Dieser Artikel behandelt das Literaturjahr 1776. zentriert|162px|Goethe 1776, Zeichnung von Georg Melchior Kraus Johann Wolfgang Goethe erhält in Weimar Sitz und Stimme in Carl Augusts „Geheimem Consilium“. zentriert|178px|Edward Gibbon, gemalt von Henry Walton Der Historiker Edward Gibbon veröffentlicht in London The History of the Decline and Fall of the Roman Empire.

Ereignisse

Johann Wolfgang Goethe erhält am 11. Juni als Geheimer Legationsrat Sitz und Stimme in Carl Augusts „Geheimem Consilium“. Von 1776 bis 1832 ist er Beamter am Weimarer Hof und in der Staatsverwaltung von Sachsen-Weimar-Eisenach.

Johann Gottfried Herder kommt mit seiner Familie nach Weimar und wird dort Generalsuperintendent. Auch Jakob Michael Reinhold Lenz folgt Goethe nach Weimar und wird von diesem zunächst freundlich aufgenommen, doch nach einer nicht näher benannten „Eseley“ im Dezember wieder ausgewiesen. Auch ein Besuch Friedrich Maximilian Klingers in Weimar endet mit einem Bruch mit Goethe.

Nach dem Hamburger Vorbild nennt sich das Burgtheater in Wien mit Erlass von Kaiser Joseph II. „Teutsches Nationaltheater“.

Prosa

Johann Martin Miller: Siegwart. Eine Klostergeschichte erscheint bei Weygand in Leipzig. Christoph Martin Wieland veröffentlicht seine Verserzählung Das Wintermärchen in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift Der Teutsche Merkur. Von Johann Karl Wezel erscheint der satirische Roman Belphegor bei Siegfried Leberecht Crusius in Leipzig. Darin wird die ernüchternde Reise des Idealisten Belphegor durch die Welt erzählt, deren von ihm kritisierten und bekämpften egozentrische Gesellschafts- und radikale Machtstrukturen er in immer weiter bis ins Phantastische gezogenen Kreisen kennen lernt. In der zeitgenössischen Rezeption wird die philosophische Position des Werks kontrovers bewertet, das in der Folgezeit bald in Vergessenheit gerät.

Lyrik

Januar: Von Christoph Martin Wieland erscheint das Gedicht An Psyche in der von Wieland herausgegebenen Zeitschrift Der Teutsche Merkur. Es entstand nach einem Besuch Wielands und Goethes bei ihrer gemeinsamen Freundin Julie von Bechtolsheim am Neujahrstag. 12. Februar: Johann Wolfgang Goethe schreibt die erste Fassung von Wandrers Nachtlied (Der du von dem Himmel bist) und fügt sie einem Brief an Charlotte von Stein bei.

Drama

8. Februar: Die Erstfassung von Goethes Trauerspiel Stella wird bei August Mylius in Berlin gedruckt und am 8. Februar am Hamburger Nationaltheater uraufgeführt. Die Schlussszene mit der Aussicht auf eine menage à quatre der Protagonisten löst moralische Entrüstungsstürme aus und führt zu einem teilweisen Verbot des Stücks. Die Neufassung mit einem anderen Schluss bringt Goethe 1816 in Weimar auf die Bühne. 23. Februar: Friedrich Maximilian Klingers Sturm-und-Drang-Drama Die Zwillinge wird durch die Ackermannsche Gesellschaft in Hamburg uraufgeführt und polarisiert von Anfang an das Publikum. Noch im selben Jahr veröffentlicht Friedrich Ludwig Schröder das Drama im ersten Band des Hamburgischen Theaters. Im folgenden Jahr wird das Stück in Wien nach nur einer Aufführung durch Kaiser Joseph II. verboten. Herbst 1776, Erscheinen von Friedrich Maximilian Klingers Schauspiel Sturm und Drang (Uraufführung in Leipzig am 1. April 1777).

Heinrich Leopold Wagner: Die Kindermörderin, Trauerspiel in sechs Akten, wird anonym veröffentlicht und ein Jahr später in Berlin aufgeführt. Das Karl-Knipper-Theater in Sankt Petersburg wird eröffnet. Es ist das erste öffentliche professionelle Theater Russlands nach dem Russischen Theater in Moskau. Das Theater dient auch als Schauspielschule und nimmt Schüler aus russischen Waisenhäusern auf.

Periodika

Die Gazette de Léopol in Lwiw, der Hauptstadt Rutheniens, erscheint. Sie ist die erste Zeitschrift der Ukraine in französischer Sprache.

Wissenschaftliche Werke, Essays

17. Februar: In London erscheint Band 1 von The History of the Decline and Fall of the Roman Empire des Historikers Edward Gibbon. Sein auf sechs Bände konzipiertes Werk über Verfall und Untergang des Römischen Reiches prägt lange Jahre Vorstellungen über das Leben in römischer Zeit.

mini|hochkant|Titelseite von Adam Smiths Hauptwerk (1776) 9. März: Das Hauptwerk von Adam Smith An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations erscheint in London. Das Werk entstand in einem Zeitraum von 12 Jahren zur Zeit der schottischen Aufklärung als Kontrapunkt zum bis dahin wirtschaftspolitisch vorherrschenden Merkantilismus, wie er von den europäischen Großmächten praktiziert wird. Smiths Werk gilt als das grundlegende Werk der Wirtschaftswissenschaft, die sich erst in der Folgezeit als eigenständige Wissenschaftsdisziplin etabliert, und markiert sowohl den Beginn der klassischen Nationalökonomie als auch parallel des Wirtschaftsliberalismus. Das Werk beeinflusst viele folgende Autoren und Ökonomen sowie Regierungen und Organisationen und ist der Hauptbezugspunkt für Debatten in Politischer Ökonomie für die nächsten 150 Jahre.

Paul Henri Thiry d’Holbach: Le Gouvernement fondé sur la morale.

Übersetzungen

Heinrich Leopold Wagner übersetzt unter Mitwirkung von Goethe Louis-Sébastien Merciers Du théatre ou nouvel essai sur l’art dramatique (Neuer Versuch über die Schauspielkunst). Das Buch löst in weiten literarischen Kreisen eine Diskussion über ästhetische Fragen aus.

Bibliotheken

Der Neubau der Bibliothek des Stift Admont unter der Leitung des Architekten Josef Hueber ist vollendet.

Die königliche Akademie der Wissenschaften (Regia Scientiarum Academia) in Zagreb übernimmt die 1607 von den Jesuiten eingerichtete Bibliothek der Klosterhochschule Neoacademia Zagrabiensis, die dann 1874 in die Universitätsbibliothek Zagreb eingeht.

Die „Physikalische Gesellschaft“ in Bremen wird gegründet und legt außer einer Sammlung von Naturalien und Geräten eine Fachbibliothek an, die später in die Bibliothek des Bremer Überseemuseums eingeht.

Geboren Geburtsdatum gesichert

24. Januar: Wilhelmine Halberstadt, deutsche Pädagogin und Schriftstellerin († 1841) 24. Januar: E. T. A. Hoffmann, deutscher Schriftsteller, Jurist, Komponist, Kapellmeister, Musikkritiker, Zeichner und Karikaturist († 1822) 25. Januar: Joseph Görres, deutscher Gymnasial- und Hochschullehrer und Publizist († 1848) 30. Januar: Marie-Aimée Steck, französisch-schweizerische Schriftstellerin († 1821)

23. Februar: John Walter, britischer Verleger, Inhaber und Herausgeber der „The Times“ († 1847) 29. Februar: Johann August Bruckmann, deutscher Architekt, Geologe, Landbaumeister, Wasserbauingenieur, Sachbuchautor und Erfinder († 1835)

23. März: Vicente Salias, venezolanischer Revolutionär, Journalist und Schriftsteller († 1814) 13. April: Wilhelm von Schütz, deutscher Dichter († 1847)

4. Mai: Johann Friedrich Herbart, deutscher Philosoph, Psychologe und Pädagoge († 1841) 7. Mai: Dániel Berzsenyi, ungarischer Dichter († 1836) 18. Mai: Johanne Karoline Wilhelmine Spazier, deutsche Dichterin, Schriftstellerin und Herausgeberin des von Brockhaus verlegten Jahreskalenders Urania († 1825)

1. Juli: Sophie Gay, französische Schriftstellerin († 1852) 3. Juli: Katharina Wilhelmina Schweickhardt, niederländische Dichterin († 1830)

16. August: Amalie von Imhoff, deutsche Schriftstellerin († 1831) 27. August: Georg Andreas Reimer, deutscher Verleger († 1842) 27. September: Ida Saint-Elme, niederländisch-französische Schriftstellerin, Abenteurerin und Kurtisane († 1845)

6. Oktober: Hirata Atsutane, japanischer Gelehrter, Erforscher des Shintō und Schriftsteller, der letzte der „Vier Großen der Kokugaku“ (gest. 1843) 13. Oktober: Peter Barlow, britischer Schriftsteller und Physiker († 1862) 25. Oktober: Johannes Merz, Schweizer Modelstecher, Lexikograph und Mundartdichter aus dem Kanton Appenzell Ausserrhoden († 1840)

5. November: Adelaide O’Keeffe, irische Schriftstellerin und Kinderdichterin († 1865) 15. November: Pehr Henrik Ling, schwedischer Autor und Dichter († 1839) 25. November: Johanne Juliane Schubert, deutsche Weberin und Volksdichterin aus Niederschlesien († 1864)

Genaues Geburtsdatum unbekannt

April: Ann Griffiths, walisische Dichterin und Verfasserin methodistischer christlicher Lieder in walisischer Sprache († 1805)

Mirza Abolhasan Khan Ilchi, persischer Schriftsteller, Botschafter und Außenminister († 1846) Shikitei Samba, japanischer Schriftsteller († 1822)

Gestorben Todesdatum gesichert

15. Februar: Jürgen Grube, deutscher Autor und Jurist (* 1702) 10. März: Élie Catherine Fréron, französischer Literat und Publizist (* 1718)

1. Mai: Johann Georg Wittich, deutscher Jurist und Verleger (* 1712) 22. Mai: Julie de Lespinasse, französische Salonnière der Aufklärung (* 1732) 29. Mai: Theodor Johann Quistorp, deutscher Jurist und Bühnenschriftsteller (* 1722)

24. Juli: David Georg Strube, deutscher Jurist und Publizist (* 1694) 2. August: Matthew Maty, niederländischer Mediziner, Biograf und Bibliothekar (* 1718)

mini|hochkant|David Hume 25. August: David Hume, schottischer Philosoph und Historiker (* 1711) 26. August: Christian Ernst Hanßelmann, deutscher Archivar und Archäologe (* 1699)

1. September: Ludwig Christoph Heinrich Hölty, deutscher Dichter (* 1748) 14. September: Pierre Daubenton, französischer Rechtsanwalt, Politiker, Autor und Enzyklopädist (* 1703)

20. November: Tanigawa Kotosuga, japanischer Gelehrter und Autor (* 1709) 29. November: Giovanna Maria Farussi, italienische Schauspielerin, Mutter Giacomo Casanovas (* 1708) 13. Dezember: Karl Franz Henisch, deutscher Schauspieler und Librettist (* 1745) 14. Dezember: Johann Jakob Breitinger, Schweizer Philologe und Autor (* 1701)

Genaues Todesdatum unbekannt

April: Lemuel Abbott, englischer Kleriker und Dichter (* um 1730) Andreas Christoph Graf, deutscher Pädagoge, Schriftsteller und der Autor des Benimmbüchleins Der höfliche Schüler (* 1701) Henri Pajon, französischer Jurist und Märchenautor Edward Wortley Montagu, britischer Schriftsteller, Orientalist, Reisender, Abgeordneter und Abenteurer (* 1713)

Weblinks

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