mini|266px|Das Delta des Roten Flusses bei Haiphong
Haiphong (, Hán Tự ) ist die drittgrößte Stadt in Vietnam. Wirtschaftlich ist die Stadt als wichtigster Hafen Nordvietnams bedeutsam. Verwaltungstechnisch besitzt Haiphong Provinzstatus. Die einer Provinz gleichgestellte Stadt hat ca. 4,7 Mio. Einwohner, davon leben im eigentlichen Stadtgebiet etwa 841.000 Menschen.
Der Name leitet sich von Hải tần phòng thủ (海嬪防守) ab, was Verteidigung am Meer bedeutet. Eine ebenfalls geläufige Bezeichnung ist Stadt der Roten Blumen (Thành phố hoa phượng đỏ), wegen der Flammenbäume, die viele Straßen der Innenstadt säumen. Diese Bäume sind auch Namensgeber des Red Flamboyant Festivals, das seit 2012 jährlich im Mai vor der Oper gefeiert wird.
Lage und Klima Haiphong liegt etwa 100 km südöstlich von Hanoi, der Hauptstadt des Landes, im Delta des Roten Flusses an einem nördlichen Mündungsarm namens cửa Cấm (Verbotenes Tor), 20 km vor der Mündung in den Golf von Tonkin. Die Stadt wird von 16 Flüssen und Nebenarmen durchflossen. Die Altstadt liegt am Ufer des Tam Bạc. Die Stadt besitzt den zweitgrößten Hafen Vietnams, der als Überseehafen für den gesamten Norden von hoher Bedeutung für den Handel ist, insbesondere mit China. Sie wird deshalb auch der Hafen von Hanoi genannt. Die Küstenlinie ist etwa 95 km lang. Durch die Eingliederung von Hải Dương erstreckt sich Hải Phòng seit 2025 weiter in das Binnenland des Deltas des Roten Flusses.
Die Durchschnittstemperatur beträgt 23,7 °C, die jährliche Niederschlagsmenge liegt zwischen 1846 mm. Durch einen Taifun am 15. September 1881 starben im Gebiet von Haiphong bis zu 300.000 Menschen. Am 27. September 2005 erreichte der stärkste Wirbelsturm der letzten 30 Jahre, Damrey, die Provinzen Thanh Hóa und Haiphong. In der bis dahin größten Evakuierungsaktion wurden ca. 300.000 Menschen aus der Küstenregion in Sicherheit gebracht. Bei den Überschwemmungen starben ca. 50 Menschen. Laut Prognosen des Weltklimarates IPCC ist auch Haiphong durch das Ansteigen der Meeresspiegel gefährdet.
Geschichte Der Legende nach soll der Ort als An Biên von der lokalen Freiheitskämpferin Lê Chân gegründet worden sein, die im Jahre 39 n. Chr. die Trưng-Schwestern gegen die Chinesen unterstützt haben soll. Eine Statue zu Ehren General Lê Châns steht vor dem städtischen Ausstellungshaus am Westende des Stadtparks Vườn Hoa. Eine erste Erwähnung als Fischer- und Marktdorf in sumpfigem Gelände datiert aus dem 1. Jahrhundert.
938 ließ General Ngô Quyền gegen eine chinesische Expeditionsflotte im Fluss Bạch Đằng Pfähle mit eisernen Spitzen einrammen. Bei Ebbe wurden die Schiffe von den Pfählen durchbohrt und mehr als die Hälfte sanken. Dies beendete eine mehr als tausendjährige chinesische Herrschaft über Nordvietnam. 1287/88 wiederholte General Trần Hưng Đạo diese List gegen 400 mongolische Schiffe. Eine bronzene Röhre mit chữ-Nôm-Inschrift bei der Vân Bản-Pagode () soll aus dem Jahr 1076 stammen, was allerdings strittig ist. mini|links|260px|Karte der japanischen Eisenbahnbehörde 1920 Im 17. Jahrhundert wurde der kleine Militärposten zu einem Hafen ausgebaut. Haiphong wurde eines der wichtigsten Handelszentren im Norden Vietnams und bedeutende Hafenstadt auch für chinesische, japanische, französische und portugiesische Seefahrer. Entscheidende Impulse für die Entwicklung Haiphongs zu einem Überseehafen erfolgten während der französischen Kolonialherrschaft. 1874 übernahmen die Franzosen Haiphong, ließen die Sümpfe trockenlegen und begannen, den Ort systematisch zu erschließen. Durch Zwangsarbeiter wurde er zur Stadt ausgebaut und der Hafen bis 1885 zum französischen Flottenstützpunkt und größten Überseehafen Indochinas. Über ihn wurde ein großer Teil der Importe (Waffen, Luxusgüter) und Exporte (Kohle, Erze, Edelhölzer) von und nach Frankreich abgewickelt. Offiziell wurde die Stadt mit ca. 10.000 Einwohnern im Jahr 1888 gegründet.
Ausschlaggebend für diese Anstrengungen der Franzosen war auch die zur Erschließung Chinas günstige Lage. Die Vermutung, der Rote Fluss sei bis in den Oberlauf schiffbar und damit für den Handelsverkehr mit China geeignet, beeinflusste das Interesse der Kolonialmacht am Hafen.Dieter Brötel: Französischer Imperialismus in Vietnam – die koloniale Expansion und die Errichtung des Protektorates Annam-Tongking 1880–1885. Atlantis-Verlag, Zürich 1971, Steiner Franz-Verlag 1998, ISBN 3-515-03812-4. 1901 bis 1910 wurde die Bahnstrecke der Yunnan-Bahn nach Kunming gebaut. 1939 zählte die Stadt rund 80.000 Einwohner, davon 2300 Europäer. Die Stadt entwickelte sich während der Kolonialzeit durch die von den Franzosen geschaffene Infrastruktur und die von ihnen dort angesiedelten Betriebe zum größten Industriezentrum Nordvietnams.Jacques Dalloz: Dictionnaire de la Guerre d'Indochine, Paris, 2006, S. 109
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges, das in Asien durch die Kapitulation und den Abzug Japans erfolgte, annektierten französische Truppen Vietnam erneut. Am 23. November 1946 wurde Haiphong von den Franzosen von See aus beschossen, weil die Việt Minh sich geweigert hatte, sich aus der Stadt zurückzuziehen. Dieses auch Haiphong-Zwischenfall genannte Ereignis, das mehr als 6000 Zivilisten das Leben gekostet haben soll und das Hafenviertel völlig zerstörte, gilt als Auslöser des Indochinakrieges.Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs. (Beck’sche reihe), ISBN 3-406-45978-1 Nach der Teilung Vietnams am 17. nördlichen Breitengrad (Genfer Indochinakonferenz 1954) war Haiphong der einzige bedeutende Hafen Nordvietnams. 1955, nach der verlorenen Schlacht um Điện Biên Phủ 1954, verließen die Franzosen das Land in Haiphong, von wo aus sie Tonkin ab 1872 eingenommen hatten.
Im Vietnamkrieg wurde die Stadt von den USA ab 1966 schwer bombardiert. 1972 wurde auf Befehl von US-Präsident Richard Nixon der Hafen vermint. Damit sollte der militärische Nachschub aus der Sowjetunion unterbunden und Nordvietnam an den Verhandlungstisch gezwungen werden. Im Vertrag von Paris von 1973 wurden die USA verpflichtet, den Hafen von Haiphong wieder zu entminen.
Nach Ende des Vietnamkrieges (1975) und der Wiedervereinigung (1976) zur Sozialistischen Republik Vietnam (SRV) wurde Haiphong als wichtiges Industriezentrum wieder aufgebaut. Die Hafenanlagen wurden mit Hilfe aus der Sowjetunion und der Volksrepublik China auf- und ausgebaut, die Fahrrinne vertieft. Das Verbot des Privathandels (1978) und der damit verbundene Exodus von Vietnamesen vorwiegend chinesischer Abstammung führten auch in Haiphong zu erheblichen Einbrüchen in der wirtschaftlichen Entwicklung. Erst mit der Liberalisierungspolitik Đổi mới (1986) erfuhr Haiphong neue Impulse seiner Wirtschaft.
Seit 1960 ist die Stadt römisch-katholischer Bischofssitz (Diözese, dem Erzbistum Hanoi zugeordnet).
Am 12. Juni 2025 beschloss die vietnamesische Nationalversammlung die Zusammenlegung Hải Phòngs mit Hải Dương, wodurch die Einwohnerzahl sich mehr als verdoppelte.
mini|200px|Bahnhof Ga Hải Phòng mini|200px|Blumenmarkt zu Tet
Politik Verwaltung Hải Phòng ist als regierungsunmittelbare Stadt direkt der Zentralregierung unterstellt und der Verwaltungseinheit Provinz gleichgestellt.
Vor der Verwaltungsreform von 2025 war Hải Phòng in Stadtbezirke und Landkreise gegliedert. Im Zuge der Reform wurde die Bezirksebene aufgehoben. Die neue Stadt Hải Phòng gliedert sich seitdem unmittelbar in 114 Verwaltungseinheiten auf Gemeindeebene: 67 Gemeinden (xã), 45 Stadtbezirke (phường) und 2 Sonderzonen (đặc khu).
Die 67 Gemeinden sind:
Die 45 Stadtbezirke sind:
Die 2 Sonderzonen sind:
Städtepartnerschaften Đà Nẵng (Vietnam) Incheon (Südkorea), seit 1997 Kitakyūshū (Japan), seit 2014 Sankt Petersburg (Russland), seit 2008, halboffiziell Seattle (Vereinigte Staaten von Amerika), seit 1996 Tianjin (Volksrepublik China), seit 1999 Wladiwostok (Russland)
Infrastruktur und Institutionen mini|200px|Fähre im Hafen mini|200px|Medizinische Universität Der Flusshafen Cảng Hải Phòng am Sông Cấm mit dem UN/LOCODE VNHPH ist historisch und wirtschaftlich prägend für Haiphong. Sein Tiefgang beträgt zurzeit nur 6,4 m, weshalb die Verwaltung mit Nachdruck den Ausbau zu einer modernen Hafengruppe betreibt. Dazu gehören als zivile Seehäfen der Cảng Đình Vũ und der Cảng Lạch Huyện, der zwischen 2013 und 2018 in Kooperation der Hai Phong International Container Terminal Company (HICT) mit der Public-private-Partnership aus Vinalines und dem japanischen Investor Molnykit als moderner Containerhafen erbaut wurde. Er ist der größte Tiefwasserhafen in Nordvietnam. Von dort können Exportwaren aus Nordvietnam ohne einen Transit über die Häfen Singapur und Victoria Harbour bei Hongkong nach Europa und Amerika verschifft werden. Für den Erfolg des Infrastrukturprojektes Kunming-Haiphong Transport Corridor ist dieser Ausbau von zentraler Bedeutung. Auch der Marinehafen wird deutlich erweitert. In Haiphong steht eine Sendestation des internationalen NAVTEX-Seefahrts-Sicherungssystems, die als Navarea 11 Station W auf 4209,5 kHz sendet. Fähren starten am Anleger Bến Binh nahe der Innenstadt.
Der Hauptbahnhof Ga Hải Phòng im Kolonialstil liegt an der 75 Lương Khánh Thiện. In der westlichen Vorstadt steht der kleine Bahnhof Thường Li. Die Bahnlinie Haiphong–Hanoi wurde 1901 eröffnet. Eine Yunnan-Bahn genannte Eisenbahnstrecke verbindet die Stadt mit Kunming, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Yunnan. Die Strecke bis zur chinesischen Grenze wird als Yen Vien-Lao Cai Railway Upgrading Project im Rahmen des Projektes Kunming-Haiphong Transport Corridor modernisiertafd.fr: Yen Vien-Lao Cai Railway Line Upgrading Project. Parallel dazu wurde 2014 der Ausbau der Nationalstraße Nr. 70 nach Kunming zu einer 250 km langen Mautautobahn unter dem Namen Noi Bai-Lao Cai Expressway eröffnettuoitrenews.vn: Vietnam’s longest expressway opens, cutting Hanoi-Lao Cai travel time in half.
Die wichtigste Straßenverbindung mit Hanoi ist die Nationalstraße 5. Der Neubau einer dreispurigen Schnellstraße von der Dinh Vu-Brücke in Haiphong zur Thanh Tri-Brücke in Hanoi wurde im Mai 2008 begonnen. Die Stadt hat mehrere Überland-Busbahnhöfe. Vom Tam Bạc-Busbahnhof in der Bến Tam Bạc gegenüber dem Markt Chợ Sắt gehen ungefähr zehnminütig Busse nach Hanoi, der Cầu Rào-Busbahnhof liegt in der Chân Cầu Rào, Busse nach Đồ Sơn starten am Bến xe Lạch Tray, von Niệm Nghĩa in der Trần Nguyên Hãn werden Ziele im Süden angesteuert und die östlichen Routen starten in Lạc Long, 22 Cù Chính Lan. Hier halten auch Busse der Hanoi-Linien.
Der Cát Bi Airport (IATA: HPH, ICAO: VVCI) liegt 7 km südöstlich der Stadt. Von dort gehen mehrmals in der Woche Flüge nach Ho-Chi-Minh-Stadt und Da Nang. Um den weiteren Ausbau der Flugkapazität konkurrieren zwei Projekte, einerseits die Erweiterung von Cát Bi um eine neue 3000 m lange Start- und Landebahn mit dem Ziel, die Abfertigungskapazitäten auf 2 Mio. Passagiere jährlich zu vervierfachen. Gegen diesen Plan spricht die Nähe zur Innenstadt, die die zukünftige Stadtentwicklung behindern würde. Das andere, vom stellvertretenden Ministerpräsidenten Hoàng Trung Hải angeregte Projekt prüft einen kompletten Neubau im dünn besiedelten südwestlichen Landkreis Tiên Lãng mit einer Kapazität von 60 bis 80 Millionen Passagieren, der auch den Nội Bài Airport entlasten könnte.