Das Wappen der Stadt Schwäbisch Gmünd zeigt im roten Wappenschild ein nach heraldisch rechts gewendetes, aufgerichtetes silbernes Einhorn. Es zählt zu den ältesten Stadtwappen in Baden-Württemberg.Stadler, S. 9 Die älteste Darstellung des Wappens stammt von einem Siegelabdruck an einer Urkunde von 1277. Seit dieser Zeit verwendet Schwäbisch Gmünd unverändert das aufsteigende, nach rechts gewandte Einhorn als Wappenbild, das sich im Laufe der Zeit in der Gestaltung lediglich geringfügig dem jeweiligen Zeitgeist anpasst. Farbig wurde das Wappen erstmals 1480 dargestellt. mini|hochkant|Wappen Gmünds In: David Wolleber: Chorographia Württemberg 1591

Geschichte Die älteste Darstellung des Schwäbisch Gmünder Stadtwappens stammt von einem Siegelabdruck auf einer Urkunde vom 3. Februar 1277. Darin verkauft ein Heinrich Pfau seinen Besitz in Burgholz an das Spital zum Heiligen Geist in Schwäbisch Gmünd. Beglaubigt wurde der Verkauf mit dem Siegel der Bürger von Gmünd. Dieser Siegelabdruck, ein sogenanntes Dreiecksiegel, zeigt inmitten eines einfachen Schildes das Gmünder Einhorn. Umrandet ist der Wappenschild mit dem Schriftzug .Dt.: „Siegel der Bürger von Gmünd“. Eingeklammerte Buchstaben sind im Original nicht mehr erhaltenAlbert Deibele: Eine archivarische Kostbarkeit. Die älteste Urkunde des Gmünder Stadtarchivs. In: einhorn – Illustrierte Zeitschrift zur Pflege des Heimatgedankens und zur Förderung des Fremdenverkehrs in Stadt und Kreis Schwäbisch Gmünd. Nr. 17, Einhorn-Verlag Eduard Dietenberger, Schwäbisch Gmünd, Juni 1956, S. 87 Aufgrund der Schildform wird davon ausgegangen, dass das Siegelbild um 1250 oder zumindest unter der Herrschaft der Staufer entstanden ist.Vgl. Stadler

Ab 1414 erschien als Schildhalter ein Engel, wie er z. B. an der Westfassade des Schwörhauses dargestellt ist. Die Siegelumschrift lautete . Von einigen Ausnahmen abgesehen blieb der Engel als Schildhalter bis zum Ende der Reichsstadtzeit 1802 erhalten. Warum sich die Stadt einen Engel als Schildhalter zulegte, ist nicht überliefert.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts kommt als Schildfuß ein Berg hinzu, auf dem das Einhorn abgebildet wird. Teilweise wurde auch das Einhorn auf einen Boden gestellt. Auf den Siegeln der Stadt hält es sich bis ins frühe 20. Jahrhundert.

Das Einhorn-Wappen diente den Zünften der Freien Reichsstadt auch als Eich- und Beschauzeichen für Exportwaren. Die Fälschung dieses Warenzeichens wurde verfolgt und geahndet. So wurde 1446 ein Hainz Gentner aus Schwäbisch Gmünd mit lebenslanger Ausweisung aus der Stadt bestraft, da er mehrere Honigfässer mit dem Einhorn als geeicht ausgewiesen hatte, diese aber kleiner gemacht hatte.Vgl. K. J. Herrmann

Das Wappenbild des Einhorns wird in einer Konstanzer Urkunde vom 1. August 1507 genannt. Darin wird durch Kaiser Maximilian I. „abermals ein altes Herkommen“ bestätigt und geschützt, Sensen, die in Schwäbisch Gmünd hergestellt und geprüft wurden, mit dem „Wappen des freyen Eingehüren“ zu kennzeichnen. Ein Muster dieser Beschauzeichen liegt nicht mehr vor.

Neben dem eigentlichen Stadtwappen führte Schwäbisch Gmünd als Zeichen seiner Reichsunmittelbarkeit auch den Wappenadler des Reiches. Im Gegensatz zu anderen Reichsstädten, wie im benachbarten Aalen oder in Bopfingen, stand der Gmünder Wappenschild überwiegend frei und war nur selten als Herzschild dem Adler aufgelegt.

Der heute verwendete Entwurf wurde um 1960 vom Stuttgarter Kunstmaler Immanuel Knayer (1896–1962) gestaltet, der zahlreiche Gemeindewappen in Baden-Württemberg entwarf. So stammt auch das Einhornwappen vom Stadtteil Herlikofen von Knayer.

Symbolik Woher das Einhorn als Wappentier für die Stadt stammt und wer es geschaffen hat, ist unbekannt. Auch ist nicht überliefert, welche ideologische Bedeutung es für die Bürger der Stadt hatte. Durch die Legende, dass ein Einhorn nur durch eine unschuldige Jungfrau gefangen werden könne, steht es in der Heraldik als Sinnbild Christi und die Reinheit und Jungfräulichkeit Marias.Ottfried Neubecker: Heraldik. Wappen – ihr Ursprung, Sinn und Wert, Wolfgang Krüger Verlag, Frankfurt am Main, 1977, ISBN 3-8105-1306-7, S. 116 Zudem ist es ein Symbol der Reinheit und der Tugend.D. L. Galbreath und Léon Jéquier: Handbuch der Heraldik, Battenberg Verlag, Augsburg, 1990, ISBN 3-89441-259-3, S. 285 Vorwiegend in der englischen Heraldik verkörpert es zudem die königliche Rechtsprechung.Walter Leonhard: Das große Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung. 2., durchgesehene und erweiterte Auflage. Georg D. W. Callway, München 1978, ISBN 3-7667-0345-5, S. 243 f. Der Stadtarchivar Niklas Konzen kommt in der aktuellsten Untersuchung zu dem Ergebnis, dass die Bürgerschaft durchaus eine Verbindung zwischen Einhorn und Gottesmutter herstellte. Er führt als einen Beweis die Inszenierung der Einhornjagd in der Innenwanddekoration der Stadtkirche, die Maria geweiht ist, an. Diese war in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wiederhergestellt worden.Niklas Konzen: Jungfrau und Einhorn. Zum Ursprung des Wappentiers von Gmünd und Giengen, in: Gmünder Studien 10 (2024), S. 10–73, hier S. 56f.

Da die benachbarte Reichsstadt Giengen, deren figurengleiches Siegelwappen seit 1293 belegt ist, ebenfalls ein Einhorn führt, wird eine Verbindung zu den Staufern, z. B. über einen Ministerialen, für möglich gehalten. Die nach Bürgermeister Hans Rauchbein († 1563) benannte Rauchbeinsche Chronik aus der Mitte des 16. Jahrhunderts gibt an, das Wappen sei von den Staufern verliehen worden.Banholzer, S. 179

Der Geologe Winfried Trinkle sah im Einhorn als Wappentier einen Auerochsen, da sich die Hörner auf assyrischen oder babylonischen Darstellungen decken und wie ein Horn erscheinen. Nach dem Aussterben dieser Tiere seien die Abbildungen als Einhörner fehlinterpretiert worden.Winfried Trinkle: Die Geologie im Landkreis Schwäbisch Gmünd. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1972, ISBN 3-8062-0109-9, S. 74

Ohne Rücksicht oder in Unkenntnis auf heraldische Darstellungen sah der Heimatforscher Theodor Zanek im Siegelbild von 1277 aufgrund der Ähnlichkeit des Horns mit einem Hirschgeweih einen Hirsch. Er hielt dabei einen direkten Zusammenhang zur Gründungssage um Schwäbisch Gmünd für denkbar.Theodor Zanek: Einhorn oder Hirsch? Die Stadtgründungstradition als Bildprogramm der Johanniskirche zu Schwäbisch Gmünd, in: ostalb einhorn. Vierteljahreshefte für Heimat und Kultur im Ostalbkreis, Nr. 54, Ostalbverlag – Schwäbischer Heimatverlag Dietenberger & Theiss GmbH & Co., Aalen, Juni 1987, S. 156–161 Diese Theorie wird allgemein als Kuriosität abgetan.Vgl. Die Kunstdenkmäler in Baden-Württemberg, Band I, S. 56 Bereits 1976 bemerkte Eugen Banholzer, dass man das Horn zwar dem Aussehen nach einem Hirsch zuweisen würde, dies aber lediglich zeige, wie in der zeitgenössischen Darstellung versucht wurde, das Aussehen des unbekannten Einhorns durch Hörner bekannter Tiere zu gestalten.Eugen Banholzer: Das „Weiße Einhorn in rotem Feld“. II. Das Wappenbild von Schwäbisch Gmünd ein Bild des abendländischen Einhorns, in einhorn Jahrbuch 1976, Einhorn-Verlag Eduard Dietenberger GmbH, Schwäbisch Gmünd, 1976, S. 174

Stadtfarben mini|hochkant|Stadtflagge mini|hochkant|Älteste farbige Darstellung von 1480

1913 wurde in der Grät auf einem Tafelgemälde eine farbige Abbildung mit dem Wappen und Fähnchen entdeckt. Diese konnten aufgrund einer vorliegenden Beschreibung eindeutig dem Jahr 1480 zugeordnet werden. Es ist damit die älteste bekannte farbliche Darstellung des Wappens und der Stadtfarben. Rot und Weiß kommen als Farben von Reichsstädten häufig vor. Nach Banholzer haben sich diese Farben für Gmünd empfohlen, da sie die ältesten Reichsfarben seien.Banholzer, S. 179 Auch das am 21. April 1505 von Kaiser Maximilian neuverliehenen Feldbanner der Stadt zeigt Weiß über Rot.

Im 1545 erschienenen Wapen. Des Heyligen Römischen Reichs Teutscher nation. von Jacob Kallenberg und Jakob Köbel wird zum Bannerträger von „Schwebisch Gemind“ die Tingierung „Weis Aynhorn in rottem feld“ angegeben.Banholzer, S. 178

Trotz gelegentlich auftretender Abarten und Farbfehler blieben die Farben Rot und Weiß unverändert die Stadtfarben von Schwäbisch Gmünd. So wird im 1971 erschienenen Werk Deutsche Wappen behauptet, „in den farbigen Darstellungen seit der Mitte des 15. Jahrh. ist das Einhorn meistens golden, seit Anfang des 17. Jahrh. (Sibmacher 1605) bevorzugte man jedoch dafür Silber“.Zit. Stadler, S. 94 Zeitgenössische Quellen hingegen kennen kein goldenes Einhorn.Banholzer, S. 182 Nach der Rauchbeinschen Chronik war das Stadtwappen, solange es existiert, ein „weißes Aingehurn in einem rotten feld“.Zit. nach Banholzer, S. 178

Der renommierte Heraldiker Otto Hupp gab im nach 1925 erschienenen Werk Deutsche Ortswappen für Gmünd „in Rot ein goldenbewehrtes silbernes Einhorn“ an, ohne eine Quelle anzugeben.Otto Hupp: Deutsche Ortswappen. Württemberg, Kaffee Hag, o. J. (nach 1925)

Die Stadtflagge ohne Wappen steht den Bürgern zur freien Verwendung zur Verfügung. Auch wenn das Einhornwappen nur der Stadt zur Verwendung vorbehalten ist, wird die Nutzung durch Privatpersonen in der Regel geduldet oder zumindest nicht geahndet, sofern kein Missbrauch getrieben wird.

Wappenkunst In Vergangenheit und Gegenwart fand das Gmünder Wappen Eingang in die Kunst, an Hausfassaden oder an Brunnen und Grenzsteinen.

Die Stadt Schwäbisch Gmünd widmete der Mythologie ihres Wappentieres eine Ausstellung. In der vom 12. November 1999 bis 5. März 2000 abgehaltenen Ausstellungspräsentation „Das Einhorn. Mythos und Signet“ wurden u. a. Werke von Albrecht Dürer, Hans Baldung Grien und Matthäus Merian gezeigt. Zudem war das Siegel von 1277 ausgestellt. Der Bildhauer Anatol Herzfeld schuf eigens für die Ausstellung eine Einhorn-Skulptur.Stadt Schwäbisch Gmünd: Das Einhorn. Mythos und Signet

Alltagskultur Auch Firmen, Vereine und Privatpersonen greifen auf Einhorn und Wappenfarben zurück und nehmen die Gmünder Symbole in Wort und Bild als Identifikationsmittel an. Teilweise wird auch auf die englische Schreibweise unicorn für das Einhorn zurückgegriffen. Das Wappen findet Verwendung in zahlreichen Werbemitteln und Souvenirs. Auch Sondermünzen, Medaillen und Plaketten ziert das Einhorn.

Unternehmen In der Gmünder Silberwarenindustrie tauchte das Einhorn als Firmenlogo auf, so z. B. bei der Silberwarenmanufaktur Gebrüder Kühn und der Ring- und Juwelenfabrik L. C. Köhler.

Der Einhorn-Verlag in Schwäbisch Gmünd nahm mit dem Firmennamen und dem Logo Anleihen beim Gmünder Wappentier. Zudem erschien im Verlag von 1953 bis 1973 die Zeitschrift einhorn, von 1974 bis 2010 ostalb einhorn. Seit 1974 bringt der Verlag die Einhorn-Jahrbücher heraus.

Bereits in der Reichsstadtzeit hieß eine Apotheke in Schwäbisch Gmünd zeitweilig Einhorn-Apotheke. Auch in der Gegenwart tragen eine Apotheke, ein Getränkemarkt sowie ein Hotel den Namen Einhorn. In jüngerer Zeit existierte der Name unicorn für einen Gastronomiebetrieb.

Da die Rems-Zeitung durch die Veröffentlichung amtlicher Bekanntmachungen der Stadt Schwäbisch Gmünd auch öffentliche Aufgaben übernimmt, ist seit dem späten 19. Jahrhundert das Stadtwappen auf der Titelseite abgebildet.

Die Gmünder Spedition Abt verwendet bei Aufliegern und Lastzügen das Einhorn als überdimensionalen Logozusatz.

Vereine Der 1. FC Normannia Gmünd führte 2000/01 kurzzeitig ein modernisiertes Vereinswappen mit einem stilisierten roten Einhorn ähnlich dem Stadtlogo, ehe man wieder zum traditionellen Wappen zurückkehrte. Die Vereinsfarben der „Normannen“ sind zwar Schwarz und Rot, das Vereinswappen hingegen zeigt die Gmünder Stadtfarben Weiß und Rot.

Die Turngemeinde Schwäbisch Gmünd, einer der Vorgängervereine des TSB Schwäbisch Gmünd, führte das Einhorn als Vereinswappen.

Der Tanzclub Rot-Weiss Gmünd veranstaltet jährlich einen Wettbewerb um den Einhorn-Pokal.Rot-Weiss-Ball: Gefühle, Farben, Musik und Tanz im Einklang in Rems-Zeitung vom 26. November 2012