Moritz Wesseler (* 1980 in Bremerhaven) ist ein deutscher Kunsthistoriker und Kurator. Seit 1. November 2018 ist Wesseler Direktor des Museums Fridericianum in Kassel.

Biografie Wesseler, geboren 1980 in Bremerhaven, studierte Betriebswirtschaftslehre und Kunstgeschichte in Mainz und Paris. Parallel zu seinem Studium organisierte er mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern Ausstellungen. So zeigte er Akteure wie Martin Boyce, Ceal Floyer, Anri Sala oder Cathy Wilkes. Zeitgleich gab er Künstlerbücher sowie Kataloge unter anderem zu Gregor Schneider, Luc Tuymans oder Christopher Williams heraus und baute das Archivs des Kabinetts für aktuelle Kunst in Bremerhaven auf, das 1967 von seinem Vater Jürgen Wesseler gegründet worden war. Nach dem Abschluss seiner Ausbildung arbeitete er an der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf und begleitete die Ausstellungsreihe Double am Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main.

Ab 2013 arbeitete Wesseler als Leiter des Kölnischen Kunstvereins, an dem er vielbeachtete Ausstellungen von internationalen Künstlern wie Ketuta Alexi-Meskhishvili, Uri Aran, Darren Bader, Talia Chetrit, Leidy Churchman, Alex Da Corte, Nathalie Djurberg & Hans Berg, João Maria Gusmão + Pedro Paiva, Petrit Halilaj, Cameron Jamie, Annette Kelm, Walter Price, Stephen G. Rhodes, Pietro Roccasalva, Avery Singer, Christiana Soulou, Andra Ursuta oder Andro Wekua realisierte. Parallel zur Umsetzung dieser Präsentationen lag ein besonderer Schwerpunkt seiner Programmatik auf der Vermittlungsarbeit sowie auf der Öffnung des Kölnischen Kunstvereins für ein breiteres Publikum. So wurden in der Institution in regelmäßigem Turnus Vorträge, Gespräche, Konzerte und Performances ausgerichtet, während sie gleichzeitig eine große Beitrittswelle durch die Einführung der sog. Vereinsgabe (vgl. Nietenblatt) erlebte, einer kostenlosen Editionsserie, die von den prominenten Kunstschaffenden Rosemarie Trockel, Lawrence Weiner, Kai Althoff, Isa Genzken sowie Luc Tuymans gestaltet wurde.

Seit dem 1. November 2018 ist Moritz Wesseler Direktor des Fridericianum in Kassel.monopol Magazin für Kunst und Leben vom 7. September 2018: Kassel: Moritz Wesseler wird Direktor des Fridericianum abgerufen am 8. September 2018 Im Fokus seines Programmkonzepts stehen internationale Positionen, denen in Deutschland institutionell bislang noch keine Plattform geboten wurde und die versuchen, mit ihren Werken Fragen zu den vielfältigen künstlerischen, aber auch gesellschaftspolitischen, ökologischen und philosophischen Entwicklungen unserer Zeit zu formulieren.

Hierzu zählen etwa Lucas Arruda, Ron Nagle, Rachel Rose, Tarek Atoui, Vincent Fecteau, Martine Syms, Toba Khedoori, Roberto Cuoghi, Tauba Auerbach, Lee Kit, Mario García Torres, Portia Zvavahera, Catherine Opie, Peter Fischli oder Charles Ray. Ferner werden im Rahmen von Retrospektiven historische Positionen wie Forrest Bess, Ulla Wiggen, Melvin Edwards oder Robert Grosvenor in den Blick genommen, die für den zeitgenössischen Diskurs von großer Relevanz sind. Dabei konzipiert Wesseler viele der Projekte derart, dass sie von Kassel aus auf Ausstellungstourneen in weiteren europäischen Museen und Kunsthallen, etwa in der Kunsthalle Bern, im Palais de Tokyo in Paris, im MUDAM – Musée d’art moderne Grand Duc Jean oder im Museu de Arte Contemporânea de Serralves in Porto, gezeigt werden. Dazu erarbeitet Wesseler regelmäßig wissenschaftliche Publikationen und Künstlerbücher. Ergänzt werden die Ausstellungen von diversen Bildungs- und Vermittlungsangeboten, die sich an ein dezidiert breites Publikum wenden.

Neben der Programmatik steht bei Moritz Wesseler die Gestaltung des Hauses zu einem Ort des Austauschs über die Kulturproduktion der Gegenwart im Mittelpunkt seiner Aktivitäten. Das Fridericianum lädt regelmäßig internationale Kunstschaffende zu Gesprächen, Performances, Filmvorführungen, Pop-up-Projekten und Interventionen ein. Eine weithin wahrgenommene Aktivität markierte dabei am 3. November 2020, dem Abend der Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten von Amerika, die umfassende Illumination der Fassade des Fridericianum durch die US-amerikanische Künstlerin Trisha Baga mit der filmischen Arbeit HOPE. Einen weiteren kuratorischen Akzent stellte 2025 die anlässlich des 70. Jubiläums der documenta realisierte Intervention 7000 Palmen von Cosima von Bonin dar, in deren Rahmen Kinder, Jugendliche und Erwachsene gemeinschaftlich den Stadtraum von Kassel mit insgesamt rund 127 Kilometer langen grünen und weißen Wimpelketten in Palmenform ausstatteten. Als weitere Maßnahme zur Öffnung des Fridericianum für ein großes Publikum wurde während der Direktion von Moritz Wesseler die Rotunde des Gebäudes von Kerstin Brätsch in ein Café transformiert.

Neben seiner Programmarbeit in Kassel betreut Moritz Wesseler weiterhin das Kabinett für aktuelle Kunst in Bremerhaven, engagiert sich im Vorstand der Kunsthalle sowie des Kunstmuseums Bremerhaven und betätigt sich als Mitglied nationaler und internationaler Jurys.

Veröffentlichungen (Auswahl) Hrsg.: Gregor Schneider ~ N. Schmidt, 2001-2003, Bremerhaven 2006. Palermo. Bekannte Fakten und einige neue Erkenntnisse zu seiner Person, in: Palermo, hrsg. von Ulrike Groos, Vanessa Joan Müller und Susanne Küper, Ausstellungskatalog Düsseldorf, Kunsthalle und Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen 2007, Köln 2007. Hrsg.: Luc Tuymans ~ Ende, mit einem Gespräch von Udo Kittelmann mit Luc Tuymans, einem Statement von Anri Sala, Luc Tuymans und einer Einführung von Moritz Wesseler, Salon Verlag, Köln 2009, ISBN 978-389770303-2 (Dokumentation der gleichnamigen Ausstellung im Kabinett für aktuelle Kunst, Bremerhaven, 9. September – 18. November 2007) (deutsch/englisch, Übersetzung Stephen Reader und Corinna Dirting). mit Mario Kramer (Hrsg.): Andreas Slominski und Gregor Schneider ~ Hochzeit, Frankfurt am Main 2009. (Hrsg.): Anri Sala. Title Suspended, mit Textbeiträgen und einem Interview von Moritz Wesseler mit Anri Sala (anlässlich der Präsentationen von Anri Sala im Kabinett für aktuelle Kunst in Bremerhaven sowie im MMK Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main), Salon Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-89770-367-4 (in englischer Sprache). Gregor Schneider ~ physisch/psychisch, in: Neues Rheinland. Die postironische Generation, hrsg. von Markus Heinzelmann und Stefanie Kreuzer, Ausstellungskatalog Museum Schloss Morsbroich Leverkusen 2010–2011, Berlin 2010. Vom Großen zum Kleinen (und zurück), in: Werkstatt. Matthias Weischer, hrsg. vom Museum der bildenden Künste Leipzig, München/London/New York 2011. Cloud Cities, in: Tomás Saraceno, hrsg. von Marion Ackermann, Daniel Birnbaum, Udo Kittelmann und Hans Ulrich Obrist, Kat. Ausst., Berlin und Düsseldorf {Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart und K21 Ständehaus} 2011–2012, Berlin 2011. zusammen mit Stefan Kalmár, Jordan Wolfson und Valerie Malsburg: Jordan Wolfson (8. September 2011 bis 15. Januar 2012, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K20 K21, Düsseldorf, Schmela-Haus), deutsch/englisch (Übersetzung Lance Anderson und Uta Grosenick), Distanz-Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-942405-48-5. (Hrsg.): Program. Christopher Williams, Köln 2012.

Literatur Melanie Weidemüller: Wir machen die Ausstellungen schließlich nicht für uns, Weißer Rauch über dem Kölnischen Kunstverein: Im Juli tritt Moritz Wesseler als neuer Direktor an, in: Stadtrevue. Das Monatsmagazin für Köln, 07-13 (Juli 2013), S. 59. Eine spannende Region. Moritz Wesseler, neuer Leiter des Kölnischen Kunstvereins, im Gespräch; das Gespräch führte Michael Kohler. In: Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 163, 17. Juli 2013, S. 21.

Weblinks Fürstenberg Zeitgenössisch Moritz Wesseler: Kölnischer Kunstverein hat neuen Direktor, Kölner Stadt-Anzeiger (KStA) Kultur vom 22. Mai 2013 Ulrich Raphael Firsching: Moritz Wesseler leitet den Kölnischen Kunstverein, kunstmarkt.com News vom 28. Mai 2013 Adrienne Braun: Neues Stipendium Schloss Heiligenberg: Von den Medici abgeschaut, art Das Kunstmagazin vom 25. August 2011 Alexandra Wach: "Ich liebe die bunte Mischung" Warum nicht auch in den Keller gehen? Moritz Wesseler, der neue Chef des Kölnischen Kunstvereins, über seine Pläne, monopol Magazin für Kunst und Leben vom 4. September 2013

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