mini|Statue zu Ehren von Juan de Salazar y Espinosa in Asunción Juan de Salazar y Espinosa, auch Salazar de Espinosa (* 1508 in Espinosa de los Monteros oder Medina de Pomar; † 11. Februar 1560 in Asunción), war ein spanischer Konquistador und Entdecker im Gebiet des Río de la Plata.

Leben Herkunft und Vorleben Juan de Salazar de Espinosa stammte aus dem äußersten Norden Altkastiliens und soll entweder in Espinosa de los Monteros oder in Medina de Pomar geboren sein. Beide Ortschaften liegen 20 Kilometer voneinander entfernt im Norden der heutigen Provinz Burgos. Da sein im Nationalarchiv von Asunción verwahrtes Testament an der Stelle, an der er seinen Geburtsort nennt, zerstört ist, besteht darüber keine Sicherheit. Er stammte offenbar aus einer kleinadeligen Familie und stand vor seiner Reise in die Neue Welt im Dienst eines portugiesischen Fürsten, der ihm den Rittertitel verlieh.¿Quién fue realmente Juan de Salazar y Espinoza, fundador de Asunción? In: Última Hora, 13. August 2023 (spanisch), abgerufen am 5. Februar 2026.

Gründung der La-Plata-Kolonie mini|Das Flusssystem des Río de la Plata Juan de Salazar de Espinosa verließ Spanien im Alter von 27 Jahren mit der vom Adelantado Don Pedro de Mendoza y Luján befehligten Südamerikaexpedition, einer der größten bis dahin ausgerüsteten Armadas in die Neue Welt. Am 24. August 1535 stach die aus zwei Galeonen, zwei Karavellen, einer Nao und mehreren kleineren Schiffen bestehende Flottille von Sanlúcar de Barrameda in See. Salazar de Espinosa selbst befehligte auf der Überfahrt die Patache Anunciada. Gegen Anfang des Jahres 1536 erreichten die Eroberer die Mündung des Río de la Plata und errichteten dort Mitte Januar das Fort Nuestra Señora Santa María del Buen Ayre (bei der heutigen argentinischen Hauptstadt Buenos Aires). Mendoza schickte eine Gruppe von Konquistadoren unter Leitung von Juan de Ayolas ins Landesinnere, um den Lauf des Silberflusses zu erkunden – in der Hoffnung, einen Verbindungsweg zwischen dem La-Plata-Gebiet und den spanischen Besitzungen in der Provinz Neu-Toledo (Peru und Bolivien) zu finden. Als die Expedition nicht zurückkam und die Besatzung von Buen Ayre durch Indianerangriffe und Mangel an Ressourcen in Bedrängnis geriet, schickte Mendoza eine zweite Gruppe unter Leitung von Juan de Salazar de Espinosa aus, um nach Ayolas zu suchen. Auf ihrer Suche zog die Gruppe Salazars auf den Spuren Ayolas den Paraná und Paraguay aufwärts in Richtung Norden. Am 15. August 1537 gründete Juan de Salazar de Espinosa gegenüber der Stelle, wo der Río Pilcomayo in den Hauptstrom des Río Paraguay mündet, das Fort und die Siedlung Nuestra Señora Santa María de la Asunción, woraus die Stadt Asunción hervorgehen sollte, die spätere Hauptstadt Paraguays. Dort trafen im Jahr darauf unter Führung Domingo Martínez de Iralas die Überlebenden der Vorgängerexpedition ein, nachdem Juan de Ayolas ihren Berichten zufolge von Indianern im Gebiet des Gran Chaco getötet worden war.

Da Pedro de Mendoza Südamerika im April 1537 verlassen hatte und auf der Überfahrt nach Spanien verstorben war, übernahmen Salazar de Espinosa und Martínez de Irala die Führung der La-Plata-Kolonie. Im Jahre 1538 wurde Juan de Salazar zum Bürgermeister (Alcalde) der neuen Ansiedlung Asunción gewählt, während Irala offenbar den Gouverneurstitel erhielt, jedenfalls in Abwesenheit eines offiziell dazu bestellten Beamten die königliche Autorität ausübte. 1541 verfügte Martínez de Irala die Übersiedlung der führerlosen und durch Indianerangriffe geschwächten Bewohner von Buenos Aires nach Asunción, das damit zum Zentrum der neuen Kolonie im Rio-de-la-Plata-Gebiet avancierte. Am 16. September 1541, erhielt Asunción von Karl V. die Stadtrechte verliehen.

Rückkehr nach Spanien Der 1540 von Cádiz aufgebrochene, vom König ernannte Nachfolger von Mendoza, der Adelantado Álvar Núñez Cabeza de Vaca, landete inzwischen mit 400 Männern auf der Isla Santa Catalina vor der heutigen brasilianischen Küste und begab sich auf einen anstrengenden Urwaldmarsch nach Asunción, das er im März 1542 erreichte und die Regierung übernahm. Der politisch ungeschickt, in den Augen der Siedler zu „tyrannisch“ und indianerfreundlich agierende Adelantado wurde jedoch nach vielfachen Protesten und verschiedenen Verschwörungen 1544 von seinen Gegnern (darunter Irala) gestürzt und nach zehnmonatiger Haft zur Rückkehr nach Spanien verurteilt, während Irala von den Kolonisten zum Gouverneur gewählt wurde und die Führung im La-Plata-Gebiet an sich zog. Juan de Salazar de Espinosa, der sich grundsätzlich loyal zu Cabeza de Vaca gestellt hatte und dadurch in einen politischen Gegensatz zu Irala geraten war, sollte den abgesetzten Adelantado begleiten und in Spanien wegen Machtmissbrauchs anklagen, sich aber auch selbst für seine Haltung rechtfertigen. Sie schifften sich im März 1545 in Asunción an Bord des Schiffes El Comunero auf dem Paraguay ein. Tatsächlich wurde Núñez in Spanien verurteilt, allerdings erkannte der König die Herrschaft Iralas nicht an und ernannte 1547 einen neuen Adelantado. Der selbst von Anschuldigungen freigesprochene Salazar wurde gleichzeitig zum königlichen „Schatzmeister des Silberflusses“ (Tesorero del Río de la Plata) ernannt und sollte den neu ernannten Gouverneur, den extremenischen Kleinadligen Juan de Sanabria, zusammen mit 600 Siedlern und Soldaten (unter denen sich nach königlicher Anweisung auch 100 heiratsfähige Frauen und junge Familien befinden sollten, um die Kolonie „zu bevölkern“) nach Asunción begleiten. Allerdings verstarb Juan de Sanabria 1549 während der Vorbereitung seiner Überfahrt in Sevilla noch vor der Abreise. Nach schwierigen Verhandlungen mit der Krone einigten sich die Erben und die königliche Indienbehörde darauf, dass der minderjährige Sohn Sanabrias, Diego, den Adelantado-Titel erben und Sanabrias Witwe Mencía Calderón, die Stiefmutter Diegos, die Expedition zusammen mit Juan de Salazar de Espinosa leiten sollte. Kosten und Risiko der Unternehmung waren ausschließlich von den Ausrüstern zu tragen, also den Erben des verstorbenen Adelantado und seinen Mitunternehmern. Vonseiten der Krone wurde großer Wert auf den Transport der Siedler gelegt, mit dem vor allem „blutreine“ (d. h. nicht von Juden oder Mauren abstammende) kastilische Familien mit Kindern, junge Ehepaare und heiratsfähige kleinadelige Frauen in die Kolonie gebracht werden sollten, um der wegen der geringen Zahl der Siedler und fehlender Frauen befürchteten Gefahr einer Vermischung zwischen Spaniern und Indianerinnen (Mestizaje) entgegenzuwirken.

Sanabria-Expedition Aufbruch, Personal, Schiffe Die Reise sollte in zwei Gruppen zu jeweils drei Schiffen stattfinden, von denen Salazar de Espinosa in Begleitung von Mencía Calderón die erste, 1550 aufgebrochene und aus drei Schiffen bestehende Expedition führen sollte. Der 18-jährige Adelantado Diego de Sanabria sollte zehn Monate später mit den restlichen drei Schiffen nachfolgen und bei seiner Ankunft die Führung der La-Plata-Kolonie übernehmen. Beide Teilexpeditionen verschwanden jedoch über lange Zeit spurlos oder wurden aus den Augen verloren: Der 1552 verspätet aufgebrochene Diego kam nie in der La-Plata-Region an und blieb nach Irrfahrten in der Karibik mit seinen Schiffen vermisst; seine Stiefmutter und Juan de Salazar de Espinosa erreichten Asunción erst im Oktober 1555 bzw. Anfang 1556 in zwei getrennten Gruppen mit insgesamt etwas mehr als 50 Personen, davon 21 Frauen.

Die aus drei Schiffen bestehende Flotte brach am 9. April 1550 von Sevilla auf und stach nach Aufnahme der Ladung an der Küste am nächsten Tag von Sanlúcar de Barrameda aus in See. Das von Salazar selbst kommandierte Hauptschiff, die San Miguel, war wahrscheinlich eine viermastige Karacke beziehungsweise Nao, während die zwei kleineren Schiffe von Salazar abwechselnd als Brigantinen und Karavellen bezeichnet werden. An Bord befanden sich ca. 300 Personen, davon etwa 80 weiblichen Geschlechts, darunter die 33-jährige Witwe Mencía Calderón de Sanabria mit ihren drei Töchtern und weitere verheiratete und unverheiratete Frauen aus der spanischen Extremadura. Die zumeist sehr jungen, allein reisenden „heiratsfähigen“ Mädchen sowie Familien mit Kindern wurden auf der San Miguel eingeschifft (etwa 50 weibliche Passagiere), während Ehepaare sowie in Begleitung ihrer Väter reisende Frauen auf der Asunción untergebracht waren. Auf dem dritten Schiff, der San Juan, wurden hauptsächlich Bewaffnete und das mitgeführte Vieh transportiert.

Irrfahrt im Südatlantik Die Schiffe erreichten am 20. April planmäßig La Palma, wo man für die Weiterfahrt günstigere Winde abwartete.Anna Greve zufolge (Die Konstruktion Amerikas. Bilderpolitik in den "Grands Voyages" aus der Werkstatt de Bry. Köln 2004, S. 139 u. Anm. 472), die darin wohl älteren Biografien von Hans Staden folgt (Rupp 1956, Fouquet 1957; vgl. ebda. S. 138 u. Anm. 469), legten die Schiffe vor ihrer Fahrt zu den Kanarischen Inseln wegen widriger Winde einen längeren Zwischenstopp in Lissabon ein. Die spanische Sekundärliteratur zur Sanabria-Expedition, auf die sich dieser Artikel stützt, weiß davon allerdings nichts. Während des zweimonatigen Aufenthalts auf der Kanareninsel kam es zu Streitigkeiten und einer versuchten Meuterei unzufriedener Mitreisender, die aber glimpflich beendet werden konnte. Salazar plante, abweichend von der üblichen spanischen Atlantikroute, die von den Kanaren westwärts in Richtung Karibik führte, dem südlichen portugiesischen Seefahrtsweg nach Brasilien zu folgen, der an der afrikanischen Küste entlang bis in den Golf von Guinea führte und von der portugiesischen Inselgruppe São Tomé und Príncipe aus den Südatlantik überquerte. Salazars leitender Steuermann und Navigator Juan Sanches hatte keine Erfahrung mit dieser Route und besaß auch nicht die dafür benötigten Seekarten und Kenntnisse in der Nutzung von Navigationsgeräten wie dem Astrolabium, das den portugiesischen Seefahrern vertraut war.

Dennoch bestand der als Militär in Navigationsfragen wenig kompetente Flottillenkommandant Salazar de Espinosa auf dem Reiseplan, was ihm die Geschichtsschreibung teils zum Vorwurf macht. Nach dem Aufbruch am 21. Juni geriet die Flotte bald hinter Cabo Verde in einen sehr schweren Sturm, bei dem die beiden kleineren Schiffe verloren gingen und die San Miguel an die Küste von Guinea verschlagen wurde. Die Reisegruppe verbrachte einen Monat an der westafrikanischen Küste mit der Reparatur des Schiffs und der Wiederbeschaffung von Vorräten.

Kurz nach der Abfahrt wurde die San Miguel am 25. Juli 1550 von französischen Korsaren aufgebracht und ausgeraubt. Nach Verhandlungen mit Espinosa beließ der Korsarenkapitän, der sich Escource nannte und für ein Piraterieunternehmen aus La Rochelle tätig war, den Siedlern allerdings ihre Waffen und versprach, die Frauen unangetastet zu lassen. Hierüber setzten Mencía Calderón und Juan de Salazar de Espinosa nach dem Überfall ein Protokoll unter Zeugen auf, weil schon der Verdacht einer Schändung der großteils unverheirateten Mädchen auf der San Miguel durch die Piraten ihre Heiratschancen in der Kolonie zunichtegemacht hätte.