Die Kirche Plibischken () ist ein viereckiger Bau aus Feldsteinen und Ziegeln und wurde 1773 errichtet. Bis 1945 war das Bauwerk evangelisches Gotteshaus für die ostpreußische Kirchengemeinde Plibischken, dem heutigen Gluschkowo in der russischen Oblast Kaliningrad.
Geographische Lage Das heutige Gluschkowo liegt am nördlichen Ufer des Pregel (russisch: Pregolja) nordöstlich der früheren Kreisstadt Snamensk und westlich der jetzigen Rajonshauptstadt Tschernjachowsk. Durch das Dorf führt eine Nebenstraße, die von Sirenjewka bei Meschduretschje zur Fernstraße A 216, heute auch Europastraße 77 unweit von Kudrjawzewo (Kuglacken) führt. Die nächste Bahnstation ist Puschkarjowo (Puschdorf) an der Bahnstrecke Kaliningrad–Nesterow.
Kirchengebäude Die Plibischker KircheWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band II: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, Seite 83–84, Abb. 322 wurde 1773 errichtet und ging auf ein Vorgängergebäude zurück, das bereits 1451 urkundlich erwähnt wurde. Bei dem GebäudeBildergalerie von Dorf und Kirche Plibischkens aus der Zeit vor 1945 handelt es sich um ein Viereck aus Feldsteinen und Ziegeln mit massivem, oben mit einer Laterne abschließenden TurmBild der Kirche Plibischken aus dem Jahre 2006 bei flickr.com. Der Kircheninnenraum war mit einer flachen Decke versehen. Die Bänke waren ganz auf den Kanzelaltar ausgerichtet. 1783 erhielt die Kirche eine Orgel. Das Geläut bestand aus zwei Glocken, die ehemals in einem separaten Glockenstuhl untergebracht waren.
Der Neubau der Kirche im Jahre 1773Gluschkowo - Plibischken bei ostpreussen.net wurde erforderlich, nachdem bei der Eroberung Ostpreußens durch die russische Armee während des Siebenjährigen Krieges die Kirche 1757 abgebrannt war. Der russische Feldmarschall Graf Apraxin hatte Plibischken zur Plünderung freigegeben.
Eine Plünderung Plibischkens erfolgte auch 1807 beim Einmarsch der Franzosen in Ostpreußen. Hier aber gelang es unter großen Mühen, eine Zerstörung der Kirche zu verhindern.
Den Zweiten Weltkrieg überstand die Kirche unbeschadet. Im Jahre 1950 allerdings stürzte das Kreuz mit der Kugel vom Kirchturmdach. Wegen fehlender Restaurierungsmaßnahmen mussten 1960 ganze Teile des Turms abgerissen werden. Das Kirchengebäude wurde zweckentfremdet und zu einem Gemeinschaftshaus mit Bühne und Billardraum umgebaut. Asbestzementplatten bilden heute die Abdeckung des jetzt Dom Kultury („Kulturhaus“) genannten GebäudesКирха Плибишеңа - Kirche Plibischken bei prussia39.ru (mit Fotos aus dem Jahr 2012).
Kirchengemeinde Plibischken soll das einzige prußische Kirchdorf in Ostpreußen gewesen seinGluschkowo - Plibischken bei ostpreussen.net (wie oben), möglicherweise gab es hier sogar ein Kloster. Es gibt Hinweise, dass das alte Pfarrhaus ein umgebautes Klostergebäude mit vier Ecktürmen gewesen sein soll. Doch brannte dieses Haus zwischen 1647 und 1686 ab. Die lutherische Lehre hielt in dem vorreformatorischen Kirchdorf relativ früh Einzug, bereits 1528 wurde ein evangelischer Prediger genannt. Im 16. Jahrhundert wurden die Gottesdienste wegen des Zuzugs vieler Litauer in Plibischken auch in litauischer Sprache gehalten. Bis 1945 war die PfarreiWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band III: Dokumente, Göttingen, 1968, Seite 475 dem Kirchenkreis Wehlau in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union zugeordnet. Im Jahre 1925 zählte das Kirchspiel mehr als 2.000 Gemeindeglieder, die in 19 verschiedenen Kirchspielorten lebten.
Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung sowie der restriktiven Religionspolitik in der Zeit der Sowjetunion kam nach 1945 in dem dann Gluschkowo genannten Ort das kirchliche Leben zum Erliegen.
Erst in den 1990er Jahren ließ es die politische Entwicklung zu, dass sich im nahegelegenen Dorf Talpaki (Taplacken) eine evangelisch-lutherische Gemeinde neu gründete, in deren Einzugsbereich heute der Ort liegt. Talpaki ist eine Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) in der Propstei Kaliningrad (russisch/deutsch) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäische Russland.
Kirchspielorte Zum Kirchspiel Plibischken zählte neben dem Pfarrort 18 größere und kleinere OrtschaftenWalther Hubatsch, wie oben, Bd. III, S. 475 (* = Schulorte): Name Russischer Name *Alt Ilischken Diwnoje Bienenberg *Groß Ponnau Krasnooktjabrskoje Jägerkrug Jakobsdorf Jakowlewo Julienfelde Kallehnen Rjabinowoje Kekorischken, 1938–1946: Auerbach Okunjowo Klein Ponnau Kuglacken Kudrjawzewo Nassenreuter Neu Ilischken Bobruiskoje *Pelkeninken Kabanowo Ramten *Tölteninken Rostowskoje Wangeninken, 1938–1946: Wangeningen Warnien Sobolewo Warnienhof Belinskoje
Pfarrer Ein Präzentor an der Kirche Pliblischken war August Harner. Er starb als Pfarrer in Dawillen.Harner († 1890) und Unruh († 1880) waren Angehörige des Corps Littuania. 21 evangelische Geistliche amtierten von der Reformation bis 1945 in Plibischken:Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 112 Alexius Mönch, 1528/1529 Franciscus Krause, bis 1571 Samuel Sperber, 1571–1607 Jacob Malichius, 1607–1647 Johann Martin Wiedemann, 1641–1688 Erhard Wiedemann, 1674–1718 Johann Hassenstein, 1705–1715 Georg Abraham Baltzer, 1715–1719 Johann Hassenstein, 1720–1743 Johann Friedrich von Essen, 1743–1780 Johann Friedrich Haack, 1780–1804 Siegfried Ostermeyer, 1805–1821 Friedrich Wilhelm Arnoldt, 1822–1855 Franz Otto Leopold Unruh, 1855–1880 Heinrich List, 1880–1898 Fr. Martin Traugott Herrmann, 1897–1899 Richard Alfred Rose, 1898–1921 Bernhard Gensch, 1922–1932 Waldemar Jobs, ab 1933 Kurt Schlösser, 1937–1939 Erich Woronowicz, 1938–1945
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut in den 1770er Jahren Kategorie:Kirchengebäude der Kirchenprovinz Ostpreußen Kategorie:Kirchengebäude in der Oblast Kaliningrad Kategorie:Profaniertes Kirchengebäude in Russland Kategorie:Rajon Tschernjachowsk Plibischken