Der Begriff ti-Abstraktum bezeichnet in der indogermanischen Linguistik ein Verbalabstraktum, das durch eine Erweiterung auf -ti gebildet ist. Diese Erweiterung setzt sich aus den beiden Determinativen t und i zusammen (als Determinativ definiert Hermann Hirt (vgl. die Quellen) ein Suffix, dessen Bedeutung nicht oder zumindest nicht unmittelbar erkannt werden kann). In einigen wenigen Fällen kann die Bildung auf -ti auch ein Nomen agentis bezeichnen. Verbalabstrakta können in (zumindest äußerlich) ähnlicher Weise auch auf -tu gebildet werden, man spricht dann von tu-Abstrakta. Eine Erweiterung des Suffixes -tu ist das Suffix -tūti.
Beispiele Ein deutsches Beispiel ist das Wort Pflicht, das auf westgermanisches *pleh-ti- zurückgeht.Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Berlin/Boston 2011, 25. Auflage, S. 699. Ein weiteres ähnliches deutsches Beispiel ist Flucht (von fliegen; diese Aussage bezieht sich nicht auf Flucht von fliehen).Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Berlin/Boston 2011, 25. Auflage, S. 306. Ein indogermanisches Beispiel ist *mn-ti- (Sinn, Gedanke; man beachte, dass das n silbisch ist). Ein altindisches Beispiel ist gátis (Gehen, Gang). Griechische Beispiele sind die Abstrakta auf -σις (-sis), z. B. βάσις (básis; Gang, Schritt), τάξις (táxis; Ordnung, Stellung). Ein lateinisches Beispiel ist hostis (Feind), das ein Beispiel für die selteneren Nomina agentis in dieser Klasse ist. Ein weiteres Beispiel für ein Nomen agentis ist das griechische μάντις (mántis; Seher, Wahrsager). Ein Beispiel für ein tu-Abstraktum ist das lateinische fructus (Nutzung, Ertrag; davon deutsches Frucht).Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Berlin/Boston 2011, 25. Auflage, S. 321.
Quellen Gerhard Baader: Untersuchungen zum Gebrauch der -tus und -tio-Abstrakta im Lateinischen. Philosophische Dissertation Wien 1952. Walter Henzen: Deutsche Wortbildung. 3. Auflage. Tübingen 1965 (= Sammlung kurzer Grammatiken germanischer Dialekte B; Ergänzungsreihe. Band 5). Hermann Hirt: Indogermanische Grammatik, III. Teil, Das Nomen. Heidelberg 1927, Neudruck Cambridge University Press 2009; S. 127–128. Gerhard Köbler: Indogermanisch-neuhochdeutsches und neuhochdeutsch-indogermanisches Wörterbuch. Gießen-Lahn 1980, 2. Auflage 1982, S. XXV.
Einzelnachweise
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