mini|Wegekreuzung am Lindhornweg südlich von Cunnersdorf, der Waldbezirk rechts im Bild wurde historisch als Stolzenhain bezeichnet Stolzenhain ist ein Waldbezirk bzw. Forstort im linkselbischen Waldgebiet der Sächsischen Schweiz südlich von Cunnersdorf. Hier wird in der älteren Heimatliteratur eine untergegangene Hammerwerkssiedlung (Wüstung) verortet. Lage und Umgebung Der Name Stolzenhain wird in historischen Quellen in einem Waldgebiet verortet, welches sich an der Ostseite des Höhenrückens zwischen dem Cunnersdorfer Bach im Westen und dem Krippenbach im Osten befindet. Es liegt etwa 3 Kilometer südlich von Cunnersdorf und östlich der Haselmausbaude in einem Areal, welches vom Teufelsgrund im Norden, dem Lindhornweg im Westen, dem Lindhorn bzw. dem Gautschgrund im Süden und dem Krippenbach im Osten begrenzt wird. Hier befindet sich etwa 500 Meter südöstlich der Haselmausbaude eine als "Stolzenhainborn" bezeichnete Quelle.

Geschichte Hammerwerkssiedlung mini|Infotofal an der Wegekreuzung Lindhornweg - Alte 3, die Existenz eines Dorfes Stolzenhain ist historisch nicht belegt

Der Hinweis auf eine Siedlung geht auf die Karten von Matthias Oeder zurück, der in diesem Bereich im Zuge der Ersten Kursächsische Landesaufnahme 1592/93 zwei Einträge vornahm, die in der älteren Heimatliteratur als "Am Stoltzen hamer" bzw. "stoltzen hamer bornn" gelesen wurden., S. 69f.

Daraus abgeleitet wurde die Existenz einer kleinen Hammerwerkssiedlung, für die bislang jedoch keine weiteren urkundlichen Belege vorliegen. Sollte das Hammerwerk existiert haben, ist davon auszugehen, dass die im Waldgebiet vorhandenen Quellen um den Stolzenhainborn zum Betrieb nicht ausreichend waren. Der Standort wäre deshalb – analog zu den Eisenhämmern im westlich gelegenen Bielatal, wie z. B. der Hammerhütte Brausenstein – im Krippenbachtal mit seiner regelmäßigen Wasserführung zu sehen.Gunter H. Schmidt: Vom Pirnischen Eisen. Aus der Geschichte der alten Hämmer und Hütten im Raum Pirna. Schriftenreihe des Stadtmuseums Pirna Heft 3, Pirna 1984

Als Rohstoffquelle des Eisenerzes kämen die etwa 13 Kilometer westlich gelegene Lagerstätte Berggießhübel oder kleinere Eisenerzvorkommen, die geologisch an Basaltdurchbrüche im Elbsandstein gebunden waren, in Frage. Letztere traten z. B. im Bereich der ca. 2,5 Kilometer nordöstlich gelegenen Zschirnsteine auf. In beiden Fällen waren die Voraussetzungen für einen über Jahrhunderte andauernden Hammerwerksbetrieb wie im benachbarten Bielatal jedoch nicht gegeben, da sich der Bezug Berggießhübeler Eisenerze wegen der Transportbedingungen (Querung von drei Tälern) schwierig gestaltete und die Eisenerzvorkommen im Elbsandstein wenig ergiebig waren. Die ältere Heimatliteratur geht davon aus, dass der Hammer Stolzenhain bereits im frühen 16. Jahrhundert einging und wüst fiel., S. 70f.

Der Heimatforscher Horst Torke fand in seinen jüngeren Forschungen hingegen keinen Hinweis auf eine Siedlung Stolzenhain. Er interpretierte die Schreibweise auf der Karte von Mathias Oeder zudem als "Am stolzen Hainen" bzw. "stolzen Haner bornn".Horst Torke: Historische Flurnamen der Sächsischen Schweiz. Teil 2 Linkselbische Sächsische Schweiz. erschienen als Monographiereihe Band III des Arbeitskreis Sächsische Schweiz im Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Pirna 2010, S. 126f. Gesichert ist, dass Stolzenhain schon 1548 nur als Waldbezirk bezeichnet wurde.Alfred Meiche: Historisch-topographische Beschreibung der Amtshauptmannschaft Pirna. Dresden 1927 (Nachdruck Sebnitz 1991), S. 343

Die Sage vom wüst gefallenen Dorf Stolzenhain verbreitete sich nach 1840 ausgehend von einer Schilderung des Papstdorfer Pfarrers Christian Friedrich Forbriger in der Alten Sächsischen Kirchengalerie.

An den vermeintlichen Standort des Dorfes erinnert eine Informationstafel an der Kreuzung Lindhornweg/Alte3/Gebackene Birnstraße knapp 200 Meter südlich der Haselmausbaude.

Sägemühle 1561 wird urkundlich eine "Brethmuhl in dem Stoltzenhain" genannt.Alfred Meiche: Historisch-topographische Beschreibung der Amtshauptmannschaft Pirna. Dresden 1927 (Nachdruck Sebnitz 1991), S. 343 Die Brettmühle lag vermutlich im Krippenbachtal unweit der Einmündung des Gautschgrundes und damit etwa einen Kilometer von der sächsisch-böhmischen Grenze entfernt. Sie ist bereits im 16. Jahrhundert eingegangen., S. 70f.

Waldbezirk Der Waldbezirk Stolzenhain wird ab 1548 in verschiedenen Urkunden genannt.Horst Torke: Historische Flurnamen der Sächsischen Schweiz. Teil 2 Linkselbische Sächsische Schweiz. erschienen als Monographiereihe Band III des Arbeitskreis Sächsische Schweiz im Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Pirna 2010, S. 126f. Dieser erstreckte sich 1589 von den Cunnersdorfer Bauerngütern bis zum Krippenbach und zum Lindenhorn und war etwa "...ein virtell meil weges langk und breith."Alfred Meiche: Historisch-topographische Beschreibung der Amtshauptmannschaft Pirna. Dresden 1927 (Nachdruck Sebnitz 1991), S. 343 Aus dem gleichen Jahr wird über den Waldbezirk Stolzenhain berichtet: "Dorinnen wird vor m.(eines) gn.(ädigen) Hern Gießhütten und Eisenhammer gekolet, hat noch Buchen- und Dannen holtz..."Manfred Schober: Die Mühlen der Sächsischen Schweiz. Linkselbisches Gebiet. Berg- und Naturverlag Rölke, Dresden 2011, S. 46 Der Waldbezirk diente somit, wie weite Teile des linkselbischen Waldes der Sächsischen Schweiz, zur Versorgung der unter dem Dach der Eisenkammer Pirna organisierten Eisenherstellung in den Hammerhütten im Hinterland von Pirna.

Sage Der Sage nach, welche wahrscheinlich in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges entstand, soll eines Tages der Fährmann von Schmilka noch spätabends einen völlig abgemagerten Fremden in welscher Tracht übergesetzt haben. Der in ein schwarzes Gewand gehüllte Mann mit dünnen knochigen Fingern und eingefallenem Gesicht gab nach dem Erreichen des anderen Elbufers dem Fährmann ein Goldstück als Lohn und verschwand.

Am nächsten Tag brach in den Dörfern des Zschirnsteingebietes die Pest aus. Am schwersten betroffen war Stolzenhain, wo wenig später nur noch der Lehrer und einige Schulkinder überlebten. Doch auch diese starben schließlich an der Seuche und der Ort fiel wüst. Nur alle hundert Jahre kann man nachts im Wald an dieser Stelle den Gesang der Kinder und ihres Lehrers hören.

Forstort Kühler Morgen Südlich der Wüstung Stolzenhain liegt an der "Gebacknen Birnstraße", einem alten Handelsweg von Pirna in Richtung Böhmen, in Richtung Lehmhübel eine weitere vermeintlich wüste Dorfstelle. In verschiedenen Karten ist dort die Wüstung Kühlmorgen (auch Kühlemorgen) verzeichnet. Über eine mögliche Gründung, Geschichte und Untergang des Ortes ist jedoch urkundlich nichts bekannt. Die älteste schriftliche Erwähnung stammt aus dem um 1730 erstellten Atlas Augusteus von Adam Friedrich Zürner, in der die Flurbezeichnung "Kahler Morgen" eingetragen ist. Da Morgen der Name eines alten Flächenmaßes ist, gehen jüngere Forschungen davon aus, dass es sich schon immer nur um ein Waldstück gehandelt hat und die Existenz eines Ortes Kühlmorgen ins Reich der Legende gehört., S. 71f.

Literatur

Die Pest von Stolzenhain – Eine Sage aus dem oberen Elbtal und ihre Entstehung. in: Sächsische Zeitung, 21. Dezember 1984 Alfred Meiche: Historisch-topographische Beschreibung der Amtshauptmannschaft Pirna. Dresden 1927 (ND Sebnitz 1991). (Digitalisat) Alfred Meiche: Sagenbuch der Sächsischen Schweiz und ihrer Randgebiete. Dresden 1929 Peter Rölke (Hrsg.): Wander- und Naturführer Sächsische Schweiz Band 2. Rathener Felsen, Polenztal, Tafelberge und Bielatal. Berg- und Naturverlag Rölke, Dresden 2013 Horst Torke: Historische Flurnamen der Sächsischen Schweiz. Teil 2 Linkselbische Sächsische Schweiz. erschienen als Monographiereihe Band III des Arbeitskreis Sächsische Schweiz im Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Pirna 2010

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Wüstung im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Kategorie:Geographie (Gohrisch)