As-Sābiqūn () ist eine an zwei Stellen im Koran erwähnte Personengruppe, die eine wichtige Rolle im islamischen Denken spielt.

Koranische Aussagen Die Gruppe der Sābiqūn begegnet zum ersten Mal in einer Sure aus frühmekkanischer Zeit und wird dort als die „Nahestehenden“ (al-muqarrabūn) positiv den Rechten und den Linken gegenübergestellt (Sure 56:8-11). Der Begriff bleibt dabei aber rätselhaft.Vgl. Angelika Neuwirth: Frühmekkanische Suren. Poetische Prophetie. Berlin 2011. S. 631.

An der zweiten Stelle, die aus spätmedinischer Zeit stammt,Vgl. Theodor Nöldeke: Geschichte des Qorans. Band I. Leipzig 1909. S. 224. wird ein Zusammenhang mit den Prophetengefährten hergestellt. Gott, so wird erklärt, habe an den "ersten Vorausgehenden" (as-sābiqūn al-awwalūn) von den Auswanderern und den Helfern und denjenigen, die ihnen folgen, Wohlgefallen und ihnen Gärten der Glückseligkeit bereitet (Sure 9:100).

As-Sābiqūn al-auwalūn bei Ibn Hischām Aus den koranischen Aussagen ist abgeleitet worden, dass es sich bei as-Sābiqūn al-auwalūn um die frühesten Anhänger des Propheten handeln muss. Ibn Hischām nennt in seiner Prophetenbiographie insgesamt 53 Personen dieser Personengruppe zu, und zwar ʿAlī ibn Abī Tālib, Mohammeds Sklaven Zaid ibn Hāritha, Abū Bakr, ʿUthmān ibn ʿAffān, az-Zubair ibn al-ʿAuwām, ʿAbd ar-Rahmān ibn ʿAuf, Saʿd ibn Abī Waqqās und Talha ibn ʿUbaidallāh als die ersten acht Muslime, darüber hinaus aber auch folgenden Personenkreis, der insgesamt 45 Personen umfasst:

As-Sābiqūn in der Schia In der Schia wird der Begriff as-Sābiqūn auf den Propheten Mohammed, die Imame und Fatima bint Mohammed bezogen, die als präexistente Wesen aufgefasst werden, die als erste auf Gottes Frage "Bin ich nicht Euer Herr?" (a-lastu bi-rabbi-kum; Sure 7:172) geantwortet haben.Vgl. McEoin. Auch den Engeln ist aufgetragen, sich vor dieser Personengruppe niederzuwerfen.Vgl. Heinz Halm: Die islamische Gnosis. Die Extreme Schia und die Alawiten. Zürich-München 1982. S. 160.

In dem aus der Zwölfer-Schia hervorgegangenen Babismus wird der Begriff für 18 Schüler des Bab verwendet, die zusammen mit ihm die sogenannten „Buchstaben des Lebendigen“ (hurūf al-hayy) bilden.Vgl. McEoin.

Literatur Asma Afsaruddin: "Medieval Islamic Discourse on Legitimate Leadership and Its Modern Implications" in The American Journal of Islamic Social Sciences 20 (2003) 80–94. D. MacEoin: Art. "As-Sābiḳūn " in The Encyclopaedia of Islam. New Edition Bd. VIII, S. 678b–679a. Miklos Muranyi: Die Prophetengenossen in der frühislamischen Geschichte. Bonn 1973. S. 32–40. Miklos Muranyi: Die ersten Muslime von Mekka – soziale Basis einer neuen Religion? In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam 8 (1986) 25–35.

Einzelnachweise

Kategorie:Vokabular des Korans