Die Progressive Allianz () ist ein internationales Netzwerk von 113 sozialdemokratischen, sozialistischen und progressiven Parteien aus der ganzen Welt. Sie wurde am 22. Mai 2013 auf Betreiben der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und Sigmar Gabriels in Leipzig gegründet. Die Einrichtung der Allianz geht mit einem Rückzug europäischer sozialdemokratischer Parteien aus der Sozialistischen Internationale (SI) einher.

Hintergrund und Gründung Sigmar Gabriel hatte im März 2011 die Sozialistische Internationale kritisiert, die sich erst nach den Revolutionen des Arabischen Frühlings in Tunesien und Ägypten und dem Sturz der Präsidenten Zine el-Abidine Ben Ali und Husni Mubarak von ihren autoritär herrschenden Mitgliedsparteien Konstitutionelle Demokratische Sammlung (RCD) beziehungsweise Nationaldemokratische Partei (NDP) getrennt hatte. Auch im Fall der Front Populaire Ivoirien (FPI) war der Ausschluss erst nach dem Ausbruch bürgerkriegsartiger Kämpfe in der Elfenbeinküste erfolgt. Er forderte den sofortigen Ausschluss weiterer solcher Parteien, die einst als nationale Befreiungsbewegungen entstanden und daher Mitglieder der SI geworden waren, sich inzwischen aber zu undemokratischen Herrschaftsparteien entwickelt hätten. Gabriel bemängelte, dass die Organisation in Formalien erstarrt sei und nicht mehr als „Stimme der Freiheit“ auftrete. Er mahnte gemeinsam mit der britischen Labour Party, der niederländischen Partij van de Arbeid und der schwedischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei eine grundlegende Reform der Organisation an und drohte andernfalls mit einem Rückzug der SPD und Neugründung eines alternativen Netzwerks. Im Januar 2012 drohte Gabriel erneut, den Mitgliedsbeitrag der SPD, die mit einem jährlichen Betrag von 100.000 Pfund Sterling einer der Hauptzahler der Internationalen war, nicht auszuzahlen.

Vom 14. bis 15. Dezember 2012 kam es auf Einladung des Partito Democratico zu einem ersten Treffen der künftigen Mitgliedsparteien der Progressiven Allianz in Rom. Bei dieser Gelegenheit wurde die Gründung der Progressiven Allianz im Mai 2013 in Leipzig verabredet. Im Januar 2013 beschloss das Exekutivkomitee der britischen Labour Party, die Beteiligung der Partei in der SI auf den Beobachterstatus zurückzustufen. Sie führte zur Begründung „ethische Bedenken“ an. Ein erneutes vorbereitendes Treffen von Vertretern der Gründungsparteien gab es am Rande der Ratsversammlung der SI im portugiesischen Cascais am 4. und 5. Februar 2013. Die SPD reduzierte ihren Mitgliedsbeitrag nun endgültig auf den Mindestbeitrag von 5000 Pfund und ihren Status in der SI damit auf den eines Beobachters. Die Sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ) und die Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament (S&D) vollzogen diesen Schritt ebenfalls.

Das konstituierende Treffen der Progressiven Allianz wurde auf den 22. Mai 2013 gelegt, den Tag vor den Feiern zum 150. Jahrestag der Gründung der SPD in Leipzig. Die Allianz soll auch gemäßigt links orientierte Parteien einschließen, die keine explizit sozialistische Tradition teilen und/oder nicht in der SI vertreten waren, wie die Demokratische Partei der Vereinigten Staaten, den Indischen Nationalkongress, die brasilianische Partido dos Trabalhadores oder der italienische Partito Democratico. Letzterer hat sich mit seinem Beitritt in die Sozialdemokratische Partei Europas inzwischen der sozialistisch-sozialdemokratischen Parteienfamilie angeschlossen, während die drei Parteien aus Brasilien, Indien und den USA an der auf Leipzig folgenden Konferenz, die im Februar 2014 in Tunis stattfand, nicht teilnahmen. Bei der Konferenz im März 2017 in Berlin nahmen Parteienvertreter aus diesen drei Ländern jedoch wieder teil.

Teilnehmer (an der Allianz) Land Partei Ägypten Ägyptische Sozialdemokratische Partei Angola Movimento Popular de Libertação de Angola Äquatorialguinea Konvergenz für die Sozialdemokratie Argentinien Partido Socialista Australien Australian Labor Party Belarus Belarussische Sozialdemokratische Partei (Hramada) Belarussische vereinigte Linkspartei „Gerechte Welt“ Nadzeya Belgien Parti Socialiste Vooruit Bolivien Movimiento al Socialismo Movimiento sin Miedo Brasilien Partido dos Trabalhadores (Arbeiterpartei) Partido Socialista Brasileiro Bulgarien Bulgarische Sozialistische Partei (BSP) Burkina Faso Parti pour la démocratie et le progrès/Parti socialiste Chile Partido Socialista de Chile Partido por la Democracia Dänemark Socialdemokraterne Deutschland Sozialdemokratische Partei Deutschlands Dominikanische Republik Partido Revolucionario Moderno Partido Revolucionario Dominicano El Salvador Frente Farabundo Martí para la Liberación Nacional Eritrea Eritreische Volksdemokratische Partei (EPDP) Eswatini People’s United Democratic Movement (PUDEMO) Swazi Democratic Party (SWADEPA) Finnland Suomen Sosialidemokraattinen Puolue (SDP, Sozialdemokratische Partei Finnlands) Frankreich Parti socialiste Ghana National Democratic Congress Grenada National Democratic Congress Griechenland Panellinio Sosialistiko Kinima (Panhellenische Sozialistische Bewegung) Guinea Rassemblement du peuple de Guinée (RPG) Indien Indischer Nationalkongress Association for Democratic Socialism Indonesien Demokratische Partei des Kampfes Indonesiens Nasdem Partei Irak Patriotische Union Kurdistans (PUK) Sozialdemokratische Partei Kurdistans (KSDP) Iran Demokratische Partei Kurdistan-Iran (PDK) Komalah-Partei Kurdistans (KPK) Komala-Partei Iranisch-Kurdistans (KPIK) Irland Irish Labour Party Israel Awoda Meretz Italien Partito Democratico Jemen Jemenitische Sozialistische Partei Jordanien Jordanische Sozialdemokratische Partei Kamerun Front Social Démocrate Kanada New Democratic Party/Nouveau Parti démocratique Kenia Labour Party of Kenya Kirgisistan Sozialdemokratische Partei Kirgisistans Demokratische Republik Kongo Union pour la Démocratie et le Progrès Social Republik Kongo Convergence Citoyenne (CC) Union panafricaine pour la démocratie sociale (UPADS) Kroatien Socijaldemokratska partija Hrvatske (Sozialdemokratische Partei Kroatiens) Lettland Sociāldemokrātiskā partija „Saskaņa“ (Sozialdemokratische Partei „Harmonie“) Libanon Progressive Sozialistische Partei Litauen Lietuvos socialdemokratų partija Luxemburg Lëtzebuerger Sozialistesch Aarbechterpartei Malaysia Parti Tindakan Demokratik (Demokratische Aktionspartei) Marokko Sozialistische Union der Volkskräfte Mauretanien Rassemblement des forces démocratiques Mauritius Mauritische Militante Bewegung Mexiko Partido de la Revolución Democrática Movimiento Ciudadano Moldau Demokratische Partei Moldaus Mongolei Mongolische Volkspartei Montenegro Sozialdemokratische Partei Montenegros Demokratische Partei der Sozialisten Montenegros Myanmar Demokratische Partei für eine Neue Gesellschaft Nationale Liga für Demokratie Nepal Nepalesische Kongresspartei Neuseeland New Zealand Labour Party (NZLP) Niederlande Partij van de Arbeid Niger Nigrische Partei für Demokratie und Sozialismus (PNDS-Tarayya) Nordmazedonien Sozialdemokratische Liga Mazedoniens Norwegen Arbeiderpartiet Österreich Sozialdemokratische Partei Österreichs Osttimor FRETILIN Pakistan Awami National Party National Party Palästina Fatah Palästinensische Nationale Initiative Paraguay Frente Guasú Philippinen Akbayan Polen Nowa Lewica Portugal Partido Socialista Rumänien Partidul Social Democrat Saint Lucia Saint Lucia Labour Party São Tomé und Príncipe Movimento de Libertação de São Tomé e Príncipe/Partido Social Democrata (MLSTP-PSD) Schweden Sveriges socialdemokratiska arbetareparti Schweiz Sozialdemokratische Partei der Schweiz Senegal Parti Socialiste Serbien Demokratska Stranka (Demokratische Partei) Socijaldemokratska stranka Simbabwe Movement for Democratic Change – Tsvangirai Slowenien Socialni demokrati Somalia Somali Social Unity Party Spanien Partido Socialista Obrero Español (PSOE) Südkorea Gemeinsame Demokratische Partei Syrien Syrisch-Demokratische Volkspartei Tansania Chama Cha Mapinduzi (Partei der Revolution) Tschechien Česká strana sociálně demokratická (ČSSD; Tschechische Sozialdemokratische Partei) Tunesien Ettakatol Parti Travailliste de Tunisie Türkei Cumhuriyet Halk Partisi (CHP; Republikanische Volkspartei) Türkische Republik Nordzypern Cumhuriyetçi Türk Partisi (Republikanische Türkenpartei) Ungarn Magyar Szocialista Párt Szocdemek Uruguay Partido Socialista del Uruguay USA Democratic Party Venezuela Cambiemos Instituto Progresista Movimiento al Socialismo (MAS) Vereinigtes Königreich Labour Party Westsahara Frente Polisario Zentralafrikanische Republik Bewegung für die Befreiung des Zentralafrikanischen Volkes Zypern Kinima Sosialdimokraton (Bewegung der Sozialdemokraten) Dimokratiko Komma (Demokratische Partei)

Assoziierte Partner Land/Region Organisation International International Union of Socialist Youth (IUSY) International Socialist International Women (SIW) Europäische Union Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament (S&D) Europa Sozialdemokratische Partei Europas (PES) Europa Partei der Europäischen Sozialistischen Frauen (PES Women) Europa Young European Socialists (YES) Asien Network of Social Democracy in Asia (SOCDEM) Nordafrika und Nahost Arabisches Sozialdemokratisches Forum (ASDF) Zentralafrika Zentralafrikanische Progressive Allianz (APAC) International Internationaler Gewerkschaftsbund (ITUC) Amerika Trade Union Confederation of the Americas (CSA) OECD Trade Union Advisory Committee to the OECD (TUAC) International IndustriALL Global Union Europäische Union Solidar International Global Progressive Forum Mittel- und Osteuropa CEE Network International Just Jobs Network USA Center for American Progress (CAP) Europäische Union Foundation for European Progressive Studies (FEPS) Frankreich Fondation Jean-Jaurès Brasilien Fundação João Mangabeira Deutschland Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) Schweden Olof Palme International Center (OPIC)(Quelle: )

Weitere Mitgliedschaften der Progressiven Allianz in internationalen Institutionen und Organisationen Europäisches Parlament: Progressive Allianz der Sozialdemokraten (S&D) Foundation for European Progressive Studies (FEPS): parteinahe Stiftung der Sozialdemokratischen Partei Europas Internationaler Gewerkschaftsbund (IGB) International Union of Socialist Youth (IUSY): Sozialistische Jugend-Internationale Socialist International Women (SIW): Sozialistische Internationale der Frauen Young European Socialists (YES): Europäische Jungsozialistinnen und Jungsozialisten

Kontroversen Der Publizist Alan Posener schrieb Anfang Mai 2013 das Entstehen des neuen Netzwerks einem aufbrechenden Konflikt zwischen eher liberalen, westlichen Sozialdemokraten und den ehemaligen linken Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt zu, die unter dem Deckmantel des Antiimperialismus nationalistische, undemokratische, anti-liberale und anti-emanzipatorische Tendenzen entwickelt haben. Die europäischen Linken hätten aus einer naiven Solidarität mit den früheren antikolonialen Bewegungen lange Zeit die Augen vor diesen Fehlentwicklungen verschlossen.

Giorgos Papandreou, der Präsident der SI, sowie deren Generalsekretär Luis Ayala beklagten daraufhin in einem offenen Brief „Rufmord“ und „falsche Anschuldigungen“; es sei bedauerlich, „dass die Führung unserer deutschen Mitglieder die weltweite Bewegung progressiver Kräfte spalten will“Offener Brief an die Mitgliedsparteien der SI, 19. Mai 2013, auf der Seite der Sozialistischen Internationale.

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Einzelnachweise

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