Eugenio Bersellini (* 10. Juni 1936 in Borgo Val di Taro; † 17. September 2017 in Prato) war ein italienischer Fußballspieler und -trainer. Während seine Spielerkarriere wenig erfolgreich verlief, führte Bersellini als Trainer Inter Mailand zur Meisterschaft und zum Pokalsieg, der ihm auch bei Sampdoria Genua gelang. Weiterhin trainierte er Mannschaften wie die AC Cesena, Torino Calcio oder die AC Florenz.
Spielerkarriere Eugenio Bersellini, geboren in Borgo Val di Taro, einer emilianischen Stadt in der Provinz Parma, begann mit dem Fußballspielen beim Klub AC Fidenza in einer direkt angrenzenden Gemeinde. Von 1954 und 1955 stand Bersellini in Diensten des Vereins, den man damals wie heute in der Serie D vorfindet, mit dem Unterschied, dass die Serie D zu Bersellinis aktiven Zeiten noch die vierthöchste Spielklasse meinte, heute ist sie die fünfthöchste.
Im Sommer 1955 verließ Eugenio Bersellini der AC Fidenza und schloss sich der AC Brescia an, wo er seine erste Saison in der zweitklassigen Serie B spielte. In Brescia agierte der Mittelfeldspieler fünf Jahre lang von 1955 bis 1960 und brachte es in dieser Zeit auf insgesamt 98 Ligaspiele mit neunzehn Torerfolgen. Diese Zahlen belegen, dass Bersellini dabei keineswegs Stammspieler war. Von den Ergebnissen her gelang es der AC Brescia in diesen fünf Spielzeiten nicht, in die Serie A aufzusteigen. Einzig einmal, in der Saison 1956/57, näherte man sich mit dem Erreichen von Platz drei an die Aufstiegsplätze an. Da damals lediglich zwei Mannschaften pro Saison aufsteigen durften, schafften nur die beiden vor Brescia platzierten Teams von Hellas Verona und der US Alessandria den Sprung in die Erstklassigkeit, wobei sich Alessandria nur aufgrund des besseren Tordifferenz gegenüber Brescia durchsetzte.
1960 wechselte Bersellini erneut den Verein und schloss sich innerhalb der zweiten italienischen Liga Simmenthal Monza an, wo er in einer ersten Periode zwei Jahre lang spielte. Mit Platz fünf und acht wurden dabei in beiden Jahren durchaus respektable Ergebnisse erzielt, 1960/61 verfehlte der vom Unternehmen Simmenthal finanziell unterstützte Verein den erstmaligen Aufstieg in die Serie A um vier Punkte gegenüber der SSC Palermo. Zur Saison 1962/63 ging Eugenio Bersellini zum Ligakonkurrenten Pro Patria Calcio, um nach einem Jahr mit Erreichen von Platz neun in der Serie B und siebzehn Ligaspielen mit einem Tor nach Monza zurückzukehren. Doch mittlerweile war der Verein von einem Anwärter auf den Erstligaaufstieg zu einem Anwärter auf den Abstieg in die Drittklassigkeit geworden und musste diesen in der Saison 1965/66, der letzten von Eugenio Bersellini im Trikot von Monza, auch antreten, nachdem man in der Serie B lediglich den neunzehnten und damit vorletzten Platz belegt hatte und zwei Punkte Rückstand auf den ersten Nichtabsteiger SC Pisa aufwies. Mit ausschlaggebend für die negative Entwicklung des Vereins war wohl auch der Ausstieg des Sponsors Simmenthal bereits zu Beginn der 1960er-Jahre.
Nach dem Abstieg mit der AC Monza 1966 wechselte Eugenio Bersellini in Italiens Süden zur US Lecce, zur damaligen Zeit in der Serie C auffindbar. In Lecce spielte Bersellini noch zwei Jahre lang in der dritten Fußballliga und erreichte Platzierungen im Mittelfeld. Danach beendete er 1968 seine fußballerische Laufbahn im Alter von 32 Jahren und wurde gleich zur folgenden Saison in Nachfolge von Gianni Seghedoni Trainer der US Lecce.
Trainerkarriere Lecce, Como, Cesena und erste Amtszeit bei Sampdoria Ab 1968 war Eugenio Bersellini Trainer der ersten Mannschaft der US Lecce. In seiner ersten Spielzeit als Coach im Stadio Via del Mare erreichte er mit seiner Mannschaft Platz fünf in der Girona C der Serie C 1968/69. Gleiches war auch das Resultat der Folgesaison, erneut wurde man Fünfter. Platz vier wurde in der Serie C 1970/71, Bersellinis letzter Spielzeit als Chefcoach der US Lecce, erreicht. Danach verließ er den Verein und wurde neuer Verantwortlicher an der Seitenlinie beim Zweitligisten Como Calcio.
In Como trainierte Bersellini zwei Spielzeiten lang. In seiner ersten Saison wurde nach Ende aller Spieltage der vierte Platz in der Serie B belegt, man verpasste den Aufstieg in die Serie A aufgrund eines Rückstandes von zwei Punkten auf die SSC Palermo. Weniger erbaulich verlief die darauf folgende Spielzeit für Como Calcio und Eugenio Bersellini. Man landete in der Serie B 1972/73 auf dem enttäuschenden elften Rang. In Folge dieser eher schlechten Saison trennten sich die Wege von Eugenio Bersellini und Como Calcio im Sommer 1973.
Bersellini wurde daraufhin neuer Cheftrainer bei der AC Cesena. Cesena war unter Trainer Luigi Radice, wenig später Meistertrainer der AC Turin, zum ersten Mal in seiner Geschichte in die italienische Eliteliga aufgestiegen, Radice verließ den Verein in der Folge in Richtung Florenz. Nachfolger des Erfolgstrainers wurde eben Eugenio Bersellini. Unter dessen Führung gelang es der AC Cesena, sich durch das Erreichen von Platz elf in der Serie A 1973/74 den Klassenerhalt zu sichern, während die anderen beiden Aufsteiger CFC Genua und US Foggia genauso wie Hellas Verona den Gang in die Zweitklassigkeit antreten mussten. Auch im nationalen Pokalwettbewerb sorgte die AC Cesena von Eugenio Bersellini für Furore. Man belegte den ersten Platz in der ersten Gruppenphase in der Gruppe fünf und ließ dabei unter anderem die AC Turin sowie die US Catanzaro hinter sich. Erst in der nun folgenden zweiten Gruppenphase schied man als Dritter hinter der SSC Palermo und Juventus Turin sowie vor Lazio Rom aus.
Ähnlich erfolgreich wie 1973/74 verlief auch die Spielzeit 1974/75 für die Mannschaft von Eugenio Bersellini. Man rangierte nach Ablauf aller Spieltage erneut auf dem elften Tabellenplatz und hatte mit dem Abstiegskampf nur wenig zu tun. Nach der zweiten erfolgreichen Spielzeit mit der AC Cesena kehrte Bersellini dem Verein im Sommer 1975 den Rücken und wurde neuer Trainer bei Sampdoria Genua, wo er die Nachfolge von Giulio Corsini antrat, unter dem Samp den Abstieg knapp vermieden hatte.
Eugenio Bersellinis erste Spielzeit bei Sampdoria Genua brachte am Ende das Belegen des zwölften Tabellenranges in der Serie A 1975/76 mit sich, wobei der Abstieg um einen Punkt gegenüber Ascoli Calcio vermieden wurde. In der Folgesaison konnte man nicht verhindern, dass die Sampdoria, damals nicht zu den Topvereinen des Calcio zählend, den Gang in die Zweitklassigkeit, erstmals seit 1967, antreten musste. In der Serie A 1976/77 belegte man am Ende den vierzehnten Tabellenrang, hatte zwei Zähler Rückstand auf den ersten Nichtabsteiger aus Foggia, und musste zusammen mit der US Catanzaro und der AC Cesena den Abstieg hinnehmen. Trotz der schlechten Leistungen hielt die Vereinsführung von Sampdoria Genua über die gesamte Spielzeit hinweg an ihrem Trainer fest, erst nach Feststehen des Abstieges trennten sich die Wege von Eugenio Bersellini und seinem Arbeitgeber.
Erfolge mit Inter Mailand Etwas überraschend wurde Eugenio Bersellini 1977 als neuer Trainer des italienischen Spitzenclubs Inter Mailand vorgestellt. Dabei trat er die Nachfolge von Giuseppe Chiappella an, der Inter nach zwei Jahren ohne Titel hatte verlassen müssen. In seiner ersten Spielzeit als Trainer von Inter Mailand erreichte Bersellini in der Serie A 1977/78 den fünften Tabellenrang, man wies am Ende einen Rückstand von acht Punkten auf den Meister von Juventus Turin auf. Besser hingegen lief es im nationalen Pokalwettbewerb, in der Coppa Italia 1977/78. Hier wurde man in der ersten Gruppenphase Erster der Gruppe fünf vor Ascoli Calcio, Atalanta Bergamo, der US Cremonese sowie Como Calcio und platzierte sich auch in der zweiten Gruppenphase in der Gruppe eins vor der AC Florenz, Torino Calcio und der AC Monza, was die Finalteilnahme zur Folge hatte. Im Endspiel in Rom wurde die SSC Neapel mit 2:1 bezwungen.rsssf.org Coppa Italia 1977/78
Durch den Gewinn der Coppa Italia 1977/78 war man für den Europapokal der Pokalsieger des folgenden Jahres startberechtigt. Dort kam das Aus jedoch bereits im Viertelfinale gegen den belgischen Vertreter KSK Beveren. Generell lief die Spielzeit 1978/79 nicht optimal für Internazionale. In der Coppa Italia schied man schon im Viertelfinale gegen Juventus Turin, den späteren Sieger, aus, und auch im Ligabetrieb der Serie A 1978/79 überzeugte man mit Rang vier nicht. Eine Leistungssteigerung trat indes in der Folgesaison ein. Die Serie A 1979/80 beendete die Mannschaft von Eugenio Bersellini, in der sich unter anderem Spieler wie etwa Verteidiger Giuseppe Baresi, Mittelfeldakteur Gabriele Oriali oder Angreifer Alessandro Altobelli befanden, auf dem ersten Tabellenrang mit drei Zählern Vorsprung vor Juventus und holte sich damit die italienische Fußballmeisterschaft – die erste für den Verein seit neun Jahren.inter-calcio.it Durch die Meisterschaft von 1980 war Inter Mailand auch für den Europapokal der Landesmeister 1980/81 qualifiziert. Nach Erfolgen über Universitatea Craiova aus Rumänien, den FC Nantes aus Frankreich sowie Roter Stern Belgrad aus Jugoslawien war für Bersellinis Mannschaft im Halbfinale gegen den spanischen Vertreter Real Madrid Schluss, der seinerseits das folgende Endspiel gegen den FC Liverpool verlor.
Als Titelverteidiger in die Saison 1980/81 gestartet, misslang der erneute Gewinn der Meisterschaft relativ deutlich. Mir Platz vier hatte man nach dreißig Spieltagen acht Punkte Rückstand auf den neuen italienischen Meister von Juventus Turin. Auch im nationalen Pokalwettbewerb war man wenig erfolgreich, bereits in der Gruppenphase passierte das Ausscheiden, als man Dritter der Gruppe zwei hinter der US Avellino und der US Palermo sowie vor der in Folge des Totonero-Skandals in die Serie B abgeglittenen AC Mailand und Catania Calcio wurde. Anders die Lage im nächsten Jahr, als sich das Team von Trainer Bersellini in der Coppa Italia 1981/82 nach Erfolgen in der Gruppenphase sowie nacheinander gegen die AS Rom sowie die US Catanzaro bis ins Finale spielte und dort gegen Torino Calcio auch mit 2:1 nach Hin- und Rückspiel die Oberhand behielt.rsssf.org Coppa Italia 1981/82 Während im Ligabetrieb mit Platz fünf wieder eine Saison unter den Erwartungen abgelegt wurde, gelang Eugenio Bersellini in seinem letzten Jahr als Trainer von Inter Mailand noch einmal ein Titelgewinn, sein Dritter mit dem lombardischen Klub. Dennoch wurde Bersellinis Kontrakt nicht verlängert, sein Nachfolger als Coach der Mailänder wurde Rino Marchesi, zuvor bei der US Avellino und der SSC Neapel tätig.
Torino, erneut Sampdoria und Florenz Im Sommer 1982 beerbte Eugenio Bersellini Massimo Giacomini als Trainer von Torino Calcio, das er im Vorjahr noch im Pokalfinale mit Inter Mailand besiegt hatte. Seine erste Spielzeit mit Torino beendete Bersellini am Ende auf dem achten Tabellenrang, was eine Verbesserung um eine Platzierung im Vergleich zum Vorjahr bedeutete. In der Coppa Italia kam das Aus diesmal in der Runde der letzten vier Mannschaften, wo man nach Verwendung der Auswärtstorregel dem aufstrebenden Hellas Verona von Osvaldo Bagnoli unterlag, das sich seinerseits im Endspiel erst nach Verlängerung Juventus Turin geschlagen geben musste. Erneut das Halbfinale erreichte Torino unter Bersellini in der Coppa Italia der Folgesaison, diesmal erwies sich jedoch die AS Rom als zu stark. Im Ligabetrieb endete die Spielzeit 1983/84 für Torino Calcio besser als die vorherige, man belegte nach Ende aller Spieltage den fünften Tabellenrang und verpasste die Qualifikation für den UEFA-Pokal um zwei Punkte gegenüber Inter Mailand.