Der Bahnhof Dillingen (Saar) ist ein Personenbahnhof an der Saarstrecke zwischen Saarbrücken und Trier in der saarländischen Stadt Dillingen. Angeschlossen an den Bahnhof ist ein Busbahnhof.

Überblick Der Bahnhof Dillingen (Saar) liegt am westlichen Rand der Innenstadt von Dillingen, in direkter Nähe zu Post, Fußgängerzone Stummstraße, Rathaus und Stadthalle und ist an das Busnetz der Kreisverkehrsbetriebe sowie der Regionalbusse durch einen Busbahnhof angeschlossen. Für den Individualverkehr stehen Kurzzeitparkplätze sowie Fahrradabstellplätze vor dem Empfangsgebäude zur Verfügung.

Der Bahnhof verfügt über ein Reisezentrum sowie Einkaufsmöglichkeiten. Ein stufenfreier Zugang ist zu den hauptsächlich bedienten Gleisen 1 am Hausbahnsteig und 4 und 5 an einem Mittelbahnsteig gewährleistet.

Am Bahnhof Dillingen (Saar) nimmt die Niedtalbahn nach Niedaltdorf ihren Ausgang, auf der bis 1945 Personenverkehr nach Bouzonville und zeitweise bis nach Metz stattfand. Einmal jährlich am Karfreitag wird diese Strecke wieder über die französische Grenze hinaus bis nach Bouzonville bedient.

Geschichte Vorplanungen 17 Jahre nachdem die Königlich privilegierte Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft mit Sitz in Nürnberg und Fürth am 17. Dezember 1835 mit königlich-bayerische Konzession die erste deutsche Eisenbahnstrecke von Nürnberg nach Fürth mit Dampfkraft für den Personen- und Güterverkehr vor großem Publikum eröffnet hatte, forderte die königlich-preußische Regierung in Berlin im Jahr 1852 die Gemeinde Dillingen auf, sich mit einer Eisenbahnanbindung für Dillingen zu beschäftigen.

Die Gemeinde sollte unentgeltlich für eine eventuelle Trassenverlegung Gemeindeland abtreten und Zuschüsse zum Erwerb von Grundeigentum von Dillinger Privatleuten bewilligen. In dem Antwortschreiben des Gemeinderats nach Berlin vom 17. Juni 1852 äußerte man sich in Dillingen allerdings ablehnend:

Die Regierung in Berlin forderte im Jahr 1855 die Gemeinde Dillingen nochmals auf, zu der Errichtung einer Eisenbahnlinie Stellung zu nehmen. Im darauf folgenden Gemeinderatsbeschluss vom 6. September 1855 verhielt sich die Gemeinde abermals ablehnend. Man erwarte keinen wesentlichen Vorteil durch den Eisenbahnbau, da man weitgehend agrarisch orientiert sei und die bäuerlichen Ländereien durch den Eisenbahnbau nur verstümmelt würden und an Wert verlören, so die Dillinger Rückantwort nach Berlin.Lehnert, Aloys: »Geschichte der Stadt Dillingen Saar«, Druckerei Krüger, Dillingen 1968, S. 558–559

Die Dillinger Hütte, die bereits 723 Arbeiter bei einer Einwohnerzahl von 1731 beschäftigte, betrieb allerdings vehement den Bau der Eisenbahn durch Dillingen. In einer Gemeinderatssitzung vom 30. April 1858 wurde dann die bisherige ablehnende Haltung aufgegeben und die Gemeinde Dillingen überließ der Eisenbahndirektion „10 Morgen, 13 Ruten und 71 Fuß Gemeindeland für 4866 Taler, 26 Silbergroschen und 10 Pfennig“, und die Privatbesitzer gaben ihr Land gegen Entschädigungszahlungen ab.Lehnert, Aloys: »Geschichte der Stadt Dillingen Saar«, Druckerei Krüger, Dillingen 1968, S. 559

Inbetriebnahme Am 16. Dezember 1858 konnte die eingleisige Strecke Saarbrücken–Merzig von der Königlich-Preußischen Staatseisenbahn in Betrieb genommen werden. Die Strecke von Merzig nach Trier war am 26. Mai 1860 betriebsbereit. Die Baukosten beliefen sich auf 8.000.000 Taler.Otto Beck: Beschreibung des Regierungsbezirkes Trier, 3. Band, Trier 1869Kurt Hoppstädter, Die Entwicklung des saarländischen Eisenbahnnetzes als Voraussetzung für die Bildung des Wirtschaftsraumes an der Saar, Saarbrücker Hefte, Heft 4, 1956, S. 62–76Kurt Hoppstädter: Die Entstehung des saarländischen Eisenbahnnetzes, Saarbrücken 1961 Die Strecke Saarbrücken-Trier wurde im Jahr 1880 zweigleisig ausgebaut.Lehnert, Aloys: »Geschichte der Stadt Dillingen Saar«, Druckerei Krüger, Dillingen 1968, S. 559

Ursprünglich sollte die Trassenführung nicht der Saar folgen, sondern an der oberen Prims und durch das Ruwertal nach Trier verlaufen. Nach Einspruch der Mettlacher Firma Villeroy & Boch, der Dillinger Hütte und der Städte Saarbrücken und Trier wurde dieser Plan fallengelassen.

Mit dem Bau der Pfälzischen Ludwigsbahn durch die Pfälzische Ludwigsbahn-Gesellschaft im Zeitraum von 1847 bis 1849 und deren Streckenerweiterung in den Jahren 1850 bis 1852 nach Neunkirchen, Sulzbach und Saarbrücken in das damals preußische Kohlerevier wurde der bahntechnische Anschluss Dillingens an den Rhein bis Mannheim erreicht.

Mit dem Bau der Bahnstrecke von Koblenz nach Trier zwischen den Jahren 1874 und 1879 konnte Dillingen eisenbahntechnisch an das Mittelrheingebiet angeschlossen werden. Die Strecke stand im Zusammenhang mit dem Bau der strategischen „Kanonenbahn“ von Berlin nach Metz im heutigen Frankreich.

Zweiglinien und Ausbau als Eisenbahnknotenpunkt mini|Dillingen, heutige Eisenbahnbrücke über die Saar, Strecke Dillingen–Bouzonville Strecke Dillingen–Dillinger Hütte Auf Gemeinderatsbeschluss Dillingens vom 23. Mai 1857 wurde eine Abzweigung der Trasse vom Dillinger Bahnhof zu den Dillinger Hüttenwerken bewilligt.Lehnert, Aloys: »Geschichte der Stadt Dillingen Saar«, Druckerei Krüger, Dillingen 1968, S. 559 Strecke Dillingen–Busendorf–Metz mini|Bahnhof Bouzonville, Empfangsgebäude (Straßenfassade) mini|Bahnhof Bouzonville, Empfangsgebäude (Gleisfassade) mini|Bahnhof Metz Der erste Vorschlag zum Bau einer Strecke Dillingen–Busendorf (Bouzonville) zwischen dem Saartal und dem östlichen Lothringen war bereits im Jahr 1878 in der elsass-lothringischen Kommission für den Bau von Lokaleisenbahnen gemacht worden, die auf Anregung des Reichskanzlers Otto von Bismarck aus Vertretern des Landesausschusses und der Eisenbahnverwaltung gebildet worden war. Konkret wurden die Planungen jedoch erst Jahre später. Die von der Reichseisenbahn beantragten Zuschüsse zum Bau in Höhe von rund 8,99 Millionen Mark wurden am 12. März 1897 vom Reichstag in Berlin genehmigt. Mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde Dillingen wurde im Herbst 1897 mit dem Bau der zweigleisigen Strecke vom lothringischen Busendorf nach Dillingen begonnen. Damit hatte man die Stadt Merzig als geplanten Anschlusspunkt der Neubaustrecke verdrängen können. Der Streckenbau war am 1. Juli 1901 vollendet. Zusätzlich wurde ein Abzweiggleis Richtung Frankreich gebaut, das nur militärischen Zwecken diente und bei einem eventuellen Krieg gegen Frankreich zum Einsatz kommen sollte. Beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges liefen dann auch alle Truppenbewegungen von Trier aus über dieses Gleis Richtung Frankreich.

Nach der Strecke Bous–Teterchen war die Trasse durch das Niedtal die zweite Eisenbahnlinie zwischen Saartal und Ostlothringen. Die beiden Gemeinden Busendorf und Dillingen hatten sich um diesen Trassenverlauf besonders bemüht. Busendorf wollte einen besseren Anschluss an das Saartal, und Dillingen hatte für einen finanziellen Zuschuss von 25.000 Mark den Zuschlag als Ausgangspunkt der Strecke im Saartal bekommen. Zwischen Dillingen und Busendorf war die Bahnlinie zweigleisig, von dort bis zum Bahnhof Metz eingleisig ausgebaut.Niels Wilcken: Architektur im Grenzraum, Das öffentliche Bauwesen in Elsaß-Lothringen (1871–1918), Saarbrücken 2000, Seite 121–136. Die Strecke hatte außerdem von Anfang an hohe wirtschaftliche Bedeutung, denn die Dillinger Hütte erhielt auf diesem Weg ihre Minette-Erzlieferungen aus Lothringen.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 war die neue Reichsgrenze so festgelegt worden, dass große Teile der bekannten Minettevorkommen in deutschem Gebiet lagen und nun dem Reichsland Elsaß-Lothringen zugeordnet waren. Hierfür hatte sich unter anderem der Geologe Wilhelm Hauchecorne eingesetzt, der Mitglied der Grenzregulierungskommission war.Helmut Frühauf: Eisenindustrie und Steinkohlenbergbau im Raum Neunkirchen/Saar, (Forschungen zur deutschen Landeskunde, Band 217) Zentralausschuss für deutsche Landeskunde, Trier 1980, S. 56. Obwohl die deutschen Behörden erheblich mehr Bergbaukonzessionen erteilten als zuvor die französischen, steigerte sich die Erzförderung bis 1879 kaum. Dies änderte sich ab den 1880er Jahren, unter anderem durch die bessere Erschließung des Minettegebiets durch Eisenbahnen.Helmut Frühauf: Eisenindustrie und Steinkohlenbergbau im Raum Neunkirchen/Saar, (Forschungen zur deutschen Landeskunde, Band 217) Zentralausschuss für deutsche Landeskunde, Trier 1980, S. 59, S. 74.Stefanie van de Kerkhof: Die Industrialisierung der lothringisch-luxemburgischen Minette-Region, in: Toni Pierenkemper: Die Industrialisierung europäischer Montanregionen im 19. Jahrhundert, Stuttgart 2002, S. 225–276, hier S. 271. Bohrungen in den 1880er Jahren ergaben, dass sich die Minettevorkommen weiter nach Westen erstreckten als bislang angenommen und dabei mit zunehmender Tiefe an Mächtigkeit und Eisengehalt zunahmen. Bis zum Jahr 1909 entstanden im französischen Teil Lothringens, dem Département Meurthe-et-Moselle, insbesondere im Becken von Briey, 16 Bergwerke, die Minette im Schachtbetrieb förderten.Helmut Frühauf: Eisenindustrie und Steinkohlenbergbau im Raum Neunkirchen/Saar, (Forschungen zur deutschen Landeskunde, Band 217) Zentralausschuss für deutsche Landeskunde, Trier 1980, S. 75f.

Während die militärische Nutzung der Bahnstrecke mit dem für das Deutsche Reich verlorenen Ersten Weltkrieg im Jahr 1918 ihr Ende fand, gingen die lothringischen Erzlieferungen nach dem Anschluss des Saargebietes an das Deutsche Reich im Jahr 1935 noch weiter, wobei bis Kriegsbeginn im Jahr 1939 der französischen Regierung das Sonderrecht eingeräumt wurde, die Erzzüge nach Dillingen von französischem Personal begleiten zu lassen. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Eisenbahnbrücke der Strecke über die Saar zerstört, so dass der Betrieb der Strecke bis zur Grenze am Bahnhof Niedaltdorf zunächst nicht wieder aufgenommen wurde; ein durchgehender Betrieb nach Metz war ohnehin nicht mehr möglich. Bis heute verkehren Güterzüge zur Dillinger Hütte grenzüberschreitend auf dieser Strecke, während der Personentransport auf französischer Seite in Bouzonville und auf deutscher Seite in Niedaltdorf endet. Nur einmal im Jahr während des Karfreitagsmarktes von Bouzonville, der Zehntausende von Besuchern aus der ganzen Großregion anzieht, verkehren am Karfreitag drei durchgehende Sonderzüge mit Personentransport zwischen Dillingen und Bouzonville. Die eingesetzten Dieseltriebwagen 628 erreichen nach sechs Minuten Siersburg, nach 13 Minuten Hemmersdorf und nach 31 Minuten das französische Bouzonville.Saarbrücker Zeitung vom 28. März 2013, Per Sonderzug nach Bouzonville

Der Bahnhof von Bouzonville wurde um 1900 errichtet und befindet sich bis heute äußerlich weitgehend im Originalzustand. Auf den Bahnsteigen finden sich im Boden noch immer die in deutscher Sprache beschrifteten metallenen Deckel der Kabelstränge, die während der deutschen Annexion der Jahre 1940–1944 von der Reichsbahn neu verlegt wurden. Der Bahnhof zwischen Niedaltdorf und Gerstlingen wurde ebenfalls um 1900 errichtet, um beiden Dörfern als Haltepunkt zu dienen. In den Jahren 1918, 1935 und 1945 wurde er zum Grenzbahnhof. Seit rund 30 Jahren dient das Gebäude als privates Wohnhaus.