Disturbed ( für „gestört, wahnsinnig“) ist eine US-amerikanische Metal-Band aus Chicago, Illinois. Sie wurde 1994 gegründet und wird heute meist den Genres Hard Rock und Heavy Metal zugeordnet. In früheren Jahren wurde häufig das Genre Nu Metal genannt. Disturbed stehen bei Reprise Records unter Vertrag und haben acht Studioalben veröffentlicht.
Die Band besteht aus dem Sänger David Draiman, dem Gitarristen und Keyboarder Dan Donegan, dem Bassisten John Moyer und dem Schlagzeuger Mike Wengren. Donegan und Wengren sind seit Gründung der Band involviert. Draiman ersetzte den ursprünglichen Sänger Erich Awalt im Jahre 1996, während Moyer für den ehemaligen Bassisten Steve Kmak im Jahr 2005 in die Band kam.
Bis Mai 2025 verkaufte die Band weltweit insgesamt mehr als 60 Millionen Tonträger. Fünf ihrer acht Studioalben erreichten Platz eins der US-amerikanischen Albumcharts. Disturbed wurden dreimal für den Grammy und einmal für den Echo nominiert.
Geschichte Die frühen Jahre (1994 bis 2000) mini|170px|Leadsänger David Draiman (2016) Die Band wurde 1994 von Dan Donegan (Gitarre), Steve „Fuzz“ Kmak (Bass), Mike Wengren (Schlagzeug) und dem ehemaligen Sänger Erich Awalt unter dem Namen Brawl gegründet. Nachdem die Band im selben Jahr ihr erstes Demo veröffentlichte, verließ Erich Awalt 1996 die Band. Danach begab sich die Band auf die Suche nach einem neuen Sänger. Nachdem mehrere Kandidaten kamen und gingen, gab die Gruppe eine Zeitungsanzeige auf, auf die sich David Draiman meldete. Draiman hatte zuvor noch nie in einer Band dieser Musikrichtung gesungen. Bei den Proben überzeugte Draiman durch seine Stimme und sein Auftreten, sodass er schließlich in die Band aufgenommen wurde.
Die Band, die sich auf Draimans Vorschlag hin in Disturbed umbenannte, nahm ein Demo auf, welches schnell das Interesse verschiedener Plattenfirmen weckte. Über den Produzenten des Demos gelangte eine Kopie der Aufnahmen an den Manowar-Bassisten Joey DeMaio, der sich in der Folgezeit sehr für sie einsetzte.Wolf-Rüdiger Mühlmann: Manowars liebste Söhne. In: Rock Hard, November 2002, S. 44 Disturbed spielten zahlreiche Konzerte im Umland von Chicago und erspielten sich langsam eine Anhängerschaft. Als die ersten College-Radiostationen anfingen, Lieder von Disturbed zu spielen, wurden die ersten Plattenfirmen auf die Band aufmerksam. Schließlich unterzeichnete sie einen Vertrag bei Giant Records, einem Unterlabel der Warner Music Group.
The Sickness (2000 bis 2002)
mini|165px|Gitarrist Dan Donegan (2016) Unter der Leitung des Produzenten Johnny K (bürgerlich John Karkazis) nahm die Gruppe in den Groovemaster Studios in Chicago ihr Debütalbum The Sickness auf, welches im März 2000 veröffentlicht wurde. Mit der Debütsingle Stupify schaffte sie ihren Durchbruch. Mit Ozzy Osbourne konnte Disturbed einen weiteren prominenten Fan für sich gewinnen und wurden auf die Ozzfest-Tournee eingeladen. Das Album stieg auf Platz 67 der US-amerikanischen Albumcharts ein und erreichte später Platz 29. Alleine in den USA verkaufte sich das Album über fünf Millionen Mal und ist bis heute ihr meistverkauftes Werk. Mit Down with the Sickness, Voices und The Game wurden drei weitere Singles ausgekoppelt. Das Album enthält ferner noch eine Coverversion des Liedes Shout, im Original von Tears for Fears.
Neben dem Album nahm die Band das Lied Glass Shatters als Einlaufmusik des US-amerikanischen Wrestlers Steve Austin neu auf und absolvierte in der Folgezeit zahlreiche Tourneen. Im Jahre 2001 war Disturbed Headliner der zweiten Bühne der Ozzfest-Tour. Später ging die Band zusammen mit Godsmack und den Stone Temple Pilots auf die von MTV gesponserte Tournee Return of the Rock. Das Konzert in Chicago wurde von MTV mitgeschnitten und häufig ausgestrahlt. Schließlich ging die Band auf ihre erste, Music as a Weapon genannte Headlinertour durch Nordamerika. Begleitet wurde Disturbed u. a. von Adema und Drowning Pool.
Ende 2001 reiste die Band erstmals nach Europa, um als Vorgruppe von Marilyn Manson auf dessen Tournee zu spielen. Der Bassist Steve Kmak konnte an dieser Tour nicht teilnehmen, da er sich den Knöchel gebrochen hatte. Als Ersatz sprang Marty O’Brian ein, der in den Bands Methods of Mayhem und Kilgore aktiv ist. Während der Tournee sah man am Anfang des Disturbed-Sets den Sänger David Draiman blutend auf einem elektrischen Stuhl sitzen. Hiermit sollte symbolisch gezeigt werden, dass Menschen, die sich individuell entfalten wollen, von der Gesellschaft verurteilt werden.
Believe und Music as a Weapon II (2002 bis 2005)
mini|Bassist John Moyer (2016) Im Juni 2002 veröffentlichten Disturbed ihre erste DVD namens M.O.L. Der Titel steht für „Meaning of Life“. Die DVD ist eine Dokumentation und zeigt die Band im Studio und auf Tournee sowie Musikvideos, Livemitschnitte und Interviews. Neben der DVD-Produktion nahm Disturbed im März und April 2002 ihr zweites Album Believe auf, welches melodischer als das Debüt ausfiel. Das Album wurde im September 2002 veröffentlicht und debütiert auf Platz eins der US-amerikanischen Albumcharts. Alleine in der ersten Woche werden in den USA mehr als 283.000 Einheiten verkauft. Bis heute wurde das Album in den USA mehr als zwei Millionen Mal verkauft. In Deutschland erreichte es Platz 68. Mit Prayer, Liberate und Remember wurden drei Singles ausgekoppelt.
2003 nahmen Disturbed erneut an der Ozzfest-Tournee teil und traten dieses Mal auf der Hauptbühne auf. Danach ging die Band zusammen mit Chevelle, Taproot und Unloco auf die Tournee Music as a Weapon-II. Das Konzert am 3. Mai 2003 in Chicago wurde mitgeschnitten und am 24. Februar 2004 mit dem Livealbum Music as a Weapon II veröffentlicht. Nach dem Ende der Tournee verließ der Bassist Steve Kmak die Band auf Grund von persönlichen Differenzen. Erst Ende April 2004 wurde mit John Moyer, der zuvor bei The Union Underground gespielt hatte, ein Nachfolger vorgestellt.
Am 8. Dezember 2004 wurde der ehemalige Pantera-Gitarrist Dimebag Darrell in Columbus während eines Konzerts erschossen. Weitere Crewmitglieder wurden bei dem Versuch, Darrell zu schützen, ebenfalls erschossen bzw. schwer verletzt. Um die Bestattungs- bzw. Krankenhauskosten zu sichern, spielten Disturbed zusammen mit Anthrax, Soil und Drowning Pool ein Benefizkonzert in Chicago. Disturbed spielten während ihres Sets zusammen mit Darrells Bruder Vinnie Paul das Panteralied Walk vom Album Vulgar Display of Power.
Ten Thousand Fists und Indestructible (2005 bis 2009)
mini|Schlagzeuger Mike Wengren (2016) Im Frühjahr 2005 nahm Disturbed ihr drittes Album Ten Thousand Fists auf. Nach der Veröffentlichung am 19. September 2005 stieg es auf Platz eins der US-amerikanischen Albumcharts ein und verkaufte sich in der ersten Woche 238.000 Mal. Mit über zwei Millionen verkauften Einheiten erhielt das Album in den USA Doppelplatin. In Deutschland erreichte Ten Thousand Fists Platz 21 der Charts und wurde vom deutschen Magazin Rock Hard zum „Album des Monats“ gekürt.
Das Coverartwork wurde vom kanadischen Comiczeichner Todd McFarlane entworfen, der insbesondere für die Figur Spawn bekannt wurde. Mit den Liedern Guarded, Stricken, Just Stop, Ten Thousand Fists und der Genesis-Coverversion Land of Confusion wurden insgesamt fünf Singles ausgekoppelt. Im Herbst 2005 tourte die Band mit Ill Niño und 10 Years durch Nordamerika. Eine für das Frühjahr 2006 angesetzte Europatournee mit Nevermore musste zweimal verschoben werden, da Sänger David Draiman an einer Refluxösophagitis litt und seine Stimme schonen musste. Die Tour wurde im September 2006 nachgeholt. Ebenfalls 2006 war Disturbed Headliner der Tournee Music as a Weapon III, bei der sie von Stone Sour, Flyleaf und Nonpoint begleitet wurden.
Das Jahr 2007 begann für die Band mit einer längeren Schaffenspause, bevor man im Oktober 2007 mit den Aufnahmen für das vierte Studioalbum Indestructible begann. Zum ersten Mal produzierte die Band ihr Album selbst. Am 10. März 2008 spielten Disturbed zusammen mit Filter, den Pussycat Dolls und Jessica Simpson vor US-amerikanischen Soldaten in Kuwait. Veröffentlicht wurde das Album am 3. Juni 2008 und debütierte auf Platz eins der US-amerikanischen Albumcharts. Es verkaufte sich in der ersten Woche 252.000 Mal in den USA. Auch in Deutschland war das Album erfolgreich und erreichte Platz elf der Albumcharts.
Im Sommer 2008 spielten Disturbed zunächst auf zahlreichen europäischen Festivals wie z. B. Rock am Ring, bevor die Band im Herbst 2008 mit Shinedown als Vorgruppe durch Europa tourten. Für das Lied Inside the Fire wurde Disturbed für den Grammy in der Kategorie „Best Hardrock Performance“ nominiert. Der Preis ging jedoch an die Gruppe The Mars Volta. Im Frühjahr 2009 folgte die Tournee Music as a Weapon IV durch Nordamerika, bei der die Band von Killswitch Engage, Lacuna Coil und Chimaira begleitet wurde.
Asylum, The Lost Children und unbefristete Pause (2009 bis 2015)
mini|200px|Disturbed beim Rock am Ring 2016 Ende 2009 begann die Band mit den Vorbereitungen für ihr fünftes Studioalbum und eine neue DVD. Die Aufnahmen für das neue Album Asylum dauerten von Februar bis April 2010. Produziert wurde das Werk erneut von Dan Donegan. Während des Studioaufenthalts nahm die Band noch eine Coverversion des Liedes Living After Midnight, im Original von Judas Priest, für eine Kompilation des britischen Metal Hammer auf. Asylum wurde am 28. August 2010 veröffentlicht. Die Vorabsingle Another Way to Die erreichte Platz 81 der US-amerikanischen Singlecharts und Platz eins der Hot Rock Songs. Auch dieses Album stieg auf Platz eins der US-amerikanischen Albumcharts ein und verkaufte sich in der ersten Woche 179.000 Mal. In Europa stellte Disturbed das neue Album im Rahmen der Tournee Taste of Chaos vor, die die Band zusammen mit Papa Roach, Buckcherry und Halestorm im November/Dezember 2010 nach Deutschland führte.
Im Juli 2011 kündigte die Band an, aus persönlichen Gründen eine unbefristete Pause einzulegen. Zuvor waren Gerüchte über eine mögliche Auflösung der Band im Umlauf. Dan Donegan erklärte wenige Jahre später, dass die Band den Fans und sich selbst eine Pause gönnen wollte und dass die Musiker aus der Routine ausbrechen wollten.
Am 8. November 2011 veröffentlichte die Band die Kompilation The Lost Children, auf dem B-Seiten, Raritäten und verschiedene Coverversionen zusammengestellt wurden. Im Januar 2012 schloss sich der Bassist und Sänger John Moyer der Band Adrenaline Mob an. Auch der Sänger David Draiman gründete im Mai 2012 seine neue Band Device, deren Debütalbum im April 2013 erschien. Dan Donegan und Mike Wengren gründeten zusammen mit dem Sänger Dan Chandler von der Band Evans Blue die Band Fight or Flight. Das Debütalbum erschien im Juli 2013.
Comeback, Immortalized und Live at Red Rocks (2015 bis 2017)
mini|200px|Moyer (links) und Draiman beim Nova Rock 2016 Ende April 2015 tauchten Gerüchte auf, dass die Band mit dem Produzenten Kevin Churko in Las Vegas an einem neuen Album arbeitet. Am 20. Juni 2015 wurde ein Video veröffentlicht, welches das Bandmaskottchen zeigte, das mit lebenserhaltenden Maßnahmen am Leben gehalten wurde. Zwei Tage später erwachte es und setzte sich auf. Gleichzeitig wurde ein 18-stündiger Countdown auf ihrer Website veröffentlicht. Einen Tag später gab die Band offiziell ihr Comeback bekannt, veröffentlichte ihren neuen Song The Vengeful One und kündigte ein neues Studioalbum an.