Mitteleinstiegswagen sind Reisezugwagen, bei denen sich der Einstieg in der Mitte des Wagens befindet. Für Schweizer Normalspurbahnen wurden solche Fahrzeuge hauptsächlich in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis Mitte der 1960er Jahre gebaut.
Holzkastenwagen SBB Pendelzugwagen 1925–1933 mini|Pendelzug mit Steuerwagen ABt 1961 in Beinwil am See Die ersten Mitteleinstiegswagen entstanden, um im Vorortsverkehr gegenüber den bis dahin üblichen Endeinstiegen (mit offenen Plattformen) zusätzliche Ein- und Ausstiege zu erhalten und den Fahrgastwechsel zu beschleunigen. Entsprechende Doppelwagen aus zwei kurzgekuppelten Zweiachsern bauten die SBB aus B3, AB3 und AB3ü nach Vorbild der Stuttgarter Vorortwagen selbst umWalter Trüb: Die Personenwagen der SBB (Normalspur) 1902–1970, mit Nachtrag 1971–1977. Erweiterter Separatabdruck aus dem Eisenbahn-Amateur Nr. 2/1968 bis Nr. 2/1970, Eisenbahn-Amateur 1977, Seiten 28–30. Die ersten beiden Züge erschienen 1928 in blau-weissem Anstrich, was ihnen den Namen «Arbeiter-Pullmann» eintrug. Die Züge aus drei Doppelwagen wurden von den Fe 4/4 18517–18 geführt und hatten am anderen Ende einen Steuerwagen Bt4 4001 und BCt4 5301Hans Schneeberger: Die elektrischen und Dieseltriebfahrzeuge der SBB, Band 1: Baujahre 1904–1955. Minirex, Luzern 1995, ISBN 3-907014-07-3, Seiten 179–184. Der blau-weisse Anstrich verschwand ungefähr 1935 wieder.Peter Willen: Lokomotiven der Schweiz, Normalspur Triebfahrzeuge. Dritte ergänzte und überarbeitete Auflage. Orell Füssli Verlag, Zürich 1975, ISBN 3-280-00800-X, Seite 69 Bis 1933 wuchs der Bestand an – nun grünen – Doppelwagen auf 27, wovon ein Polsterklassewagen und fünf gemischtklassige. Die entsprechenden Steuerwagen waren vierachsig mit Schwanenhalsdrehgestellen, hatten einen Holzkasten auf einem Profileisenrahmen und neben den Endeinsteigen ebenfalls einen zusätzlichen Mitteleinstieg. Von diesen Steuerwagen liessen die SBB 1925–28 bei SWS insgesamt 10 Stück bauen, vier CFt4 9751–54 mit Gepäckabteil, fünf gemischtklassige BCt4 5301–05 und einen Polsterklassewagen Bt4 4001. Sie konnten ausser mit den Fe 4/4 auch mit den Ce 4/6-Triebwagen eingesetzt werden.Hans Schneeberger: Die ersten elektrischen Personentriebwagen der SBB. in: Schweizer Eisenbahn-Revue 2/1988, Seiten 61–66, 4/1988, Seiten 142–145 und 5/1988, Seiten 177–193Hans Schneeberger: Die ersten elektrischen Gepäcktriebwagen Fe 4/4 der SBB. in: Schweizer Eisenbahn-Revue 8/1989, Seiten 160–65, 9/1989, Seiten 211–215 und 10/1989, Seiten 222–230 1958 begann die Ausrangierung dieser Wagen, einige Polsterklassewagen wurden noch deklassiert und 1969 verschwand der letzte Steuerwagen.
Bezeichnung bei Ablieferung Inbetriebnahme Hersteller Umbaujahre spätere Bezeichnungen Anstrich Ausrangierung Bt4 4001 1928 SWS - Bt4 921, At4 921 blau/weiss, grün 1960 B-B 4011 (1907) SBB 1933 B-B 3401, A-A 3401, B-B 3401 grün 1965 B-C 4201–4204B-C 4205 (1897–1901)(1907) SBB 19251933 B-C 4901–04, A-B 4901–04, B-B 4901–03B-C 4905, A-B 4905, B-B 4905 blau/weiss, grün grün 1959–651961 BCt4 5301–5305 1927 SWS - BCt4 925–929, ABt4 1961–1965, ABt 1981–1985 grün (5301 auch blau/weiss) 1966–1969 C-C 5701–5713C-C 5714–5721 (1897–1901)(1907) SBB 19281933 C-C 9801–13, B-B 9801–13C-C 9814–21, B-B 9814–21 blau/weiss, grüngrün 1958–1965 CFt4 9751–9754 1925 SWS - CFt4 931–934, BFt4 1971–1974, BFt4 1968–1970 grün 1961–1964
Umbauwagen der Südostbahn 1942–1944
Mit dem dringenden Bedürfnis, den Wagenpark zu erneuern, aber ohne die notwendigen flüssigen Mittel, fand sich die Südostbahn (SOB) während des Zweiten Weltkrieges. Zwar kamen mit der Elektrifikation 1939 acht moderne Personentriebwagen in Betrieb, dies reichte aber bei weitem nicht für alle Bedürfnisse. So wurden 1942 zwei vierachsige Holzkastenwagen C4 211–212 aus Dreiachsern der SBB umgebaut. 1943/44 folgten in gleicher Bauweise die BCF4 221–223 (ab 1954–57 231–233). Diese fünf Wagen waren die ersten normalspurigen Wagen, die nur einen Mitteleinstieg hatten, bei den Schmalspurbahnen waren 1939 derartige Leichtstahlwagen von SIG in Betrieb gekommen. Das einzige WC befand sich ebenfalls in Wagenmitte. Die beiden C4 wurden 1945 zur Bildung der ersten Pendelzüge der SOB herangezogen und erhielten dafür Vielfachsteuerleitung vom Typ Vst II und Faltenbälge; entsprechend wurden sie als C4ü bezeichnet. 1954 und 56 wurden bei zwei Wagen die Polsterklassenabteile zu Gunsten des Gepäckabteils ausgebaut, beim dritten Wagen wurde es deklassiert. Die nun BD 231–233 genannten Wagen erhielten ebenfalls Faltenbälge, zwei Wagen wurden mit Vielfachsteuerleitung versehen. Der BD 231 erhielt 1976 sogar noch einen Anstrich in grün/crème, damit in Pendelzügen mit dem (seit 1971 in diesen Farben verkehrenden) ABe 4/4 71 ein farblich passendes Fahrzeug mit Gepäckabteil eingesetzt werden konnte. Nachdem der B 211 1973 in einen Unfall verwickelt war, kam er nicht mehr in Betrieb, die restlichen Fahrzeuge wurden 1980–1983 ausrangiert, wobei die BD als X 812–814 noch für den Trekking-Zug weiterverwendet wurden.
BCF4 mit Mitteleinstieg und offenen Plattformen
Einen weiteren Umbauwagen erstellte die Bodensee-Toggenburg-Bahn 1943 durch Zusammenbau von zwei Zweiachsern (C 351 und 354 ex SBB 6811/14 ex JN 428/31). Dieser BCF4 133 behielt aber an den Enden die offenen Plattformen. Er wurde 1968 ausrangiert und zu einem Unterkunftswagen (X 9004) umgebaut, wobei der Mitteleinstieg verschlossen wurde.
1945 liess auch die Emmental-Burgdorf-Thun-Bahn (EBT) bei SWS auf der Basis von Zweiachsern zwei Holzkasten-BCF4 221–222 (später ABDi 731–732) erbauen. 1946 und 48 folgten noch die BCF4 224–225 für die von der EBT betriebene SMB. 1955 beschaffte die EBT zwei weitere solche Wagen, BCF4 226–227 (später ABDi 721–722) dieses Mal als Leichtstahlwagen.
Schliesslich beschafften 1947 die SBB fünf BCF4 5291–95 (später ABD 4651–55) von SWS, diese waren nach dem Prinzip der Seetaler aufgebaut, das heisst auf einem aus gebrauchten Stahlträgern geschweissten und mit Sprengwerk verstärkten Untergestell wurde ein Aluminiumkasten aufgebaut. Der zusätzliche Einstieg war bei diesen Wagen stark aussermittig, ungefähr im Drittelspunkt eingebaut. Auf der Seite des Gepäckabteils war kein Einstieg angeordnet. Diese Wagen waren als Anhänger zu den roten Pfeilen gedacht, kamen aber später auf verschiedenen Nebenlinien einschliesslich der Seetalbahn zum Einsatz. Bei drei Wagen wurden auch die Endplattformen geschlossen. Drei Wagen wurden noch von der Südostbahn erworben und als ABDi 281–282 im Regionalverkehr verwendet. 1992 gelangten sie zum Verein Dampfbahn Bern, wo ein Wagen als BRi 4652 in Dampfzügen eingesetzt wird.
Leichtstahlwagen Bauart SOB 1945–1949
Nach der Übernahme von zwei Fe 4/4 von den SBB im Jahre 1944 konnte die SOB 1945 zwei passende Steuerwagen BCt4ü 201–202 von SWS in Empfang nehmen. An den Führerstand schlossen sich sechs Coupés dritter Klasse an, am anderen Wagenende fanden sich drei Coupés der Polsterklasse und ein WC. Dazwischen, und damit nicht exakt in der Mitte, war der Einstieg mit zwei schweren Flügeltüren angeordnet. 1946 folgten zwei Drittklasswagen C4ü 213–14 gleicher Bauart mit 80 Plätzen, nun befand sich der Einstieg exakt in der Mitte; wie bei den Steuerwagen war das WC beim Einstieg platziert. 1948 wurde noch ein dritter Wagen, C4ü 215, nachgeliefert. Alle diese Fahrzeuge waren in Übereinstimmung mit den Fe 4/4 und dem 1949 gelieferten CFe 4/4 62 ursprünglich mit Vst II ausgerüstet. 1956 wurde die dritte Wagenklasse abgeschafft, die C4ü zu B4ü und die BCt4ü zu ABt4ü. Da bei der 1959 erfolgten Beschaffung von Hochleistungstriebwagen das Geld nicht für neue Wagen reichte, wurden der ABt 201 und der B 214 mit Vst III ausgerüstet und erhielten einen Anstrich in grün/crème. Beim Steuerwagen wurden ins sechsfenstrige Abteil hinter dem Führerstand vier Coupés erster Klasse eingebaut, das Polsterklassenabteil am anderen Wagenende wurde zum komfortablen Zweitklassabteil. Bei Ablieferung der dritten Serie von Hochleistungstriebwagen wurden 1978 und 1979 die B 213 und 215 bei SWS mit Vst III ausgerüstet und grün/crème gestrichen. Eine automatische Türschliessung war bei diesen Wagen aufgrund der schweren einflügligen Türen nicht möglich. 1987 wurden die beiden Steuerwagen für den Betrieb mit den «Glaswagen» Abe 4/4 11–14 angepasst, beim ABt 201, neu ABt 252 bzw. 931 wurde das Erstklassabteil verkleinert, beim Bt 251, neu ABt 251 bzw. 930, wieder eines eingebaut, allerdings am anderen Wagenende. Die Wagen erhielten einen orangen Anstrich mit weissem Band. Die Einstiegstüren wurden durch Drehfalttüren von abgebrochenen Leichtstahlwagen ersetzt; damit war nun eine automatische Türschliessung möglich.
Ein Sonderling folgte in Form des BC4ü 205 im Jahre 1949. Je ein Einstieg war an den Drittelspunkten angeordnet, die beiden Endabteile boten für drei Coupés dritter Klasse Platz, in der Mitte waren drei Coupés zweiter Klasse und ein WC angeordnet. Dieser mit Vst II ausgerüstete Wagen verkehrte, nachdem 1966 auch beim ABt 202 das Polsterklassenabteil deklassiert worden war (neu Bt 204), lange Zeit in einem Pendelzug mit De 4/4 22. 1985 erhielt er jedoch Vst III, einen Anstrich in grün/crème, Gummiwulstübergänge und mehr Erstklassplätze, indem das eine Endabteil ebenfalls mit Erstklassstühlen versehen wurde. Dergestalt verkehrte er bis 1989 in Pendelzügen mit Re 4/4 III, als er von einem ein Jahr älteren SBB Leichtstahlwagen abgelöst wurde.
Bezeichnung bei Ablieferung Inbetriebnahme Hersteller Umbaujahre spätere Bezeichnungen Anstrich Ausrangierung SOB BCt4ü 201 1945 SWS 1959, 1989 ABt 201, ABt 252, 38-03 931 grün, 1959 grün/crème, 1989 orange 2001 abgebrochen SOB BCt4ü 202 1945 SWS 1966, 1989 Bt 204, Bt 251, ABt 251, 38-03 930 grün, 1989 orange 2004 abgebrochen SOB C4ü 213 1946 SWS 1978 B 213, 20-33 830 grün, 1978 grün/crème 1999 ausrangiert SOB C4ü 214 1946 SWS 1959 B 214, 20-33 831 grün, 1959 grün/crème 1999 ausrangiert, aufgestellt beim Schulhaus Untermosen, Wädenswil für SpielgruppeStandort auf map.geo.admin.ch SOB C4ü 215 1948 SWS 1979 B 215, 20-33 832 grün, 1979 grün/crème 1999 ausrangiert SOB BC4ü 205 1949 SWS 1985 AB 261, 38-33 570 grün, 1985 grün/crème an MECE abgegeben, Februar 2015 abgebrochen
Bauart SZU 1946–1949
Die Sihltalbahn hatte noch bis 1929 nur Zweiachser beschafft; sie hatte 1912/13 lediglich vier alte Vierachser von 1875/76 von der SBB übernommen, die bereits 1927/28 ausrangiert werden mussten. Nun bestellte die Bahn bei SWS drei Leichtstahlwagen, deren Aussehen und Wagenbodenhöhe eher an schwere Stahlwagen erinnerte. Sie hatten zusätzlich zu den Endeinstiegen zwei Einstiege in der Mitte, um einen schnellen Fahrgastwechsel zu gewährleisten. Drei Wagen wurden 1946 in Betrieb genommen, 1949 nochmals drei. Mit 20,3 Metern waren sie vergleichsweise kurz und mit 22 Tonnen gehörten sie zu den leichteren Normalspurvierachsern. Dank einer Sitzteilung von 2+3 bei einer Wagenkastenbreite von 305 cm boten sie 86 Sitzplätze. Beim Mitteleinstieg war eine Toilette vorhanden, die ab 1960 ausgebaut und durch zehn weitere Sitzplätze ersetzt wurde.Hans Waldburger, Hans Bodmer, Michel Bonny: Die Fahrzeuge der Sihltalbahn. Aussenansichten und Typenskizzen. SiTB, Zürich Selnau 1971, Alle Wagen erhielten ab 1960 eine Steuerleitung, damit sie in Pendelzügen eingesetzt werden konnten. Für die Einführung des kondukteurlosen Betriebs erhielten die verbleibenden Wagen automatische Türen eingebaut, denn bereits 1975 musste ein Wagen wegen Korrosionsschäden abgebrochen werden. Vier Wagen kamen, nachdem sie durch neue Steuerwagen ersetzt wurden, zwischen 1980 und 1990 ins Wutachtal.Hans Waldburger/Hans Tempelmann: Die Sihltalbahn, 100 Jahre von der Dampfbahn zur modernen S-Bahn-Linie. , Minirex, Luzern 1992, ISBN 3-907014-06-5, Seite 110.
Bauart GFM 1947