Lichtenau (, fränkisch: Liechdn-ah bzw. Liachdn-ahElisabeth Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach. S. 125. Dort folgendermaßen transkribiert: „līchdna“ bzw. „liəchdna“.) ist ein Markt im Landkreis Ansbach in Mittelfranken und zählt zur Metropolregion Nürnberg.

Geografie Geografische Lage Lichtenau liegt im Tal der Fränkischen Rezat etwa zehn Kilometer östlich von Ansbach.

Gemeindegliederung Es gibt 25 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Die Kunstmühle und die Lichtenauer Kellerhäuser sind keine amtlich benannten Gemeindeteile.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Fischbach, Herpersdorf (Gemarkungsteil 0), Immeldorf, Lichtenau, Malmersdorf, Ratzenwinden (Gemarkungsteil 0), Schlauersbach, Unterrottmannsdorf und Wattenbach. Die Gemarkung Lichtenau hat eine Fläche von 5,706 km² und ist in 1939 Flurstücke aufgeteilt. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Boxbrunn, Stritthof und Weickershof.

Nachbargemeinden

Geschichte Im Jahre 1246 wurde der Ort als de castro Lihtenowe erstmals urkundlich erwähnt in Zusammenhang mit einem Testament, in dem der staufische Reichsvogt, Rudolf von Dornberg, das Schloss Lichtenau seiner Gemahlin Kunigunde vermachte, Eigentümer war aber das Reich. Grundwort des Burgnamens ist mhd. „ouwe, owe“ (= von Wasser umflossenes Land), Bestimmungswort das Adjektiv „lieht, licht“ (= hell, strahlend), womit nicht das Baumaterial, sondern die gute Eigenschaft der Burg bezeichnet werden soll.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. S. 131 f.Nach Elisabeth Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach. S. 125 f., soll der Ortsname zur lichten, d. h. unbewaldeten Aue bedeuten.

Ursprünglicher Lehnsherr war das Hochstift Würzburg. Lehensträger waren die Herren von Dornberg. Als diese 1288 ohne männliche Nachkommen ausstarben, kam ihr Besitz über Erbfolge an die Herren von Heideck. Von 1406 bis 1806 unterstand Lichtenau mit Zugehörungen der Reichsstadt Nürnberg, die ab 1500 ein Teil des Fränkischen Reichskreises war. Dem Pflegamt Lichtenau gehörten vier Hauptmannschaften an: Sachsen, Immeldorf, Hergersbach und Rohr.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach. Bd. 1, S. 361–369; Bd. 2, S. 743–748. Die fünfeckige Festungsanlage dominiert den alten Ortskern. Sie erinnert stark an die Nürnberger Burg, deren Vorposten sie war.

Im Salbuch des nürnbergischen Pflegamtes Lichtenau von 1515 wurden für Lichtenau 1 Schloss mit Zugehörungen, 27 Häuser mit Stadel und Gärtlein, Badstube, Mahlmühle, Schenkstatt und Hirtenhaus angegeben. Sie alle unterstanden dem Pflegamt.Manfred Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach. Bd. 2, S. 743 f.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde Lichtenau Zuzugsort von rund 65 Glaubensvertriebenen v. a. aus Österreich.E. Krauß: Exulanten im Evang.-Luth. Dekanat Windsbach im 17. Jahrhundert. S. 38 ff.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Lichtenau 45 Anwesen (18 ganze Bürgergüter, 1 ganzes Bürgergut mit Wirtschaft, 1 ganzes Bürgergut mit Braurecht, 1 ganzes Bürgergut mit Mühle, 9 halbe Bürgergüter, 1 viertel Bürgergut, 1 Haus, 1 Haus mit Back- und Braurecht, 1 halbes Haus, 1 Gut, 5 Tropfhäuser, 3 Tropfhäuser mit Braurecht, 2 halbe Tropfhäuser). Das Hochgericht, die Dorf- und Gemeindeherrschaft sowie die Grundherrschaft über die Anwesen übte das Pflegamt Lichtenau aus. Neben den Anwesen gab es noch herrschaftliche, kommunale und kirchliche Gebäude.Manfred Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach. Bd. 2, S. 883.

1806 kam Lichtenau an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde im Jahr 1808 der Steuerdistrikt Lichtenau gebildet, zu der Boxbrunn, Stritthof und Weickershof gehörten. Die Ruralgemeinde Lichtenau wurde im Jahr 1810 gegründet und war deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt.Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Heilsbronn 1810. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach. Bd. 2, S. 963. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Heilsbronn zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Windsbach. Wenig später stellte Boxbrunn einen Antrag, mit dem Weickershof und Stritthof eine eigene Gemeinde zu bilden, was jedoch abgelehnt wurde.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach. Bd. 2, S. 964. Von 1862 bis 1879 gehörte Lichtenau zum Bezirksamt Heilsbronn, ab 1880 zum Bezirksamt Ansbach (1939 in Landkreis Ansbach umbenannt) und zum Rentamt Heilsbronn (1919–1929: Finanzamt Heilsbronn, ab 1929: Finanzamt Ansbach). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Heilsbronn (1879 in Amtsgericht Heilsbronn umbenannt), seit 1956 ist das Amtsgericht Ansbach zuständig.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach. Bd. 2, S. 999 f. 1964 hatte die Gemeinde Lichtenau eine Fläche von 5,421 km².

Eingemeindungen Gemeinde Einwohner(1970) Eingemeindungs-datum Bemerkungen Fischbach 106 1. April 1971 Herpersdorf 371 1. Januar 1972 Eingliederung von 83 der 371 Einwohner, Umgliederung der anderen Einwohner nach Petersaurach Immeldorf 347 1. April 1971 Malmersdorf 164 1. April 1971 Ratzenwinden 183 1. Januar 1972 Eingliederung von 57 der 183 Einwohner, Umgliederung der anderen Einwohner nach Sachsen Sachsen 34 1. Oktober 1972 Verbleib der anderen Einwohner in Sachsen Schlauersbach 211 1. April 1971 Unterrottmannsdorf 209 1. Januar 1972 Wattenbach 214 1. Januar 1972

Einwohnerentwicklung Gemeinde Lichtenau Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 1995 2005 2015Einwohner 482 726 962 1035 1127 1089 1299 1271 1312 1228 1278 1431 1405 1379 1257 1335 1000 934 1663 1838 1718 1839 3486 3823 3791 3806HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2015 als Wohngebäude. 77 82 122 149 145 170 174 202 254 891 1130Quelle Für die Gemeinde Lichtenau zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Boxbrunn (S. 11), Stritthof (S. 90) und Weickershof (S. 101).

Gemeindeteil Lichtenau Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987Einwohner 411 650 946 988 1227 1362 1255 1722 1652 1763 2168Häuser 65 70 137 170 161 188 239 575Quelle

Politik Marktgemeinderat Der Marktgemeinderat von Lichtenau hat ohne den Bürgermeister 16 Mitglieder. SPD CSU UWG Grüne Gesamt2026255416 Sitze 2020 4 4 6 2 16 Sitze 2014 4 5 7 - 16 Sitze 2008 4 5 7 - 16 Sitze 2002 3 7 6 - 16 Sitze

Bürgermeister Amtszeit Name 1980–1996 Friedrich Großmann (CSU) bis April 2008 Andreas Wattenbach (CSU) 2008–2020 Uwe Reißmann (SPD) 2020–2026 Markus Nehmer (SPD)seit 2026Florian Szaefer (CSU)

Wappen und Flagge Wappen

Flagge Lichtenau hat eine blau-weiß-rote Gemeindeflagge.

Religion Es gibt eine evangelisch-lutherische und eine römisch-katholische Kirchengemeinde mit je einer Kirche.

Baudenkmäler mini|hochkant|Innenhof der Feste

Die Festung Lichtenau geht auf eine mittelalterliche Wasserburg zurück. Sie ist ein Glanzstück der Renaissancebaukunst, auch wenn sie zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung nicht mehr der damaligen Entwicklung des Festungsbaus entsprach und durch ihre Lage im Tal nicht gut gegen Belagerungsartillerie zu verteidigen war. Die Festung wurde viele Jahre als Gefängnis genutzt, nachdem Lichtenau im Jahr 1806 Bayern zugeschlagen worden war. 1933 richtete der nationalsozialistische Staat in der Festung Lichtenau ein Arbeitsdienstlager ein; es hatte allerdings nur drei Jahre Bestand. Anfang der 1980er Jahre wurde die Festung umfassend saniert. Das Staatsarchiv Nürnberg hat dort seit 1983 eine Außenstelle. Dreieinigkeitskirche: Spätbarocke Kirche, 1724 erbaut.

Bodendenkmäler

Verkehr Die Staatsstraße 2223 verläuft nördlich von Lichtenau und führt zur Anschlussstelle 53 der Bundesautobahn 6 (2,8 km östlich) bzw. nach Sachsen bei Ansbach (1,8 km westlich). Die Staatsstraße 2412 führt über Herpersdorf und Langenloh nach Petersaurach (5 km nordöstlich). Die Kreisstraße AN 12 führt an Wattenbach vorbei und über Wöltendorf nach Wolframs-Eschenbach zur Staatsstraße 2220 (6,5 km südöstlich) bzw. an Volkersdorf und Milmersdorf vorbei nach Sachsen (2,4 km nordwestlich). Die Kreisstraße AN 1 führt nach Oberrammersdorf (3,7 km südwestlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Malmersdorf (1,6 km östlich) und Boxbrunn (1 km südlich).

Durch Lichtenau führen die Fernwanderwege Rangau-Querweg die Rangau-Linie des Main-Donau-Weg.

Sport Der TSV 1910 Lichtenau ist ein Sportverein, der die Sportarten Eisstock, Faustball, Fußball, Handball, Kegeln, Radsport, Tennis, Turnen und Volleyball anbietet. Handball: Die Handballabteilung des TSV Lichtenau nimmt mit Männermannschaften, Frauenteams und Nachwuchsmannschaften am Spielbetrieb des Bayerischen Handballverbandes (BHV) teil. Die TSV Handballfrauen wurden 2016 mittelfränkischer Meister und sind in die fünftklassige bayerische Handball-Landesliga aufgestiegen. Seit 2016 gibt es eine Spielgemeinschaft mit dem TV Heilsbronn, die unter dem Namen SG Kernfranken auftritt. 2024/25 spielt die SG Kernfranken in der Handball-Oberliga Bayern.

Der Golfclub Lichtenau-Weickershof e. V. wurde im Jahre 1978 gegründet und hat eine über die Region hinaus bekannte Turnieranlage, die bereits mehrmals Austragungsort deutscher Meisterschaften war. Der Golfplatz wurde mit dem Umweltpreis des Deutschen Golfverbands ausgezeichnet. Ehrenpräsident Hans-Peter Müller (1946–2020) war 26 Jahre Präsident des Clubs und hat diesen maßgeblich geprägt.

Wirtschaft und Infrastruktur Seit 2006 vereint der Gewerbeverband Lichtenau-Sachsen e. V. die Selbständigen der beiden benachbarten Gemeinden Lichtenau und Sachsen bei Ansbach. Da die Gewerbeflächen im Ort nicht mehr ausreichten, wurde 2012 das Gewerbegebiet "A 6", direkt an der Autobahnauffahrt zur Bundesautobahn 6 erschlossen und bebaut.

Bekanntestes Unternehmen am Ort war bis März 2021 die Brauerei „Hauff-Bräu“. International bekannt ist die Firma Eberhardt GmbH als Weltmarktführer für Schinkenpressen. Bundesweit bekannt wurde die Franke Elektrotechnik GmbH als Unternehmen des Jahres 1998 und als erster Solarinstallateur mit zertifiziertem Umweltmanagementsystem.

Von 2003 bis 2016 war Lichtenau Teil der Kommunalen Allianz LiSa, zu der die politische Gemeinde Sachsen b.Ansbach gehörte. Seit 2016 ist die Gemeinde Teil der Allianz Kernfrankenwww.kernfranken.eu, die aus dem Zusammenschluss von LiSa und Komm,A (Bruckberg, Dietenhofen, Heilsbronn, Neuendettelsau, Petersaurach und Windsbach) entstand.

Lichtenau beherbergt eine Außenstelle der JVA Nürnberg und eine sogenannte Anstaltsgärtnerei. Es gibt einen kommunalen Friedhof mit historischen Gruften und Gräbern. Ein alter Steinbruch, in dem Sandstein gebrochen wurde, ist in Privatbesitz.

Persönlichkeiten Johann Christoph Gatterer (1727–1799), Historiker, Diplomatiker Franz Seraph Seitz (1811–1892), Mediziner und Hochschullehrer Oskar Freiherr von Redwitz (1823–1891), Dichter Leonhard Roth (1881–1933), Jurist und Bezirksoberamtmann, geboren in Zandt Wolf Klaußner 1930–2005, Schriftsteller

Literatur Monographien