Der Knipperdolling war eine Stattzeitung, die von 1975 bis 1981 in insgesamt 74 Ausgaben im nordrhein-westfälischen Münster erschien. Die alternative Zeitschrift kam regelmäßig monatlich heraus. Gegründet und herausgegeben wurde sie von einem Redaktions-Kollektiv. 1981 fusionierte sie mit dem münsterschen Veranstaltungskalender Ultimo zum Münsteraner Stadtblatt, einem bis 1994 bestehenden Stadtmagazin mit 14-täglicher Erscheinungsweise.

Geschichte Die Stattzeitung Knipperdolling wurde 1975 gegründet. Die Gründer sowie die später für die Zeitschrift tätigen Redakteure und sonstigen Mitarbeiter kamen zumeist aus dem links-alternativen Hochschulmilieu der Universitätsstadt Münster. Der Knipperdolling sollte als „Münsteraner Generalanzweifler“, so der Titelzusatz der Zeitschrift ab 1977, sowohl die „Ziele der sozialistischen undogmatischen Linken“ als auch die „Anliegen der Bürgerinitiativen und Bürgergruppen“ unterstützen, ohne dabei als „Parteiorgan einer bestimmten politischen Gruppierung zu fungieren“. Nach Aussage von Jürgen Kehrer, der ab 1981 für den Knipperdolling und anschließend für das nachfolgende Stadtblatt bis zu dessen Einstellung 1994 als Redakteur und später auch als Chefredakteur tätig war, seien der Forumanspruch des Knipperdolling und das Selbstverständnis der Beteiligten, politische Arbeit zu leisten, vergleichbar gewesen mit der Aachener Stattzeitung Klenkes oder dem Kölner VolksBlatt, die als Vorbilder dienten.Jürgen Kehrer: Vom Stattblatt zum Stadtblatt: Das Beispiel „Stadtblatt Münster“. In: Weiterbildung und Medien (M & W), 1989, Heft 1, , S. 29–31.Nadja Büteführ: Zwischen Anspruch und Kommerz. Lokale Alternativpresse 1970–1993. Systematische Herleitung und empirische Überprüfung (= Internationale Hochschulschriften, Band 183). Waxmann Verlag, Münster u. a. 1995, ISBN 3-89325-368-8, S. 211, 213, 220–221 (zugleich Dissertation, Universität Münster (Westfalen) 1994).

Der Knipperdolling wurde von einem Redaktionskollektiv getragen, von dem anfangs das Rotationsprinzip verfochten wurde. Im Zuge des Wachstums der Zeitschrift und dem Übergang vom Handverkauf zur Belieferung von Kiosken etc. bildeten sich mit der Zeit arbeitsteilige Strukturen heraus. 1980 wurde unter dem Stichwort „Krise des Knipperdolling“ die Einführung von Ressorts in Form von zwei verschiedenen Lösungsvorschlägen, die verkürzt als „subkulturell versus bürgernah“ bezeichnet werden können, öffentlich diskutiert und ausgetragen, wobei sich die „bürgernahe“ Ausrichtung durchsetzte. Diese beinhaltete einerseits die Begrenzung von „Berichten aus linker Subkultur“ und andererseits mehr Bürgernähe durch „Hintergrundinformationen zum lokalen Geschehen“ sowie Nachrichten und Berichte, die in „der Tagespresse sonst nicht zu finden seien, und andere Interpretationen lokaler Politik“. Im Wesentlichen gab es aber nur zwei Ressorts: Politik und Kultur. „Wirtschaft war [dem Redaktionskollektiv] zu kapitalistisch und Sport zu proletarisch.“Nadja Büteführ: Zwischen Anspruch und Kommerz. Lokale Alternativpresse 1970–1993. […]. Waxmann, Münster 1995, S. 220–221.Carsten Krystofiak: Zeitzeichen. In dieser Woche vor 30 Jahren... In: na dann... Wochenschau für Münster. Ausgabe Nr. 39/2011 vom 5. Oktober 2011; abgerufen am 26. Mai 2013.

Angestrebt wurden eine Erweiterung des „Themenspektrums, eine kontinuierliche Berichterstattung zu lokalpolitischen Themen und eine Verbreiterung des Leserkreises“. Letztlich wurde dies dann durch eine Fusion des Knipperdolling mit dem münsterschen Veranstaltungskalender Ultimo im Oktober 1981 umgesetzt, wobei gleichzeitig der Übergang zu einem Stadtmagazin vollzogen wurde. Das Nachfolgeblatt erschien mit einer anfänglichen Auflage von 10.000 Exemplaren 14-täglich im Magazinformat als so benanntes Münsteraner Stadtblatt (ab 1984 unter dem verkürzten Titel Stadtblatt).

Titel, Titelzusätze und Hintergründe mini|links|hochkant=0.8|Flugschrift über die Folterung und Hinrichtung der Täuferführer in Münster von 1536, mit Darstellung des Lamberti-Kirchturms mit den drei Täuferkörben mini|hochkant=0.6|Bernd Knipperdolling, „Stadtvogt von Münster in Westfalen 1535“ Der Titel der Stattzeitung Knipperdolling bezog sich auf den münsterschen Tuchhändler Bernd Knipperdolling (geb. um 1495), der während der Zeit der Reformation im stark katholisch geprägten Münster an der Spitze einer bürgerlichen Opposition stand, später zu einem der Anführer der Täufer und zum Bürgermeister von Münster aufstieg und dann nach Belagerung und Einnahme der Stadt durch Fürstbischof Franz Graf von Waldeck und seine Landsknechte festgenommen, angeklagt und 1536 zusammen mit zwei weiteren Täuferführern in Münster öffentlich zu Tode gefoltert wurde. Die Leichname wurden anschließend zur Abschreckung in eisernen Körben am Turm der münsterschen Lambertikirche aufgehängt, wo die sogenannten Täuferkörbe heute noch zu sehen und inzwischen zu einer touristischen Attraktion und zu einem Wahrzeichen der Stadt Münster geworden sind.Siehe Online-Biographie zu Bernd Knipperdolling im Internet-Portal „Westfälische Geschichte“ (www.westfaelische-geschichte.lwl.org) vom 8. Januar 2004; abgerufen am 24. Mai 2013.

Das „Leitbild eine[s] Sozialrevolutionär[s] aus dem 16. Jahrhundert“Siehe Rezension zu: Franz Brüseke, Hans-Martin Grosse-Oetringhaus: Blätter von unten. Alternativzeitungen in der Bundesrepublik. Verlag 2000, Offenbach 1981. In: Neue Politische Literatur, Franz-Steiner-Verlag, 27. Jahrgang, 1982, Heft 1, , S. 471 (Zitat: „Am Beispiel des ‚Knipperdolling‘, der sich im Untertitel ‚Münsteraner Generalanzweifler‘ nennt und als Leitbild einen Sozialrevolutionär aus dem 16. Jahrhundert ausgegraben hat, nämlich Bernd Knipperdolling, legen die beiden Autoren […]“). und Führers der „Wiedertäufer von Münster“, auf die sich später „Karl Marx und andere sozialistische und kommunistische Theoretiker so positiv bezogen“ – „in der Zeit der Studentenbewegung [wurde] Münster gar zur ‚Kommune der Wiedertäufer‘ verklärt“ –,Vgl.: Jürgen Kehrer: . Literarische Kanzelrede in der Stadtkirche Unna vom 20. September 2009. Auf: Website des Evangelischen Kirchenkreises Unna; PDF, 70 kB; abgerufen am 24. Mai 2012. entsprach den Absichten der Gründer, mit der Stattzeitung Knipperdolling ein Mittel einer links-alternativen Gegenöffentlichkeit in Münster zu schaffen.Franz Brüseke, Hans-Martin Grosse-Oetringhaus: Blätter von unten. Alternativzeitungen in der Bundesrepublik (= Links Pocket. Band 6). Verlag 2000, Offenbach 1981, ISBN 3-88534-305-3. Dies wurde auch durch zwei verschiedene Titelzusätze verdeutlicht: Der vollständige Titel lautete anfangs Knipperdolling – Sozialistische Zeitung Münster und ab Januar 1977 Knipperdolling – Münsteraner Generalanzweifler.Siehe Bestandsangaben zum Knipperdolling beim Internationalen Institut für Sozialgeschichte (International Institute of Social History; kurz IISG) in Amsterdam, Niederlande; englisch, niederländisch; abgerufen am 24. Mai 2013.

In Artikeln, Karikaturen, Illustrationen und Werbeanzeigen des Knipperdollings wurden vom Redaktionskollektiv oftmals Anspielungen auf den Namensstifter und dessen vormaliges sozialrevolutionäres Wirken vorgenommen, auch das schmähliche Ende der Wiedertäufer und die makabere Zurschaustellung seines und der anderen beiden Leichname wurde wiederkehrend verarbeitet. So wurde zum Beispiel eine Werbeanzeige mit einer strichartigen Zeichnung des Lamberti-Kirchturms mit den drei Täuferkörben gestaltet, bei welcher der vormalige Leichnamskorb von Bernd Knipperdolling „mit Inhalt“ dargestellt war. Das Motiv fand später gelegentlich auch Verwendung bei Werbeanzeigen des Münsteraner Stadtblatts und zeigte so den Szenezugehörigen gleichzeitig dessen Herkunft auf.Abbildung: Werbeanzeige des Stadtblatts von 1985, u. a. m. auf der Website www.adamriese.info (Münsters Kulturpersonal der 80er); abgerufen am 25. Mai 2013.

Daten Der Knipperdolling erschien monatlich von 1975 bis 1981, die erste Ausgabe erfolgte im September 1975 und die letzte Ausgabe im Oktober 1981. Verleger und Herausgeber war ein Redaktionskollektiv, das sich anfangs die Sozialistische Gruppe Münster und einhergehend mit dem geänderten Titelzusatz ab 1977 Zentrum zur Förderung demokratischer Öffentlichkeit (Münster) nannte.

Die Auflage betrug anfangs 500 Exemplare, die im Handverkauf an der Universität und in Kneipen und Kultureinrichtungen der alternativen Szene vertrieben wurden. Später steigerte sich die Auflage auf mehrere tausend Exemplare, einhergehend mit der Umstellung auf ein festes, geplantes Vertriebssystem mit Kioskbelieferungen etc. 1980 betrug die Auflage 3000 Exemplare.Klaus Farin, Hans-Jürgen Zwingmann (Hrsg.): Alternativen zur Rechtspresse. Versuch einer Bestandsaufnahme. Doku-Verlag, Ettlingen 1980, ISBN 3-921850-01-0, S. 37.

Ehemalige Mitarbeiter mini|hochkant=0.6|Jürgen Kehrer (2006) Die Redakteure und sonstigen Mitarbeiter des Knipperdollings waren zumeist Absolventen der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, die damals bereits zu den größten deutschen Universitäten zählte. Zudem gehörten sie meist der links-alternativen Szene an.

So arbeitete z. B. der aus Essen stammende Journalist und Schriftsteller Jürgen Kehrer nach Abschluss seines Pädagogikstudiums an der Universität Münster zunächst von Anfang 1981 bis Oktober 1981 als Redakteur beim Knipperdolling. Kehrer, der mittlerweile durch seine Kriminalromane einer größeren Öffentlichkeit als Schriftsteller bekannt geworden ist, gehörte 1981 zu den Mitgründern und anschließend zu den Mitherausgebern des Münsteraner Stadtblattes, für das er dann von Oktober 1981 bis zur Einstellung des Blattes im Jahr 1994 als Redakteur und teils als Chefredakteur tätig war.

Burkhard Fritsche, der wie Kehrer zu den Mitgründern und Mitherausgebern des Stadtblattes gehörte und von 1981 bis 1994 für dieses Stadtmagazin als Karikaturist tätig war, hatte zuvor ab 1976 auch bereits Karikaturen und Cartoons für den Knipperdolling gezeichnet sowie Titelblätter gestaltet. Fritsche signierte seine Arbeiten wie heute noch mit BURKH.Siehe Homepage von Burkhard Fritsche; abgerufen am 24. Mai 2013.Siehe Knipperdolling-Titelseite vom Dezember 1978, mit einer Karikatur von Burkhard Fritsche, als Auszug eines im März 1979 nachgedruckten Knipperdolling-Artikels. Auf: Website der SPD Hiltrup; abgerufen am 24. Mai 2013.

Mehrere weitere Redakteure und sonstige Mitarbeiter der Stattzeitung Knipperdolling wurden ebenfalls beim nachfolgenden Münsteraner Stadtblatt tätig.

Archivierung und Konservierung Die erschienenen Ausgaben der Stattzeitung Knipperdolling gehören, teils vollständig, zum Bestand von mehreren Archiven und Bibliotheken in Berlin, Bochum, Bonn, Bremen, Düsseldorf, Hamburg und Münster.Siehe Eintrag bei der Zeitschriftendatenbank unter: (→ Besitznachweise); abgerufen am 23. Mai 2013. Am früheren Erscheinungsort ist die Stattzeitung u. a. in den Sammlungen des Zeitungs- und Pressearchivs der Universitäts- und Landesbibliothek Münster (ULB Münster) und des Stadtarchivs MünsterSiehe , Laufzeit: 1754–2006, beim Stadtarchiv Münster, Münster (Westfalen); abgerufen am 24. Mai 2013. Bemerkung: Zum Bestand gehören Ausgaben vom Erscheinungsjahr 1977 (Nr. 2, Oktober 1977) bis zum Erscheinungsjahr 1981 (Nr. 7/8, Juli/August 1981). vertreten, wobei das Stadtarchiv als Findmittel eine stichwortartige Inhaltserschließung der dort archivierten Ausgaben von Ende 1977 bis Mitte 1981 vorgenommen hat.Siehe z. B. das Findmittel für das Erscheinungsjahr 1977: Findmittel: Knipperdolling, Münsteraner Generalanzweifler, 1977 beim Stadtarchiv Münster, Münster (Westfalen); abgerufen am 24. Mai 2013.