Das römische Palästina bestand von 63 v. Chr. bis etwa 634 n. Chr. Es durchlief während dieser sieben Jahrhunderte verschiedene Grade der Abhängigkeit vom Römischen Reich. Obwohl die Levante insgesamt römisch und das einstige Königreich Judäa der Hasmonäerdynastie schließlich der Provinz Syria zugeschlagen wurde, bestand dort zunächst eine Herrschaft des Hohepriesters von Jerusalem, dann ein Klientelkönigtum, das zwischen den Großmächten und den Kontrahenten der Spätphase der römischen Bürgerkriege lavierte. Dessen bekanntester Herrscher war der Idumäer Herodes, zumal Jesus von Nazaret gegen Ende seiner Herrschaft geboren wurde. Die Machtkämpfe innerhalb der Dynastie veranlassten Rom immer wieder zum Eingreifen. Der letzte Hasmonäerkönig wurde zugleich zum religiösen Oberhaupt aller Juden im Heiligen Land wie in der jüdischen Diaspora. Auch das Königreich der Nabatäer um die heute zu Jordanien gehörende Stadt Petra wurde 62 v. Chr. römisch, konnte sich jedoch bis 106 n. Chr. eine relative Unabhängigkeit bewahren.
Der im Jahr 66 n. Chr. begonnene Jüdische Krieg gegen das Römische Reich scheiterte im Jahr 70 und endete mit dem Fall Jerusalems und der Zerstörung des herodianischen Tempel. Nach der Niederschlagung des Aufstands wurde aus Judäa die römische Provinz Iudaea, zu deren Hauptstadt nun Caesarea wurde. Das Sanhedrin, bis dahin die oberste jüdische religiöse und politische Instanz und gleichzeitig das oberste Gericht, wurde als Priestergremium, in das nun nur noch Gelehrte gelangen konnten, neu gegründet. Den Diasporaaufstand (115–117) und den Bar-Kochba-Aufstand (132–135) konnte das Reich gleichfalls niederschlagen. Darauf mühten die Römer sich, die Bezeichnung Judäa als Herkunftsregion der unterworfenen Juden vergessen zu machen und benannten 136 die Provinz um in Syria Palaestina („philistäisches Syrien“), nach dem einst im Küstenstreifen beheimateten Volk der Philister, womit sie den Begriff Palästina als Bezeichnung für die Region prägten. Um 166 nahm das Sanhedrin schließlich seinen Sitz in Tiberias, wo inzwischen die meisten Juden lebten, da ihnen der Zutritt zu Jerusalem verboten war – ein Zustand, der bis zur islamischen Eroberung anhielt und nur von 425 bis 460 für die Betrauerung der Zerstörung des Tempels erlaubt war. Der Vorsitzende blieb die wichtigste geistliche Autorität der Juden in Palästina und in der Diaspora, ehe das inzwischen in einer Dynastie erbliche Amt des Patriarchen durch Rom aufgehoben wurde. Die Juden lebten vor allem in Galiläa, doch befanden sich auch Siedlungen im Hauran, auf dem Golan und im Gebiet vom einst philistäischen Aschkelon, quer übers Hügelland Judäas und Judäische Bergland bis nach En Gedi in der Judäischen Wüste.
Während der Reichskrise des 3. Jahrhunderts machte sich die Levante unter Führung der großen Handelsstadt Palmyra weitgehend unabhängig, doch eroberte Kaiser Aurelian das Reich von Palmyra bis 273 für Rom zurück. Gegen Palmyra kam es in Palästina zu Unruhen, über die fast keine Überlieferung besteht. Mit der Verlegung der Reichshauptstadt von Rom nach Byzanz, das ab 330 Nova Roma und ab 337 Constantinopolis hieß, wurde das Christentum nach und nach die dominierende Religion im Reich, 380 sogar Staatsreligion. Spätestens mit der Durchsetzung als Staatsreligion gerieten nicht nur die paganen Kulte, sondern auch das Judentum Palästinas in die Defensive. Gesetzliche Behinderungen und örtliche Verfolgungen führten 351/352 und um 440 zu Erhebungen.
Dabei erhielt das christliche Jerusalem nach dem Konzil von Chalcedon 451 die Jurisdiktion über Palästina. Im 6. Jahrhundert stand das Patriarchat Jerusalem auf einer Ebene mit denen von Konstantinopel und Rom, Antiochia und Alexandria. Zugleich spitzten sich sowohl die Kämpfe zwischen Juden und Christen, als auch die innerhalb des Christentums immer wieder zu. Auch die Samaritaner erhoben sich in den Jahren 484 und 529/30 sowie 555. Die Ursache lag in der zunehmend gegen religiöse Minderheiten feindlichen kaiserlichen Politik. 578 erhoben sich sowohl Juden als auch Samaritaner abermals. Die Kaiser konnten auch zwischen den aus christologischen Gründen und über die Natur Gottes zerstrittenen Gruppen keinen Kompromiss erzielen. Hingegen gelangen Missionserfolge sowohl von Christen als auch von Juden bei den Arabern, die in den Randgebieten Palästinas und auf der arabischen Halbinsel lebten.
Bis um 300 breitete sich das seit 212 auf das Gesamtreich ausgedehnte Munizipalsystem über die gesamte Provinz aus, sieht man von Obergaliläa, dem Golan und den kaiserlichen Besitzungen in Jericho und dem nördlichen Negev ab. Die Städte waren inzwischen stark romanisiert, die Mehrheit sprach Griechisch. Hingegen wurden aus der Mehrzahl der Bauern Kolonen, die bei schweren Strafen an das Land, das sie bearbeiteten, gebunden waren, während ihr Herr zunehmend auch rechtliche Gewalt über sie erlangte. Die Gesamtbevölkerung erreichte fast wieder die Zahl, die sie vor den großen Aufständen aufgewiesen hatte.
Einen ersten langen Zusammenbruch der römischen Herrschaft in der ausgehenden Spätantike verursachten die Perser unter den Sassaniden, die 614 bis 630 in Jerusalem herrschten und ihr Gebiet bis weit nach Nordafrika und Kleinasien ausdehnten. Wenige Jahre nachdem sie zurückgeschlagen worden waren, drangen Anhänger des auf Mohammed zurückgehenden Islams, dessen Hauptträger zunächst überwiegend Araber waren, ab 632/634 nach Palästina vor und führten die Eroberung des Gebiets im Zuge der islamischen Expansion bis 640 zu Ende. Die Bevölkerungsverluste dieser Kriege waren offenbar sehr hoch. Die neuen Herren ließen die Juden wieder in Jerusalem zu und führten eine Sondersteuer für Nicht-Muslime ein, wobei fast nur den Arabern die führenden Positionen offenstanden. mini|Karte des Römischen Reiches nach dem im Sommer 39 v. Chr. abgeschlossenen Vertrag von Misenum
Expansion Roms in den östlichen Mittelmeerraum Rom mischte sich seit dem 3. Jahrhundert immer stärker in die Verhältnisse im östlichen Mittelmeer ein. Bereits mit dem Sieg über Pyrrhus, den hellenistischen König von Epirus im Jahr 275 v. Chr. hatte Rom begonnen, den rein italischen Rahmen zu sprengen und seine Macht auszudehnen. Es besiegte Karthago und führte Kriege gegen die hellenistischen Reiche (200 bis 146 v. Chr.), 167 v. Chr. verschwand das Königreich Makedonien, schließlich folgte die Expansion nach Kleinasien (ab 133 v. Chr.) und am Ende stand die Annexion des Restreiches der Seleukiden (64 v. Chr.) und der Ptolemäer (30 v. Chr.).
Anschluss an die römische Provinz Syria, Ethnarchie unter dem Hohepriester Hyrkanos (63 – 40 v. Chr.) Im Jahr 66 v. Chr. eroberte Pompeius Kleinasien für das expandierende Römische Reich. Im folgenden Jahr beendete er die Seleukidenherrschaft in Syrien, 63 v. Chr. die der Hasmonäer in Jerusalem. Aristobulos II. und seine Söhne führte er gefangen nach Rom. Er ließ jedoch den Hohepriester Johannes Hyrkanos II. im Amt und räumte ihm religiöse Autonomie über Judäa, Idumäa, Galiläa und Peräa ein, jedoch ohne die hellenistischen Städte des Ostjordanlandes (Dekapolis) und Samaria. Hyrkanos war Hohepriester von Israel von 76 bis ca. 40 v. Chr. und Herrscher (Ethnarch) in Judäa von 63 bis ca. 40 v. Chr.
Palästina und Syrien wurden zur römischen Provinz Syria vereint und dem Statthalter Scaurus unterstellt. Dessen Nachfolger Aulus Gabinius schlug einen Aufstand der Anhänger der Hasmonäer nieder, zerstörte deren Festungen und stärkte die Rechte des Hohenpriesters als Oberhaupt des Sanhedrins, dem die religiöse und teils auch weltliche Rechtsprechung oblag.
Partherkrieg und römischer Bürgerkrieg, Klientelkönigtum (bis 30 v. Chr.) 54 v. Chr. wurde Marcus Licinius Crassus, neben Julius Caesar und Pompeius Mitglied des ersten Triumvirats, als Nachfolger des Gabinius Statthalter der Provinz Syria. Sein Interesse galt jedoch nicht Syria, sondern der Vorbereitung eines Feldzugs gegen das Partherreich (siehe auch Partherkriege). Um die dazu nötigen Mittel aufzubringen, griff er auf den Tempelschatz zu und entfernte alles, was sich an goldenen Geräten und Ornamenten im Tempel fand. Nach dem Bericht des JosephusJosephus, Jüdische Altertümer 14, 105ff. handelte es sich um die Summe von insgesamt 10.000 Talenten (etwa 300–400 t Gold). Doch in der Schlacht bei Carrhae kamen in einer verheerenden Niederlage 20.000 Soldaten ums Leben, darunter Crassus selbst und sein Sohn, 10.000 gerieten in Gefangenschaft. In Judäa betrachtete man diese Niederlage als Rache Gottes für den Tempelraub.
Aus der Schlacht konnte sich Gaius Cassius Longinus mit seinem Truppenteil retten. Nach Syrien zurückgekehrt trat er die Nachfolge von Crassus an. Nachdem er die Grenzen Syriens gegen nachdrängende Parther gesichert hatte und Alexander, Sohn des Aristobulos, zum Frieden verpflichtet hatte, schlug er in Judäa einen weiteren Aufstand von Anhängern des Aristobulos bei Tarichea am See Genezareth nieder, verkaufte 30.000 aufständische Juden in die Sklaverei und ließ Peitholaos, einen ihrer Anführer, auf Anraten des Antipatros, des Vaters von Herodes dem Großen, hinrichten.Josephus, Jüdischer Krieg 1, 180.
Die in Rom stark gewachsenen Spannungen führten im Jahr 49 v. Chr. zum Ausbruch des Bürgerkriegs zwischen Pompeius und Cäsar. Dabei rivalisierten die jüdischen Parteien im Machtkampf zwischen Caesar und Pompeius mit wechselnden Allianzen. Caesar entließ Aristobulos aus der römischen Gefangenschaft, um Pompeius in Syria zu schwächen. Doch als dessen Anhänger Aristobulos vergiftet und seinen Sohn Alexander enthauptet hatten, wechselten der Priester Hyrkanos und der Idumäer Antipatros auf Caesars Seite und halfen ihm in der Folge, in Alexandria zu siegen.
In dieser Zeit wurde Palästina nämlich in den ägyptischen Bürgerkrieg hineingezogen. Kleopatra VII. war ungefähr im Herbst 49 v. Chr. aus Alexandria vertrieben worden.Caesar: De bello civili 3, 103, 2; Plutarch, Caesar 48, 5 u. a. Sie warb in Palästina Söldner an und marschierte mit ihrer Privatarmee gegen die Grenzfestung Pelusium. Mit seinen Ratgebern und der Armee zog ihr Bruder Ptolemaios XIII. ihr entgegen, doch bevor es zum Kampf kam, erschien Pompeius im September 48 v. Chr. (nach dem vorjulianischen Kalender) an der Küste, wohin er nach seiner Niederlage bei Pharsalos geflohen war. Der römische Feldherr, der wegen seines Freundschaftsverhältnisses mit Ptolemaios XII. als Vormund von dessen Sohn Ptolemaios XIII. auftreten konnte, bat die ägyptische Regierung um Unterstützung. Der Römer wurde jedoch ermordet; zwei Tage später landete sein Hauptgegner Caesar in Ägypten. Dort unterstützte ihn nun ein jüdisches Kontingent unter der Führung Antipaters im Kampf gegen Ptolemaios XIII.
Dafür belohnte Caesar Hyrkanos mit dem erblichen Amt des Hohenpriesters und machte Antipatros zum faktischen Herrscher Judäas. Antipatros wurde sein Klient, eine Verbindung, die zur Grundlage der engen Beziehung zwischen Antipatros’ Nachkommen und den Herrschern Roms wurde. Darüber hinaus wurde Antipatros das römische Bürgerrecht mit dem Privileg der Steuerfreiheit verliehen. Die Hafenstadt Joppe (heute ein Stadtteil von Tel Aviv) fiel an Judäa, und Jerusalem durfte neu befestigt werden. Der Tempel behielt seine eigene Gerichtshoheit über Judäa, Idumäa, Peräa und Galiläa.
Nach der Ermordung Caesars floh Kleopatra 44 v. Chr. von Rom nach Ägypten, wo sie bald ihren Bruder Ptolemaios XIV. beseitigen ließ. Dort gewann die Königin auch das Herz des Marcus Antonius, der ihr 36 v. Chr. die früheren ptolemäischen Gebiete in Syrien und Kleinasien zuerkannte.