mini|Abschrift der Bundesurkunde: Teilnehmer und Anfang, gestempelt „Steiermärkisches Landesarchiv“
Der Landsberger Bund war eine Verschwörung von Adeligen der Steiermark im Jahr 1292. Er richtete sich gegen Herzog Albrecht I. von Habsburg und hatte Unterstützer in Bayern, Salzburg und Kärnten. Die Verschwörung wird benannt nach dem ursprünglichen Namen der Burg Deutschlandsberg in der Weststeiermark.Berthold Sutter: Die geschichtliche Stellung des Herzogtums Steiermark 1192–1918. In: Gernot Dieter Hasiba, Berthold Sutter (Hrsg.): Die Steiermark. Land, Leute, Leistung. Steiermärkische Landesregierung, Graz 1971, S. 334.Robert Baravalle: Burgen und Schlösser der Steiermark. Eine enzyklopädische Sammlung der steirischen Wehrbauten und Liegenschaften, die mit den verschiedensten Privilegien ausgestattet waren. Verlag Stiasny, Graz 1961, S. 61.Herwig Ebner: Burgen und Schlösser in der Steiermark. Graz, Leibnitz, West-Steiermark. 2. Auflage, Birken-Verlag, Wien 1981, ISBN 3-85030-028-5, S. 18.Arnold Luschin von Ebengreuth: Die steirischen Landhandfesten. Ein kritischer Beitrag zur Geschichte des ständischen Lebens in Steiermark. In: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen. Hrsg. vom Historischen Verein für Steiermark. Verlag des historischen Vereins, 9. Jahrgang, Graz 1872, , S. 148.Gerhard Stenzel: Von Burg zu Burg in Österreich. 2. Auflage. Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 1973, ISBN 3-218-00278-8, S. 96–97.
Der auf dem Landsberger Bund beruhende Aufstand war vom militärischen Standpunkt aus betrachtet erfolglos, er war nach etwa zwei Monaten zusammengebrochen. Allerdings wurden die Forderungen der Beteiligten aus der Steiermark durch den siegreichen Albrecht weitgehend freiwillig erfüllt. Die Erwartungen ihrer Unterstützer erfüllten sich nicht. Die gegensätzlichen Interessen Salzburgs und der Habsburger blieben bestehen und führten zu weiteren Konflikten.
mini|Schluss und Datum
Dieser Bund hat nichts zu tun mit dem Bündnis einiger Reichsstände in Süddeutschland 1556 bis 1599, das ebenfalls als „Landsberger Bund“ bezeichnet wird.
mini|Druckfassung:Franz Xaver von Krones: Urkunden zur Geschichte des Landesfürstenthums, der Verwaltung und des Ständewesens der Steiermark von 1283–1411 in Regesten und Auszügen. Veröffentlichungen der Historischen Landeskommission für Steiermark Band 9. Graz 1899, , S. 228–229. Teilnehmer und Anfang
Vorgeschichte Interregnum nach dem Ende der Babenberger-Herrschaft, Ottokar Přemysl Mit Friedrich II. war 1246 der letzte in Österreich herrschende Babenberger gestorben. Die Babenberger waren auf Grundlage der Georgenberger Handfeste seit 1192 auch Herzöge der Steiermark gewesen und hatten in diesem Vertrag wichtige Rechtsgrundlagen des Herzogtums Steiermark festgehalten.
Nach den Babenbergern hatte sich in den südöstlichen Gebieten des Heiligen Römischen Reichs während des Interregnums zunächst König Ottokar von Böhmen durchgesetzt. Er war 1251 zum Herrscher von Österreich geworden. Durch den Frieden von Wien wurde er 1261 Herzog der Steiermark, 1269 durch den Erbvertrag von Podiebrad auch Herzog von Kärnten. Damit waren diese Länder Innerösterreichs erstmals in einer Hand vereinigt.Berthold Sutter: Die geschichtliche Stellung des Herzogtums Steiermark 1192–1918. In: Berthold Sutter (Hrsg.): Die Steiermark. Land, Leute, Leistung. Steiermärkische Landesregierung, Graz 1956, S. 105. Ottokar starb 1278 in der Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen gegen die Truppen Rudolf von Habsburgs, der 1273 zum römisch-deutschen König gewählt worden war.
Beginn der Habsburger-Herrschaft Rudolf von Habsburg herrschte zunächst selbst in Österreich und der Steiermark und setzte 1282 seine Söhne Albrecht und Rudolf als Herrscher ein. Ab 1283 war Albrecht Alleinherrscher. Mit Kärnten wurde 1286 Albrechts Schwiegervater Meinhard von Görz-Tirol belehnt.Dopsch: Fürstenbund. S. 601. Österreich, Steiermark und Kärnten blieben damit im Einflussbereich der Habsburger bzw. ihrer Familie.
Albrecht wurde bald unbeliebt. Grund dafür war die Bevorzugung von Unterstützern aus seiner schwäbischen Heimat (zu der damals auch weite Teile der deutschsprachigen Schweiz mit dem Stammsitz der Habsburger gehörten) und sein Bestreben, die Hausmacht der Habsburger zu verstärken. In der Steiermark wurde Albrecht vorgeworfen, die Erbhuldigung nicht durchgeführt zu haben und das Verhalten seines Stellvertreters (Landeshauptmanns, Landesverwesers) Abt Heinrich von Admont zu unterstützen.Knaffl: Deutsch-Landsbergs Vergangenheit. S. 129–130. Dieser Abt hatte sich Unmut zugezogen, weil er den Auftrag hatte, landesfürstliche Besitzungen wieder dem Landesherrn zurückzuschaffen, nachdem sie in den vergangenen Wirren unberechtigt in verschiedene Hände gelangt waren. Diese Vorgangsweise war nicht neu, sie setzte die Revindikationspolitik Rudolfs fort. Albrecht hatte dazu allerdings einen Schutzbrief ausgestellt, durch den auch Verhaftungen, die Erhebung von Abgaben und das Einziehen von Burgen gedeckt waren.Alfons Dopsch: Die Bedeutung Herzog Albrechts I. für die Ausbildung der Landeshoheit in Österreich (1282–98) (Habilitations-Vortrag an der philosophischen Fakultät der Universität Wien am 12. Mai 1893). In: Anton Mayer (Red.): Blätter des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich. Neue Folge XXVII. Jahrgang Wien 1893. . S. 249–250. Auf dieser Basis war der Abt wiederholt auch mit Gewalt vorgegangen, so gegen die Burg Pernegg. Abt Heinrich war als „Leuteschinder übelster Art“ verhasst geworden und wurde als „des Teufels Kaplan und Fensterbloch“Ein vom Teufel gezeugtes (diesem verfallenes) uneheliches Kind, z. B. als Bankert auf der Fensterbank. Das bedeutet neben dem Vorwurf der unehrbaren Herkunft eine Anspielung darauf, dass dieser Abt sein Amt nicht rechtens erhalten hätte, weil uneheliche Geburt in der damaligen katholischen Kirche ein Weihehindernis war. „Bloch“ (im hier verwendeten übertragenen Sinn) ist von der Form eines (kurzen) Stückes Rundholz abgeleitet. Das Wort „Fensterbloch“ für ein uneheliches Kind ist in der Obersteiermark belegt, in der auch das Kloster Admont liegt: Hermine Sumann, Otwin Pilgram, Sepp Perchtaler, Barbara Moser: Jo eanta: teils nicht mehr geläufige, von unseren Vorfahren gesprochene Worte. Bezirkslandjugend Murau. Murau 2005, S. 10. Für eine andere Erklärung, wonach der Ausdruck vom Sturz eines Fensters abgeleitet wäre, liegen keine Belege vor: Der Sturz ist der starre Balken über einer Fensteröffnung in einer Wand. Dieser Balken bestand früher in einem auf die notwendige Länge zugeschnittenen Baumstamm, einem Bloch, das über der Fensteröffnung unbeweglich eingemauert war und die Mauerteile darüber stützte. Im übertragenen Sinn würde das Wort eine unbewegliche, starre, gefühllose Haltung schildern. bezeichnet.Stenzel: Von Burg zu Burg. S. 100. mini|Schluss mit Datum und Anmerkung zur Jahresangabe Die Unterstützung, die steirische Adelige den Habsburgern im Reiner Schwur gegen König Ottokar „einmütig und unter allen Umständen mit Leib und Gut“Reiner Kreis (Hrsg.), Franz Senger, Grete Scheuer (Red.): Der Reiner Schwur. 700 Jahre. 19. 9. 1276 - 19. 9. 1976. Festschrift zum Festakt des Landtags in der Cistercienserabtei 1976. Verlag Reiner Kreis, Rein 1976, S. 5 (Übersetzung des Reiner Schwurs ins Deutsche von Walter Brunner). zugesagt hatten, war bereits nach einigen Jahren deutlich geringer geworden. Einige TeilnehmerKarlmann Tangl: Die Grafen von Heunburg. II. Abteilung. Von 1249–1322. In: Archiv für Kunde österreichischer Geschichts-Quellen, hrsg. von der zur Pflege vaterländischer Geschichte aufgestellten Kommission der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Band 25. Verlag der k.-k. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1860, , . . am Reiner Schwur 1276 waren 16 Jahre später Verbündete im Landsberger Bund.
In der Regierungszeit Albrechts war das Andenken an König Ottokar in Österreich und der Steiermark bei Teilen des Adels in positiver Erinnerung, obwohl eine Reihe österreichischer und steirischer Adeliger an der Seite Rudolfs von Habsburg gegen Ottokar gekämpft hatte. Die Regierungszeit Ottokars wurde Albrecht als Gegenbeispiel vorgehalten.
Spannungen mit Salzburg Albrecht versuchte, Besitzungen des Erzbistums Salzburg in der Steiermark unter seine Kontrolle zu bekommen und geriet damit in Konflikt zu Salzburg. Die Salzburger Exklaven in der Obersteiermark (im Ennstal), in der Weststeiermark (um das Sulmtal und das Laßnitztal) und in der Untersteiermark (bei Pettau, Gurkfeld und Rann) bildeten einen „Staat im Staate“ in der Steiermark.Hermann Baltl: Österreichische Rechtsgeschichte. Leykam Verlag Graz 1972. ISBN 3-7011-7025-8, S. 109. Dabei ging es auch um den ertragreichen Handel mit SalzDopsch: Fürstenbund. S. 606. aus den Salinen des Salzkammergutes. Sein Vater Rudolf von Habsburg hatte Albrecht 1290 die mit Salzburg strittigeKrones: Urkunden. S. 14: Nr. 39 vom 22. Juni 1290 in Erfurt. Vogtei über Güter des (von Salzburg aus gegründeten) Stiftes Admont inner- und außerhalb Österreichs und der Steiermark zuerkannt. Das hatte Albrecht eine Machtstellung im Einflussbereich Salzburgs gebracht. Rudolf hatte in diesem Zusammenhang erklärt, dass das Erzstift Salzburg auf die Vogtei des Klosters Admont (und damit dessen Güter) nicht mehr Rechte besitze als jene, die Salzburg (bereits) den österreichischen Herzögen zu Lehen gegeben habe.Krones: Urkunden. S. 14: Nr. 38 vom 19. Juni 1290 in Erfurt.
Bereits vor dem Landsberger Bund war es 1289/1290 wegen ungeklärter HoheitsverhältnisseHerbert Klein: Salzburg, ein unvollendeter Paßstaat. In: Theodor Mayer (Hrsg.): Die Alpen in der europäischen Geschichte des Mittelalters. Reichenau-Vorträge 1961–1962. Vorträge und Forschungen Band 12, hrsg. vom Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte. . Verlag Jan Thorbecke, Konstanz/Stuttgart 1965, S. 287. zu Kämpfen im Ennstal (dem „Salzkrieg“) und zur Zerstörung der Burg Neuhaus (Trautenfels) im oberen Ennstal gekommen.Albert Muchar: Geschichte des Herzogthums Steiermark, Graz (damals: Graetz), Damian und Sorge 1844–1874, VI. Band, S. 74. Dieser Streit war noch durch Rudolf am 19. Juni 1290 in Erfurt im Wesentlichen zugunsten seines Sohnes Albrecht entschieden worden.Sutter: geschichtliche Stellung, (1956) S. 107. Streitigkeiten um die Besetzung des Salzburger Bischofsamtes nach dem Tod des Bischofs Rudolf von Hoheneck folgten. Der spätere Bischof Konrad aus Salzburg war zum persönlichen Gegner Abt Heinrichs von Admont geworden,Michael Pirchstaller: Die Beziehungen der Herzoge Otto, Ludwig und Heinrich von Kärnten zu König Albrecht von Österreich. In: Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum. 3. Folge, 50. Heft (Band 3/50), Innsbruck 1906, , 264–265 (). der sich ebenfalls um den Salzburger Bischofsstuhl beworben hatte.
Bayern und Ungarn