Als Arbeitsproduktivität () wird in der Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre die volkswirtschaftliche oder betriebswirtschaftliche Kennzahl für die Produktivität des Produktionsfaktors Arbeit bezeichnet.
Allgemeines Die Produktivität wird bei allen Produktionsfaktoren gemessen. Beim Boden ist es die Bodenproduktivität und beim Kapital die Kapitalproduktivität.Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialkybernetik/Wissenschaftliche Jahrestagung (Hrsg.), Betriebswirtschaftliche Systemforschung und ökonomische Kybernetik. 1987, S. 124 (google.de).
Produktionsfaktor Faktorproduktivität Faktorpreis Arbeit Arbeitsproduktivität Arbeitseinkommen Boden Bodenproduktivität Bodenertrag Kapital Kapitalproduktivität Kapitalzins
Das Zusammenwirken aller Teilproduktivitäten wird totale Faktorproduktivität genannt, wobei der technische Fortschritt berücksichtigt wird.
Anwendung findet die Arbeitsproduktivität vor allem in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung als gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität sowie in der Außenwirtschaft (siehe Ricardo-Modell), mitunter auch im Personalwesen.
Die Arbeitsproduktivität wird weiterhin definiert als Kenngröße für die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft, eines Wirtschaftszweigs oder eines Unternehmens, Maßstab für die internationale Wettbewerbsfähigkeit eines Landes.Der Brockhaus Wirtschaft, Arbeitsproduktivität: Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig / Mannheim 2004, S. 52.
Als betriebswirtschaftliche Kennzahl misst sie die Produktivität von Arbeitskräften in einem Unternehmen (siehe Arbeitseinsatz).
Berechnung Allgemeine Kennzahl Die Arbeitsproduktivität gilt als bekannteste und meistgenutzte Teilproduktivität. Dies liegt insbesondere daran, dass die für die Produktivitätsmessung erforderlichen Daten relativ leicht verfügbar sind: . Weiterhin differenziert die Volkswirtschaftstheorie verschiedene Arten: Die Durchschnittliche Arbeitsproduktivität gibt das produzierte Arbeitsvolumen pro eingesetzte Einheit des Faktors Arbeit an. Die Marginale Arbeitsproduktivität zeigt den mengenmäßigen Produktionszuwachs, der auf dem Einsatz einer zusätzlichen Einheit des Faktors Arbeit beruht.Arbeitsproduktivität. In: Gabler Wirtschaftslexikon. Springer Gabler Verlag (wirtschaftslexikon.gabler.de). Arbeitsproduktivität pro Arbeitsstunde Die Arbeitsproduktivität pro Arbeitsstunde wird durch Gegenüberstellung des realen Bruttoinlandsproduktes mit einer geleisteten Arbeitsstunde ermittelt: . Die volkswirtschaftliche Formel für die Arbeitsproduktivität je Arbeitsstunde lautet: , wobei das reale Bruttoinlandsprodukt, die Anzahl Erwerbstätiger und die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen ist (siehe Produktivität#Arbeitsproduktivität). Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigem Die volkswirtschaftliche Formel für die Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigem lautet:
oder . Arbeitskoeffizient Der Kehrwert der Arbeitsproduktivität ist der Arbeitskoeffizient. Der Arbeitskoeffizient beschreibt das Verhältnis des Arbeitseinsatzes (Input) an Arbeitsleistung zu dem damit erzielten Produktionsergebnis. Er gibt somit an, wie viel Arbeitsleistung benötigt wird, um eine Gütereinheit herzustellen.Verlag Th. Gabler (Hrsg.), Gabler Wirtschafts-Lexikon (A-E), 1993, S. 182.Arthur Woll, Wirtschaftslexikon, 2000, S. 37. Diese Kennzahl spielt unter anderem eine bedeutende Rolle bei der Grundidee des komparativen Vorteils, die David Ricardo (Ricardo-Modell) im Jahre 1817 begründet hat.David Ricardo: The Principles of Political Economy and Taxation. 1817, S. 1 ff.
Betriebswirtschaftslehre Die betriebliche Arbeitsproduktivität kann durch Gegenüberstellung der Wertschöpfung oder der Umsatzerlöse mit der Zahl der Mitarbeiter berechnet werden:Michael Griga: Übungsbuch Bilanzen erstellen und lesen für Dummies. 2013, S. 345 (google.de). . Die Arbeitsproduktivität pro Mitarbeiter nimmt zu, wenn bei konstanter Mitarbeiterzahl die Umsatzerlöse steigen. Um Inflationseffekte zu vermeiden, kann anstatt der Umsatzerlöse die Ausbringungsmenge gewählt werden.
Arbeitsproduktivitätsindex Der Arbeitsproduktivitätsindex wird als Produktionsergebnis je Input-Komponente des Arbeitsvolumens definiert und in der amtlichen Statistik bei der Berechnung der Arbeitsproduktivität im Bergbau und im verarbeitenden Gewerbe (Industrie) verwendet. Hierbei werden Produktionsindizes herangezogen. Diese dienen zur Messung der mengenmäßigen Leistung oder des Produktionsergebnisses und werden im Zähler eingesetzt. Im Nenner wird eine geeignete Messzahl des Arbeitseinsatzes (Input-Komponente) verwendet. Je nachdem, welche Messzahl dabei verwendet wird, lassen sich zwei Arbeitsproduktivitätsindizes berechnen: Arbeitsproduktivitätsindex je Beschäftigtem, Arbeitsproduktivitätsindex je geleisteter Arbeitsstunde.
Die Formel für diese Berechnung lautet: ,
wobei : Arbeitsproduktivitätsindex, : Produktionsindex, : Messzahl des Arbeitseinsatzes, : Basisperiode, : Berichtsperiode. Wenn der Arbeitsproduktivitätsindex größer als 1 ist, kann davon ausgegangen werden, dass die Produktion stärker gestiegen ist als der Arbeitseinsatz: Die Arbeitsproduktivität hat sich erhöht.
Gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität In der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ist die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität der Quotient aus Bruttoinlandsprodukt () und der Menge der eingesetzten Arbeitseinheiten. Diese kann die Anzahl der Erwerbstätigen oder der Arbeitnehmer sein, die Anzahl der geleisteten Stunden oder der bezahlten Stunden. Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität gibt an, welchen Beitrag ein Erwerbstätiger durchschnittlich zum Bruttoinlandsprodukt leistet: .
Durchschnittliche Arbeitsproduktivität Die durchschnittliche Arbeitsproduktivität (Durchschnittsproduktivität der Arbeit), beschreibt die Outputmenge, die in einer Arbeitsstunde im Durchschnitt erzeugt wird. Dies ist der Quotient aus der Produktionsmenge und dem Arbeitsvolumen. Die durchschnittliche Arbeitsproduktivität steigt, wenn die Produktionsmenge schneller wächst als das Arbeitsvolumen ; das heißt, dass im Durchschnitt zur Erzeugung einer Outputeinheit weniger Arbeitsstunden benötigt werden.Uwe Westphal, Makroökonomik. 2. Auflage, Heidelberg 1994, S. 7. .
Berechnung über die Wertschöpfung Eine weitere Berechnungsmöglichkeit ist über die Wertschöpfung, bezogen auf produktionsrelevante Einheiten, so etwa: Wertschöpfung je Mitarbeiter (betriebswirtschaftlich, etwa als Wertschöpfung pro Anwesenheitsstunde) respektive Wertschöpfung pro Kopf (Pro-Kopf-Wertschöpfung) Wertschöpfung pro Erwerbstätigem (volkswirtschaftlich, meist über ein Wirtschaftsjahr gemessen) – zur Beurteilung von Personalproduktivität (Einzelpersonen wie Abteilungen oder Firmen bis hin zu ganzen Wirtschaftszweigen); Wertschöpfung je Maschinenstunde – zur Beurteilung der Maschinenproduktivität.
Anwendung Die Arbeitsproduktivität bestimmt den realen Lebensstandard, den ein Staat für seine Bürger erzielen kann. Der Wert, den eine Volkswirtschaft an Gütern und Dienstleistungen produziert, entspricht dem Wert, der an alle Produktionsfaktoren (z. B. Löhne und Unternehmergewinne) gezahlt wurde. Die Konsumenten können also ihren Konsum nur steigern, indem sie ihre produzierte Gesamtmenge erhöhen.Robert S. Pindyck, Daniel L. Rubinfeld, Mikroökonomie. 6. Auflage, München, 2005, S. 273.
Arbeitsproduktivität in einer Volkswirtschaft Zur Betrachtung der Entwicklung der Arbeitsproduktivität einer Volkswirtschaft wird in der Regel das reale Bruttoinlandsprodukt verwendet. Bei Vergleichen von Wirtschaftszweigen innerhalb eines Landes können die Wertschöpfungen der Wirtschaftszweige in jeweiligen Preisen, bezogen auf einen Erwerbstätigen, verwendet werden.Thomas Weiß, Arbeitsproduktivität, nicht nur eine zentrale arbeitsökonomische und makroökonomische Kategorie. In: Zeitschrift für Arbeitswissenschaft. 01, 2011.
Zu beachten ist jedoch, dass ein Vergleich der Arbeitsproduktivität zwischen verschiedenen Wirtschaftszweigen nicht immer sinnvoll ist. In vielen Branchen wird ein Großteil der Wertschöpfung über den Einsatz des Faktors Kapital generiert (kapitalintensive Unternehmen).
Eine aufschlussreiche Betrachtung ist hingegen die Entwicklung der Arbeitsproduktivität in einem Wirtschaftszweig. Einer Veränderung der Kennzahl geht entweder eine Veränderung der Output- oder Input-Menge voraus. Daraus lassen sich Stärken und Schwächen und Reaktionen der Branchen in bestimmten konjunkturellen Phasen ableiten, und es können krisenfeste bzw. krisenanfällige Branchen ermittelt werden. Diese Informationen sind wichtig für die Ausrichtung der Wirtschaftspolitik während einer Rezession. Zum Beispiel sank das Produktionsergebnis je Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe zum Beginn der Staatsschuldenkrise 2009 um 14,2 %. Diese Information diente der Politik mit als Entscheidungsgrundlage, um das Instrument der Kurzarbeit einzusetzen, wodurch zahlreiche Entlassungen vermieden werden konnten.
In Deutschland wird die Arbeitsproduktivität vom Statistischen Bundesamt für das produzierende Gewerbe monatlich ermittelt. Dafür erheben die Statistischen Landesämter bundesweit bei den Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes mit 50 und mehr Beschäftigten die monatliche Produktion von über 5400 industriellen Erzeugnissen nach Wert und Menge.Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Stichwort: Indizes der Produktion und der Arbeitsproduktivität im Produzierenden Gewerbe, abgerufen am 15. Juni 2015.
Internationale Vergleiche
Bei internationalen Vergleichen können die Bruttoinlandsprodukte zu jeweiligen Wechselkursen in eine Inlandswährung umgerechnet, etwa US-Dollar oder Euro, verwendet werden. Des Weiteren kann die Bruttoinlandsprodukte über Kaufkraftparitäten vergleichbar gemacht werden. Bei letzterem soll der unterschiedlichen Kaufkraft der verschiedenen Währungen Rechnung getragen werden. Das bedeutet, dass für unterschiedliche geografische Räume gleich hohe Geldbeträge für Waren und Dienstleistungen eines Warenkorbs angenommen werden.
Welche entsprechenden Daten zum Vergleich der Arbeitsproduktivität verschiedener Volkswirtschaften gewählt werden, hängt im Wesentlichen vom Zweck der Analyse ab. Um die Arbeitsproduktivität einzelner Jahre zu vergleichen, wird das Bruttoinlandsprodukt zu aktuellen Preisen und aktueller Kaufkraftparität herangezogen, wohingegen bei Vergleichen der Arbeitsproduktivität über einen gewissen Zeitraum konstante Preise eines Basisjahres angenommen werden sollten.