mini|Naomi Campbell, Kurzmantel mit Rockteil aus multicolor gefärbtem Goldfuchsfell (2014) Im engeren Sinn wird in der Rauchwarenbranche unter Pelzveredlung oder Rauchwarenveredlung, österreichisch Rauwarenveredlung, die weitere Veränderung der Felle nach der Pelzzurichtung verstanden, vor ihrer abschließenden Verarbeitung zu Pelzen. Heute häufig weiter gefasst schließt der Begriff auch die Zurichtung mit ein. Die hauptsächlichen Möglichkeiten der Pelzveredlung sind, neben anderen, Färben, Scheren, Rupfen des Haars und Veloutieren und Nappieren der Lederseite der Felle.

Für die eigentliche Zurichtung, das Gerben der Felle, siehe den Hauptartikel →Pelzzurichtung.

mini|hochkant|Kostüm aus Fehrückenfell, gefärbt und unterschiedlich hoch geschoren (Deutschland 2006)

Geschichte Nicht nur im alten Rom war das Färben von Fellen bereits üblich. Die dortige Vorliebe zu hellen Haarfarben übertrug sich auch auf die Pelze, das viel zum Haarfärben benutzte Henna wurde auch zum Pelzfärben gebraucht. Kürschner und Gerber waren in Rom noch in einer Gilde vereinigt.

Lange Zeit galt dagegen eine Verschönerung der Pelze durch Nachbessern der Farbe als unehrlich und wurde streng geahndet, das Färben von Fellen war sogar völlig untersagt. Es galt die Ansicht die Kürschner, sie betrügen, wenn sie gewissen Fellen eine solche Farbe gäben, als ob sie natürlich wären, und solche nachgeltens für Marter, Zobeln, schwartze Füchse und dergleichen verkaufen. In Moskau ansässige griechische Fellhändler galten als vollkommene Meister in der Kunst, geringe Felle durch einen künstlichen Anstrich zu veredeln. Den sibirischen Jägern wurde ebenfalls nachgesagt, dass manche es in sehr geschickter Weise verstünden, Zobelfelle mit Bleischrot zu färben, das sie in den Pelz hineinlegen und dann so schütteln, dass das Fell gleichmäßig dunkel wird. Andere hängten sie in den Rauch, die meisten wären jedoch so ungeschickt, dass ein Fachmann den Betrug sehr leicht erkennen konnte.S. Hopfenkopf: Unsere Pelztiere, 1. Zobel. In: Der Rauchwarenmarkt. Nr. 18, Verlag Der Rauchwarenmarkt, Leipzig 11. Februar 1930, S. 3–4. Verwunderlich waren diese Nachbesserungsversuche gerade beim Zobelpelz nicht, hieß es doch, dass der Preis in Russland für ein sehr geringes Fell 1 Rubel betrug, für eine Spitzenqualität jedoch zu der Zeit bis zu 180 Rubel erzielt wurden. Noch 1572 wurde einem Kürschner durch die kurfürstliche sächsische Kammer die Errichtung einer Zobelfärberei untersagt.

mini|hochkant|Samt-Nerzstückenjacke, gefärbt, geschoren und mit gelaserter Musterung (2013) Letztlich setzte sich aber doch die Erkenntnis durch, dass ein dauerhaftes Nachfärben von Fellen nur dann als Betrug zu werten ist, wenn der Kunde nicht auf diese Veränderung hingewiesen wird. Das gilt auch für den historisch nächsten Schritt, das Nachahmen teurerer Fellarten durch die Veredlung von billigen, weil massenhaft anfallenden Sorten (zum Beispiel Kaninchen als Seal oder Zobel). Als der Pelz zunehmend den normalen Bürger erreichte und gleichzeitig ein Produkt der Mode wurde, begann man Felle auch dem jeweiligen Zeitgeschmack farblich anzupassen, die Entwicklung neuer, besser licht- und alterungsbeständiger Farben begünstigte diese Entwicklung.

Schon lange vor den Kürschnern der westlichen Welt war man in China auf die Idee gekommen bei entsprechenden Fellarten die harte Granne auszurupfen, so dass ein sehr weicher, samtartiger Pelz entstand. Naturbelassen ist beispielsweise das Nutriafell wegen seiner langen, nicht schönfarbigen Grannen sehr unattraktiv. Der Umstand, dass beim Rupfen die Grannenhaare stets abbrechen und hässlich aussehende „Stumpfen“ im Fell verblieben, hinderte anfangs noch in der Moderne die größere Verbreitung dieser Fellart. Erst als man um 1880 begann, gleich beim Zurichten durch einen Schwitzprozess das Oberhaar mit dem sogenannten „Rumpeln“ zu entfernen, steigerte sich der Verbrauch „ungeheuer“.Emil Brass: Aus dem Reiche der Pelze. 1. Ausgabe. Verlag der „Neuen Pelzwaren-Zeitung und Kürschner-Zeitung“, Berlin 1911, S. 262, 610–612.Fritz Schmidt: Das Buch von den Pelztieren und Pelzen. F. C. Mayer Verlag, München 1970, S. 89–95. Die internen Verfahren des Rumpelns, das Entfernen der Grannen, waren am Anfang streng gehütete Geheimnisse einiger Firmen, eine Leipziger Firma ließ es sich sogar patentieren.Alexander Tuma: Pelz-Lexikon. Pelz- und Rauhwarenkunde. XX. Band, Verlag Alexander Tuma, Wien 1950, S. 62–66 (unter der D.R.P.-Nr. 383.797).

Bemerkenswerte Fortschritte in der Pelzveredlung, insbesondere der Pelzfärberei, waren erst möglich geworden, nachdem sich die Veredlung vom Kürschner gelöst hatte und zu einem selbständigen Gewerbezweig geworden war. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte ein Teil der größeren Zurichterbetriebe, dem allgemeinen Fortschritt in der Veredlungstechnik folgend, Blenderei- und Färbereiabteilungen eingerichtet. Um 1900 überwog der Anteil naturbelassener Felle jedoch noch bei weitem der Anzahl gefärbter Pelze, um im 20. Jahrhundert zum Beispiel mit dem Schwarzfärben von Kanin und Persianer sowie mit dem Einfärben auf Modefarben erheblich zuzunehmen. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs waren die deutschen Pelzzurichtungs- und Veredlungsbetriebe im Wesentlichen um das Weltpelzhandelszentrum des Leipziger Brühls angesiedelt, vor allem in Rötha, Schkeuditz, Markranstädt und in Weißenfels. Nur wenige Unternehmen gab es um 1920 im übrigen Deutschland, die wichtigsten in Chemnitz, Berlin und Hamburg.H. Clad, W. Lange: Der Rauchwarenhandel und seine Beziehungen zu Leipzig. Fischer & Wittig, Leipzig 1923, S. 10.

Nach dem Krieg bildete sich eine neue, kleinere Konzentration um das gerade entstandene Pelzhandelszentrum Niddastraße in Frankfurt am Main, 1983 waren es acht Firmen mit Sitz oder Zweigstelle in Frankfurt und eine in Offenbach. 40 Prozent der WeltRohfellernte wurde zu dieser Zeit von Frankfurter Firmen veredelt. Die deutsche Farbenindustrie war auf dem Spezialgebiet der Pelzfarbstoffe bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg besonders aktiv.

In Nordamerika begann das kommerzielle Färben von Pelzen in größerem Ausmaß um die Wende zum 20. Jahrhundert. Joseph H. Lowenstein begann mit einem bescheidenen Farbenladen in der Brooklyner Gegend von Williamsburg, New York, unweit nördlich vom New Yorker Pelzviertel. Er erkannte schnell die Möglichkeit der Ausweitung seines Angebots, einschließlich der Pelzfärberei. Seine Weitsicht profitierte von dem Boom der Pelzindustrie bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. In einem Interview im Jahr 1922 erklärte der New Yorker Rauchwarenhändler Joseph Steiner, warum die amerikanischen Veredler in der Erzeugung hochwertiger, neuer Qualitäten gegenüber Leipzig, Paris und London so zurücklagen. Nach seiner Ansicht war man in der Vergangenheit, einem allgemeinen amerikanischen Trend folgend, im Land zu sehr auf das schnelle Geld aus gewesen, ohne sich der Zeit und Mühe zu unterziehen, in Ruhe an Verbesserungen zu arbeiten. Bei allen inzwischen eingetretenen Fortschritten, hätte er erst wenige Tage zuvor Felle aus Leipzig in einem so wunderbaren Braun gesehen, wie man es in den USA nicht herstellen kann.Richard Buckmaster: Interview mit Joseph Steiner. März 1922 (englisch). In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg integrierte sich auch die amerikanische Pelzkonfektion immer mehr in die High Fashion, unterstützt von ständigen Neuentwicklungen der Farbenindustrie. Die eigentliche Akzeptanz der Modefarben auf Pelz erfolgte jedoch in den 1960er Jahren durch die Anstöße aus Italien und Westdeutschland, in Amerika war es langsamer vorangegangen. In großem Ausmaß hatten sich die Modefarben dort Ende der 1980er Jahre durchgesetzt.Unter Mitwirkung von Phil Potash, Joe Balzic, Jos. H. Lowenstein: History of Colour in Fur. In: Red Book International 1998 - International Fur Trade Directory (englisch).

Der maschinelle Antrieb von Geräten, wie von Läutertonnen und Walken, geschah anfangs sehr vereinzelt durch Wasserkraft. Von größerer Bedeutung war die Einführung der Dampfkraft, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts mehr und mehr zur Anwendung kam. Damit steigerte sich nicht nur in erheblichem Maß die Produktivität. Es war jetzt möglich, die Betriebe an günstigen Verkehrswegen oder anders sinnvollen Standorten zu errichten, ohne auf aufstaubares, fließendes Wasser angewiesen zu sein.Jean Heinrich Heiderich: Das Leipziger Kürschnergewerbe. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der hohen philosophischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität zu Heidelberg, Heidelberg 1897, S. 101–102.

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wiederholte sich eine Mode, die allgemein das samtartige Aussehen gerupfter oder geschorener Felle favorisierte. Waren es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch Veredlungsarten die das gerupfte Robbenfell nachahmten, wie Sealkanin, Sealbisam usw., waren es jetzt neben den nun Samtbisam, Samtnutria usw. genannten Veredlungen sogar edle Felle, die eigentlich auch ungeruft große Nachfrage fanden, vor allem der Samtnerz. Der besonders tief geschorene Nerz wird in Anlehnung an den Begriff Samtnerz gelegentlich als Cashmerenerz gehandelt.

Um das Jahr 2000 wurden auf der Mailänder Pelzmesse Mifur die ersten gelaserten Pelze angeboten. Dabei wird das Haar in unterschiedlicher Höhe, stellenweise bis auf den Ledergrund, in von Designern vorgegebenen Mustern abgesengt. Begünstigt wurde diese, in der Anfangszeit oft etwas wenig wertvoll wirkende Optik, durch eine allgemeine, seit den 1970er Jahren andauernde Modetendenz, die erstmals künstlich gealterte oder sogar zerrissene Kleidung favorisierte und in den Handel brachte (Modestile wie Grunge, Punk u. a.).

Veredlung der Haarseite mini|hochkant|Anzeige der Leipziger Rauchwaren-Zurichterei und -Färberei Adolf Petzold (1943) mini|Persianerfärberei der Firma Thorer, Leipzig (1912)

Töten der Felle Die Vorbehandlung des Felles mit alkalischen Chemikalien, bei der die Reste natürlichen Fettes und Fettstoffe aus dem Haar entfernt werden, bezeichnet der Rauchwarenveredler als Töten. Ohne diese Behandlung würde der Färbevorgang gestört werden. Gleichzeitig werden die schädlichen, von der Zurichtung noch im Leder befindlichen Säuren, neutralisiert.

Die Tötung kann im Streich- oder im Tunkverfahren in Fellwenden oder Haspeln erfolgen. Für den Tötungsprozess werden Chemikalien wie Soda oder Ammoniak, in besonderen Fällen auch Natronlauge, Kalilauge oder Weißkalk verwendet. Zusätze von Pelzwaschmitteln verbessern die Wirkung. Wegen der je nach Fellart unterschiedlichen Struktur der Haare muss der Rauchwarenveredler die Auswirkung der Tötung auf die Felle mit dem Mikroskop überwachen.

Eine Vorbehandlung der Pelzfelle mit Metallbeizen, die Glyoxylsäure enthalten, macht den vorher üblichen Vorgang des Tötens überflüssig.

Beizen Die überwiegend für die Pelzfärbung benutzten Farbstoffe gehen ohne entsprechende Vorbearbeitung keine feste Bindung mit dem Haar ein, sondern lagern sich an der Haaroberfläche ab. Deshalb werden sie mit bestimmten Metallsalzen behandelt, die als Farbbeizen verwendet werden. Diese lagern sich in der Rindensubstanz des Haares und im Haarmark ab und gehen teilweise sogar Verbindungen mit dem Eiweißkörper ein. Es entsteht eine Verbindung mit den Farbstoffen, die vollkommen wasserunlöslich ist und als Farblack bezeichnet wird. Durch das Beizen vor dem Färben erhält das Fell auch Echtheitseigenschaften wie Reib-, Licht-, Lager und Sublimierechtheit. Auch wird durch die Beize ein wesentlich gleichmäßigeres Aufziehen der Farbstoffe beim Färben erzielt und die Möglichkeit geschaffen, durch Verwendung verschiedener Beizsalze die Farbtöne zu variieren.

Als Farbbeizen eignen sich vor allem die Metallsalze Kaliumbichromat, Kupfersulfat und Eisensulfat. Jedes der Salze gibt dem gebildeten Farblack eine bestimmte Eigenfarbe.

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