miniatur|Professor Tribini (Büste von Troels Lybecker, im Außenbereich von Bakken, an der Stelle, wo „Professor Tribini“ früher sein Varietézelt hatte; Kopenhagen, 2008) Christian Jørgen „Tribini“ Nielsen (* 25. August 1915 in Kopenhagen-Vesterbro; † 13. November 1973 in Kopenhagen) war ein dänischer Unterhaltungskünstler und Zauberer. Nielsen trat 36 Jahre als Schausteller im Freizeitpark Dyrehavsbakken (kurz: Bakken) am Stadtrand von Kopenhagen auf. Fast 30 Jahre führte er dabei den Künstlernamen „Professor Tribini“ und von 1948 bis 1971 leitete er sein eigenes Zelt-Varieté; daneben wirkte er als Schauspieler in mehreren dänischen Filmen mit.

Durch seine Begabungen als Schausteller, seine Eloquenz und auch seine Fähigkeiten, die Medien für Werbungszwecke einzusetzen, war Professor Tribini in den 1950er und 1960er Jahren prägend für Bakken und eine Berühmtheit in ganz Dänemark, was ihm den Beinamen „gøglernes konge“ (dt. König der Gaukler) einbrachte.

Jugend und frühe Erfahrungen Christian Jørgen Nielsen wurde als Sohn des Spediteurs Orla Nielsen und seiner Frau Petra Jørgensine (geb. Pedersen) in Vesterbro geboren. Im Alter von zehn Jahren verlor er seine Eltern und wurde von zwei Tanten aufgenommen. Als 14-jähriger AutodidaktUnter anderem brachte er sich während dieser Zeit auch das Spiel auf der Ziehharmonika bei. begann er 1929 eine Karriere als Gaukler und Unterhaltungskünstler, indem er zusammen mit Arne Berdino Olsen als Zauberkünstler und Straßensänger über Land zog und auf Märkten auftrat.

Karriere in Bakken (1935–1971) Anfänge Nachdem Nielsen verschiedenen Beschäftigungen nachgegangen war – unter anderem hatte er kurz eine Lehrstelle als Schiffsbauer und war als Chauffeur für Thorvald Stauning tätig – arbeitete er ab 1935 im Kopenhagener Freizeitpark Bakken als Ausrufer und Werber, trat als „magischer Clown Frisco“ im Varieté Alhambra und im Scala Varieté der Gebrüder Stefansen auf und war eine Saison lang als Sprechstallmeister„Sprechstallmeister“ ist ein aus dem Deutschen ins Dänische übernommener Begriff für einen Zirkusmitarbeiter, der für das Aufrufen und das für das Publikum kommentierte Ankündigen der einzelnen Zirkusnummern verantwortlich ist; gelegentlich nimmt er auch an Clownsnummern als der autoritäre und vernünftige Counterpart zu den chaotischen, anarchistischen Clowns teil. im Circus Klampenborg beschäftigt. Während der Saison 1940 hatte Nielsen ein kurzes Gastspiel als Clown und Zauberer im Circus Royal, kehrte aber 1941 wieder nach Bakken zurück.

1935 lernte Nielsen die vier Jahre ältere Sofie Gudrun Jensen kennen, die in einem Restaurationsbetrieb in Bakken als SmørrebrødsjomfruEine „Smørrebrødsjomfru“, wörtlich „Belegte-Brote-Jungfer“, bereitet die für Dänemark typischen und appetitanregend dekorierten Smørrebrøds zu. arbeitete. Das Paar heiratete am 8. Februar 1936 in Kopenhagen und bekam zwei Kinder, Jørgen (1943–1998) und Aase (* 1946), die beide bereits im Kindesalter im Varieté ihres Vaters auftraten.

„Professor Tribini“ Die Idee zum Künstlernamen „Tribini“ hatte Nielsen vom Mädchennamen „Tribin“ einer Tante, an den er wegen des Klanges noch ein „i“ anhing. Nachdem das Ehepaar Nielsen bereits seit 1936 als die „2 Tribini's“ aufgetreten und dabei erfolgreich war, wurde Nielsen 1943 Manager und Hauptdarsteller im Varieté Alhambra, wo er für einen größeren Künstlerkader verantwortlich war. Niels Christian Frode-Jensen (1887–1957), der damalige Besitzer des Alhambra und Vorsitzender der Bakkens Teltholderforening,Frode-Jensen war zu dieser Zeit eine sehr einflussreiche Person in Bakken, was ihm den Beinamen Der König von Bakken einbrachte. erklärte Nielsen im selben Jahr zum offiziellen Nachfolger des dänischen Jahrmarktgauklers Professor Labri (1863–1935).Auch Professor Labri war dafür bekannt, dass er ein begnadeter Redner gewesen war - daher „Professor“ - und als Zeichen der Titelübernahme erhielt Professor Tribini den verzierten Gehstock, den Professor Labris stets bei seinen Auftritten verwendet hatte. Professor Tribini gab seinen Bühnennamen auch gelegentlich mit „Professor phil. Tribini“ an, wobei er phil. als Abkürzung für das dänische philur (dt. Spaßmacher) verstanden wissen wollte.

Ab 1948 erhielt Professor Tribini eine Lizenz für ein eigenes Schaustellerzelt in BakkenDas Zelt befand sich auf dem Bakken-Standplatz Nr. 27; an dieser Stelle befindet sich heute die Tribini-Büste und eine Informationstafel, die Auskunft zu Stationen in seinem Leben gibt. und leitete dort sein New Scala Varieté; der Name wechselte später zu Professor Tribinis Show. Außerhalb der Bakken-Saison tourte Professor Tribini durch ganz Dänemark und trat auf Stadtfesten, Märkten und anderen Veranstaltungen als Humorist mit Magie und Marionettentheater auf. In der Weihnachtszeit organisierte er – meist im Auftrag von dänischen Gewerkschaften – ganze Weihnachtsfeiern mit Auftritt als Weihnachtsmann und Unterhaltungsshow nach der Bescherung.

Ende der 1950er Jahre, als Professor Tribini auch durch seine Filmauftritte landesweit bekannt geworden war, erhielt er von amtlicher Stelle einen Brief, der es ihm untersagte, den Namen „Tribini“ in offizieller Weise zu verwenden.Christian Jørgen Nielsen hatte unter anderem seine beiden Kinder auf den Namen Tribini Nielsen taufen lassen. Da es keinen amtlichen Ausweg aus dieser Situation gab, wandte sich Professor Tribini mit einer schriftlichen Bitte an König Frederik IX., der in einem Brief vom 23. März 1959 diesem Ansuchen stattgab und das amtliche Verbot aufhob, sodass Nielsen ab diesem Datum offiziell den Namen Tribini führen konnte.

Während es Mitte der 1950er Jahre in Bakken noch sieben weitere Varietés neben der Professor Tribinis Show gab, nahm gegen Ende der 1960er Jahre das Interesse an dieser Art der Unterhaltung immer mehr ab. 1971 wogen die Einnahmen die Ausgaben der Show gerade auf und es wurde Professor Tribinis letzte Saison. Mit dem Ende seiner Show hatte auch die Ära der Zelt-Varietés in Bakken ihr Ende und an ihre Stelle traten Spielhallen und Fahrgeschäfte.

Persönliche Erscheinung und Unterhaltungsstil Professor Tribini war eine sehr eindrucksvolle Persönlichkeit mit Schnurrbart und kräftigem Kinn. Während seiner Auftritte trug er stets Zylinder und einen Frack, der mit Fantasie-Orden dekoriert war, sowie Krawatten mit farbigen Motiven und eine großgliedrige Uhrkette oder Münzkette aus Silberdollars. Dazu verwendete er auf der Bühne den verzierten Stock, den er als Zeichen der Nachfolge Professor Labris erhalten hatte.

Neben seinem Können als Illusionist – eine seiner Spezialitäten waren die „Magischen Ringe“ – war er besonders für seine schnelle und nicht enden wollende SprechweiseEs wurde geschrieben, dass Professor Tribini in der Lage sei, „die dänische Sprache in Atome zu zerlegen“. Selber darauf angesprochen, wie er diese Fähigkeit erworben habe, war seine Antwort stets, „dass er als Kind mit einer Grammophonnadel geimpft worden sei“. und seine wortspielerische Redegewandtheit („Wortakrobatik“) bekannt, die er als Ausrufer vor seinem Schaustellerzeit mit kräftiger Stimme einsetzte, um das Publikum während der sogenannten „Parade“ neugierig zu machen: Bei der Parade stellte Professor Tribini auf der Bühne alle Akteure seiner Show einzeln vor und pries ihre sensationellen und übermenschlichen Fähigkeiten. Seine Aussagen unterstrich er mit lebhaftem Mienenspiel, großer Gestik und viel Humor, der von harmlosen Albernheiten über unübersetzbare, nur im Dänischen verständliche Wortspiele bis ins Absurde und Surreale reichte.Seine Begrüßungsformeln waren Variationen von „Højtærede herskaber, grevskaber, klædeskaber, videnskaber, ægteskaber og djævleskaber - alle er velkomne! Tykke og tynde, brede og flade - rullemænd, tullemænd og julemænd, sprællemænd og skraldemænd, landmænd og vandmænd ..!“ Der dänische Wortwitz, der mit einer klassischen Begrüßung „Hochverehrte Herrschaften...“ beginnt, driftet ab in immer absurdere Begriffe, die durch den Reim und/oder ihre Gegensätzlichkeit komisch und in ihrer Wirkung im Deutschen unübersetzbar sind.

In Professor Tribinis Varieté war die ganze Familie und die Hunde der Familie involviert. Seine Tochter Aase trat bereits im Alter von dreieinhalb Jahren als „Dänemarks jüngster Schlangenmensch“ auf, ab 12 Jahren hatte sie ihren eigenen Auftritt als Zauberin,„Trylle Pigen Aase“, dt. „Aase, das Zaubermädchen“ und ihre Premiere als Zersägte Jungfrau erfolgte im Alter von 13 Jahren, als die Assistentin von Professor Tribini wegen Krankheit plötzlich ausfiel; darüber hinaus war sie Marionettenspielerin und Akrobatin.Aase trat auch nach ihrer Heirat noch bis 1967 in der Show ihres Vaters auf. Ab 1973, dem Todesjahr ihres Vaters, machte sie eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin. Später arbeitete sie unter dem Namen Aase Tribini Clausen vor allem in der Zahnvorsorge von Schulkindern. Jørgen zeigte als 6-Jähriger bereits Zaubertricks auf der Bühne. Wegen der dänischen Auflagen zur Kinderarbeit benötigte Professor Tribini eine besondere Erlaubnis des Justizministeriums, damit seine Kinder auf der Bühne stehen durften; dieses musste unter strikter Aufsicht der Eltern erfolgen und nur eine ganz bestimmte Anzahl von Stunden pro Tag.

Neben dänischen Künstlern – der Clown Erico Lund, ein langjähriger Freund, hatte acht Jahre lang Engagements in Tribinis Varieté; auch der Weißclown Søren Arli (1935–2011), der spätere Begründer des heute noch bestehenden Familienbetriebes Circus Arli trat mehrere Saisons dort auf – beschäftigte Professor Tribini saisonweise auch internationale Schausteller, die er auf Reisen mit seiner Familie aussuchte.Außerhalb der Bakken-Saison verreiste die Familie mit Auto und Wohnwagen; während seine Frau Gudrun und die Kinder Urlaub machten – wobei sie auch die Kinder unterrichtete –, besuchte Professor Tribini am Urlaubsort Varietés und Zirkusse und hielt nach neuen Attraktionen Ausschau. Anfang 1952 reiste Tribini mit seiner Familie in das noch zerbombte Hamburg, um dort den deutschen Schwertschlucker Tabu (Peter Rohs) und dessen Assistentin Tamara (Käthe Schultz) zu treffen. Während der Bakken-Saison 1952 waren Tabu & Tamara eine Hauptattraktion in Tribinis Show und ihre Auftritte erregten in den lokalen Zeitungen besonderes Aufsehen durch Tribinis Idee, als Beleg für die Echtheit im Sankt-Joseph-Hospital in Kopenhagen eine Röntgenaufnahme von Tabu mit geschlucktem Schwert machen zu lassen; während der Parade demonstrierte Professor Tribini dem staunenden Publikum diese Aufnahme.

Ferienfeste Ab 1962 organisierte Professor Tribini in den Sommerferien jeden Mittwoch Aktivitäten – die Bakkens feriefester – in der Bakken-Freiluftbühne. Jede dieser Veranstaltungen hatte ein anderes Hauptthema und dazu lud er dänische Schauspieler, Politiker und andere in der Öffentlichkeit bekannte Persönlichkeiten als thematisch passende Gaststars ein. Die Ferienfeste in Bakken waren ein solcher Erfolg, dass der konkurrierende Vergnügungspark Tivoli in Kopenhagen seine eigenen Ferienfeste von Mittwoch auf Dienstag vorverlegte.

Kongress der Weihnachtsmänner mini|Professor Tribini bei einem der ersten Julemændenes verdenskongres 1957 veranstaltete Professor Tribini den weltweit ersten Weihnachtsmann-Kongress (Julemændenes verdenskongres; später Professor Tribinis Juleshow) – im Sommer. Dazu lud er landesweit Weihnachtsmann-Darsteller mit schaustellerischen Fähigkeiten ein. Obwohl seine Frau Gudrun dieser Idee mit Sorge entgegen sah, wurde der Kongress, bei dem die Teilnehmer in rot-weißen Kostümen auftraten – zufälligerweise auch die Farben der dänischen Flagge – ein großer Erfolg und fand weltweit ein mediales Echo.Zum 50-jährigen Jubiläum der Einführung dieses jährlich wiederholten „Kongresses“ wurde dieses Ereignis in Bakken vom 22. – 24. Juli 2007 mit einer besonderen und international besetzten Veranstaltung gewürdigt,Dia-Show des Julemændenes kongres 2007 bei der auch historische Aufnahmen des ersten Kongresses gezeigt wurden.

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