Brittney Yevette Griner (* 18. Oktober 1990 in Houston, Texas) ist eine US-amerikanische Basketballspielerin der nordamerikanischen Profiliga Women’s National Basketball Association (WNBA). Seit 2013 steht sie im Kader von Phoenix Mercury. Mit 2,03 Metern zählt sie zu den größten Spielerinnen der WNBA und wird hauptsächlich auf der Position des Centers eingesetzt.

Griner gilt als eine der besten und dominantesten Spielerinnen in der Geschichte des Frauenbasketballs: Sie wurde 2014 und 2015 als beste Verteidigerin sowie 2017 und 2019 als erfolgreichste Korbschützin der WNBA ausgezeichnet und 2021 unter die 25 Greatest Players in WNBA History gewählt. Zu ihren größten spielerischen Stärken zählt das Blocken. Sie gehört außerdem zu den wenigen weiblichen Basketballspielern, die das Dunking beherrschen, und hält den Slam-Dunk-Rekord der WNBA.

Vor ihrer professionellen Basketballkarriere spielte sie von 2009 bis 2013 für die Baylor University und gewann in der Saison 2011/12 mit den Baylor Lady Bears die NCAA Division I Basketball Championship. Beim WNBA Draft 2013 wurde Griner als 1. Pick von Phoenix Mercury ausgewählt, mit denen sie in der Saison 2014 den WNBA-Meisterschaftstitel holte. Während der Off-Season spielte Griner zunächst für zwei chinesische Teams und von 2015 bis 2022 für den russischen Verein UGMK Jekaterinburg, mit dem sie sechsmal russische Meisterin wurde und viermal die Euroleague Women gewann. Als Nationalspielerin der Vereinigten Staaten holte sie zwei Weltmeistertitel (2014 und 2018) sowie zwei Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen (2016 und 2020).

Im Jahr 2013 outete sich Brittney Griner gegenüber den Medien als lesbisch. Seither engagiert sie sich insbesondere für homosexuelle Jugendliche und hat innerhalb der LGBTQ-Community den Status einer Ikone erlangt. Zugleich ist sie aufgrund ihrer androgynen Erscheinung zur Zielscheibe für Mobbing und anhaltende Anfeindungen in den sozialen Medien geworden.

Am 17. Februar 2022 wurde Brittney Griner am Flughafen Moskau-Scheremetjewo verhaftet, nachdem in ihrem Handgepäck eine geringe Menge Haschischöl gefunden worden war. Am 4. August 2022 wurde sie wegen illegalen Drogenbesitzes und -schmuggels zu neun Jahren Haft und einer Geldstrafe verurteilt. Ihre Anwälte legten Berufung gegen das Urteil ein, die jedoch Ende Oktober 2022 von einem Gericht abgelehnt wurde. Die Festnahme und die Höhe der Strafe wurde von der US-Regierung als unrechtmäßig und politisch motiviert angesehen. Diese setzte sich für Griners Freilassung ein und initiierte Verhandlungen mit Russland über einen Gefangenenaustausch. Anfang Dezember 2022 wurde sie gegen Viktor But ausgetauscht. Griner wurde am 8. Dezember nach zehn Monaten in Gefangenschaft unter Auflagen freigelassen.

Leben und Karriere Frühe Jahre Griner wurde als Tochter von Sandra und Raymond Griner in Houston im US-Bundesstaat Texas geboren, wo sie mit ihrer älteren Schwester Pier aufwuchs. Ihre älteren Halbgeschwister DeCarlo und Shkera stammen aus einer früheren Ehe ihres Vaters. Während sich ihre Mutter als Hausfrau betätigte, arbeitete Griners Vater, ein ehemaliger Soldat des United States Marine Corps und Vietnamkriegsveteran, 35 Jahre lang für das Harris County Sheriff’s Office.Steve Campbell: Basketball prodigy’s tall tale is no myth. In: Houston Chronicle. 12. Januar 2009, abgerufen am 12. Juli 2022.

Als Kind half sie ihrem Vater gerne beim Reparieren von Autos.Matt Chandler: Basketball Biographies for Kids: The Greatest NBA and WNBA Players from the 1960s to Today. Rockridge Press, Oakland, CA 2022, ISBN 978-1-63878-550-7, S. 31.Jon M. Fishman: Brittney Griner. Lerner Publishing Group, Minneapolis 2014, ISBN 978-1-4677-2653-5, S. 11. Sie besuchte die Teague Middle School in Humble, in der Metropolregion von Houston, und anschließend die Nimitz High School in Harris County, wo sie als gute Schülerin galt. Da ihr Vater ihr nicht erlaubte, sich nach der Schule mit anderen Kindern zu treffen, verbrachte Griner viel Zeit allein in ihrem Zimmer und hatte nur wenige Freunde.Maggie Galehouse: Brittney Griner: independent at last. In: Houston Chronicle. 4. April 2014, abgerufen am 31. Juli 2022.

In ihrem letzten Schuljahr hatte sie ihr Coming-out. Ihren Eltern teilte sie mit, dass sie lesbisch ist. Es kam zu einem vorübergehenden Zerwürfnis mit ihrem Vater, der die Homosexualität seiner Tochter zunächst nicht akzeptieren wollte. Griner zog daraufhin für mehrere Wochen von zu Hause aus, bis sie sich schließlich wieder mit ihrem Vater versöhnte.

Während ihrer Schulzeit wurde Griner aufgrund ihrer Körpergröße, ihres androgynen Aussehens und ihrer tiefen Stimme jahrelang so massiv von Mitschülern gemobbt, dass sie an Suizid dachte.Rich Elliott: Painful Past Inspires Olympic Hopeful Brittney Griner To Help Others. In: USAB. 23. Februar 2016, abgerufen am 29. Juli 2022. Sie verarbeitete diese Erfahrungen unter anderem in ihrer 2014 erschienenen Autobiografie In My Skin. My Life On and Off the Basketball Court,Megan Chawansky: Be who you are and be proud: Brittney Griner, intersectional invisibility and digital possibilities for lesbian sporting celebrity. In: Leisure Studies. Band 35, Ausgabe 4, Routledge, 2016, S. 771–782, hier: S. 771. in der sie rückblickend schrieb: „Ich glaube, ich habe angefangen, mich anders zu fühlen, als alle anfingen, mir zu sagen, dass ich es bin.“Original: “I guess I started feeling different when everybody started telling me I was.” Zitiert nach Maya Goldberg-Safir, Sue Hovey: Brittney Griner’s story always transcended sport. She’s a real American trailblazer. In: The Guardian. 14. Juli 2022, abgerufen am 29. Juli 2022.

Amateurkarriere High School (2007–2009) Im Vergleich zu anderen WNBA-Profis begann Griner eher spät mit dem Basketballspielen. In der Middle School hatte sie zunächst Volleyball und als Torhüterin Fußball gespielt.Jon M. Fishman: Brittney Griner. Lerner Publishing Group, Minneapolis 2014, ISBN 978-1-4677-2653-5, S. 12. Erst nach ihrem Wechsel auf die High School wurde eine Basketballtrainerin bei einem Volleyballspiel auf die damals bereits 1,78 m große Griner aufmerksam und konnte sie in der 9. Klasse für die Mädchen-Basketballmannschaft Nimitz Lady Cougars gewinnen. Ab der 10. Klasse trainierte Griner zusätzlich mit der Mannschaft der Jungen und absolvierte unter Anleitung eines Football-Trainers Kraftübungen zur Stärkung ihrer Beinmuskulatur, was ihr beim Erlernen des Dunkings half.Glenn Nelson: Greatness and Griner go hand in hand. In: ESPN. 24. Juni 2008, abgerufen am 14. Juli 2022.

Nachdem Griner das Dunking zum ersten Mal in einem regulären Spiel gelungen war, kamen am nächsten Tag 15 College-Coaches zur Nimitz High School, um ihr beim Training zuzusehen.Matt Chandler: Basketball Biographies for Kids: The Greatest NBA and WNBA Players from the 1960s to Today. Rockridge Press, Oakland, CA 2022, ISBN 978-1-63878-550-7, S. 30. Im Jahr 2007, als Griner in die 11. Klasse ging, zog sie erstmals die Aufmerksamkeit eines größeren Publikums auf sich, als ein Video, das sie beim Training zeigt, mit dem Titel High School Girl Dunker auf YouTube hochgeladen und millionenfach abgerufen wurde. Griners spätere Phoenix-Mercury-Teamkollegin Diana Taurasi, die das Video damals sah, als sie selbst bereits Profispielerin war, meinte: „Das waren ausgereifte Dunks. Wir dachten nur: ‚Das ist die Zukunft des Basketballs. Wir haben vielleicht nicht mehr lange einen Job.‘“Original: “These were grownup dunks. We were just like, ‘Well, that’s the future of basketball. We might not have a job for very much longer.” Zitiert nach Sean Gregory: Brittney Griner’s Fight for Freedom. In: Time. 27. Juli 2022, abgerufen am 29. Juli 2022. Shaquille O’Neal, der das Video ebenfalls gesehen hatte, zeigte sich so beeindruckt von ihrer Fähigkeit, dass er sich 2008 mit Griner traf und ihr beim Spielen zusah.She’s one of a kind – High school senior dunks like a man. In: Spokesman. 5. März 2009, abgerufen am 30. Juli 2022.

In ihrem Junior- und Senior-Jahr an der High School erzielte Griner insgesamt im Durchschnitt 26,3 Punkte, 6,9 Blocks und 12,3 Rebounds pro Spiel. Im Frühjahr 2009 spielte sie im Class 5A Girls’ Basketball State Tournament zum ersten Mal in einem staatlichen Wettbewerb, bei dem sie im Halbfinale einen Rekord von 44 Punkten erzielte und den ersten Slam Dunk in der Geschichte des Turniers ausführte.Chad S. Conine: Texas Sports: Unforgettable Stories for Every Day of The Year. University of Texas Press, Austin, TX, 2017, ISBN 978-1-4773-1273-5, S. 45. Aus dem Finalspiel gingen die Nimitz Lady Cougars schließlich als Vizemeisterinnen hervor. Die Women’s Basketball Coaches Association (WBCA) wählte Griner zur High-School-Basketballspielerin des Jahres 2009 und Houstons damaliger Bürgermeister Bill White erklärte den 7. Mai zum „Brittney-Griner-Tag“.Rebecca Hennes: A timeline of Brittney Griner’s rise to basketball stardom and her detention in Russia. In: Houston Chronicle. 25. Juli 2022, abgerufen am 31. Juli 2022.Ryan Sprayberry: Lone Star Sports Legends: On This Day in History. The History Press, Charleston, SC, 2017, ISBN 978-1-4671-3775-1, S. 64.

College (2009–2013) Nach ihrem Schulabschluss absolvierte Griner ein Studium der General Studies an der Baylor University im texanischen Waco,Laurie Abraham: How Slam-Dunking, Gender-Bending WNBA Rookie Brittney Griner Is Changing The World Of Sports. In: Elle. 4. November 2013, abgerufen am 17. Juli 2022. wo sie von 2009 bis 2013 College-Basketball in der Liga der National Collegiate Athletic Association (NCAA) unter Cheftrainerin Kim Mulkey und an der Seite von Odyssey Sims für die Baylor Lady Bears spielte.

In ihrer Freshman-Saison (2009/10) erzielte Griner am 16. Dezember 2009 mit 34 Punkten, 13 Rebounds und dem Big-12-Rekord von 11 Blocks gegen die Oral Roberts University ihr erstes Triple-Double.Griner gets Baylor’s first triple-double and sets Big 12 block record. In: The Dallas Morning News. 17. Dezember 2009, abgerufen am 13. Juli 2022. Beim 99:18-Sieg gegen die Texas State University am 2. Januar 2010 führte sie gleich zwei Slam Dunks aus, was im College-Basketball der Frauen vor ihr nur Candace Parker gelungen war.Rayvon Fouché: Game Changer: The Technoscientific Revolution in Sports. Johns Hopkins University Press, Baltimore, MD, 2017, ISBN 978-1-4214-2181-0, S. 150. Während des Spiels gegen die Mannschaft der Texas Tech University am 3. März 2010 wurde Griner von der gegnerischen Spielerin Jordan Barncastle technisch gefoult, woraufhin Griner Barncastle vorsätzlich ins Gesicht schlug und ihr dabei die Nase brach. Griner wurde daraufhin des Spielfelds verwiesen und als Bestrafung für zwei Spiele gesperrt.Anne Wallace Sharp: Sports Violence. Lucent Books, Farmington Hills, MI, 2011, ISBN 978-1-4205-0625-9, S. 22. Sie entschuldigte sich später öffentlich bei der gegnerischen Mannschaft, ihren Teamkolleginnen und Trainern sowie den Fans. Die Baylor Lady Bears schafften es bis ins Viertelfinale des Big-12-Turniers und unter die Final Four des NCAA Division I Women’s Basketball Tournament.

mini|Griner (Mitte) bei der Verleihung der Wade Trophy 2012