von rund 4000 aus dem Vereinigten Königreich zugewanderten Briten – den „Siedlern von 1820“ – besiedelt. Als einziger Bereich des Zuurveldes war das Tyhume-Tal bis zu ihrer Vertreibung 1833 von Xhosa bewohnt.
Sechster Grenzkrieg
Der sechste Krieg dauerte von 1834 bis 1836. Bei den Xhosa ist er als „Hintsas Krieg“ bekannt, nach Hintsa ka Khawuta, einem Xhosa-Oberhaupt, der von einem Briten erschossen wurde.
An der Ostgrenze der Kapkolonie gab es weiterhin Unruhen. Die Xhosa wurden von Norden durch die Mfecane der expandierenden Zulu bedrängt. Zugleich wurde in der Grenzregion zwischen den dort lebenden Ethnien Handel getrieben. Es kam erneut zu Viehdiebstählen. 1834 tötete eine Kommandoeinheit der Kapkolonie einen hochrangigen Xhosa. Im Gegenzug marschierten 10.000 Xhosa unter Maqosa, einem Bruder des Getöteten, in die Kapkolonie ein und verwüsteten zahlreiche Anwesen in der Grenzregion. Besonders hart traf es eine Gruppe von Khoikhoi, die 1829 aus der Sklaverei entlassen und im Tal des Kat River angesiedelt worden waren. Viele Europäer und Khoikhoi flüchteten nach Grahamstown, Frauen und Kinder verschanzten sich in der dortigen Kirche.
Kommandos der Buren unter Piet Retief schlugen die Xhosa in den nördlich gelegenen Winterbergen. Außerdem bildeten sich Kommandos der Burgher, der Khoikhoi und der Briten, deren Truppen über die Algoa Bay in das Kriegsgebiet kamen. Unter Harry Smith erreichten die Briten Grahamstown am 6. Januar 1835, sechs Tage nachdem die Nachricht von der Belagerung der Stadt in Kapstadt bekanntgeworden war. Von Grahamstown aus wurde nun der Krieg gegen die Xhosa geführt. Die Xhosa erlitten mehrere Niederlagen. Die meisten Oberhäupter kapitulierten, Maqoma und Tyali zogen sich jedoch in die Amathole-Berge zurück.
Der britische Gouverneur Sir Benjamin D’Urban glaubte fälschlich, dass Hintsa ka Khawuta, Oberhaupt der Gcaleka, Oberhaupt aller Xhosa sei, und machte ihn für den Überfall auf die Kapkolonie verantwortlich. D’Urban marschierte mit einer Streitmacht über den Great Kei River zur Residenz Hintsas nahe dem späteren Butterworth, um ihm einen Friedensvertrag aufzuzwingen. Demnach wurde das Land jenseits des Keiskamma River, bis zum Great Kei River, als Provinz „Queen Adelaide Province“ von den Briten annektiert. Die Einwohner des Gebiets wurden britische Staatsbürger. Als Hauptstadt der Provinz diente King William’s Town. In der Provinz wurden loyale Afrikaner angesiedelt, darunter die Mfengu (auch Fengu oder Fingo), die vor den Zulu-Armeen geflohen waren und danach unter Xhosa-Herrschaft gelebt hatten. Magistrate wurden ernannt, die zusammen mit europäischen Missionaren die Machtstellung der Xhosa-Oberhäupter schwächen sollten. Die Kampfhandlungen kamen am 17. September 1836 zum Stillstand. Obwohl Hintsa von den Briten während der Vertragsverhandlungen Immunität zugesichert worden war, fühlte er sich als Opfer, zumal er für die Viehdiebstähle haften sollte. Er versuchte, am Nqabarha River zu Pferd zu fliehen, wurde aber eingeholt und erschossen. Hintsas Ohren wurden abgeschnitten. Diese Aktion führte zu großem Ärger bei der britischen Regierung in London, die D’Urban haftbar machte. Auch bei den Xhosa führte dies zur jahrzehntelangen Feindschaft gegenüber den Briten.
Nach dem Krieg waren 7000 Menschen in der Region obdachlos. Die Ansiedlung der Mfengu hatte weitreichende Konsequenzen. Als Verbündete der Kapkolonie erhielten sie Feuerwaffen. In den folgenden Kriegen kämpften sie als gleichberechtigte Soldaten neben den Briten. Der sechste Xhosakrieg war aber auch der Auslöser für das Manifest des Piet Retief und den darauffolgenden Großen Treck der Buren nach Norden. Der britische Kolonialminister Lord Glenelg hatte die Buren beschuldigt, durch ihre Rachefeldzüge gegen Viehdiebe den Krieg ausgelöst zu haben. Die Buren verloren daraufhin das Vertrauen in das britische Rechtssystem und übten Selbstjustiz.
Die Ausdehnung und Bildung der Provinz Queen Adelaide wurde von London als unwirtschaftlich angesehen. Die Provinz wurde im Dezember 1836 von der Kapkolonie abgetrennt und die Grenze wieder zum Keiskamma River zurückgesetzt. Neue Verträge legten fest, dass Xhosa-Oberhäupter für die Ordnung östlich des Great Fish River zuständig sein sollten. Nach dem Krieg führte der Gouverneursleutnant der östlichen Kapkolonie, Sir Andries Stockenström, eine neue Grenzpolitik ein. Er schloss Verträge mit den Xhosa, die die Grenze sichern sollten und gestohlenes Vieh zu den Eigentümern bringen lassen sollten. Personen auf beiden Seiten wurden als Botschafter eingesetzt, die Eroberung von Xhosa-Land wurde verboten. Auch wurde den Xhosa Land zurückgegeben, das im letzten Krieg annektiert worden war. So gab es eine fast zehn Jahre lange Friedensperiode.
Das System wurde brüchig, als die Siedler sich unter ihrem Anführer Robert Godlonton sammelten, der das Vertragssystem Stockenströms angriff und die Inbesitznahme von Xhosa-Land erlaubte. Stockenström wurde schließlich entlassen und sein Vertragswerk vom neuen Gouverneur Maitland für nichtig erklärt.
Siebter Grenzkrieg mini|Mgolombane Sandile (rechts) mini|Xhosa-Kämpfer an einer Schlucht im Grenzgebiet Der Siebte Grenzkrieg dauerte von 1846 bis 1847 und wurde auch als „Krieg der Axt“ oder „Amatola-Krieg“ bekannt.
Auf Seiten der Kapkolonie waren britische Soldaten involviert, die aus Großbritannien geschickt worden waren, und Gruppen unterschiedlicher Hautfarbe, die Burgher-Kräfte, in denen Khoikhoi, Mfengu, britische Siedler und Buren vereint waren, die von Andries Stockenström angeführt wurden. Die Beziehungen zwischen den britischen Truppen und den örtlichen Kräften verschlechterten sich während des Krieges.