mini|Einige Vertreter des Homo erectus verließen den afrikanischen Kontinent vor rund zwei Millionen Jahren. Die ältesten als gesichert geltenden menschlichen Spuren in Palästina ließen sich auf 1,4 Millionen Jahre datieren und wurden südlich des Sees Genezareth am Ausfluss des Jordans aufgefunden Die Urgeschichte Palästinas reicht von den ältesten menschlichen Spuren bis an den Beginn der schriftlichen Überlieferung. Die Region Palästina bezeichnet in der Regel Teile der Gebiete der heutigen Staaten Israel, Jordanien, zum Teil auch Syrien, einschließlich Gazastreifen und Westjordanland.
Die lateinische Landesbezeichnung Palaestina, aus der die deutsche Form Palästina und weitere europäische Schreibungen wie englisch und französisch Palestine entstanden sind, geht auf die seit Herodot (5. Jahrhundert v. Chr.) bezeugte griechische Form Palaistinē zurück. Die Bezeichnung wurde nach der Niederschlagung des jüdischen Bar-Kochba-Aufstand (132–135) vom römischen Kaiser Hadrian anstelle der bisherigen Bezeichnung Judäa für die heutige Region eingeführt.
Erste Spuren Homo erectus Einige Vertreter des Homo erectus verließen Afrika vor rund zwei Millionen Jahren. Die ältesten als gesichert geltenden Spuren in Palästina und Israel ließen sich auf 1,4 Millionen Jahre datieren und wurden südlich des Sees Genezareth entdeckt.
Die archäologische und paläoanthropologische Fundstätte, die rund drei Kilometer südlich des See Genezareth im mittleren Jordan-Tal, unweit des Kibbuz Beit Zera liegt, nennt sich ʿUbeidiya (; ) und ist seit den frühen 1960er-Jahren nach den Dmanissi-Schädeln aus Georgien – die mit rund 1,4 Millionen Jahren zweitälteste, sicher datierte Fundstätte von Fossilien der Gattung Homo außerhalb Afrikas.Alon Barash et al.: The earliest Pleistocene record of a large-bodied hominin from the Levant supports two out-of-Africa dispersal events. In: Scientific Reports. Band 12, Artikel Nr. 1721, 2022, doi:10.1038/s41598-022-05712-y. Prehistoric human vertebra discovered in the Jordan Valley tells the story of prehistoric migration from Africa. Auf: eurekalert.org vom 2. Februar 2022. Die Fundstätte wurde nach dem 1948 zerstörten palästinensischen Dorf Al-ʿUbaydiyya benannt.
Neandertaler Eine weitere Wanderungswelle folgte vor etwa 600.000 Jahren. Vor mindestens 250.000 Jahren erschienen Neandertaler (ihnen zugewiesene Steinbearbeitungstechniken ließen sich belegen) in der Region und weitere kamen möglicherweise in kalten Zeiten aus Europa, die hier gleichzeitig mit dem archaischen Homo sapiens lebten. Er gilt als direkter Vorfahr des heutigen Menschen, entwickelte sich vor mindestens 200.000 Jahren in Ostafrika und lässt sich in Palästina vor 110.000 Jahren nachweisen. Einige dieser anatomisch modernen Menschen dürften vor etwa 130.000 Jahren Afrika verlassen haben. Doch vor 80.000 Jahren verschwanden sie wieder aus der Gegend, um vor 50.000 Jahren wieder dort aufzutauchen. Erneut lebten sie mit Neandertalern in derselben Region, wahrscheinlich kam es zu gemeinsamen Nachkommen. Vor 45.000 bis 28.000 Jahren verschwand der Neandertaler.
Jäger und Fischer Im Jordantal entstand vor 70.000 Jahren der 200 km lange, 2000 km² große Lisan-See, der bis 12.000 v. Chr. existierte. Die Menschen lebten weiterhin von der Großwildjagd, auch kleinere Tiere und Fischfang spielten eine immer größere Rolle, dazu kam weiterhin die Sammeltätigkeit.
Bereits um 18.000 v. Chr. mehren sich Anzeichen für dauerhaftere Lager – eine dorfartige Struktur ist nachgewiesen –, eine begrenzte Produktion von Lebensmitteln und wilde Gerste wurde gemahlen und gebacken. Hauptjagdwild waren Gazellen, an deren Wanderwegen Lager entstanden. Um 12.000 v. Chr. erschienen Häuser aus halbrunden Steinsetzungen mit Aufbauten aus Lehm, spätestens 11.000 v. Chr. wurde Getreide angebaut. Es mehrten sich die Anzeichen für Rituale und Opfer, die Toten wurden meist in kontrahierter Stellung beigesetzt, gelegentlich die Schädel separat beerdigt. Die bis dahin recht abstrakte Kunst wurde durch realistischere Darstellungen ergänzt, die als älteste Bilddokumente Vorderasiens gelten.
Landbau In der Epoche zwischen 9500 und 8800 v. Chr. wurde zwar Landbau betrieben, doch die Herstellung von Tongefäßen war noch nicht bekannt. Wichtigster Fundort ist Jericho, das aus den Siedlungen, die meist weniger als einen halben Hektar groß waren, mit einer Fläche von 4 ha weit herausragt. Um 8000 v. Chr. umgab die vielleicht 3000 Menschen bergende Stadt eine Mauer von 3 m Höhe, doch zwischen 7700 und 7220 v. Chr. war die Stadt unbewohnt. Seit 8300 v. Chr. breitete sich die bis dahin auf das Jordantal und die Golanhöhen begrenzte Getreideproduktion weiter aus, um 7600 v. Chr. kam es zu einer starken Ausweitung des Siedlungsraums, die mit Wanderbewegungen einherging oder mit einem stärkeren Bevölkerungswachstum. Die meisten der älteren Siedlungen wurden aufgegeben.
Jericho entstand um 7220 neu und war bis 6400 v. Chr. bewohnt. Die Migrationsmuster der Epochen vor den „Mega-Dörfern“ wurden um 7000 wieder aufgenommen, daneben bestanden weiterhin feste Siedlungen. Erst nach dieser Phase erfolgte die Stabilisierung, die die Voraussetzung für urbane Strukturen bot, zudem kam Keramik in Gebrauch. Schaʿar haGolan, eine Fundstätte von 20 ha Fläche, dürfte die größte Stadt zwischen 6400 und 6000 v. Chr. gewesen sein. Fernhandel lässt sich bis nach Anatolien und zum Nil belegen, vielleicht fanden Wanderungen dorthin statt. Zwischen etwa 5500 und 4500 v. Chr. bestanden, wohl aufgrund klimatischer Verschlechterungen, keine Kontakte zu Ägypten. Zwischen 4400 und 4000 v. Chr. deuten dort wieder Viehhaltung und Art der Landwirtschaft auf palästinensische Ursprünge. In der Kupfersteinzeit war Teleilat Ghassul im Jordantal mit 20 ha Fläche eine der größten Siedlungen. Sie barg geräumige Häuser von 3,5 mal 12 m Grundfläche, sowie einen Tempel. Zwischen 3500 und 3300 v. Chr. kam es zu einem drastischen kulturellen Einbruch, doch Spuren von Gewalt ließen sich bisher nicht belegen.
Danach setzte eine bronzezeitliche, als „frühurban“ bezeichnete Epoche ein, die Handelsbeziehungen weit über Palästina und Israel hinaus unterhielt, vor allem nach Ägypten. Ägypter lassen sich entlang der Handelswege nach Palästina und Israel in einem Siedlungsnetzwerk belegen. Das nunmehr unter einem Pharao zentralisierte Ägypten suchte, zum Teil mit Gewalt, die Kontrolle über Rohstoffe zwischen dem Sinai und dem Libanon zu gewinnen, die für die enorme Bautätigkeit im Zusammenhang mit den dortigen Pyramiden von großer Bedeutung waren. Eng mit diesen Kämpfen dürfte die Existenz zahlreicher befestigter Siedlungen zusammenhängen. Mehr als 260 Siedlungen mit insgesamt vielleicht 150.000 Einwohnern sind aus dieser Epoche allein in Westpalästina bekannt, vor allem in Galiläa, Samarien und Juda. Unter ihnen waren Beth Yerah und Yarmuth mit 20 und 16 ha die größten, einige Städte wiesen bis zu 8 m dicke Stadtmauern auf, Beth Yerah hatte vielleicht 4000 bis 5000 Einwohner. Stadttore und große Tempelanlagen wie in Megiddo wurden errichtet. Am Ende der Frühen Bronzezeit kam es zu einem Zusammenbruch der städtischen Kultur und zu einer Dominanz der Weidewirtschaft. Zugleich griffen „Asiaten“ immer wieder das Nildelta an, bis dort die semitischen Hyksos nach 1700 v. Chr. die Herrschaft übernahmen.
Paläolithikum Unter Paläoanthropologen herrscht Einvernehmen darüber, dass sowohl Neandertaler als auch anatomisch moderne Menschen (Homo sapiens) im afrikanischen Homo erectus einen gemeinsamen Vorfahren hatten. Einige Vertreter des Homo erectus verließen Afrika während einer ersten Ausbreitungswelle vor rund zwei Millionen Jahren Richtung Levante, Schwarzmeerraum und Georgien sowie möglicherweise über Nordwestafrika Richtung Südspanien.Friedemann Schrenk, Stephanie Müller: Die Neandertaler, C. H. Beck, München 2005, S. 42. Die frühe Besiedlung Georgiens ist durch die 1,8 Millionen Jahre alten Fossilien von Dmanissi belegt. mini|Die Karte zeigt das Verbreitungsgebiet der sogenannten Cleaver, eines Steinwerkzeugs mit einer breiten Schneide. Vor rund 600.000 Jahren kam es wohl zu einer zweiten Ausbreitungswelle des afrikanischen Homo erectus,Carl Zimmer: Woher kommen wir? Die Ursprünge des Menschen, Spektrum Akademischer Verlag, 2006, S. 90. der sich in Europa über die Homo heidelbergensis genannte Zwischenstufe zum Neandertaler entwickelte, während in Afrika vor mindestens 200.000 Jahren, wahrscheinlich sogar 300.000 Jahren aus Homo erectus der sogenannte frühe oder archaische anatomisch moderne Mensch (der archaische Homo sapiens) und aus diesem der anatomisch moderne Mensch hervorging.
Eine Neuberechnung ergab im Jahr 2012 Hinweise auf eine recht frühe Trennung der beiden Menschenformen;Aylwyn Scally et al.: Revising the human mutation rate: implications for understanding human evolution, in: Nature Reviews Genetics. Band 13, 2012, S. 745–753.Ewen Callaway: Studies slow the human DNA clock, in: Nature 489, Nr. 7416, 2012, S. 343–344, doi:10.1038/489343a. sie wurde in die Zeitspanne zwischen 800.000 und 400.000 Jahren vor heute datiert.Kevin E. Langergraber et al.: Generation times in wild chimpanzees and gorillas suggest earlier divergence times in great ape and human evolution, in: PNAS 109, Nr. 39, 2012, S. 15716–15721, doi:10.1073/pnas.1211740109. Gestützt wird die Datierung unter anderem durch den rund 400.000 JahreChris Stringer, Jean-Jacques Hublin: New age estimates for the Swanscombe hominid, and their significance for human evolution, in: Journal of Human Evolution 37 (1999) 873–877, doi:10.1006/jhev.1999.0367. alten Swanscombe-Schädel, der – obwohl meist noch zu Homo heidelbergensis gestellt – bereits deutliche Merkmale der frühen Neandertaler aufweist.Jean-Jacques Hublin: The origin of Neandertals, in: PNAS 106, Nr. 38, 2009, S. 16022–16027, doi:10.1073/pnas.0904119106.
Die mitteleuropäischen Populationen von Homo erectus bzw. des Neandertalers und die in Afrika lebenden Vorfahren des anatomisch modernen Menschen lebten demzufolge bis zur Einwanderung des modernen Menschen vor rund 45.000 Jahren mehrere hunderttausend Jahre räumlich voneinander getrennt. Berührungen zwischen diesen Populationen fanden jedoch im Nahen Osten statt. Welchen Weg die jeweiligen Wanderungen nach dem Verlassen Afrikas einschlugen, ist noch weitgehend unklar, auch die des anatomisch modernen Menschen (Our Way to Europe). Vor allem mangelte es lange Zeit an asiatischen Skelettfunden, die älter als 40.000 Jahre sind. Es wurde vorgeschlagen, dass die Besiedlung vielleicht schon vor mehr als 60.000 Jahren stattfand, zudem könnte es auch zu mehr als zwei Vorstößen gekommen sein, wohl auch zu Vermischungen mit Neandertalern, Denisova-Menschen und Homo erectus.
Dies bestätigte sich im Jahr 2025, als Überreste eines etwa fünfjährigen Kindes, dessen Überreste bereits seit 90 Jahren aus der Skhul-Höhle bekannt sind, untersucht wurden, die anatomische Kennzeichen sowohl von Neandertalern als auch von Homo sapiens aufweisen. Das Fossil wurde unter Leitung von Israel Hershkovitz auf 140.000 Jahre datiert. Neandertaler lebten nach seiner Annahme bereits seit 400.000 Jahren in der Region. Möglicherweise hatten beide bereits seit der ersten Zuwanderung von Homo sapiens, vor etwa 200.000 Jahren, gemeinsame Nachkommen.Earliest Evidence of Neanderthal–Homo sapiens Interbreeding Found in Israel, Mitteilung des Tel Aviv University Trust.
Altpaläolithikum (ab 2,6/1,4 Millionen Jahre vor heute) In Israel lassen sich in der Zeit zwischen 2,6 Millionen und 900.000 Jahren mindestens vier Zuwanderungswellen fassen. Dabei fanden sich die ältesten Steinwerkzeuge außerhalb Afrikas bei Yiron, nahe der Grenze zum Libanon,Milla -Y. Ohel: , in: , 80,6 (1983) S. 179–183. und bei Erq el-Ahmar. Beide Fundstätten wurden auf ein Alter von 2,2 bis 2,6 Millionen Jahren datiert, doch gelten die Datierungen als problematisch.John J. Shea: , Cambridge University Press 2013, S. 73.