Ilbeshausen-Hochwaldhausen ist ein Ortsteil der Gemeinde Grebenhain im mittelhessischen Vogelsbergkreis. Er besteht aus dem historischen Dorf Ilbeshausen und der in dessen Gemarkung liegenden und erst im frühen 20. Jahrhundert entstandenen weitläufigen Siedlung Hochwaldhausen. Der Ortsteil Ilbeshausen-Hochwaldhausen ist mit etwa 1050 Einwohnern der einwohnerstärkste Ortsteil der Gemeinde.
Geografie Lage Ilbeshausen-Hochwaldhausen liegt zentral im Vogelsberg, in der Nähe der höchsten Erhebungen Taufstein und Hoherodskopf, im Gebiet des Oberwalds. Unmittelbar westlich von Hochwaldhausen beginnt ein großes Waldgebiet. Die Altefeld, hier auch Schwarzer Fluss oder Schwarzbach genannt, entspringt im Westen und durchfließt beide Orte.
Nachbargemeinden Grebenhain, Sitz der Gemeindeverwaltung, liegt etwa 4 km südlich; die Kreisstadt Lauterbach befindet sich 17 km nordöstlich, Schotten 17 km westlich, Fulda 33 km östlich.
Ortsgeschichte mini|Ersterwähnungsurkunde vom 29. Dezember 1012 mini|Disseler Brücke Mittelalter Die Besiedlung des Gebietes um Ilbeshausen begann zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert. Dort, wo heute die Disseler Brücke unterhalb Ilbeshausens steht, soll einer älteren Interpretation des Bonifatiusweges zufolge im Jahre 754 der Leichenzug des ermordeten Bonifatius auf dem Weg von Mainz nach Fulda vorbeigeführt haben. Über diese Brücke verlief von Steinau an der Straße über Herbstein nach Nordhessen die Weinstraße, eine zur damaligen Zeit bedeutende Querverbindung von Mainfranken nach Norddeutschland.
Die älteste bekannte Erwähnung erfolgte in einer königlichen Urkunde vom 29. Dezember 1012, in welcher der damalige König Heinrich II. und spätere Kaiser der Abtei Fulda den Königsforst ZundernhartHermann Knaus: Die königlichen Forstprivilegien für die Abtei Fulda. Dissertation. Fulda 1938. S. 36–46. aus dem Hause der Ottonen auf Bitten des Abtes Branthoh II. schenkte.Urkunde Nr. 253 in: Neben Iliuuineshusun (Ilbeshausen) werden in dieser Schenkungsurkunde als Orte Hofbieber, Wolferts, Rothemann, ufe Creginfelt (Crainfeld), Warmuntessneida (Bermuthshain), Widenaho (Weidenau), Gunzenau, Herbstein, Schlirf, Schlitz und Calbaho (Kalbach) als Grenzpunkte des geschenkten Gebietes genannt. Die Überlieferung der Urkunde findet sich ebenso in einem berühmten Kopiar, dem Codex Eberhardi, geschrieben um 1160, die auf 1012 datiert wird: „... deinde in Warmuntessneita et Illiwineshusen ...“ (darauf in Bermuthshain und in Ilbeshausen).StAM, K 426, fol. 50 r.
Am 26. September 1376 verpfändete Landgraf Hermann II. von Hessen die Hälfte des Ortes, den er einige Jahre zuvor von Friedrich von Lißberg gekauft hatte. Die Edelfrau Metze von Lißberg übernahm das Dorf für 200 Gulden.Eduard Erwin Becker: Riedeselsches Urkundenbuch. 1200–1500. Offenbach 1924. Regest Nr. 200.
Gemeinsam mit Crainfeld, Grebenhain und Bermuthshain gehörte es zum Gericht Crainfeld, das bis 1821 bestand.
1423 und 1471 bezeugen Urkunden den Einfluss der Riedesel in diesem Raum. In den schriftlichen Quellen wird Ilbeshausen 1423 als „Ylbeshusen“Eduard Erwin Becker: Riedeselsches Urkundenbuch. Nr. 394, S. 102. sowie 1471 als „Ilbeßausen“Eduard Erwin Becker: Riedeselsches Urkundenbuch. Nr. 1132, S. 320. erwähnt.
Der Ortsname wird in der Namensforschung als „Siedlung des Hildiwin“ gedeutet.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 196 f, S. 197.
Neuzeit Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Ilbeshausen:
Hochwaldhausen wurde im Jahr 1903 von Jean Berlit zunächst als Kurort zur Nachkur von Patienten aus Bad Salzschlirf gegründet. Ebenfalls auf Veranlassung von Jean Berlit erfolgte 1928 der Bau eines großen Genesungsheims der AOK Kassel. Seit 1990 beherbergt der erweiterte Gebäudekomplex die Vogelsbergklinik, eine Fachklinik für Psychotherapie und Psychosomatik.
1956 wurde der damals noch selbstständigen Gemeinde Ilbeshausen vom Land Hessen das Prädikat Luftkurort verliehen, das sie bis heute führen darf.
Von 1912 bis 1929 waren nacheinander zwei bedeutende Reformschulen, die Dürerschule und die Bergschule, in Hochwaldhausen ansässig. 1922 gehörten für kurze Zeit Klaus und Erika Mann zu den Schülern der Bergschule.
Gebietsreform Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierte die Gemeinde Ilbeshausen mit zehn benachbarten Gemeinden freiwillig zum 31. Dezember 1971 zur neugebildeten Großgemeinde Grebenhain. Seit dem 1. August 1972 gehört der Ort außerdem zum damals neugebildeten Vogelsbergkreis. Für die eingegliederten Gemeinden von Grebenhain wurden je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Ilbeshausen-Hochwaldhausen angehört(e):
Vor 1450: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Ziegenhain, Amt Nidda, Gericht Crainfeld 1450–1495: Erbstreit zwischen der Landgrafschaft Hessen und den Grafen von Hohenlohe ab 1450: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Nidda, Gericht Crainfeld ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Gericht Crainfeld 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Amt Nidda, Gericht Crainfeld 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Nidda und Lißberg, Gericht Crainfeld ab 1806: Großherzogtum Hessen, Oberfürstentum Hessen, Amt und (ab 1803) Gericht Lißberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Lißberg 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Dominalamt Herbstein ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Herbstein (Trennung zwischen Justiz (Landgericht Altenschlirf) und Verwaltung) ab 1825: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Lauterbach (Amtssitzverlegung) ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Alsfeld ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach ab 1866: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Lauterbach ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Lauterbach ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Lauterbach ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Gemeinde Grebenhain, Vogelsbergkreis ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Gemeinde Grebenhain, Vogelsbergkreis
Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Ilbeshausen das Amt Lißberg zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Die zweite Instanz für die Patrimonialgerichte waren die standesherrlichen Justizkanzleien. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.
Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. Ilbeshausen viel in den Gerichtsbezirk des „Landgerichts Altenschlirf“. Im Zuge der 1853 durchgeführten Neuordnung der Gerichtsbezirke in der Provinz Oberhessen sollte der Sitz des Landgerichts von Altenschlirf nach Herbstein verlegt.
Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Herbstein“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.
Am 1. Juli 1957 verlor das Amtsgericht Herbstein seine Selbständigkeit und wurde endgültig – nachdem es dies schon zu Ende des Zweiten Weltkrieges warVerfügung des Oberlandesgerichtspräsidenten in Darmstadt vom 29. Juni 1943 — 3200 — Betrifft: Errichtung der Zweigstellen Herbstein des Amtsgerichts Lauterbach und der Zweigstelle Altenstadt des Amtsgerichts Ortenberg – zur Zweigstelle des Amtsgerichts Lauterbach. Am 1. Juli 1968 wurde auch diese Zweigstelle aufgehoben. Am 1. Januar 2005 wurde das Amtsgericht Lauterbach als Vollgericht aufgehoben und zur Zweigstelle des Amtsgerichts Alsfeld. Zum 1. Januar 2012 wurde auch diese Zweigstelle geschlossen. Bezieht sich auf die Die übergeordneten Instanzen sind jetzt das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.
Einwohnerentwicklung • 1791: 794 Einwohner • 1800: 817 Einwohner • 1806: 794 Einwohner, 147 Häuser • 1829: 845 Einwohner, 148 Häuser • 1867: 745 Einwohner, 128 bewohnte Gebäude • 1875: 698 Einwohner, 127 bewohnte Gebäude
Politik Bürgermeister (1821–1971) 1821 – 1837: Heinrich Ochs (* 1777, † 12. Februar 1837) 1837 – 1862 (1837 bis 1850 kommissarisch): Johannes Ganß I. (* 1816, † 24. Februar 1900) 1862 – 1887: Heinrich Ochs 3. (* 28. Januar 1814, † 12. Juli 1887) 1887 – 1920: Heinrich Löffler 41. (* 9. Januar 1838, † 19. Februar 1920) 1920 – 1934: Heinrich Ochs 4. (* 14. April 1870, † 11. Dezember 1947) 1934 – 1945: Otto Gutermuth 2. (* 31. Mai 1896, † 26. Februar 1956) April 1945 – 28. Juni 1945 (kommissarisch): Friedrich Bloß 1. (* 28. September 1890, † 24. August 1957) 1945 – 1968 (28. Juni 1945 bis März 1946 kommissarisch): Johannes Ochs (* 11. November 1900, † 30. September 1988) 1968 – 1971: Kurt Süßenberger (* 2. April 1941, † 2002)
Ortsvorsteher (ab 1972) 1972 – 1977: Albert Appel 1977 – 1981: Wolfgang Rupp 1981 – 1993: Rudolf Schäfer 1993 – 30. April 2013: Klaus Löffler Seit 21. Mai 2013: Andreas Löffler
Wappen links|100px
Blasonierung: „Im silbernen Schild mit rotem Schildbord das schwarze Balkenbild des sogenannten 'Wilden Mannes'.“
Das Recht zur Führung eines Wappens wurde der Gemeinde Ilbeshausen im damaligen Landkreis Lauterbach am 18. April 1952 durch den Hessischen Innenminister verliehen.
Gestaltet wurde es durch den Darmstädter Heraldiker Georg Massoth.
Es zeigt die stilisierte Nachbildung des Wilden Mannes, einer auch an der bekannten Teufelsmühle verwendeten Fachwerkkonstruktion.Hessisches Ortswappenbuch. Bearbeitet im Auftrag des Staatsarchivs Wiesbaden von Karl Ernst Demandt und Otto Renkhoff, Starke, Limburg 1956, Seite 112, . Zitiert nach Ilbeshausen. In: Heraldry of the world.
Nach der Gebietsreform war dieses Wappen zusammen mit Elementen der Wappen der Ortsteile Crainfeld und Herchenhain die Vorlage für das Wappen der Großgemeinde Grebenhain, deren Kerngemeinde bis dahin kein eigenes Wappen besaß.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Regelmäßige Veranstaltungen