Der Medicus ist ein deutscher Film des Regisseurs Philipp Stölzl aus dem Jahr 2013, der nach dem gleichnamigen Weltbestseller Der Medicus von Noah Gordon gedreht wurde.

Der Film lief am 25. Dezember 2013 in den deutschen Kinos an. Am 29. und 30. Dezember 2014 wurde der Film in einer verlängerten Fassung in zwei Teilen im deutschen Fernsehsender Das Erste gezeigt. Der Film wurde in 21 Ländern verkauft. FFA Förderungen 2016. Die Produktion wurde mit Der Medicus 2 (2025) erneut unter der Regie von Philipp Stölzl und mit Tom Payne in der Hauptrolle fortgesetzt.

Handlung Die Handlung ist im 11. Jahrhundert angesiedelt, als die Heilkunde und deren Lehre in Persien wesentlich fortgeschrittener ist als in ganz Europa. Robert Cole hat eine außergewöhnliche Gabe: Er kann fühlen, wenn jemand unbehandelt eine ungünstige Prognose hat und der Tod kurz bevorsteht. Diese Vorahnung erfährt er das erste Mal als kleiner Junge bei seiner von der Seitenkrankheit betroffenen Mutter. Hilflos muss er zusehen, wie sie daran stirbt. Auf sich allein gestellt, schließt sich der junge Waise einem fahrenden Bader an, der ihm, neben den üblichen Taschenspielertricks, auch die Grundlagen der mittelalterlichen Heilkunde nahebringt, wie den Aderlass oder Zähneziehen. Schon als Lehrling erkennt Rob die Grenzen dieser einfachen Praktiken. Als der Bader erblindet, sucht Rob mit ihm in einer jüdischen Siedlung einen richtigen Medicus auf. Dieser heilt den Bader mittels eines Starstiches vollständig. Währenddessen spricht Rob mit den Jungen Jesse und Benjamin und anderen Mitgliedern der Siedlung und erfährt einiges über die jüdischen Sitten und Gebräuche. Beim gemeinsamen Schabbatmahl sieht er zum ersten Mal eine Weltkarte und hört von dem berühmten Universalgelehrten Ibn Sina, der im fernen Persien Medizin lehrt. Begeistert beschließt er, sich dort zum Arzt ausbilden zu lassen. Der Arzt, Wissenschaftler und Philosoph Ibn Sina, latinisiert Avicenna, leitet in Isfahan die bedeutendste Schule für angehende Mediziner der damaligen Welt. Im dortigen Reich ist allerdings die Ansiedelung von Christen nicht mehr erlaubt, nur Juden werden noch toleriert.

Bei der Ankunft in Ägypten gibt sich der Christ Rob als Jude aus, um in Persien studieren zu können. Dazu nimmt er unter nächtlichem Sternenhimmel an sich selbst eine Beschneidung vor. Unter dem Namen Jesse Ben Benjamin schließt er sich einer Karawane nach Isfahan an, in der auch Rebecca mitreist, die ihm die Geschichten von Aladin und Sindbad aus einem Buch vorliest. Als sie von einem Wüstensturm überrascht werden, scheinen nur Rob und ein weiterer Mann überlebt zu haben. Auch der Begleiter stirbt, und Rob kommt halbverdurstet allein in Isfahan an. Zwar wird er zunächst in Ibn Sinas Schule abgewiesen, doch als ihm ein Wächter eine Kopfverletzung zufügt, wird er als Patient aufgenommen. Ibn Sina behandelt ihn persönlich und ermöglicht ihm die Aufnahme in die Studentengruppe.

Im Bimārestān Ibn Sinas wird er in den Grundlagen damaliger wissenschaftlicher Medizin wie auch der Philosophie von Aristoteles ausgebildet. So erlernt Rob die Anamnese und medizinische Untersuchung inklusive der Pulsdiagnose, den Einsatz der analgetischen Wirkung von Opium sowie kleinere chirurgische Eingriffe. Als eine Pestepidemie in der Stadt ausbricht und Tausende vom Tode dahingerafft werden, bleiben die Mediziner an der Seite der Patienten. Nach und nach werden dabei wichtige Grundsätze der Hygiene entdeckt und umgesetzt. So erkennt Rob, dass Rattenflöhe als Überträger des Schwarzen Todes infrage kommen. Nach Eindämmung der Ratten gelingt es in Isfahan, die Pest zu überwinden. Er trifft Rebecca wieder, die als Ehefrau an den älteren Bar Kappara „verkauft“ wurde. Sie erkrankt an der Pest, doch ihr Mann flüchtet vor der Krankheit aus der Stadt und lässt sie zurück. Während der Pflege von Rebecca flammt Robs Leidenschaft für sie erneut auf. Sie wird von ihm schwanger, will die Liebe zu Rob ihrem Mann gegenüber nicht vertuschen und erwartet ihre Bestrafung nach jüdischem Recht. Währenddessen erzählt der Schah Rob, wie er von seinem Vater zu einem gefühlskalten Diktator erzogen wurde. Er möchte den „Engländer“, wie er ihn nennt, als Freund gewinnen und lädt ihn ein, zur Löwenjagd mitzukommen, lässt ihn jedoch prompt fortschicken, als dieser keinerlei Freude an den dekadenten Zerstreuungen des Palasts – Opiumrauchen und Haremsdamen – zeigt.

Rob ist stattdessen besessen davon, die menschliche Anatomie präziser zu studieren. Ein Konflikt entzündet sich an der ethischen Beurteilung der Obduktion am menschlichen Leichnam, die Ibn Sina scheut, da sie von den Religionen streng verboten ist. Von Quasim, einem an der Seitenkrankheit dahinscheidenden Zoroastrier, erfährt Rob, dass in dessen Religion der verstorbene Körper nicht intakt bleiben müsse. Heimlich führt Rob bei ihm eine Obduktion durch, um seine anatomischen Kenntnisse zu vertiefen, wobei er den entzündeten Wurmfortsatz als Todesursache entdeckt. Allerdings werden seine Forschungen aufgedeckt. Er und sein Meister werden verraten und vor dem Gericht der Mullahs zum Tode verurteilt. Sie werden gerettet, da sie beim Schah eine Blinddarmoperation unter Betäubung durchführen sollen: Die Seitenkrankheit wird besiegt.

Zeitgleich wird Isfahan durch Mullahs verraten, damit es erobert werden kann und Juden und weltliche ‚Gotteslästerer‘ wie Avicenna aus der Stadt vertrieben oder getötet werden. Im Chaos der Kämpfe können Rob und Ibn Sina nur knapp dem Tod entkommen. Nachdem eine Menge die Klinik zerstört, die Mitarbeiter ermordet und Lehrschriften in Brand gesteckt hat, begeht Ibn Sina Suizid durch Vergiftung. In der brennenden Bibliothek vertraut er vor seinem Tod dem Schüler noch sein medizinisches Vermächtnis an und nennt ihn Hakim Rob Cole.

Zum Dank für die gelungene Operation verhilft der Schah vielen Juden unter Robs Führung zur Flucht aus der Stadt. Er und Rebecca, die in letzter Sekunde vor der vom Ältestenrat beschlossenen Steinigung wegen Ehebruchs gerettet werden kann, suchen eine Heimat, wo die Heilkunst praktiziert werden und das gemeinsame Kind aufwachsen kann. In der Schlussszene erfährt Coles erster Lehrmeister, der Bader, von einem in London eröffneten Krankenhaus, das, wie der Alte erschließt, von seinem zurückgekehrten ehemaligen Schüler und dessen Frau geführt wird. Daraufhin macht er sich auf den Weg zu dem Krankenhaus.

Romanvorlage Noah Gordons historischer Roman The Physician (Originaltitel) erschien 1986 im Verlag Simon & Schuster und ist der erste Band einer Trilogie, die mit fiktiven Geschichten von Rob Cole, dessen Familie und seinen Nachfahren den Fortschritt der Medizin beschreibt. Die Fortsetzungen sind Der Schamane (Shaman) und Die Erben des Medicus (Matters of Choice). 1987 erschien Gordons The Physician in Deutschland unter dem Titel Der Medicus und wurde zu einem internationalen Erfolg. Allein im deutschsprachigen Raum wurden die Abenteuer von Rob Cole über sechs Millionen Mal verkauft. Der Film entfernt sich jedoch in weiten Teilen von der Vorlage Interview mit Gordon anlässlich der Premiere des Films Medicus, viele Rollen wurden anders umgesetzt als im Buch beschrieben (der Bader, Karim) oder komplett weggelassen (die schottische Christin Mary Cullen wurde durch die Jüdin Rebecca ersetzt). Auch der Verlauf der Geschichte wurde stark geändert: Für Mary wurde keine Ehe arrangiert, sie reist mit ihrem Vater, die religiösen Konflikte erfahren in der Filmfassung als Kampf zwischen fundamentalistischen islamischen und toleranteren Auffassungen eine Aktualisierung.

Fakten und Fiktion Der Film enthält wahre und fiktive Elemente:

Avicenna (980 bis 1037) begann seine berufliche Karriere als Arzt mit 17 Jahren, als er in den medizinischen Dienst des samanidischen, von 976 bis 997 in Buchara regierenden Noah ibn Manssur trat. Fortan war er der Arzt vieler Könige und wechselte nach deren jeweiligen Dahinscheiden die Stadt, um andere Könige zu behandeln, darunter: den mamunidischen Ali ibn Mamun (der in Gurgandsch von 997 bis 1009 regierte), von 1014 bis 1015 den bujidischen Madschd-al-Daula Rustam, den er von einer Schwarzgallenkrankheit heilte, und seine Mutter Sajjida, der Macht hinter dem König, von 1015 bis 1021 den bujidischen Schams-al-Daula in Hamadan und ab 1024 Ala-al-Daula in Isfahan. Er verstarb 1037 an Kolik, nicht auf Grund eines Suizids. Die Szene, dass er in der brennenden Bibliothek seinen Tod finden wollte, kann jedoch auch eine Art sein, zu zeigen, wie viel ihm Wissen bedeutete. Die Herrschaft des bujidischen Ala-al-Daula über Isfahan wurde einige Male unterbrochen, einmal durch die Gasnawiden, die 1029 einmarschierten und die Bevölkerung massakrierten. Sie verursachten eine 20 Jahre lang andauernde Abwanderung aus Isfahan. Zwischen dem 8. und 13. Jahrhundert, das heißt also auch zu Zeiten von Avicenna, wütete in Westasien keine Pest.Genom des Schwarzen Todes vollständig rekonstruiert (PDF; 861 kB), Pressemitteilung der Universität Tübingen, 12. Oktober 2011. A draft genome of Yersinia pestis from victims of the Black Death, doi:10.1038/nature10549 Allerdings werden Kranke im Neupersischen je nach Dialekt bemar / bimar genannt, was wörtlich ohne (‚be‘/‚bi‘) Schlange (‚mar‘) bedeutet. Das zeigt, dass die Behandlung einiger Krankheiten mit Schlangen wahr sein kann und es womöglich auf Grund einer solchen erfolgreichen Behandlungsmethode in Westasien keine Pest gab. Im Schlussbild wird London mit dem Tower gezeigt. Der Tower wurde aber erst nach der normannischen Eroberung gebaut. Die gezeigte Kernburg (White Tower) in Steinbauweise entstand sogar erst ab 1080, also Jahrzehnte nach Rob Coles fiktiver Heimkehr ins damals noch angelsächsische England. Mohn war in Europa vor dem 11. Jahrhundert bereits als Schmerzmittel bekannt und wird häufig im Lorscher Arzneibuch (8. Jahrhundert) sowie im Liber de cultura hortorum von Walahfrid Strabo (9. Jahrhundert) erwähnt. Die im Film verwendete Karte Europas geht auf Al-Idrisi (lat. Dreses), den königlichen Hofgeographen von Roger II. aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts zurück. Hexenglaube sowie Unterscheidung in weiße und schwarze Magie sind im 11. Jahrhundert noch kein weit verbreitetes Phänomen. Die Verbindung zwischen Westeuropa und Westasien in dieser Zeitepoche ist nicht von ungefähr. Avicenna war wegen seiner medizinischen Werke vom frühen 14. bis Mitte des 16. Jahrhunderts in Westeuropa so hoch angesehen wie Galenos und Hippokrates. Seine medizinischen Lehrwerke wurden nach seinem Ableben ins Latein übersetzt und insbesondere sein Canon medicinae wurde an westeuropäischen Universitäten behandelt: in Montpellier ab 1309, in Paris ab 1330 und deutsche Universitäten folgten daraufhin. Vom 15. bis ins 16. Jahrhundert gehörte der Canon zu den meist gedruckten Medizinlehrwerken in Europa. In dem Bestreben ab dem 16. Jahrhundert, mehr griechische und römische Literatur zu nutzen, wurde der Canon immer weniger, jedoch immer noch bis ins 18. Jahrhundert behandelt (an den spanischen Universitäten Valladolid und Salamanca und individuell von einigen Professoren, z. B. von Werner Rolfinck 1670 in Jena und von Giovanni Battista Morgagni 1712 bis 1715 in Padua).

Produktion Wolf Bauer und Nico Hofmann waren die Produzenten hinter dem Großprojekt. Es handelte sich um eine deutsche Produktion der mit ihrem Hauptsitz in Babelsberg ansässigen UFA Cinema, in Koproduktion mit der ARD Degeto und Beta Cinema. Ausführender Produzent war Sebastian Werninger, Producer ist Ulrich Schwarz. Christine Strobl war Koproduzentin (ARD Degeto), die Redaktion lag bei Roman Klink (ARD Degeto). Gefördert wurde die Filmadaption von Der Medicus durch den Deutschen Filmförderfonds, die Film- und Medienstiftung NRW, die Mitteldeutsche Medienförderung, die Filmförderungsanstalt (FFA) und das Medienboard Berlin-Brandenburg.