mini|Detail vom Jüngeren Bibelfenster im Kölner Dom mini|Signet Schneiders und Schmolz Die Werkstätte für Glasmalerei Schneiders und Schmolz in Köln-Lindenthal fertigte ab 1882 zahlreiche sakrale Farbverglasungen bzw. Glasgemälde, insbesondere im Rheinland. Unter anderem führte die Werkstatt von 1891 bis 1908 vornehmlich im Auftrag des Domherrn und Kunstsammlers Alexander Schnütgen Rekonstruktions- und Ergänzungsarbeiten an einigen Fenstern im Kölner Dom aus., abgerufen am 7. Juni 2013.

Firmengeschichte Die Glasmalereiwerkstatt wurde geleitet von Paul Schmolz und Christian Schneiders, der unter anderen bei dem berühmten Linnicher Glasmaler Heinrich Oidtmann ausgebildet wurde. Zuvor war Schneiders Ende der 1860er Jahre Schüler des Historienmalers Johannes Niessen, der auch als Konservator am Wallraf-Richartz-Museum tätig war. Die Unternehmensgeschichte begann zunächst in Werkstätten im Severinsviertel und im Belgischen Viertel in der Kölner Innenstadt.Adressbuch von Köln 1885 bis 1889, Grevens Kölner Adressbuch Verlag Im Jahr 1898 wurden der Sitz und die Werkstätten nach Köln-Lindenthal an die Theresienstraße verlegt.Kölner Stadtanzeiger, Nr. 257 vom 9. Juni 1899 Beide Künstler arbeiteten hier zusammen, bis sich Christian Schneiders im Jahr 1916 zur Ruhe setzte. Paul Schmolz führte bis Anfang der 1920er Jahre eine Glasmalerwerkstatt am Gereonshof in der nördlichen Altstadt weiter.

Die Werkstatt fertigte hauptsächlich Kirchenfenster im Rheinland an. Für die Arbeiten erhielt sie u. a. die Bronzene Staatsmedaille, die Goldene Medaille auf der Industrie- und Gewerbeausstellung Düsseldorf 1902 und die Goldmedaille der Handwerks- und Kunstgewerbeausstellung Köln 1905. Auch außerhalb des Rheinlands und im Ausland wurde die Werkstatt mit der Anfertigung von Kirchenfenstern beauftragt, u. a. in Berlin (St.-Anna-Stift), in der Umgebung von Fulda, Eupen (St.-Josephs-Kirche), Lontzen (Schloss Lontzen), Malmedy (Katholische Pfarrkirche), St. Vith (Hospitalkapelle), Leiden (St. Peter), Schaan bei Vaduz (Katholische Pfarrkirche) sowie Semmering (Katholische Pfarrkirche Hl. Familie).

Darüber hinaus erhielt die Werkstatt auch Aufträge für öffentliche und private Bauten, unter anderem für den Bergisch-Märkischen Bahnhof in Bochum sowie für Bahnhöfe in Essen und Danzig. Sie stattete auch mehrere Kölner Salondampfer aus, weitere Glasmalereien fanden sich u. a. in der Villa Hügel, auf der Burg Satzvey, der Schloss Drachenburg, der Hirschburg, der Villa Puricelli und in den Villen verschiedener Kölner Unternehmer.

In Köln arbeitete die Werkstatt an weit über 30 katholischen und evangelischen Kirchen und war an der Ausstattung des Gürzenich, des historischen Rathauses, des Justizgebäudes, des Priesterseminars, des Wallraf-Richartz-Museums, des neuen Kunstgewerbemuseums, der Handelsschule am Hansaring sowie des Gebäudes der Bürgergesellschaft beteiligt.

Werke (Auswahl) Die Glasmalereiwerkstätte Schneiders und Schmolz arbeitete überwiegend für kirchliche Bauten. Aber auch in profanen Gebäuden wie in dem neogotischen Kölner Stadthaus (Brabanter Straße 59 / Antwerpener Straße, errichtet 1886/1887) zeigen die von Schneiders und Schmolz eingesetzten Fenster oft sakrale Motive und neogotische Fensterformen.Hiltrud Kier, Werner Schäfke: Die Kölner Ringe. Geschichte und Glanz einer Straße. Vista Point, Köln 1987, ISBN 3-88973-066-3, Tafel 60. mini|Glasfenster in der Schlosskapelle Türnich (1902) 1882: Karl der Große mit der alten Burg von Stolberg, ursprünglich im Rolandhaus, seit um 1965 in einem privaten Wohnhaus in Aachen-NiederforstbachStiftung Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts: Fenster Karl der Große, abgerufen am 9. Juni 2013. 1885: Kirchenfenster mit figürlicher Darstellungen in der Kirche St. Bonifatius in Fulda-Horas 1890: drei Glasfenster in der Burg MylauHenriette Joseph, Haik Thomas Porada (Hrsg.): Das nördliche Voigtland um Greiz. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Greiz, Weida, Berga, Triebes, Hohenleuben, Elsterberg, Mylau und Netzschkau. (= Landschaften in Deutschland, Band 68.) Böhlau-Verlag, Köln 2006, ISBN 3-412-09003-4, S. 322. 1890: Hildebrand’sche Kapelle der Kirche St. Anna in Düren (1944 zerstört)Zeitschrift für christliche Kunst, Jahrgang 1890, Heft 7, S. 204. um 1890: Fenster der Gnadenkapelle in Kevelaer 1891–1893: Fenster der Kirche St. Jakobus bei Jakobwüllesheim (1944 kriegszerstört)Ursprünglich zeigte das Rundfenster über der Orgelempore den Schutzpatron der Kirche Jakobus den Älteren mit Pilgerstab und Muschel, die übrigen Kirchenfenster in Kirchenschiff und Chor zeigten die Geheimnisse des Rosenkranzes sowie eine Darstellung der Gottesmutter. 1893: vier Kirchenfenster mit figürlichen Darstellungen in der Liebfrauenkirche in Dortmund (profaniert und zum Kolumbarium umgenutzt) 1895–1897: Kirchenfenster der Kirche St. Pantaleon in Badorf (kriegszerstört)Sabine Heuser-Hauck: Der Architekt Heinrich Krings (1857–1925). Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn 2005, S. 196. () 1896: Fenster der Kirche St. Peter und Paul in Bad DriburgDas Drei-Königs-Fenster im linken Seitenschiff kürte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe zum „Denkmal des Monats Januar 2006“.Pressemitteilungen des LWL vom 6. Januar 2006, abgerufen am 10. Juni 2013. 1896: Petrus-Martyr-Fenster der Kölner Brauerkorporation in der Kirche St. Andreas in Köln (kriegszerstört), abgerufen am 13. Juni 2013. 1896: sieben Fenster mit der Darstellung der sieben Schmerzen Mariens in der Kirche St. Mariä Empfängnis in Düsseldorf elf Fenster mit figürlichen Darstellungen und mehrere Fenster mit grafischen Mustern in der Herz-Jesu-Kirche in (Wuppertal-)Elberfeld 1897: Chorfenster der Kirche St. Michael in Amöneburg-Erfurtshausen 1898–1902: Fenster der Heilig-Kreuz-Kirche in Aachen (nach Zerstörung der Kirche nur noch zwei Maßwerkfenster erhalten)Kirchenfenster für die Heilig-Kreuz-Kirche, Aachen, abgerufen am 11. Juni 2013. 1899: drei Chorfenster in der Kirche St. Andreas in KölnRomanische Kirchen in Köln: Chhorscheitelfenster in St. Andreas (Köln), abgerufen am 10. Juni 2013. 1890er Jahre: sechs Fenster mit figürlichen Darstellungen und zwei Fenster mit Teppichmustern in der Kirche St. Marien in Bonn 1900: Ornament über der Tür der Brüderkapelle des Klosters Knechtsteden bei Dormagen um 1900: acht Kirchenfenster (vier Bildfenster und vier Ornamentfenster) in der Kirche St. Gereon in Berkum bei Bonn vor 1900: zehn Kirchenfenster mit figürlichen Darstellungen und mehrere Fenster mit Teppichmustern in der Kirche St. Remigius in Bonn ein Fenster mit figürlicher Darstellung und sieben Grisaille-Fenster im St.-Johannis-Hospital in Bonn drei Fenster mit figürlichen Darstellungen und mehrere Fenster mit grafischen Mustern in der katholischen Kirche in Burscheid vier Fenster mit figürlichen Darstellungen in Abteikirche der Abtei Brauweiler sechs Fenster mit figürlichen Darstellungen in der Kirche St. Aposteln in Köln sieben Fenster mit figürlichen Darstellungen in der Kirche St. Ursula in Köln Fenster der Krankenhauskapelle in Aachen-Forst Fenster der Christuskirche in Brühl sieben Kirchenfenster mit figürlichen Darstellungen und mehrere Fenster mit grafischen Dekors in der Kirche St. Mariä Himmelfahrt in Mönchengladbach Kirchenfenster mit figürlicher Darstellung in der Stadtpfarrkirche in Fulda Kirchenfenster mit figürlichen Darstellungen in der Kirche St. Joseph in Eupen acht Fenster mit figürlichen Darstellungen und weitere mit grafischen Mustern in der Kirche St. Josef in Koblenz Fenster im Kloster Zum Guten Hirten in Melaten (Köln-Lindenthal) (kriegszerstört) zehn Fenster in der Kirche St. Nikolaus in Aachen 1902: Fenster in der Schlosskapelle des Schlosses TürnichKosmos auf der Kippe. In der Kapelle von Schloss Türnich herrscht Notstand. In: Monumente, Ausgabe Dezember 2012, abgerufen am 10. Juni 2013. 1905: Fenster für die Kirche St. Sebastian in Limburg an der Lahn 1913: Fenster für die Kirche des Klosters Vom Guten Hirten in Berlin-Marienfelde, abgerufen am 10. Juni 2013. 1916: Chorfenster der Kirche Saints-Come-et-Damien in ClervauxKirchenfenster für die Kirche Saint-Come-et Damien, Clerveaux, abgerufen am 10. Juni 2013.

Kölner Dom mini|hochkant|Petrus- und Maternusfenster mini|Signet Schneiders und Schmolz Durch die intensive Zusammenarbeit mit dem Domherrn und Kunstsammler Alexander Schnütgen wurde die Glaswerkstatt Schneiders & Schmolz ab den 1890er Jahren immer wieder mit Rekonstruktionsarbeiten an den gotischen Glasfenstern des Kölner Doms beteiligt. Vorwiegend die Verbleiung, aber auch ein unterschiedlicher Anteil der mittelalterlichen Glasscheiben wurden dabei ersetzt. Insbesondere die von Wilhelm Düssel 1844 vorgenommene Rekonstruktion der Scheiben wurde größtenteils erneut überarbeitet. Einige Scheiben wurden auch neu angefertigt, die den Typus und Stil der Originalscheiben wiedergeben sollten.Herbert Rohde: Corpus Vitrearum medii Aevi Deutschland IV/1. Die mittelalterlichen Glasmalereien des Kölner Domes. Deutscher Verlag für Kunstwissenschaften, Berlin 1974, ISBN 3-87157-046-X, S. 22 ff. Diese Interpretation wurde durch den 1903 ernannten Dombaumeister Bernhard Hertel zum Teil heftig kritisiert, so dass die Werkstätte ab 1908 an späteren Arbeiten, unter anderem am Königsfenster im Obergaden des Chors und am Allerheiligenfenster der Johanneskapelle, nicht mehr beteiligt wurde.Herbert Rohde: Corpus Vitrearum medii Aevi Deutschland IV/1. Die mittelalterlichen Glasmalereien des Kölner Domes. Deutscher Verlag für Kunstwissenschaften, Berlin 1974, ISBN 3-87157-046-X, S. 105, S. 111.

1891: Bernhard-Fenster und Christuszyklus-Fenster im nördlichen Querhaus 1891: Rekonstruktionsarbeiten am Simon-Judas-Thaddäus-Fenster, bei dem 1891 90 % der Glasscheiben ausgewechselt und das Bleinetz erneuert wurdeHerbert Rohde: Corpus Vitrearum medii Aevi Deutschland IV/1. Die mittelalterlichen Glasmalereien des Kölner Domes. Deutscher Verlag für Kunstwissenschaften, Berlin 1974, ISBN 3-87157-046-X, S. 82. 1901: Rekonstruktion aller Fenster der Dreikönigenkapelle: ca. 50 % Erneuerung der Scheiben und Neuverbleiung des Älteren Bibelfensters (1901)Herbert Rohde: Corpus Vitrearum medii Aevi Deutschland IV/1. Die mittelalterlichen Glasmalereien des Kölner Domes. Deutscher Verlag für Kunstwissenschaften, Berlin 1974, ISBN 3-87157-046-X, S. 50., Dreikönigenfenster (1901)Herbert Rohde: Corpus Vitrearum medii Aevi Deutschland IV/1. Die mittelalterlichen Glasmalereien des Kölner Domes. Deutscher Verlag für Kunstwissenschaften, Berlin 1974, ISBN 3-87157-046-X, S. 58., 85–90 % Erneuerungen der Scheiben und Neuverbleiung des Petrus- und Maternusfensters.Herbert Rohde: Corpus Vitrearum medii Aevi Deutschland IV/1. Die mittelalterlichen Glasmalereien des Kölner Domes. Deutscher Verlag für Kunstwissenschaften, Berlin 1974, ISBN 3-87157-046-X, S. 61. 1901/1902: Rekonstruktion des Jüngeren Bibelfensters der Stephanuskapelle, bei der der Sprossenabstand neu gestaltet wurde, einige Scheiben neu entworfen und eine Neuverbleiung vorgenommen wurdeHerbert Rohde: Corpus Vitrearum medii Aevi Deutschland IV/1. Die mittelalterlichen Glasmalereien des Kölner Domes. Deutscher Verlag für Kunstwissenschaften, Berlin 1974, ISBN 3-87157-046-X, S. 85. 1902: Erneuerung und Rekonstruktion von 90–95 % der Glasscheiben und Neuverbleiung des Thomas-Johannes-Baptist-Fensters und des Ornamentteppichs der Michaelskapelle im Auftrag von Alexander SchnütgenHerbert Rohde: Corpus Vitrearum medii Aevi Deutschland IV/1. Die mittelalterlichen Glasmalereien des Kölner Domes. Deutscher Verlag für Kunstwissenschaften, Berlin 1974, ISBN 3-87157-046-X, S. 77 f.Bei der Rekonstruktion wurde auf Glasscheiben aus dem Fensterdepot der Dombauhütte zurückgegriffen.