Jingu qiguan () ist eine Sammlung von 40 chinesischen Erzählungen, die vor 1644 veröffentlicht wurde und ihrerseits auf Anthologien von Feng Menglong und Ling Mengchu zurückgeht.
mini|hochkant=0.5|Titel in chinesischer Schrift
Ursprung Entstehungsgeschichte Aus dem Vorwort des Jingu qiguan geht hervor, dass ein gewisser Baoweng Laoren (* 1619) die Sammlung zusammengestellt hat.#Lanselle 1996, S. XXXIV; #Pelliot 1925, S. 57. – Der Name des Kompilators ist ein Pseudonym. Pinyin-Umschrift: Baoweng Laoren, Wade-Giles-Umschrift: Pao weng lao jen. Der wirkliche Name ist nicht bekannt. Zum Geburtsdatum Baowengs: siehe worldcat.org Die Herausgabe der nicht datierten Sammlung erfolgte in den Jahren 1632 bis 1644,#Pelliot 1925, S. 60. nach einer anderen Quelle zwischen 1640 (oder etwas früher) und 1644.#Lanselle 1996, S. XXXIV. Der Titel der Sammlung lautet: Jingu qiguan (Aussprache etwa dchingu tchigwan) und bedeutet Erstaunliches aus Vergangenheit und Gegenwart.Übersetzung nach #Motsch 2003, S. 166. Beispiel für andere Übersetzungen: Neue und alte seltsame Erzählungen (#Xun 1981, S. 278), Wundersame Geschichten aus alter und neuer Zeit (#Kuhn 1985, S. 606), Neue und alte merkwürdige Begebenheiten (#Rösel 1984, S. 647).
Von den 40 Erzählungen („Abschnitten“) des Jingu qiguan entstammen 39 aus drei Anthologien von Feng Menglong und zwei Anthologien von Ling Mengchu. Die Herkunft des Abschnitts 30 ist unbekannt. Die fünf Anthologien umfassten je 40 Erzählungen, so dass der Kompilator seine Auswahl unter 200 Erzählungen treffen konnte.
Unter dem Obertitel San yen („Drei Worte“) werden die drei Anthologien von Feng Menglong zusammengefasst:#Zimmer 2011, S. 60, #Klöpsch 2004, S. 139, #Motsch 2003, S. 163, #Müller 2004, S. 91. Weise Worte zur Belehrung der Welt / Yushi mingyan, ca. 1620 (8). Verständliche Worte zur Ermahnung der Welt / Jingshi tongyan, 1624 (10). Ewige Worte zur Erweckung der Welt / Xingshi hengyan, 1627 (11).
Die zugrundeliegenden Sammlungen von Ling Mengchu sind:#Klöpsch 2004, S. 139, #Motsch 2003, S. 166, #Müller 2004, S. 181. Sensationelle Geschichten / Paian jingqi, 1628 (8). Zweite Sammlung sensationeller Geschichten / Erke Paian jingqi, 1632 (3).
Hinweise: In Klammern steht jeweils die Anzahl der Erzählungen, die in das Jingu qiguan übernommen wurden. Die deutsche Übersetzung der Sammlungstitel variiert von Autor zu Autor.
Werktitel Statt der heute gebräuchlichen Pinyin-Umschrift des Werktitels Jingu qiguan waren früher u. a. die folgenden Transliterationen gebräuchlich: Chin-ku ch'i-kuan (Wade-Giles-Umschrift) Kin-ku-ki-kuan,Eduard Grisebach. Kin ku ki kwan,Franz Kuhn. Kin kou k'i kouan#Cordier 1906. Djin-gu tji-gwan#Rösel 1984. Diese Werktitel können durch Getrennt- oder Zusammenschreibung, Groß-/Kleinschreibung, durch die Verwendung von Bindestrichen und ggf. durch Weglassung des Apostrophs variieren, z. B. findet man statt Jingu qiguan auch Jingu Qiguan, Jin Gu Qi Guan oder Jinguqiguan oder statt Kin-ku-ki-kuan auch Kin-Ku Ki-Kuan und Kin ku ki kuan.
Deutsche Ausgaben Werktitel Der Titel wird verschieden übersetzt, u. a. als: Wunderliches aus alter und neuer Zeit#Bauer 1989, S. 199. Gemälde neuer und alter außerordentlicher Dinge#Grisebach 1905, S. 18. Neue und alte Mären#Grisebach 1880, S. XII.
Zweitübersetzungen mini|hochkant|Titelblatt von Du Haldes Ausführliche Beschreibung des Chinesischen Reiches, Band 3.
Die erste Übersetzung aus dem Jingu qiguan in eine europäische Sprache findet sich in Band 3 der 1735 erschienenen Description de la Chine des französischen Jesuiten Jean-Baptiste Du Halde (1674–1743).Siehe: :fr:Jean-Baptiste Du Halde (französische Wikipedia). Die Übersetzung der vier darin enthaltenen Erzählungen Nr. 20, 29–31 aus dem Chinesischen besorgte der jesuitische Chinamissionar François-Xavier Dentrecolles (1664–1741).#Dentrecolles 1735. Siehe auch: François-Xavier Dentrecolles (französische Wikipedia).
In den Jahren 1747 bis 1756 veröffentlichte Christoph Gottlieb von Murr (1733–1811) eine deutsche Übersetzung von Du Haldes Werk in der Den Haager Ausgabe von 1736.#Dentrecolles 1736. Band 3 von 1749 enthält die vier Erzählungen Nr. 20, 29–31, mithin die erste deutsche Fassung von Erzählungen aus dem Jingu qiguan.
Im Jahr 1846, fast 100 Jahre später, übersetzte Adolf Böttger die englische Übersetzung des zweiten Teils der Doppelnovelle Nr. 35 ins Deutsche.#Böttger 1846. Eduard Grisebach hielt diese Übersetzung für „über alle Begriffe elend“.#Grisebach 1905, S. 20.
Im Jahr 1873 veröffentlichte Eduard Grisebach eine neue Übersetzung der bereits von Dentrecolles übertragenen Novelle „Die treulose Witwe“. Während er die Übersetzung von Dentrecolles als „kaum mehr als Paraphrase“ bezeichnet, benutzt er als Vorlage die wortgetreue englische Übersetzung von Samuel Birch (1813–1885).Englische Wikipedia: :en:Samuel Birch. Nach Grisebach war dessen Übersetzung eine „Interlinearversion“ des Originals (#Grisebach 1889, S. 20). Auch für seine spätere Übersetzung weiterer Novellen verwendete Grisebach die Vorlage von Samuel Birch.
Liste der Erzählungen Die folgende Liste enthält die deutsche und französische Übersetzung der Titel. Zu der französischen Gesamtausgabe der Sammlung (#Lanselle 1996) gibt es bisher kein Pendant in deutscher Sprache.
In den deutschen Übersetzungen werden oft die Prologe (oder Vorerzählungen) weggelassen. Eine Übersicht der von Franz Kuhn übersetzten Prologe findet sich in #Chang 1991, S. 182–184. Die Erzählungen in #Rösel 1984 wurden alle einschließlich des Prologs übersetzt.
→ Spaltenlegende Nr. Nummer des Abschnitts im Jingu qiguan. Deutscher Titel Nach #Rösel 1984, S. 687–692: Deutsche Übersetzung des Titels. Originaltitel in chinesischer Schrift: siehe #Cordier 1906, Spalte 1763–1769. Französischer Titel Nach #Lanselle 1996: Französische Übersetzung des Titels. Deutsche Übersetzung Nach #Rösel 1984, S. 687–692, und #Kuhn 1985: Deutsche Übersetzung nach dem Chinesischen, andernfalls Titel einer Nachübersetzung. Übersetzungen von #Rösel 1984: Der deutsche Titel ist identisch mit dem Titel in der Spalte Deutscher Titel. Andere Übersetzungen: Außer der Übersetzung, z. B. #Kuhn 1952, wird der abweichende Titel der Novelle angegeben, z. B. Die falsche Braut.