Die Nenitzescu-Indolsynthese ist eine Namensreaktion der organischen Chemie. Sie wird auch Nenitzescu-Reaktion, Nenitzescu-Synthese, Nenitzescu-Cyclisierung oder Nenitzescu-Kondensation genannt. Diese Reaktion wurde nach dem rumänischen Chemiker Costin Nenitzescu (1902–1970) benannt, der sie 1929 veröffentlichte.Z. Wang: Comprehensive Organic Name Reactions and Reagents. 3 Bände. John Wiley & Sons, Hoboken, New Jersey 2009, ISBN 978-0-471-70450-8, S. 2042–2043. Mit der Reaktion lassen sich 5-Hydroxyindole aus 1,4-Benzochinon und β-Amino-α,β-ungesättigten Carbonylverbindungen (z. B. β-Aminocrotonsäureestern) synthetisieren.J. J. Li: Name Reactions. A Collection of Detailed Reaction Mechanisms. 3., erweiterte Auflage, Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg 2006, ISBN 978-3-540-30030-4, S. 391–392.
Übersichtsreaktion Ein substituiertes 1,4-Benzochinon reagiert mit einer β-aminosubstituierten-α,β-ungesättigten Carbonylverbindungen unter Ringschluss zu einem 5-Hydroxyindol.
mini|hochkant=2.3|ohne|R1 = H, Alkylgruppe, Arylgruppe; R2 = H, Alkylgruppe, Arylgruppe; R3 = H, Alkylgruppe; R4 = H, Alkylgruppe, AlkoxygruppeL. Kürti, B. Czakó: Stratigic Applications of Named Reactions in Organic Synthesis. Elsevier Academic Press, Amsterdam 2005, ISBN 978-0-12-429785-2, S. 312.
Die Reaktion funktioniert auch mit an das Benzochinon substituierten Alkoxy-, Aryloxy-, Hydroxygruppen sowie Chlor-, Brom- oder Estersubstituenten. Für die anderen Reste sind die folgenden Gruppen zulässig: R2 = Cycloalkyl-, Benzylgruppen R3 = Alkylester, Alkoxygruppen R4 = Aryl- und Aminogruppen
Mechanismus Der exakte Reaktionsmechanismus ist nicht bekannt. Ein plausibler Mechanismus wird hier anhand der Reaktion zwischen 2-Methyl-1,4-benzochinon und β-Aminoacrylsäuremethylester beschrieben:
rahmenlos|hochkant=3.6|ohne|Mechanismus der Nenitzescu-Indolsynthese
Im ersten Schritt greift die C=C-Doppelbindung des β-Aminoacrylsäuremethylester (2) das 2-Methyl-1,4-benzochinon (1) an, was zu Molekül 3 führt. Ein Proton wird zur Alkoholatgruppe 3 umgelagert, was auch dazu führt, dass aus dem Iminiumion 3 wieder eine Aminogruppe 4 wird. Letztere greift nun intramolekular die Carbonylgruppe des Benzochinons an, was die Bildung eines Fünfrings 5 zur Folge hat. Das entstandene negativ geladene Sauerstoffatom wird durch die Ammoniumgruppe protoniert und damit zur Hydroxygruppe 6. Unter Wasserabspaltung aromatisiert der Sechsring zum Produkt 7, einem 5-Hydroxy-6-methyl-3-methylcarboxylat-1H-indol.
Diese Reaktion ist besonders wichtig bei der Herstellung von 5-Hydroxyindolderivaten.
Einzelnachweise
Kategorie:Namensreaktion Kategorie:Indolbildende Reaktion