mini|Von der Opposition verwendete Flagge der Syrischen Republik (1930–1963) Die Chronik des Bürgerkriegs in Syrien 2012 erfasst die Ereignisse des Bürgerkriegs in Syrien im Jahr 2012.
Januar Ende Januar 2012 unterbrach die Arabische Liga (AL) nach etwas über einem Monat ihre Beobachtermission in Syrien, deren erklärtes Ziel die Beendigung der Gewalt im Land war. Mitglieder der Mission gaben unterschiedliche Einschätzungen der Lage in Syrien ab, einige beendeten ihre Teilnahme sogar vorzeitig.
Wenige Tage davor war es landesweit zu Massendemonstrationen für das Regime von Baschar al-Assad gekommen, die als sogenannte "Wir lieben Euch" ("minhibik")-Kundgebungen bekannt wurden und größtenteils von der Baath-Partei (Syrien) staatlich organisiert worden waren.Christoph Leonhardt: Religion und Gewalt in Syrien. Legitimierung und Mobilisierung unter der Assad-Dynastie (1970–2020), in: Konfrontation und Kooperation im Vorderen Orient 19, Münster 2024, S. 64, ISBN 978-3-643-25119-0
Chronik des Bürgerkriegs in Syrien 2011 Die Teilnehmer hatten dabei ihre Ablehnung des Planes der Arabischen Liga zum Ausdruck gebracht, gemäß dem die Befugnisse des syrischen Präsidenten an Vizepräsident Faruk al-Scharaa hätten übergeben werden sollen. Die Unterstützer des Präsidenten sahen darin eine „grobe Verletzung der syrischen Souveränität“.Massendemos zur Unterstützung von Assad in ganz Syrien RIA Novosti am 26. Januar 2012.
Auch einige AL-Mitgliedsstaaten hatten sich dagegen ausgesprochen. Der irakische Premier Nuri al-Maliki befürchtete, dass ein Sturz Assads in einem unversöhnlichen Kampf münden werde.Sturz al-Assads kann religiösen Großkonflikt auslösen – Premier des Irak RIA Novosti am 5. Dezember 2011. Mitglieder seiner Regierung hatten sich besorgt gezeigt, dass der Machtantritt des SunnitenRick Gladstone: Waiting in the Wings, a Survivor of Three Decades of Syrian Politics in der New York Times am 3. Februar 2012. zu einem erneuten Aufstand in der westirakischen Provinz Anbar führen könnte.Syria: fall of Bashar al-Assad will bring war to Middle East, warns Iraq Telegraph am 4. Dezember 2011.
Februar mini|Brennendes Haus in Homs nach der Bombardierung durch die syrische Armee Ein weiterer Versuch, im UN-Sicherheitsrat eine Resolution zur Verurteilung der Gewalt in Syrien zu verabschieden, scheiterte bei der Abstimmung am 4. Februar am Veto Russlands und Chinas. Der Resolutionsentwurf war zuvor schon abgeschwächt worden, um ein Veto zu verhindern. Westliche Staaten und der oppositionelle Syrische Nationalrat verurteilten das Verhalten der beiden Vetomächte scharf.
Der 4. Februar wurde zudem zu einem blutigen Tag in Syrien, als die syrische Armee die Stadt Homs bombardierte. Nach verschiedenen Angaben von Aktivisten wurden dabei 55 – 200 Menschen getötet. Seit dem 4. Februar befindet sich die Stadt unter kontinuierlicher Bombardierung.BBC News – Syria: Homs under 'heaviest’ shelling yet
Nach der ersten Beobachtermission der Arabischen Liga trat deren Leiter General al-Dabi am 12. Februar zurück. In seinen Berichten über die Arbeit der Beobachter in Syrien hatte er die erfolgreiche Mitarbeit der syrischen Behörden gelobt und darauf verwiesen, dass bewaffnete Extremisten und Söldner gegen die syrischen Militärs vorgingen.Beobachterchef in Syrien tritt zurück – Arabische Liga vor Wiederaufnahme der Mission RIA Novosti am 12. Februar 2012.
Am 15. Februar 2012 kündigte die syrische Regierung ein Verfassungsreferendum für den 26. Februar an. Die neue Verfassung solle die Gründung von Parteien vereinfachen. Gleichzeitig bombardierte die Regierung nach Angaben von Oppositionellen die Stadt Homs.
In Damaskus kam es am 18. Februar zu einer großen Demonstration, die sich aus einem Begräbnis von Toten des Vortages entwickelte. Es handelte sich um eine der größten Demonstrationen in Damaskus seit Beginn des Aufstandes. Auch diese Demonstration wurde durch Sicherheitskräfte beschossen, es gab mindestens einen Toten.
Zwei Mitglieder der US-amerikanischen Republikanischen Partei, John McCain und Lindsey Graham, forderten Waffen für die Opposition, damit diese sich verteidigen kann.Syrien: Militärpräsenz soll Aufstand ersticken – Ausland – FAZ
Am 21. Februar gab das Internationale Komitee vom Roten Kreuz bekannt, dass es sich um eine Feuerpause in Homs bemüht, damit Hilfsgüter nach Homs gebracht und Verletzte und Kranke aus der Stadt geholt werden können. Am 22. Februar wurden bei einer Bombardierung von Homs u. a. die Journalisten Rémi Ochlik und Marie Colvin getötet; dies veranlasste den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy zu einer schärfsten Verurteilung der Assad-Regierung.Syria shelling of Homs kills 2 Western journalists
Am 24. Februar fand in Tunesien das erste Treffen der „Freunde Syriens“, einer internationalen Kontaktgruppe, die der Opposition nahesteht, statt.
Am 24. Februar wurde bekanntgegeben, dass der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan von den Vereinten Nationen und der Arabischen Liga zum Sondergesandten für Syrien ernannt wurde, der zwischen den Oppositionellen und der Regierung vermitteln soll.Tomas Avenarius: Kofi Annan soll Gewalt des Assad-Regimes stoppen In: Süddeutsche Zeitung. 24. Februar 2012, abgerufen am 24. Februar 2012. Am selben Tag erhielten Nothelfer des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds erstmals Zugang nach Homs, um Verletzte sowie Frauen und Kinder zu versorgen bzw. zu evakuieren.Gewalt in Syrien: Rotes Kreuz rettet Verwundete aus Homs bei stern.de, 24. Februar 2012 (abgerufen am 25. Februar 2012). Die Rettungseinsätze wurden am 26. Februar 2012 – nach erfolglosen Verhandlungen über einen sicheren Korridor zur Evakuierung von Verletzten aus Homs – wieder eingestellt. bei tagesschau.de, 26. Februar 2012 (abgerufen am 26. Februar 2012).
Das nur 10 Tage zuvor angekündigte Referendum über eine neue Verfassung fand am 26. Februar statt. Bilder des Staatsfernsehens zeigten volle Wahlräume, die allerdings teilweise nicht mit Wahlkabinen ausgestattet waren. Kritik kam sowohl von der syrischen Opposition als auch aus dem Ausland: Die neue Verfassung sei bedeutungslos, solange die Regierung an der Macht ist. Die Opposition hatte zuvor zum Boykott des Referendums aufgerufen.
März Am 1. März drang die Armee erneut in Homs ein und eroberte in der Rebellenhochburg das Stadtviertel Baba Amr zurück. Die Freie Syrische Armee (FSA) bestätigte, dass sie sich aus dem Viertel zurückgezogen hatte.Syrien: Aktivisten: Armee stürmt Viertel in Homs – Arabische Welt – FAZ
Am 6. März sagte sich der stellvertretende Ölminister Abdo Hussameddin – und mit ihm der bis dahin ranghöchste Funktionär (seine Position ist etwa vergleichbar mit einem deutschen Staatssekretär) – von der Regierung los.
Am 14. März verließen einige Mitglieder, darunter Haitham Maleh, den oppositionellen SNC und protestierten damit nach eigener Aussage gegen dessen Organisationsstrukturen.
Ein Bericht von Amnesty International basierend auf im Februar geführten Interviews erzählt von Folterungen durch Regierungskräfte. Im selben Bericht werden auch Oppositionsgruppen des Mordes und der Entführung bezichtigt.
Am 16. März schlossen alle Mitglieder des Golf-Kooperationsrates ihre Botschaften.Syrien: Staaten des Golf-Kooperationsrates schließen Botschaften – Arabische Welt – FAZ Auch der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan forderte alle türkischen Staatsbürger auf, Syrien zu verlassen.Türkei ruft Bürger aus Syrien zurück und erwägt Pufferzone – SPIEGEL ONLINE
Am 21. März einigte sich der UN-Sicherheitsrat auch unter Einbeziehung von Russland und China auf eine gemeinsame Erklärung. In ihr wird angemahnt, Kofi Annans Friedensplan einzuhalten. Der Sechs-Punkte-Vorschlag sah einen Waffenstillstand und den Beginn des Dialogs zwischen beiden Seiten vor. Am Tag darauf wurde der Waffenstillstand nicht eingehalten, da die syrischen Streitkräfte weiter mehrere Gegenden beschossen.Syrien – Uno-Appell bleibt ohne Wirkung – Landesweite Kämpfe – Ausland – Politik – Hamburger Abendblatt Syrien akzeptierte den Friedensplan am 25. März. Vertreter des Syrischen Nationalrats äußerten Misstrauen daran, dass die Regierung die Bedingungen einhalten wird.Syrien akzeptiert Friedensplan von Kofi Annan: USA fordern von Assad Taten statt Worte – Syrien – FOCUS Online – Nachrichten
April mini|Teilnehmer der Istanbul-Konferenz am 1. April 2012 Am 1. April fand in Istanbul das zweite Treffen der „Freunde Syriens“ statt.
mini|Im Laufe des Krieges zerstörtes Gebäude in Homs Am 2. April überwiesen die Staaten des Golf-Kooperationsrates 100 Millionen Dollar an die Freie Syrische Armee. Den größten Anteil sollen Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate gezahlt haben.Golfstaaten sollen Millionen an syrische Aufständische zahlen – SPIEGEL ONLINE
Baschar al-Assad hatte angekündigt, am 10. April die Soldaten aus den Wohngebieten zurückzuziehen, jedoch zweifelten viele an dieser Aussage, da er viele Versprechen nicht eingehalten hatte.Syrien meldet Rückzug seiner Truppen – Politik – sueddeutsche.de Nach eigenen Angaben begann die Regierung, die Truppen aus den Städten Dar'a, Idlib und Sabadani abzuziehen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach dagegen von weiteren Angriffen auf Zivilisten. Auch am 10. April wurden die Protesthochburgen weiterhin angegriffen, weil Assad einen Vertrag zur Entwaffnung der Opposition forderte.Syrien: Assad verlangt schriftliche Garantien von Opposition | Politik | ZEIT ONLINE Erstmals wurden auch Flüchtlinge auf türkischen Boden nahe der Grenze zwischen der Türkei und Syrien von syrischen Soldaten getötet.Bürgerkrieg: Türkei warnt Syrien vor weiteren Angriffen auf Flüchtlinge | Politik | ZEIT ONLINE Die syrische Opposition bezichtigte daraufhin die PKK der Zusammenarbeit mit der syrischen Regierung.Thomas Seibert: Opposition sieht kurdische PKK als Helfer Assads In: Der Tagesspiegel. 10. April 2012, abgerufen am 12. April 2012. Laut Informationen von tagesschau.de waren bis zum 6. April 22.000 Menschen aus Syrien in die Türkei geflohen. Trotz des Waffenstillstandes wurde nach Angaben der Opposition die Stadt Homs weiterhin beschossen.: UN-Beobachter müssen erst mit Syriens Regierung verhandeln – Nachrichten Newsticker – DPA – Infoline – Brennpunkte (DPA) – WELT ONLINE Allerdings wurde nach Angaben Kofi Annans, der Waffenstillstand von der Opposition gebrochen.My departing advice on how to save Syria.
Laut Einschätzung von Kofi Annan bestand am 12. April anscheinend eine Waffenruhe. Zwei Tage später, am 14. April, beschloss der Sicherheitsrat in der Resolution 2042 die Vorbereitung einer Mission zur Überwachung des Sechs-Punkte-Plans und die Entsendung eines 30 Personen umfassenden Vorausteams.
Am 21. April sprach sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in der Resolution 2043 einstimmig dafür aus, die Zahl der Beobachter von 30 auf 300 zu erhöhen. Diese reisen jedoch erst nach Syrien, wenn UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Waffenruhe als hinreichend stabil bewertet. Bei den Beobachtern im Rahmen der United Nations Supervision Mission in Syria (UNSMIS) handelt es sich durchweg um unbewaffnete Soldaten, die den Waffenstillstand zwischen den Truppen Assads und den Oppositionellen überwachen sollen.Waffenstillstand: UN erhöhen Zahl der Syrien-Beobachter auf 300 bei welt.de, 21. April 2012 (abgerufen am 22. April 2012). Zuvor hatten in der ersten Feuerpause seit mehreren Wochen internationale Beobachter die Stadt Homs besucht. bei de.reuters.com, 21. April 2012 (abgerufen am 22. April 2012). Eine durch Kofi Annan vermittelte Waffenruhe ab dem 10. April war nicht eingehalten worden.Immer noch keine Waffenruhe: Ban kritisiert Syrien bei focus.de, (abgerufen am 22. April 2012).