mini|hochkant=1.5|Nordseite der evangelischen Kirche Fronhausen Die evangelische Kirche im mittelhessischen Fronhausen ist eine Chorturmkirche, deren älteste Elemente im 12. Jahrhundert errichtet wurden.Brohl: Das Fronhäuser Kegelspiel. Zur Baugeschichte der Kirche. 2009, S. 621 f. Sie ist heute Predigtstelle der evangelisch-lutherischen Gemeinde Fronhausen und gehört zum Pfarramt Unteres Lahntal II und damit zum Kirchenkreis Marburg in der Landeskirche von Kurhessen-Waldeck.

Die erste urkundliche Erwähnung ist für das Jahr 1159 belegt, wobei die unteren Mauerabschnitte des Kirchenschiffes auf einen älteren Vorgängerbau hinweisen. Besonderes Merkmal ist der spätgotische Turm mit der Bekrönung durch das „Fronhäuser Kegelspiel“. Neben Teilen der alten Wehrmauer sind noch Ansätze des Wehrgrabens vorhanden. Des Weiteren befinden sich innerhalb und außerhalb der Kirche Grabdenkmäler und Grabsteine aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Obwohl das Gotteshaus häufig als Wehrkirche bezeichnet wird, wäre die Bezeichnung als wehrhafte Kirche genauer.

Geschichte Fronhausen und das Stift Essen Die Geschichte der Kirche ist eng mit der des Ortes verknüpft. Der Name Fronhausen leitet sich aus den mittelhochdeutschen Wörtern vrôno (herrschaftlich) und hûs (Haus) ab.Andrießen: Herrschaftliche Häuser an der Lahn. 2009, S. 487. Name und Lage des Ortes lassen Rückschlüsse auf eine spätkarolingische Rodung und früheren Reichsbesitz zu.Andrießen: Herrschaftliche Häuser an der Lahn. 2009, S. 487 f. Die Kirche selbst befindet sich in Spornlage; es wird vermutet, dass eine Randlage zum Dorf bestand.Brohl: Das Fronhäuser Kegelspiel. Zur Baugeschichte der Kirche. 2009, S. 621. Wichtige Handelswege wie die Weinstraße kreuzten den Ort.

Die frühere Geschichte der Kirche und ihr genaues Alter sind unbekannt; die erste urkundliche Erwähnung ist für das Jahr 1159 überliefert.Andrießen: Die erste urkundliche Erwähnung Fronhausens 1159. 2009, S. 479. Dabei handelt es sich um einen Rechtsspruch des Erzbischofs Arnold von Mainz in einem Streitverfahren zwischen dem Oberweimarer Pfarrer Dittmar und dem Stift Essen. In seinem Urteilsspruch verkündete der Erzbischof den Verbleib der Kirche in Fronhausen bei dem Stift Essen, da sie sich seit mehr als dreißig Jahren in dessen Besitz befunden habe und die Ansprüche des Oberweimarer Sendbezirks damit erloschen seien.Andrießen: Die erste urkundliche Erwähnung Fronhausens 1159. 2009, S. 479–484.

Wie das Stift an den hessischen Besitz gelangte, lässt sich nicht mehr nachvollziehen, vermutlich handelte es sich um eine konradinische Stiftung.Schilp: Das Frauenstift Essen an der Ruhr und Fronhausen an der Lahn im Mittelalter. 2009, S. 492 f. Es ist anzunehmen, dass die Kirche vorher zum Sendbezirk Oberweimar gehörte, woraus sich der Anspruch des Pfarrers Dittmar begründete. Warum dieser erst nach einem langen Zeitraum die Kirche wieder beanspruchte, ist unklar.Schilp: Das Frauenstift Essen an der Ruhr und Fronhausen an der Lahn im Mittelalter. 2009, S. 494. Die Auflösung des Fronhäuser Haupthofes, die vermutlich in der Mitte des 12. Jahrhunderts stattfand, führte wahrscheinlich zu einer Änderung in der Verwaltung der Grundherrschaft. Vielleicht versuchte der Pfarrer diesen Umstand auszunutzen.

Der Hof in Fronhausen wurde in den Güterverzeichnissen des Stiftes als curtis Vronhusen in Hassia geführt; der Essener Besitz umfasste den Hof, die Kirche und die Oberburg.Schröder: Der Oberhof in Fronhausen an der Lahn. 1931, S. 53. Neben Fronhausen gehörten die Höfe Wenkbach, Roth und Argenstein (das sogenannte Schenkisch-Eigen) ebenfalls zum Stiftseigentum. Der Äbtissin standen als Grundherrin umfassende Rechte über ihren Besitz zu, sie übte die Hohe Gerichtsbarkeit und die Militärgewalt aus.Schröder: Der Oberhof in Fronhausen an der Lahn. 1931, S. 53–55. Die Vasallen des Stiftes waren die Vögte zu Fronhausen und die Schenken zu Schweinsberg. Als erster Vogt ist Gunthram belegt, dessen jüngerer Sohn Ludwig Vogt zu Fronhausen und dessen älterer Sohn Gunthram von Marburg, der Stammvater der Schenken zu Schweinsberg, war.Petersdorff: Die Schenken zu Schweinsberg und die Vögte von Fronhausen. 2009, S. 503–505. Anscheinend wurde das Lehen unter diesen geteilt, sodass die Vogtei Fronhausen und die Oberburg bei Ludwig und die anderen drei Dörfer bei Gunthram verblieben.

Eine Verpachtung des Hofes in Fronhausen ist ab 1307 nachgewiesen, die Lehen verblieben dauerhaft bei den Vögten und Schenken, da es Mannlehen waren. Dem Pächter wurde auferlegt, verlorene Güter zurückzuerlangen und wieder in den Hof einzugliedern. Dies geschah wahrscheinlich nur teilweise. Die Güter waren vermutlich aufgrund der Entfernung zu Essen und einem Äbtissinnenstreit im 13. Jahrhundert verloren gegangen, da zu diesem Zeitpunkt die Konzentration eher auf der inneren Integrität als auf der Verwaltung des Besitzes lag.Der Absatz basiert auf: Schilp: Das Frauenstift Essen an der Ruhr und Fronhausen an der Lahn im Mittelalter. 2009, S. 484 f.

Die Landgrafen von Hessen errichteten 1367 die Unterburg in Fronhausen und belehnten die Vögte mit dieser.Petersdorff: Die Burg von 1367. 2009, S. 517. Ab diesem Zeitpunkt herrschte ein Kondominatsverhältnis; die Äbtissin teilte sich die hoheitlichen Rechte mit den Landgrafen.Schröder: Der Oberhof in Fronhausen an der Lahn. In: Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen. 1931, S. 56 f. Nach einem weiteren Äbtissinnenstreit, der wiederum den Verlust von Gütern nach sich zog, wurde 1436 der Oberhof verpachtet; ab diesem Zeitpunkt übernahm der Landgraf von Hessen als Bürge für das Pfand vermutlich die landesherrlichen Rechte.Schröder: Der Oberhof in Fronhausen an der Lahn. In: Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen. 1931, S. 58. Das Stift hatte bis zur Reformation seinen Einfluss verloren. Es konnte seine Rechte gegen die Landgrafen nicht mehr durchsetzen, obwohl es die Lehnshoheit besaß.Schröder: Der Oberhof in Fronhausen an der Lahn. In: Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen. 1931, S. 58–61.

Geschichte der Kirche Der Äbtissin standen neben den bereits genannten Rechten auch das Patronats- und Spolienrecht über die Kirche zu. Die Patronatsrechte einschließlich der Kollatur wurden ab 1479 von den Vögten ausgeübt; nach dem Erlöschen der Linie erbten die Schenken zu Schweinsberg das Patronat.Hack: Pfarrer in Fronhausen vor und nach der Reformation. 2009, S. 591. Als Eigenkirche standen dem Grundherren die Einkünfte der Kirche zu. Ein Patrozinium des heiligen Georg, der heiligen Margareta und der Zehntausend Märtyrer ist für das Jahr 1382 belegt.Weber: Aus der Geschichte der Kirche zu Fronhausen/Lahn. 1159–1959. 1959, S. 17. Das Patrozinium ist nicht genau überliefert. Schriftlich festgehalten ist es in einer Abschrift der Stiftungsurkunde für den Altar.

Unter dem Landgrafen Philipp I. fand 1527 der Bekenntniswechsel zur evangelisch-lutherischen Konfession statt.Stöhr: Die Pfarrei Fronhausen im Jahrhundert der Reformation. 2009, S. 607. Fronhausen musste ein Stipendium für die Universität in Marburg leisten, welches aus den Einkünften der Kapelle am Brackenborn generiert wurde.Stöhr: Die Pfarrei Fronhausen im Jahrhundert der Reformation. 2009, S. 609–612. Moritz von Hessen-Kassel erbte 1604 das marburgische Oberhessen von seinem Onkel Ludwig IV. und versuchte, dort den Calvinismus zu verbreiten. In Fronhausen wurde diese Entwicklung nicht akzeptiert, sodass am 11. April 1608 der Pfarrer Kauß seines Amtes enthoben wurde, da er sich weigerte, die calvinistischen Verbesserungspunkte anzunehmen.Stöhr: Die Pfarrei Fronhausen im Jahrhundert der Reformation. 2009, S. 616. In Oberweimar wurde ebenfalls der Pfarrer abgesetzt; die neuen Pfarrer wurden direkt vom Superintendenten Schoner aus Marburg ernannt, wodurch sich der Widerstand der Schenken regte, da diese sich in ihrem Patronatsrecht beschnitten fühlten. In der Regierungszeit Moritz’ von Hessen-Kassel wurde der Taufstein aus der Kirche entfernt, vor deren Eingang er heute noch steht. 1626 ging das marburgische Oberhessen an die lutherische Landgrafenlinie in Darmstadt, sodass die konfessionelle Ausrichtung der Gemeinde erneut lutherisch war.Stöhr: Die Pfarrei Fronhausen im Jahrhundert der Reformation. 2009, S. 619. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche während der Predigt am 16. August 1635 geplündert.Brohl: Das Fronhäuser Kegelspiel. Zur Baugeschichte der Kirche. 2009, 632. 1635 verstarben zudem 234 Einwohner an der Pest.Weber: Aus der Geschichte der Kirche zu Fronhausen/Lahn. 1159–1959. 1959, S. 24.

Neben der Kirche in Fronhausen betreute der Pfarrer auch die Predigtstellen in Roth und Wenkbach.Hack: Pfarrer in Fronhausen vor und nach der Reformation. 2009, S. 592. Eine genaue Regelung zur Aufteilung der Gottesdienste in der Mutterkirche und den Filialorten ist aus dem Jahr 1872 überliefert. Die Verwaltung des Vikariats Oberwalgern mit den dazugehörigen Orten Stedebach, Holzhausen im Loch, Etzelmühle und Steinfurthmühle ging während der Amtszeit des Pfarrers Johann Philipp Linker (1661–1690) verloren, da dieser die Präsentation beim Deutschorden in Marburg versäumt hatte.Weber: Aus der Geschichte der Kirche zu Fronhausen/Lahn. 1159–1959. 1959, S. 26. Hack: Pfarrer in Fronhausen vor und nach der Reformation. 2009, S. 596. Die Kapelle am Brackenborn wurde um 1382 errichtet und 1486 mit einem weiteren Altar der heiligen Anna geweiht.Becker: "Der Annenkult im Spätmittelalter". 2009, S. 563. Die Einkünfte dieser Wallfahrtskapelle standen je nach Art der Spende allein dem Pfarrer in Fronhausen oder anteilig dem Altaristen und der Baukasse der Kapelle zu.Hack: Brackenborn. 2009, S. 581. Spätestens seit 1722 existierte die Kapelle nicht mehr.Hack: Brackenborn. 2009, S. 579. 1957 wurden die Dörfer des Schenkisch-Eigen zusammen mit Wolfshausen im Kirchspiel Roth zusammengefasst.Weber: Aus der Geschichte der Kirche zu Fronhausen/Lahn. 1159–1959. 1959, S. 68.

Baugeschichte Im Laufe der Zeit wurden unterschiedliche Veränderungen und Renovierungen an und in der Kirche ausgeführt. Bereits 1583 wurde in alten Prozessakten die Baufälligkeit der Kirche erwähnt.Weber: Aus der Geschichte der Kirche zu Fronhausen/Lahn. 1159–1959. 1959, S. 19. 1749 wurden eingestürzte Teile der 180 Meter langen Mauer wieder aufgebaut, 1750 war sie bereits wieder auf einer Länge von 150 Meter eingestürzt.Brohl: Das Fronhäuser Kegelspiel. Zur Baugeschichte der Kirche. 2009, S. 629. 1846 wurde der Friedhof aus Platzmangel erweitert, weshalb der Graben auf der Nordseite zugeschüttet wurde. Umfangreiche Renovierungs- und Umbauarbeiten wurden zwischen den Jahren 1764 und 1801 sowie 1886 und 1894 vorgenommen.Brohl: Das Fronhäuser Kegelspiel. Zur Baugeschichte der Kirche. 2009, S. 660–676. Der Chor wurde in den Jahren 1764, 1778 und 1893/94 grundlegend renoviert.Brohl: Das Fronhäuser Kegelspiel. Zur Baugeschichte der Kirche. 2009, S. 659. 1909 wurde die Kirche mit Öfen modernisiert; zunächst durch zwei Öfen, welche sich in der Nordecke des Westgiebels und der Südostecke im Turm befanden. 2002 wurden diese durch eine Elektroheizung unter den Bänken ersetzt.Brohl: Das Fronhäuser Kegelspiel. Zur Baugeschichte der Kirche. 2009, S. 635–644. Die elektrische Beleuchtung wurde 1920 eingeführt. 1928 wurde die Orgelempore 1,5 Meter hervorgerückt, da sich der Posaunenchor über den geringen Platz beschwert hatte.Weber: Aus der Geschichte der Kirche zu Fronhausen/Lahn. 1159–1959. 1959, S. 29.