Stephan Dietrich Kretschmer (* 5. Juli 1949 in Calw) ist ein deutscher Brigadegeneral außer Dienst des Heeres der Bundeswehr.
Leben Militärischer Werdegang Kretschmer stammt aus dem Württembergischen. Er trat nach dem Abitur in Mannheim als Offizieranwärter in die Bundeswehr ein und ließ sich von 1969 bis 1972 ausbilden. an der Swiss Management School Baltic, abgerufen am 3. November 2014. Er studierte Elektronik an der Fachhochschule der Bundeswehr in Neubiberg bei München sowie von 1974 bis 1979 Kybernetik und Nachrichtentechnik an der Technischen Universität München (Diplom-Ingenieur).
1979/80 war er Hörsaalleiter an der Fernmeldeschule des Heeres in Feldafing und Kompaniechef im Fernmeldebataillon 330 in Koblenz. Er absolvierte von 1982 bis 1984 den Generalstabslehrgang Heer an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) in Hamburg. Außerdem besuchte er 1986/87 das Command and General Staff College (CGSC) der US Army in Fort Leavenworth, Kansas und 1992/93 als Oberstleutnant das United States Army War College (USAWC) in Carlisle, Pennsylvania.
Kretschmer war von 1987 bis 1989 Referent in der Stabsabteilung VI (Planung) im Führungsstab des Heeres (Fü H) und Pressereferent im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) in Bonn. Von 1989 bis 1992 war er Kommandeur des Verteidigungskreises 451 in Landau in der Pfalz und von 1993 bis 1996 als Oberst i. G. und Heeresattaché an der Deutschen Botschaft Washington, D.C.Nikos Späth: Militärische Tugenden fürs Büro. Motivieren, organisieren, improvisieren: Wie die Bundeswehr Manager auf Zack bringt und den Führungsnachwuchs schult. In: Welt am Sonntag, Jg. 57, 4. Januar 2004, Nr. 1, S. 26. Von 1996 bis 1999Ira von Mellenthin: Ein neuer Mann übernimmt die Wache. In: Hamburger Abendblatt, Jg. 52, 27. August 1999, Nr. 199, S. 17. war er Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 7 in Hamburg Fischbek.BArch. BH 9-7 (online), abgerufen am 3. November 2014. Für drei Monate wurde er als Kommandeur einer multinationalen Brigade mit deutschen und französischen Anteilen nach Rajlovac in Bosnien abkommandiert.
Er war dann von 1999Gudrun Tribukait: Innere Führung mit neuem Kommandeur. In: Rhein-Zeitung, 16. August 1999. bis 2004Innere Führung hat einen neuen Chef. In: Rhein-Zeitung, 20. März 2004. Leiter des Zentrums Innere Führung in Koblenz. In seine Amtszeit fiel u. a. die Eröffnung einer „Lernwerkstatt“ für politische BildungGudrun Tribukait: Anschaulich: Die Bundeswehr. In: Rhein-Zeitung, 16. November 2000. und die Ausstellung „Römer am Rhein“, deren Schirmherr er war.Herbert Günther: Geschichte sehen – und riechen Militärisches und Alltägliches. In: Rhein-Zeitung, 13. Dezember 2003. Darüber hinaus thematisierte er Minderheiten und Frauen in der Bundeswehr sowie die Reintegration von Soldaten aus Auslandseinsätzen.Gudrun Tribukait: Minderheiten in der Bundeswehr. In: Rhein-Zeitung, 11. Januar 2000.
2004 wurde er stellvertretender Dienststellenleiter und Chef des Stabes beim Deutschen Militärischen Vertreter beim Militärausschuss („Military Committee“) der NATO, WEU und EU in Brüssel, zunächst unter Generalleutnant Klaus Olshausen und dann Vizeadmiral Frank Ropers. Mitte 2007 trat er im Dienstgrad eines Brigadegenerals (seit 1998) in den Ruhestand.
Zivilberufliche Tätigkeit Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er das LIFO Institute für Lebens-, Familie- und Eheberatung in Hamburg-Othmarschen und bietet seit 2024 im schwedischen Bortan Beratungen zu den Themen Führung, Strategie und Karriere an.Lakeside Reflections, auf lakeside-reflections.com Er wirkt als Coach und Ausbilder für deutschsprachige Führungskräfte.Gisela Staerk: Wie führe ich in der Krise? In: Südkurier, 11. September 2009. Seine fachlichen Schwerpunkte sind Führung und Strategie.
Er wurde auch Lehrbeauftragter an den Privatuniversitäten Witten/Herdecke in Witten, Universität Witten/Herdecke, abgerufen am 3. November 2014. und am Zentrum für verantwortungsvolle Unternehmensführung der WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar bei Koblenz., WHU Vallendar, abgerufen am 29. Mai 2014. Im Rahmen des dortigen Studium generale innerhalb des grundständigen Studiums der Betriebswirtschaftslehre wirkt er als Gastdozent.
Kretschmer ist verheiratet und Vater von einer Tochter und einem Sohn.
Führungsphilosophie Kretschmer hält einen intensiven Austausch zwischen militärischen, wirtschaftlichen und politischen Eliten für erstrebenswert.Klaus-Peter Gushurst, Gregor Vogelsang: Die neue Elite. Deutschlands Weg zurück an die Spitze. Wiley, Weinheim 2006, ISBN 978-3-527-50201-1, S. 117. Beispielsweise sieht er in den hierarchischen Strukturen und beim Selbstverständnis von „Befehl und Gehorsam“ durchaus Gemeinsamkeiten zwischen Wirtschaft und Militär. Beide Akteure könnten auch voneinander lernen, so attestiert er der Wirtschaft einerseits Kompetenz in der „360-Grad-Beurteilung“ und andererseits streicht er beim Militär Fürsorge und Kameradschaft heraus. Kretschmer ist gleichzeitig ein Befürworter der Konzeption Innere Führung, die sich bis heute bewährt habe.Dietmar Brück: Bundeswehr verteidigt Grundwerte. In: Rhein-Zeitung, 1. Dezember 2006.Gudrun Tribukait: Der Staatsbürger im Mittelpunkt. In: Rhein-Zeitung, 7. November 2011. Er machte darauf aufmerksam, dass man gerade im Soldatenberuf der Gegenwart darauf vorbereitet sein müsse, in brisanten Lagen, trotz Unsicherheit (eine Situation der nicht vollkommenen Information) verantwortlich entscheiden und für die Folgen Verantwortung übernehmen müsse.Vgl. Angelika Dörfler-Dierken: Befehl – Gehorsam – Mitmenschlichkeit. In: Ulrich von Hagen (Hrsg.): Armee in der Demokratie. Zum Verhältnis von zivilen und militärischen Prinzipien (= Schriftenreihe des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr. Band 3). VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-14926-1, S. 165.
Unter seiner Regide öffnete sich das ZInFü mit Weiterbildungsprogrammen für Führungskräfte aus der Privatwirtschaft.Thomas Stölzel: Bundeswehr bietet einzigartiges Beratungsprogramm für Unternehmen in Sachen Personalführung an. In: Leipziger Volkszeitung, 21. September 2002, S. 8.Arnd Westerdorf: Still sitzen! Die Bundeswehr bläst Managern den Marsch. Der Barras tarnt es noch, aber er bietet ein Managementtraining für mittelständische Manager an. Antreten zu militärischen Tugenden!. In: VDI nachrichten, Nr. 42, 18. Oktober 2002, S. 25.Soziale Kompetenz ist doch erlernbar. In: Rhein-Zeitung, 25. Oktober 2003. Darüber hinaus initiierte er mehrtägige Führungsseminare für BWL-Studenten der WHU Vallendar. Er war infolgedessen auch Vortragender zum Thema militärische Führungsphilosophie bei Verbänden, Stiftungen und auf Kongressen.Cornelis Rattmann: Der relevanten Botschaft auf der Spur. Strategische Planer treffen sich in Hamburg – Gespräch mit Karen Heumann, Geschäftsführerin bei Jung von Matt. In: Die Welt, Jg. 58, 23. Juni 2003, Nr. 143, S. 36.Vortrag: Innere Führung – Unternehmensphilosophie für die Bundeswehr im Wandel. Konrad-Adenauer-Stiftung, 3. Juli 2003.DStV im Vorstand der DGVM vertreten. In: Die Steuerberatung, 1. August 2005, Heft 8/2005, S. 386. Überregionale Zeitungen und Zeitschriften wie etwa das HandelsblattBert Fröndhoff: Zwischen Hierarchie und Freiheit. In Unternehmen geht es oft nicht anders zu als beim Militär. Können Manager etwas von den Führungsprinzipien der Bundeswehr lernen? In: Handelsblatt, Nr. 235, 5. Dezember 2006, S. 18., die Welt am Sonntag oder CapitalChristian Schlesiger: Führen lernen. Deutsche Hochschulen haben ein Manko erkannt: Sie setzen jetzt mehr auf Praxisbezug, vermitteln auch Führungskompetenzen. Welche Seminare besonders interessant sind. In: Capital, 13. November 2013, 24/2003, S. 66–69. zogen ihn als Experten heran.
Publikationen Germany's Reunification and Its Implications for US Strategy. In: Parameters 23 (Herbst 1993) 3, S. 24–38. Die Innere Führung der Bundeswehr, ein Modell auch für die Wirtschaft? WHU, Vallendar 2002. (= Forum WHU. Nr. 7) Ziele und Aufgaben der Inneren Führung. In: Hans W. Odenthal, Dieter E. Bangert (Hrsg.): Demokratische Kontrolle von Streitkräften. Bundesakademie für Sicherheitspolitik, Bonn 2003, S. 99–106.
Interview Ove Jensen: Weniger Boni und mehr Führung im Vertrieb: Vom Militär lernen (Interview). In: Sales Management Review, Ausgabe 07/2013, S. 36–41.
Literatur Dermot Bradley, Heinz-Peter Würzenthal, Hansgeorg Model: Die Generale und Admirale der Bundeswehr. 1955 – 1999. die militärischen Werdegänge (= Deutschlands Generale und Admirale; Teil VIb). Band 2, 2: Hoffmann – Kusserow. Biblio-Verlag, Osnabrück 2000, ISBN 978-3-7648-2370-2, S. 762–763.
Weblinks Curriculum Vitae von Stephan Kretschmer (PDF; 32 kB) an der WHU Vallendar Stephan Kretschmer beim LIFE Institute
Einzelnachweise
Kategorie:Brigadegeneral (Heer der Bundeswehr) Kategorie:Deutscher Heeresattaché Kategorie:Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 7 (Heer der Bundeswehr) Kategorie:Militärperson (NATO) Kategorie:Absolvent der Führungsakademie der Bundeswehr Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1949 Kategorie:Mann