Die Oblast Mykolajiw (; ) ist eine von 25 Verwaltungseinheiten (Oblaste) im Süden der Ukraine mit Zugang zum Schwarzen Meer, das die südliche Grenze markiert. Sie hat 1.108.394 Einwohner (Anfang 2021; de facto).
Im Westen grenzt die Oblast Mykolajiw an die Oblast Odessa und im Norden an die Oblast Kirowohrad. Im Nordosten der Oblast liegt die Oblast Dnipropetrowsk, im Südosten die Oblast Cherson.
Die Oblast wird vom Südlichen Bug durchflossen.
Geschichte Die Oblast Nikolajew entstand am 22. September 1937 auf Grund des Dekrets des Zentralen Exekutivkomitees der UdSSR über die Entbündelung der Oblaste Charkow, Kiew, Winniza und Odessa. Zur neuen Oblast gehörten drei Städte unter Oblastverwaltung – Nikolajew, Cherson und Kirow – sowie 38 Rajone, darunter 29 Rajone aus dem Gebiet der Oblast Odessa und 9 aus dem Gebiet der Oblast Dnjepropetrowsk.
Am 10. Januar 1939 wurden die Stadt Kirowohrad und 13 Rajone zur Bildung der Oblast Kirowohrad ausgegliedert. Zugleich wurde ein weiterer Teil der Oblast zur Bildung der Oblast Saporischschja abgetrennt.
Während der Besetzung durch deutsche und rumänische Truppen im Zweiten Weltkrieg ab dem Sommer 1941 wurde das Gebiet auf das rumänische Transnistrien und das deutsche Reichskommissariat Ukraine (Generalbezirk Nikolajew) aufgeteilt.
Nach der Rückeroberung des Gebiets durch die Rote Armee wurde am 30. März 1944 die Oblast Cherson gebildet und die Stadt Cherson sowie 13 Rajone von der Oblast Mykolajiw abgetrennt, es kamen aber 5 Rajone von der Oblast Odessa hinzu. Am 17. Februar 1954 kamen noch weitere 5 Rajone aus dem Gebiet der Oblast Odessa zur Oblast hinzu, in der Folgezeit wurden die Rajonsgebiete bis 1966 mehrfach geändert. Am 3. März 1988 wechselten schließlich noch die Dörfer Biloussowe (Білоусове) und Tokarewe (Токареве) ihre Zugehörigkeit zur Oblast Cherson.
Im Jahr 1991 wurde die damals zur USSR bzw. UdSSR gehörende Oblast nach dem Referendum über die Unabhängigkeit der Ukraine Staatsgebiet der Ukraine. Das Referendum ergab, dass von den Wählern in der Oblast Mykolajiw 8 % gegen und 89 % für die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion stimmten.
Größte Städte Hauptstadt der Oblast ist die am Südlichen Bug gelegene gleichnamige Stadt Mykolajiw.
Stadt Ukrainischer Name Russischer Name Einwohner1. Januar 2021 Mykolajiw Миколаїв Николаев 476.101 Perwomajsk Первомайськ Первомайск 63.377 Piwdennoukrajinsk Южноукраїнськ Южноукраинск 39.048 Wosnessensk Вознесенськ Вознесенск 34.050 Nowyj Buh Новий Буг Новый Буг 15.003 Otschakiw Очаків Очаков 13.927 Baschtanka Баштанка Баштанка 12.327 Snihuriwka Снігурівка Снигирёвка 12.307 Nowa Odessa Нова Одеса Новая Одесса 11.690 Quellen: Ukrainisches Amt für Statistik, S. 33, 34. und Sekundärquelle City Population
Siehe auch: Liste der Städte in der Oblast Mykolajiw
Administrative Unterteilung Die Oblast Mykolajiw ist verwaltungstechnisch in 4 Rajone unterteilt; bis zur großen Rajonsreform am 18. Juli 2020 war sie in 19 Rajone sowie 5 direkt der Oblastverwaltung unterstehenden (rajonfreien) Städte unterteilt. Dies waren die Städte Juschnoukrajinsk, Otschakiw, Perwomajsk, Wosnessensk sowie das namensgebende Verwaltungszentrum der Oblast, die Stadt Mykolajiw.
Rajone der Oblast Mykolajiw mit deren Verwaltungszentren
Rajone der Oblast Mykolajiw Deutsche Bezeichnung Ukrainische Bezeichnung Verwaltungszentrum Weitere frühere (bis 2020) Rajonzentren und rajonfreie StädteRajon BaschtankaБаштанський районBaschtanskyj rajonBaschtanka(Stadt)Beresnehuwate, Kasanka, Nowyj Buh, SnihuriwkaRajon MykolajiwМиколаївський районMykolajiwskyj rajonMykolajiw(Stadt)Beresanka, Nowa Odessa, OtschakiwRajon PerwomajskПервомайський районPerwomajskyj rajonPerwomajsk(Stadt)Arbusynka, Krywe Osero, WradijiwkaRajon WosnessenskВознесенський районWosnessenskyj rajonWosnessensk(Stadt)Bratske, Domaniwka, Jelanez, Piwdennoukrajinsk, Wesselynowe
Bis 2020 gab es folgende Rajonsaufteilung: mini|240px|Karte der Rajone und rajonfreien Städte der Oblast bis 2020 Rajone der Oblast Mykolajiw bis 2020 Deutsche Bezeichnung Ukrainische Bezeichnung Verwaltungszentrum 2020 (überwiegend) aufgegangen inRajon ArbusynkaАрбузинський районArbusynskyj rajonArbusynka(Siedlung städtischen Typs)Rajon PerwomajskRajon BaschtankaБаштанський районBaschtanskyj rajonBaschtanka(Stadt)Rajon BaschtankaRajon BeresankaБерезанський районBeresanskyj rajonBeresanka(Siedlung städtischen Typs)Rajon MykolajiwRajon BeresnehuwateБерезнегуватський районBeresnehuwatskyj rajonBeresnehuwate(Siedlung städtischen Typs)Rajon BaschtankaRajon BratskeБратський районBratskyj rajonBratske(Siedlung städtischen Typs)Rajon WosnessenskRajon DomaniwkaДоманівський районDomaniwskyj rajonDomaniwka(Siedlung städtischen Typs)Rajon WosnessenskRajon JelanezЄланецький районJelanezkyj rajonJelanez(Siedlung städtischen Typs)Rajon WosnessenskRajon KasankaКазанківський районKasankiwskyj rajonKasanka(Siedlung städtischen Typs)Rajon BaschtankaRajon Krywe OseroКривоозерський районKrywooserskyj rajonKrywe Osero(Siedlung städtischen Typs)Rajon PerwomajskRajon MykolajiwМиколаївський районMykolajiwskyj rajonMykolajiw(Stadt)Rajon MykolajiwRajon Nowyj BuhНовобузький районNowobuskyj rajonNowyj Buh(Stadt)Rajon BaschtankaRajon Nowa OdessaНовоодеський районNowoodeskyj rajonNowa Odessa(Stadt)Rajon MykolajiwRajon OtschakiwОчаківський районOtschakiwskyj rajonOtschakiw(Stadt)Rajon MykolajiwRajon PerwomajskПервомайський районPerwomajskyj rajonPerwomajsk(Stadt)Rajon PerwomajskRajon WitowkaВітовський районWitowskyj rajonMykolajiw(Stadt)Rajon MykolajiwRajon SnihuriwkaСнігурівський районSnihuriwskyj rajonSnihuriwka(Stadt)Rajon BaschtankaRajon WesselynoweВеселинівський районWesselyniwskyj rajonWesselynowe(Siedlung städtischen Typs)Rajon WosnessenskRajon WosnessenskВознесенський районWosnessenskyj rajonWosnessensk(Stadt)Rajon WosnessenskRajon WradijiwkaВрадіївський районWradijiwskyj rajonWradijiwka(Siedlung städtischen Typs)Rajon Perwomajsk
Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung Die Oblast wurde im Jahr 1937 gegründet und besteht in heutigem Umfang erst seit 1988. Bis auf zwei Dörfer (Biloussowe und Tokarewe), die 1988 zur Oblast Cherson wechselten, ist das Gebiet seit 1966 unverändert. Bis 1993 gab es ein stetiges Wachstum (Höchststand 1. Januar 1994 1.360.800 Personen). Seither nimmt die Einwohnerschaft ständig ab. Die städtische Bevölkerung sank seit 1989 um 12,93 %, die Zahl der Bewohner auf dem Land nahm im gleichen Zeitraum um 23,93 % ab. Seit der Jahrtausendwende verlor die Oblast rund 186.000 Bewohner oder 14,36 % der Bevölkerung.
bis 1989 anderer Gebietsumfang; rot: Volkszählungen in der Sowjetunion (bis 1989) und der Ukraine (2001); grün: Schätzungen des Ukrainischen Statistisches Amtes, jeweils 1. Januardatabase.ukrcensus.gov.ua
Volksgruppen Die Ukrainer stellten bei der letzten Volkszählung 2001 in allen Städten und Rajons eine deutliche Bevölkerungsmehrheit. Russische Minderheiten leben mehrheitlich in den Städten und den städtischen Vororten. Die höchsten Anteile erreichen die Russen in den Städten Mykolajiw (23,07 %) und Piwdennoukrajinsk (21,67 %). Bei den Deutschen handelt es zumeist um aus anderen Regionen zugewanderte Russlanddeutsche.
JahrUkrainerRussenMoldauerBelarussenBulgarenArmenierJudenDeutscheTotalZahl%Zahl%Zahl%Zahl%Zahl%Zahl%Zahl%Zahl%Zahl%20011.034.44681,79 %177.53014,04 %13.1711,04 %8.3690,66 %5.6140,44 %4.2770,34 %3.2630,26 %1.2200,10 %1.264.743100,00 %Quelle: Ergebnis der Volkszählung 20012001.ukrcensus.gov.ua
Der Anteil der Russen, Moldauer, Belarussen, Bulgaren und Juden ist zwischen 1989 und 2001 erheblich gesunken, während der Anteil der Ukrainer und Armenier deutlich gestiegen ist.2001.ukrcensus.gov.ua Die Anzahl Ukrainer ist zwar nur leicht gestiegen, aber durch den Bevölkerungsrückgang zwischen den beiden Volkszählungen deutlich angewachsen.
Nationalität 1989 (%) 2001 (%) Veränderung (%) Ukrainer 75,6 81,9 +3,1 % Russen 19,4 14,1 −31,2 % Moldauer 1,3 1,0 −21,0 % Belarussen 1,1 0,7 −42,2 % Bulgaren 0,5 0,4 −20,5 % Armenier 0,1 0,3 +140 % Juden 0,9 0,3 −72,6 %
Sprache Ukrainisch ist zwar die Sprache der Bevölkerungsmehrheit. Doch sprachen bei der letzten Volkszählung 2001 viele Ukrainer (17,5 %) und zahlreiche weitere Nichtrussen Russisch als Hauptsprache. In der Stadt Mikolajiw waren die Leute mit Russisch deswegen sogar in der Mehrheit (mit 56,81 %). In den Städten Piwdennoukrajinsk und Otschakiw und dem (damaligen) Rajon Witowka (bis 2016 Rajon Schowtnewyj) war der Anteil der Menschen mit Russisch als Sprache weit über dem Oblastdurchschnitt. Die in der Oblast lebenden Minderheiten der Juden, Tataren, Koreaner, Russlanddeutschen, Belarussen und Bulgarien waren mehrheitlich russifiziert. Starke russischsprachige Minderheiten zählte man unter den Polen und Armeniern.2001.ukrcensus.gov.ua Die beiden Hauptsprachen haben sich gegensätzlich entwickelt. Zwischen 1989 und 2001 stieg der Anteil der Menschen mit Ukrainisch als Muttersprache von 64,2 % auf 69,20 %, der Anteil der Personen mit Russisch als Muttersprache sank dagegen von 33,8 % auf 29,26 %.
JahrUkrainischRussischMoldauischArmenischBulgarischBelarussischTotalZahl%Zahl%Zahl%Zahl%Zahl%Zahl%Zahl%2011873.89869,20 %369.48929,26 %7.3160,58 %2.4530,19 %1.6930,13 %1.6770,13 %1.264.743100,00 %Quelle: Ergebnis der Volkszählung 2001
Weblinks
Demographic Passport des Oblasts (englisch) Datenbank des Ukrainischen Statistischen Amts (englisch) Gesetz vom 7. Juni 1946 über die historisch motivierten Umbenennungen in der Oblast Mykolajiw
Einzelnachweise
Mykolajiw
Mikolajiw