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Die Hebräische Universität von Jerusalem (; ; englisch The Hebrew University of Jerusalem) gilt gemeinhin als die bedeutendste Universität Israels mit weltweitem Ruf.

Die Universität wurde im Jahr 1918 gegründet und ist somit nach dem Technion in Haifa die zweitälteste Hochschuleinrichtung des Landes. Seit dem Jahr 2017 ist Asher Cohen Präsident der Universität. Die ersten Verwaltungsratsposten der Universität wurden unter anderem von Albert Einstein, Sigmund Freud, Martin Buber, Chaim Bialik und Chaim Weizmann bekleidet. Vier der insgesamt neun Ministerpräsidenten Israels sind Absolventen der Universität. Weiter zählt die Universität vier Nobelpreisträger und einen Fields-Medaillengewinner zu ihren Absolventen.

Geschichte mini|hochkant|Eröffnungsfeier auf dem Skopusberg (1925) mini|Bau der Universitätsklinik (1934) Die Gründung einer Universität in Israel war von Anfang an Teil der zionistischen Vision. Bereits in der Kattowitzer Konferenz von 1884 gab es dazu Vorschläge und 1897 beim ersten Zionistischen Kongress in Basel wurde diese Idee unter Mitwirkung von Hermann Schapira weiter verfolgt. Die Idee, eine Universität in Jerusalem zu gründen, wurde dann auch 1902 in einem Flugblatt von Chaim Weizmann, Martin Buber und Berthold Feiwel propagiert. Auch Albert Einstein zählte zu den Befürwortern, er vererbte seine Schriften und seinen Besitz der Universität. Das Baugrundstück am Skopusberg wurde von russischen Zionisten erworben. Einige Teile des Skopusberges, auf denen die Universität steht, wurden von Raghib an-Naschaschibi verkauft. Der ursprüngliche Plan für die Universitätsgebäude stammt von Sir Patrick Geddes, von ihnen wurde aber nur die Nationalbibliothek, das heutige Jura-Fakultätsgebäude ausgeführt.

Anlass zu einer lebhaften Debatte gab 1913 die Frage, welche Sprache an der neuen Universität primär gesprochen werden sollte. Während die Fraktion der „Germanisten“ eine Kombination von Deutsch und Arabisch als Sprache für die nicht-jüdischen Fächer vorschlug, befürworteten die „Hebraisten“ die generelle Verwendung des Hebräischen. Erstere befürchteten vor allem, dass das sich erst entwickelnde Neu-Hebräische noch zu arm an Fachbegriffen für religionsferne Bereiche sei und daher die akademische Qualität mindern könne. Auch wenn diese Sorge nicht als gänzlich unbegründet abgetan werden konnte, unterschätzten die Vertreter diese Position jedoch die politische Bedeutung, die die Sprache für viele Juden, auch außerhalb des unmittelbaren akademischen Betriebs, besaß und konnten sich daher nicht durchsetzen.

Am 24. Juli 1918 wurde der Grundstein für die Universität gelegt. Die Feier wurde von General Allenby und Chaim Weizmann besucht, welcher Hauptredner war. Im Mandatsgebiet Palästina gab es jedoch auch Widerspruch gegen das Projekt, da einige zionistische Aktivisten eher eine agrarische Durchsiedlung des Landes für nötig hielten. Die Universität wurde am 1. April 1925 mit den drei Fakultäten Mikrobiologie, Chemie und Jüdische Studien eröffnet. Bei der Eröffnungszeremonie sprachen Lord Balfour, Chaim Weizmann, Abraham Isaak Kook, Herbert Samuel und Chaim Nachman Bialik. Gründungsmitglied, seit 1925 Kanzler sowie von 1935 bis 1948 erster Präsident war Judah Leon Magnes. In ihren Anfangsjahren war die Universität eine Forschungseinrichtung, der formelle Lehrbetrieb begann erst 1928.

Eine der wichtigsten Fragen in den Jahren bis zur Eröffnung der Universität 1925 war jene nach dem ihrem spezifisch hebräischen Charakter. Dies betraf nicht nur die Wahl der offiziellen Sprache, sondern auch organisatorische Aspekte, wie etwa die Gründung von Fakultäten und ihren jeweiligen fachlichen Zuschnitt, sowie die Erarbeitung eines allgemeinen Forschungsprofils. Vor diesem Hintergrund konsultierte Shmaryahu Levin 1919 verschiedene europäisch-jüdische Gelehrte, um zu erfahren, was eine Hebräische Universität ihrer Meinung nach ausmache. Zu ihnen zählte u. a. Ignaz Goldziher, dessen Vorschläge zumindest teilweise realisiert wurden: „orientalische“ Sprachen, Jüdische Literatur und Archäologie sollten zu den ersten Gebieten gehören, auf denen an der neuen Universität geforscht wurde.

In den 1930er Jahren bot die Universität vielen jüdischen Wissenschaftlern, die aus Europa vor den Nationalsozialisten fliehen mussten, eine neue Wirkungsstätte. Unter ihnen Hans Jakob Polotsky, der die linguistische Abteilung der Universität gründete, Ladislaus Farkas, der 1935 die Abteilung für Physikalische Chemie gründete, Bernhard Zondek Professor für Gynäkologie, Chanoch Albeck, Professor und später Leiter der Talmud-Fakultät sowie Martin Buber.

Während des Israelischen Unabhängigkeitskrieges 1948/1949 wurde der Skopusberg vom Rest des israelischen Jerusalem abgeschnitten und bildete eine israelische Exklave. Die Lehr- und Lerntätigkeit in der Universität musste verlagert werden. Dazu wurden der Campus Givʿat Ram, eingeweiht 1958 und der ʿEin-Kerem-Campus im westlichen Jerusalem errichtet. Erst 1969, nachdem die israelischen Streitkräfte im Sechstagekrieg Ostjerusalem besetzt hatten, wurde der Campus auf dem Skopusberg wieder eröffnet und erweitert und ist seit 1981 wieder das Zentrum der Universität. Zur Universität gehört auch die agrarwissenschaftliche Fakultät in Rechovot, die auch Mitglied in der Euroleague for Life Sciences ist.

Beim Crossair-Flug 3597 verunglückte am 24. November 2001 der Dekan der medizinischen Fakultät, Yaakov Matzner tödlich.

Während der Zweiten Intifada ließ die Terrorgruppe Hamas am 30. Juli 2002, nach eigener Darstellung in Vergeltung der Tötung von Salah Shehade (Qassam-Brigaden) und 17 weiteren Personen in Gaza, in der Cafeteria des Internationalen Studienzentrums Frank Sinatra eine Bombe explodieren. Es gab sieben Tote und 70 Verletzte. Die Internetseite Israelnetz nennt mit abweichendem Datum des 31. Juli 2002 die Zahl von neun Toten, darunter fünf US-Amerikaner, und etwa 100 Verletzte.

Die Fraunhofer-Gesellschaft hat am 21. Mai 2019 zwei neue Forschungszentren für Cybersicherheit und Gesundheit, das Fraunhofer Project Center for Cybersecurity at The Hebrew University of Jerusalem sowie das Fraunhofer Project Center for Drug Discovery and Delivery at The Hebrew University of Jerusalem, an der Hebräischen Universität in Jerusalem eröffnet.

Als erste arabische Israelin wurde Mona Chury-Kassabari im April 2021 zur Vizepräsidentin der Universität ernannt.

Lehrangebot Die Hebräische Universität umfasst nahezu alle Gebiete der Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften. Sie hat sieben Fakultäten, 14 Fachbereiche und rund 90 Forschungsinstitute. Die Fakultäten umfassen Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften, Naturwissenschaften, Agrarwissenschaften, Medizin, Zahnmedizin und Jura. Zu den Fachbereichen gehören u. a. Erziehungswissenschaften, Sozialarbeit, Krankenpflege, Pharmazie, Tiermedizin und Ernährungswissenschaften. Seit der Gründung der Universität wurden mehr als 95.000 Absolventen ihre Diplome überreicht. Zurzeit studieren etwa 20.000 Studenten an der Hebräischen Universität. Weitere 10.000 nehmen an Zusatzstudien und Ergänzungsprogrammen teil. Die Universität verteilt sich eigentlich auf 4 Standorte (Campus): mini|Campus auf dem Skopusberg Skopusberg mini| Israelische Nationalbibliothek auf dem Givʿat-Ram-Campus im Westen der Stadt mini|Theater auf dem Skopusberg

Auf dem nach Plänen Richard Kauffmanns, Ossip Klarweins und Heinz Raus angelegten Skopusberg-Campus () im Ostteil von Jerusalem befindet sich die Fakultät für Humanwissenschaften, mit dem Institut für Urban- und Regionalforschung, wo die Floersheimer Studies untergebracht ist. Ebenfalls auf dem Skopusberg befinden sich die Fakultät für Jura und Betriebswirtschaft sowie die Rothberg International School, das 1978 gestiftete International Frank Sinatra Student Center, das Harry S. Truman Research Institute for the Advancement of Peace, das Mandelinstitut für Judaistik (englisch Jewish Studies) und die neue School of Public Policy (Politikwissenschaften). Auf dem Gelände des Mount Skopus befindet sich ferner die 1981 errichtete Hecht-Synagoge.

Givʿat Ram (Edmond Safra) Der Campus Givʿat Ram, der nach Edmond Safra benannt wurde, beherbergt die naturwissenschaftlichen Institute. Außerdem befindet sich dort die National- und Universitätsbibliothek des Staates Israel, die etwa fünf Millionen Bände umfasst. Sie stellt die weltweit größte Sammlung hebräischer Bücher dar. Zu der Bibliothek gehören die monumentalen Glasfenster von Mordechai Ardon.

ʿEin Kerem In ʿEin Kerem ist der Campus zugleich das Gelände des Hadassah En Kerem Hospitals (Hadassah-Klinik für Medizin, Zahnmedizin und die Molekularbiologie).

Rechovot In Rechovot befinden sich die Tiermedizinische und die Landwirtschaftliche Fakultät (Agrarwissenschaften).

Tel Aviv Von 1955 bis 1975 zählte das Nationale Zentrum für Forensische Medizin zu den Instituten der Hebräischen Universität. Dann wechselte es in die Zuständigkeit des israelischen Gesundheitsministeriums.

Präsidenten 1935 bis 1948: Judah Leon Magnes 1949 bis 1950: Leon Simon 1949 bis 1952: Selig Brodetsky 1953 bis 1961: Benjamin Mazar 1961 bis 1962: Giulio Racah ... 1992 bis 1997: Hanoch Gutfreund 1997 bis 2008: Menachem Magidor 2009 bis 2017: Menachem Ben-Sasson Seit 2017: Asher Cohen

Dozenten mini|hochkant|Robert J. Aumann mini|hochkant|Leah Goldberg (Auswahl, siehe auch :Kategorie:Hochschullehrer (Hebräische Universität Jerusalem)) Dorit Aharonov (* 1970), Computerwissenschaftlerin Robert J. Aumann (* 1930), Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften 2005 Jacob Bekenstein (1947–2015), Physiker Uri Ben-Horin, Archäologe, Mitbegründer der Israel Oriental Society Aaron Ciechanover (* 1947), Nobelpreis für Chemie 2004 Dan Diner (* 1946), Historiker Shmuel N. Eisenstadt (1923–2010), Soziologe und Historiker Menachem Elon (1923–2013), Jurist, 1977–1993 Richter am Obersten Gericht Israels Michael Evenari (1904–1989), Botaniker und Ökologe Emil Fackenheim (1916–2003), Philosoph Michael Fisch (* 1964), Literaturwissenschaftler Evyatar Friesel (* 1930), Historiker Abraham Fraenkel (1891–1965), Mathematiker Leah Goldberg (1911–1970), Schriftstellerin Naama Goren-Inbar (* 1948), Paläontologin und Archäologin Georg Haas (1905–1981), Zoologe und Paläontologe Yuval Noah Harari (* 1976), Historiker Avram Hershko (* 1937), Nobelpreis für Chemie 2004 Eva Illouz (* 1961), Soziologin Daniel Kahneman (1934–2024), Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften 2002 Richard Koebner (1885–1958), Historiker Menachem Magidor (* 1946), Mathematiker, bis 2008 Präsident der Universität Raphael Mechoulam (1930–2023), Chemiker Eugen Mittwoch (1876–1942), Semitist und Islamwissenschaftler, 1916–1918 Leiter der deutschen Nachrichtenstelle für den Orient, 1924 Gastprofessor an der Hebräischen Universität zum Aufbau der dortigen Semitistik Chaim Rabin (1915–1996), Sprachwissenschaftler Yoel Rak (* 1946), Paläoanthropologe und Anatom Gershom Scholem (1897–1982), jüdische Mystik Gershon Shaked (1929–2006), Literaturwissenschaftler Alice Shalvi (1926–2023), Anglistin und Feministin Ernst Simon (1899–1988), Religionsphilosoph Zeev Sternhell (1935–2020), Politikwissenschaftler Elieser Sukenik (1889–1953), Archäologe Gadi Taub (* 1965), Historiker, Sozialwissenschaftler Claude Vigée (1921–2020), Dichter Yfaat Weiss (* 1962), Historikerin Reʾuven Jaron (1924–2014), Rechtshistoriker Moshe Zimmermann (* 1943), Historiker

Alumni mini|Dorit Beinisch mini|hochkant|David Grossman

mini|hochkant|Ada E. Yonath (Auswahl) Léo Apotheker (* 1953), Manager Amira Arnon (* 1950), Diplomatin Ehud Barak (* 1942), israelischer Ministerpräsident (1999–2001) Dorit Beinisch (* 1942), Präsidentin des Obersten Gerichtshof Israels Ilan Ben-Dov (* 1959), Diplomat David J. Gross, Nobelpreisträger 2004 (Physik) David Grossman (* 1954), israelischer Schriftsteller