miniatur|Heilig Geist-Kirche Zürich: Haupteingang von der Limmattalstrasse mit Kirchturm 2013 mini|Der obere Eingang zur Kirche an der Brunnwiesenstrasse 2013 Die Kirche Heilig Geist ist die römisch-katholische Pfarrkirche des Quartiers Höngg in der Stadt Zürich. Sie befindet sich an der Limmattalstrasse 146 in unmittelbarer Nähe des Meierhofplatzes.
Geschichte Erstmals wurde eine Kirche in Höngg urkundlich im Jahr 870 erwähnt. Der Edle Landeloh übergab zum Heile seiner Seele und seiner Vorfahren am 8. Februar 870 seine Kirche in Höngg ans Kloster St. Gallen. Das Kloster wiederum übergab die Kirche von Höngg im Jahr 890 der St. Mangs (Magnus)-Kirche, welche unter Salomo III., Bischof von Konstanz und Abt von St. Gallen, ausserhalb der Stadt St. Gallen errichtet worden war. Die Kirche in Höngg war nach den Siegeln der Leutpriester von 1297 und 1390 dem Hl. Mauritius geweiht. Über dem Haupteingang der heute reformierten Kirche Höngg war bis 1819 der Spruch zu lesen: „Die Kirche zu Höngg von Alters her zu St. Moritz genennet war.“Hermann Odermatt, Josef Rupf und Karl Strobel: Heiliggeist-Kirche Zürich-Höngg. Festschrift, S. 4 Die Kirche gehörte zur Diözese Konstanz, in das Archidiakonat Zürich, in diesem zum Dekanate Kloten. Am 28. Juni 1376 wurde die Pfarrkirche von Höngg auf Befehl von Papst Gregor XI. dem Kloster Wettingen inkorporiert, was bis 1837 Bestand hatte. Zur Pfarrei Höngg gehörten auch die Kapelle von Regensdorf, 1364 von Niederhasli, St. Ottilien in Watt und auf dem nördlichen Hönggerberg die Kapelle der Hl. Theodul (Theodor) und Herhard. Auch Affoltern war bis 1683 nach Höngg kirchgenössig.Josef Rupf: Geschichtliches, in: Hermann Odermatt, Josef Rupf und Karl Strobel: Heiliggeist-Kirche Zürich-Höngg. Festschrift, S. 4 Die Kirche Höngg wurde 1443 von den Eidgenossen niedergebrannt und 1446 von den Hönggern neu aufgebaut. Im Rahmen der Reformation im Jahr 1523 wurde der katholische Kult im Kanton Zürich verboten und die Kirche in Höngg für reformierte Gottesdienste weiter verwendet.Felix Marbach: Zürich-Höngg, in: Bischöfliches Ordinariat Chur (Hg.): Schematismus des Bistums Chur., S. 272
Das Toleranzedikt des Zürcher Regierungsrats vom 10. September 1807 erlaubte erstmals wieder eine katholische Gemeinde in Zürich.Henri Truffer: Verband der römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich. Zürich 1989, S. 192 Das sog. Erste zürcherische Kirchengesetz im Jahr 1863 anerkannte die katholischen Kirchgemeinden neben Zürich auch in Winterthur, Dietikon und Rheinau (die letzten beiden waren traditionell katholisch geprägte Orte). Auf Grundlage des Vereinsrechts konnten daraufhin im ganzen Kanton katholische Niederlassungen gegründet werden. Mit Hilfe von Fördervereinigungen wie dem Piusverein (gegr. 1857) und der Katholischen Gesellschaft für inländische Mission (gegr. 1863) entstanden in den 1860er Jahren in kurzer Folge weitere Seelsorgestationen und spätere Pfarreien im Kanton Zürich: Männedorf (1864), Gattikon-Thalwil/Langnau (1864), Horgen (1865), Pilgersteg-Rüti/Wald (1866), Wald und Bubikon (1873), Uster (1876), Langnau (1877), Rüti (1878), Wädenswil (1881), Bülach (1882), Wetzikon (1890), Bauma (1894), Adliswil (1894), Pfungen (1895), Dübendorf (1897) und Küsnacht (1901). So kam es, dass um 1900 im Kanton Zürich bereits 20 katholische Pfarreien existierten, darunter auch die heutigen Stadtzürcher Pfarreien St. Peter und Paul (Aussersihl), Liebfrauen, Herz Jesu Oerlikon und Heilig Kreuz Altstetten.Christian Renfer: Katholische Kirche Bülach. S. 4–5
Als Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Katholiken seit der Reformation nach Höngg zogen, erhielten ihre Kinder zunächst von der Pfarrei St. Peter und Paul (Aussersihl) aus Religionsunterricht. Im Jahr 1890 wurde Höngg der Pfarrei Heilig Kreuz (Altstetten) und am 3. Oktober 1935 per bischöfliches Dekret der neu gegründeten Pfarrei Guthirt (Wipkingen) zugeteilt. Somit ist die Pfarrei Heilig Geist in ihrer heutigen Form eine Tochterpfarrei von Guthirt. Heilig Geist wurde per 1. Oktober 1940 zunächst zum Pfarrvikariat, dann am 13. Dezember 1942 zur selbständigen Pfarrei erhoben und von Guthirt abgetrennt.Bischöfliches Ordinariat Chur (Hg.): Schematismus des Bistums Chur., S. 272. Die im Jahr 1964 erbaute Pfarrei St. Mauritius in Oberengstringen ist selber wiederum eine Tochterpfarrei von Heilig Geist. Oberengstringen wurde durch ein bischöfliches Dekret im Jahr 1963 zur Pfarrei erhoben und von Heilig Geist Höngg abgetrennt.Bischöfliches Ordinariat Chur (Hg.): Schematismus des Bistums Chur. S. 205 Sowohl die Pfarrei St. Mauritius Oberengstringen als auch die Pfarrei St. Mauritius Regensdorf sind nach dem Hl. Mauritius benannt, weil beide Orte im Mittelalter zur Pfarrei Höngg gehörten, die selber diesen Heiligen zum Kirchenpatron hatte.
Die erste Heilig Geist-Kirche Baugeschichte und Namensgebung mini|Heiliggeist-Kirche von 1940 mini|Innenansicht mini|Blick zur Empore In den 1930er Jahren gründete die Mutterpfarrei Guthirt Zürich-Wipkingen einen Baufonds für eine Kirche in Höngg, welche zusätzlich für die Katholiken in Oberengstringen zuständig sein sollte. In Zeiten der Not und der wirtschaftlichen Krise wuchs der Fonds dank Bettelpredigten der Geistlichen von Wipkingen in der Zentral- und Ostschweiz, aber auch dank Wohltätigkeitsanlässen und Spenden.Josef Rupf: Geschichtliches, in: Hermann Odermatt, Josef Rupf und Karl Strobel: Heiliggeist-Kirche Zürich-Höngg. Festschrift, S. 6 Bereits im Jahr 1933 wurde in Höngg an der Brunnwiesenstrasse der Baugrund für die erste Kirche Heilig Geist erworben, welche dann „in der Kriegszeit vom 1. August 1939 bis zum 30. September 1940 errichtet wurde.“Urkunde im Grundstein der zweiten Heilig Geist-Kirche von 1973, zitiert nach Offene Türen. S. 6 Am 17. September 1939 wurde der Grundstein für die erste Kirche Heilig Geist gelegt, die nach Plänen des Architekten Anton Higi erbaut wurde. Higi baute zeitgleich die Kirche St. Martin Zürich-Fluntern, weshalb er die Ausführung des Baus an Karl Strobel abgab, der bereits 1936–1937 die Erlöserkirche in Zürich-Riesbach errichtet hatte.Guido Kolb: 100 Jahre St. Peter und Paul. Zürich 1974, S. 197. Wegen des Zweiten Weltkriegs waren der Bau und die Ausstattung der Kirche zunächst nicht gesichert; so blieb die Lieferung des Marmors aus Italien für die Altäre der Kirche lange aus. Am 6. Oktober 1940 konnte die fertiggestellte Kirche vom Churer Bischof, Laurenz Matthias Vincenz eingesegnet werden. Im Jahr 1942 erhielt die Kirche einen weiteren Altar, der aus der Unterkirche von Guthirt stammte.Franz Bösch: Wipkingen. Seine Kirchen im Laufe der Zeit. Splitter aus dem Pfarreileben von Guthirt. S. 113, 120–121
Die Namensgebung der Kirche Heilig Geist steht in engem Zusammenhang mit den historischen Ereignissen der späten 1930er Jahre. Hermann Odermatt schreibt in der Festschrift zur Kirche, die Mitten im Zweiten Weltkrieg erbaut wurde: "Eine Heiliggeist-Kirche! Kann man ein Gotteshaus gerade heute in besseren Schutz stellen? Die Weihe an den Geist der Wahrheit, in diesen Zeiten, wo der Irrtum triumphiert und selbst die Wahrheitssuchenden Irrlichtern nachrennen. An den Geist der Liebe, wo der Hass wie eine Gewitterwolke auf den Völkern lastet... An den Vater der Armen, die heute zu Zehntausenden haus- und heimatlos zum Himmel schreien. An den Tröster der Verlassenen, die um Tote weinen und um Lebende bangen... Heiliggeist-Kirche! Wer in ihrem Bereich steht, den lockt nicht das Irrlicht, den zerfrisst nicht der Hass, den zertrümmert nicht die Not... Veni, Sancte Spiritus!"Hermann Odermatt, Josef Rupf und Karl Strobel: Heiliggeist-Kirche Zürich-Höngg. Festschrift, S. 3
Baubeschreibung Auf Basis eines Vorprojektes von Architekt Anton Higi entwarf Karl Strobel einen schlichten Kirchbau, der sich auf einem Baugrund zwischen der ruhigeren Brunnwiesen- und der verkehrsreichen Limmattalstrasse in der Nähe des damaligen Postgebäudes und des Schulhauses Bläsi in Höngg befand. Das Dach der Kirche zierte ein Dachreiter für eine Glocke. Geplant war, diesen Dachreiter durch einen schlanken Kirchturm zu ersetzen und das südliche Gelände an der Limmattalstrasse durch ein neues Pfarrhaus zu bebauen, was aber beides nicht ausgeführt wurde. Die zweigeschossige Kirche war längs der Brunnwiesenstrasse erbaut und teilte die nach Südwesten fallende Liegenschaft in zwei verschieden hoch gelegene Geländestufen. Der höher gelegene Teil an der Brunnwiesenstrasse bildete den oberen Kirchenvorplatz, der untere Kirchplatz bot Raum für den Aussenbereich des kirchlichen Kindergartens, der ursprünglich im Untergeschoss der Kirche angesiedelt gewesen war. Im Untergeschoss des Kirchengebäudes befand sich auch eine Werktagskapelle mit eigener Sakristei. Durch eine Treppe konnte man von der unteren Sakristei in die obere Sakristei gelangen. Das Obergeschoss des Gebäudes bestand aus der eigentlichen Kirche. Der Kirchenraum war durch einfache Betonsäulen gegliedert und mit einer leicht gewölbten, gleichförmig über Chor und Schiff durchlaufenden Holzdecke überspannt. Dreiteilige Fenster spendeten Licht und enthielten Glasfenster des Kunstmalers Giuseppe Scartezzini. Das offene und erhöhte Chor wurde durch die Kanzel und die Kommunionbank vom Kirchenschiff abgehoben. Der Altar bestand aus einem Verde-Issorie-Marmor. Die Tabernakelverkleidung und die Altarleuchter waren von Goldschmied O. Zweifel entworfen und ausgeführt worden. Im hinteren Bereich der Kirche befand sich eine Orgelempore, welche in Holz als Provisorium ausgeführt war, da man ursprünglich geplant hatte, die Kirche in einer zweiten Bauetappe um ein Joch nach rückwärts zu verlängern, was dann aber nie ausgeführt wurde.Josef Rupf: Geschichtliches, S. 7 und Karl Strobel: Baubeschreibung, S. 8–9, in: Hermann Odermatt, Josef Rupf und Karl Strobel: Heiliggeist-Kirche Zürich-Höngg. Festschrift.
Die zweite Heilig Geist-Kirche Baugeschichte Als die erste Pfarrkirche von Höngg für die stetig wachsende Gemeinde zu klein wurde, begann in den 1960er Jahren in der Pfarrei eine Diskussion um einen Neubau der Kirche samt Pfarreizentrum und neuem Pfarrhaus. 1967 wurde ein erstes Bauprojekt des Architekten Karl Higi (1920–2008) mit nur einer hauchdünnen Mehrheit angenommen und blieb auch nach der Abstimmung in der Gemeinde umstritten. Nach einer Überarbeitung des Projekts durch den Architekten und einer Redimensionierung erfolgte im April 1970 eine zweite Abstimmung, bei der mehrheitlich für den Neubau des Pfarreizentrums gestimmt wurde. Am 31. Januar 1971 wurde der letzte Gottesdienst in der ersten Heilig Geist-Kirche gefeiert. Nach Abbruch, Aushub und Pfählungsarbeiten erfolgte der Baubeginn.Marlies Wahrenberger: 25 Jahre Zentrum Heilig Geist, in: Offene Türen, S. 6 Am 3. Oktober 1971 fand die Grundsteinlegung und am 6. Oktober 1972 das Aufrichtfest statt. Die neu erbaute Kirche samt Pfarreizentrum und Pfarrhaus wurde am 2. September 1973 von Bischof Johannes Vonderach eingeweiht.Bischöfliches Ordinariat Chur (Hg.): Schematismus des Bistums Chur., S. 272 Das alte Pfarrhaus befand sich unmittelbar an der Limmattalstrasse und blieb während dieser Bauarbeiten zunächst noch stehen und bewohnt. Als das unmittelbar daneben erbaute neue Pfarrhaus am 12. August 1972 bezogen werden konnte, wurde daraufhin das alte Pfarrhaus abgerissen und an seiner Stelle ein kleiner Garten und Parkplätze an der Limmattalstrasse eingerichtet.Archiv der Pfarrei Heilig Geist