Im Sommer 1501, zur Regierungszeit König Maximilians, wurde durch lange Regenfälle erst an norddeutschen Flüssen, dann wiederholt im Alpenraum ein historisches Hochwasser verursacht. In mehreren Ländern Mitteleuropas gab es schwere Überflutungen. An der oberen Donau, wo es als Himmelfahrtsgieß bekannt ist, weil es um Maria Himmelfahrt (15. August) stattfand, war es eines der schwersten Flutereignisse des 2. Jahrtausends, aber auch an Elbe und Oder ein Ausnahmehochwasser.

Meteorologie Schon der Juli des Jahres 1501 wird wohl sehr verregnet gewesen sein. Zeitgenössische Chroniken vermerken mehrfach Ausuferungen der Isar, des Inn, der Salzach, der Elbe und der Oder.z. B. Franz Fliri: Naturchronik von Tirol. Innsbruck 1998, S. 9; Angabe nach Webersinke: Das Donauhochwasser, 2001. Diese Verteilung spricht für mehrere Vb-Lagen, also nordostwärts über Osteuropa ziehende Mittelmeertiefs, die von Süden, Osten bis Norden feuchte Luftmassen an den Alpennord- und -ostrand wie auch den Erzgebirge–Sudeten–Karpaten-Bogen führen, was regelmäßig schwere Überflutungen in Zentraleuropa und sodann an den mitteleuropäischen Flüssen und Strömen zur Folge hat.

Insgesamt soll es ab Vorabend des Mariähimmelfahrtstages 10 Tage ununterbrochen geregnet haben.Judas Thaddäus Zauner, Corbinian Gärtner: Chronik von Salzburg, Band 4. Verlag Duyle, 1800, S. 248 (). Die Niederschlagsmengen könnten – vergleichbar den Ereignissen etwa von Juli 1954, August 2002 und Mai/Juni 2013 – am Alpennordrand 400 mm in etwa 4–5 Tagen betragen haben.

Da die Pegelstände des Magdalenenhochwasser Sommer 1342 durchwegs nicht überliefert sind (Hochwasserstandsmarkierungen kamen im Donauraum erst nach dem Hochwasser von 1501 auf),Christian Rohr: Extreme Naturereignisse. 2007, Kapitel Die Quellenlage für den Ostalpenraum im Spätmittelalter und am Beginn der Neuzeit, S. 91 und Hochwassermarken – Zeichen der Mentalen Bewältigung, S. 386 ff;Franz Rosenauer: Über das Wasser in Oberösterreich. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealsvereins. Jahrgang 84, Linz 1932, S. 390 (ganzer Artikel S. 335–426, , Fundstelle dort S. 56);Ein Chronologisches Verzeichnis der Hochwassermarken im Donaugebiete aus den Jahren 1501 bis 1828 findet sich in Hydrographisches Zentralbüro: Beiträge zur Hydrographie Österreichs, Ausgaben 8–9, 1904, Tabelle 1, S. 31 (). kann schwer gesagt werden, wie sich die beiden Ereignisse zueinander verhalten – 1342 dürfte alleine wegen des größeren Umfangs das verheerendere gewesen sein. An der Donau sollen dabei 6.000 Menschen ums Leben gekommen sein.Geschichte der Donauhochwässer, FF Baumgartenberg, Bezirk Perg, Oberösterreich Zahlreiche Opfer hatten auch die beiden Donauhochwasser Juni und August 1210 gefordert.

An der Donau wird das Ereignis zeitgenössisch ausdrücklich als „seit Menschengedenken/hundertjährlich“ genannt,Melker Annalen: Quellenangaben siehe im Abschnitt Donauhochwasser. fällt aber insgesamt in eine Phase, in der zahlreiche Hochwasser auftraten. Aus Wels an der Traun sind eine Serie schwerer Fluten November 1489, Mai 1492, Mai und Juni 1497, noch schwerer Juni 1499, 1501, September 1503, August 1508 und dann wieder August 1520 bekannt.Aus den Bruckamtsrechnungen, Stadtarchiv Wels. Detailliert Lit. Christian Rohr: Extreme Naturereignisse. 2007, Kapitel Die alltäglichen Überschwemmungen – Leben am Fluss, S. 289 ff. Ein weiterer solcher Ereigniscluster findet sich etwa 1570–1600. Diese instabilen klimatischen Verhältnisse stehen wohl in Zusammenhang mit der Klimaabkühlung des ausgehenden Mittelalterlichen Optimums und der beginnenden Kleinen Eiszeit, der Kaltphase, welche bis Mitte des 19. Jahrhunderts andauerte.

Ereignisse Massiv betroffen waren Nordalpen und Einzugsgebiet der oberen Donau in Bayern und Österreich, Böhmen und Mitteldeutschland.

Elbhochwasser Juli/August 1501 Im Gebiet der ElbeDieter Fügner: Hochwasserkatastrophen in Sachsen. Taucha 2003, S. 10–17. dürfte das Hochwasser eines der schwersten Sommerereignisse der Geschichte gewesen sein. Vom 25. bis 29. Juli 1501 erlebte Halle eine Saale-Überschwemmung.Josef Nussbaumer: Die Gewalt der Natur. Eine Chronik der Naturkatastrophen von 1500 bis heute. Grünbach 1996, S. 27; Angabe nach Webersinke: Das Donauhochwasser, 2001. An der Dresdner Elbbrücke erreichte der Pegelstand am 16. August bei einem rekonstruierten Abfluss von 5000 m³/s mit 857 cm den fünfthöchsten je gemessenen Stand (2002: 940 cm, 1845: 877 cm, 2013: 876 cm, 1784 ebenfalls 857 cm). Hier konnte Hochwassermarken der Elbe, die über dem Pegelstand März 1784, aber unter März 1845 liegen, gibt es am Stadt- und Kreismuseum in MeißenRüdiger Glaser, S. Militzer (Hrsg.): Wetter-Witterung-Umwelt. Würzburg 1993, S. 2–6; Angabe nach Webersinke: Das Donauhochwasser, 2001. sowie auf der Hochwassersäule im Dresdner Stadtteil Kaditz, die den Höchststand für den 18. August 1501 ausweist. In Pirna stieg das Wasser bis in die Höhe der Kanzel der Klosterkirche.Neue Nachbarschaft Kaditz e. V.: Dresden-Kaditz. Geschichte – Geschichten – Erinnerungen. Saxonia-Verlag, Dresden 2005, S. 409 f.

Donauhochwasser August 1501 Heftige und großflächige Regenfälle der zweiten Augustwoche 1501 in nördlichen Ostalpenraum und Alpenvorlandes im Einzugsgebiet der Donau, besonders an Inn, Salzach, Traun und Enns, führten zu einem der größten Fluss-Hochwasser der überlieferten Geschichte Mitteleuropas.

Pfarrer Lorenz Mittenauer aus Wels berichtet:

Und die Melker Annalen wissen zu berichten:

Inwiefern sich das auf Todesopfer der „schröcklichen Wassergüß“aus zeitgenössischer Quelle, zitiert nach bezieht, bleibt unklar. Zum einen werden in Chroniken kaum explizite Unglücksfälle genannt, zum anderen finden sich aber in anderweitigen Quellen vermehrt Erwähnungen von Anwesen, die – ob sich das auf Abwanderung oder explizite Flutopfer bezieht, bleibt dahingestellt. Auch verlorene und neue Grundstücke durch Flusslaufänderungen werden vielfältig erwähnt.Ausgewertet von Christian Rohr an Ein- und Ausgabenrechnungen etwa des Welser Bruckamtes nach 1501. Quellen: Stadtarchiv Wels. Angaben nach Lit. Christian Rohr: Extreme Naturereignisse. 2007, Absatz Einen genaueren Einblick in die Umwälzungen durch die Jahrhundertflut …, S. 386.

An den Oberläufen der Alpenflüsse dürfte es zu schwersten Vermurungen gekommen sein, so ist bekannt, dass der Salzburgische Oberpinzgau war. Folder (PDF; 1,3 MB) zum Hochwasserschutzprojekt Mittersill, Bernhard Lochner, Clemens Geitner, Institut für Geographie - Universität Innsbruck. Auch das Salzburger Becken an der unteren Salzach dürfte schwer in Mitleidenschaft gezogen worden sein, in Folge errichtete Erzbischof Leonhard einen ersten Damm von Hallein bis Tittmoning.

Die Stadtchronik von Augsburg vermeldet vom 10. bis 14. August 1501 heftige Dauerregen und Überflutungen von Lech und Wertach.Rüdiger Glaser: Klimageschichte Mitteleuropas. Darmstadt 2001, S. 96; Angabe nach Webersinke: Das Donauhochwasser, 2001. Schon in Regensburg war die Donau .Bay. Landesamt für Wasserwirtschaft; Angabe nach Webersinke: Das Donauhochwasser, 2001.

mini|Markierungen der historischen Pegel-Höchststände inklusive der fehlerhaften Markierung für 1501 und noch ohne Markierung für 2013 am Rathausturm in Passau; 1501 ist inzwischen richtiggestellt und 2013 nachgetragen Das Ereignis bescherte Passau, am Zusammenfluss von Inn und Donau, eines der größten Hochwasser seiner Geschichte. Am 15. August 1501, also Mariä Himmelfahrt, erreichte der Flutscheitel die Stadt, die Altstadt stand bis auf den Dom St. Stephan komplett unter Wasser. Bis in den Bereich Neumarkt und Heilig-Geist-Spital musste mit Booten gefahren werden. Die Stadt war zehn Tage lang eine Insel. Ein späterer Chronist beschrieb die Folgen:

Für das Hochwasser wird nach neueren Erkenntnissen ein rekonstruierter Wasserstand von 13,2 Metern angegeben. Dieser wurde möglicherweise bei dem nicht überlieferten Stand des noch höheren Magdalenenhochwasser vom 22. Juli 1342 übertroffen. Am 2. Juni 2013 (12,88 m Pegel Passau/Donau, der Pegel Ilzstadt war ausgefallen)Passau misst 3 Pegel: Zwei für die Donau jeweils vor und nach der Innmündung und einen für den Inn. Den gemeinsamen Abfluss von Donau und Inn misst der österreichische Pegel Achleiten, der aber seit 1955 im Einflussbereich des Stausees Jochenstein liegt, also nur Hochwasserwellen anzeigt.Siehe Wasser- und Schifffahrtsamt Regensburg: Pegel im Donaugebiet: und , beide auf Bayerisches Landesamt für Umwelt, Ref. 88 Hochwassernachrichtenzentrale, hnd.bayern.de; sowie , land-oberoesterreich.gv.at > Hydrographie > Beschreibung der Pegelstellen und , hnd.bayern.de. wurde dieser Wert mit 12,98 m nur knapp nicht erreicht. Die Markierung am Rathausturm für 1501Die Wasserstandslage am Rathausturm 2013 siehe Passau Pegel Rathaus 8-6-2013, Bilddatei in Wikimedia Commons; auch , 3. Juni 2013, aus Hochwasser-Lage im Live-Ticker, focus.de, tid-31599, Juni 2013 – das Turmportal ist zu diesem Zeitpunkt vollständig ersoffen, die Oberkante des Rathausportals gerade noch erkennbar. Einen früheren Stand zeigt Hochwasser in Passau: Donau erreicht Pegelstand von über 9 Meter! In: Wochenblatt.de, 2. Juni 2013, 9 Uhr. (was etwa 12,00 m des 1972 abgegangenen Pegels Maxbrücke entsprach)Maxbrücke abgerissen, vgl. im Regiowiki Niederbayern liegt einige Zentimeter über März 1595 und 20 cm über Juli 1954 (ca. 12,2 m zu den anderen Pegeln).Den Wasserstand am Rathaus 1954 siehe Bild Rathaus Passau im Hochwasser, Bundesanstalt für Wasserbau: Historisches Bildarchiv der Bundeswasserstraßen, Archivnummer HB1346; auch: im Regiowiki Niederbayern. Allerdings wurde diese Markierung erst nach Errichtung des Rathausturms Ende des 19. Jahrhunderts nachträglich angebracht und ist nach neueren Erkenntnissen fehlerhaft. im Regiowiki Niederbayern. Mit der Anbringung der Hochwassermarke für den 3. Juni 2013 wurde dieser Fehler korrigiert; die Marke für den 15. August 1501 ist entsprechend nach oben versetzt worden. 1954 erreichte die Donau 11,70 m, der Inn 10,10 m. Beim größten Inn-Hochwasser in Passau (August 1598) wurden dort 12,25 m gemessen. Der Abfluss 1501 wird für Passau auf etwa 7500 m³ pro Sekunde geschätzt.

Eine Hochwasserinschrift gibt es auch in Mittich an der Mündung der Rott in den Inn ().Zitiert nach Christian Rohr: Naturereignis oder Katastrophe? Zur Wahrnehmung, Deutung und Bewältigung von Naturkatastrophen im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Vortrag, Seniorenuni Bern, o. D., Hochwassermarke 1501 (Mittich am Inn) (, dort S. 14, 2. Folie – dort auch Abbildung).Übersetzung Wikipedia.

In Engelhartszell, einige Kilometer flussabwärts im Oberösterreichischen Donautal, lag der Stand 2 Meter höher als 1954 und 2002, in Linz um 1 Meter. In Engelhartszell wurden beispielsweise beim Anfang des 16. Jahrhunderts errichteten neuen Mauthaus tunlichst die Unterkanten der Fenster über dem Pegelstand von 1501 gehalten.Abbildung in Christian Rohr: Naturereignis oder Katastrophe? Vortrag Bern: Die Zollhäuser von Engelhartszell (Oberösterreich) (, S. 15, 2. Folie).

mini|Hochwassermarke an der Urfahrer Josefskirche. In Linz erinnern eine Marmortafel am Heinrich-Gleißner-Haus an der oberen Donaulände (heute nicht mehr in Originalhöhe, )beigefügt auch in Latein, vielleicht von Conrad Celtis: Glosse zu einem Reiher, dessen Schnabel als Hochwassermarkierung fungiert. Ausführlich, mit Abbildung und zitiert nach: Roman Sandgruber in Oberösterreichische Nachrichten, 16. August 2008, wiedergegeben als Christian Rohr: Extreme Naturereignisse. 2007, Kapitel Quellenlage im Alpenraum, I.V.2.8 Dichtung und andere literarische Quellen, S. 88/89, sowie Fußnote 55, S. 388 f.Abbildungen auch , linzansichten.at. und eine an der Urfahrer Josefskirche, der früheren Stadtpfarrkirche Urfahr,Gabriele Hametner: Historische Hochwässer in Linz: Die „Jahrtausendflut“ 1501. MeinBezirk.at, 5. Juni 2013. an die Katastrophe, eine weitere, vom Wassertor, findet sich im Landesmuseum.