Als Maori (offizielle neuseeländische Schreibweise ) werden die Angehörigen der indigenen Bevölkerung Neuseelands bezeichnet. Ihre aus der pazifischen Inselwelt stammenden Vorfahren haben vermutlich im 13. Jahrhundert und damit etwa 300 Jahre vor den europäischen Seefahrern in mehreren Wellen von Polynesien aus das zuvor unbewohnte Neuseeland als erste Einwanderer besiedelt. Ihre Sprache wird genannt. Im Jahr 2014 betrug der Anteil der Maori an der neuseeländischen Bevölkerung 14,9 %.

mini|Flagge von Tino Rangatiratanga, einer Māori-Unabhängigkeitsbewegung mini|Tukukino, ein Stammesführer des Hauraki-Distrikts, circa 1880 (Gemälde von Gottfried Lindauer) mini|Tanenui-a-rangi, ein modernes Wharenui auf dem Campus der Universität Auckland, wo es als Veranstaltungsraum insbesondere für das Studium der Māorikultur und -sprache benutzt wird.

Bedeutung Das Wort „Maori“ (; ) wird auf Māori mit Betonung auf dem a ausgesprochen, das o wird sehr kurz und manchmal kaum mehr hörbar gesprochen. Das Wort bleibt im Plural ohne s. In der Sprache der Maori bedeutet das Wort „normal“ oder „natürlich“. In Legenden und Mythen bezeichnet das Wort sterbliche Menschen im Gegensatz zu Geistern und unsterblichen Wesen. Das Wort hat Kognaten in vielen anderen polynesischen Sprachen, so in der hawaiischen Sprache maolieinheimisch, eingeboren, echt, wahr, real, tatsächlich, wirklich, wahrhaftig; vgl. oder der Sprache Tahitis mā'ohi, mit ähnlichen Bedeutungen. In der zeitgenössischen Maori-Sprache bedeutet das Wort auch „ursprünglich“, „eingeboren“ oder „einheimisch“.

Außer als „Maori“ bezeichnen sich die Maori selbst auch als , wörtlich „Menschen des Landes“, und betonen hiermit ihr Gefühl der Verbundenheit mit ihrem Land.

Vor 1974 war die gesetzliche Definition einer Maori-Person durch ihre Abstammung festgelegt. Dies war beispielsweise in Bezug auf das Wahlrecht wichtig. Der Maori änderte diese Definition hin zu einer kulturellen Selbstbestimmung, was bedeutet: Maori ist, wer sich als Maori identifiziert. Um beispielsweise spezielle Fördergelder zu erhalten, ist es allerdings weiterhin erforderlich, wenigstens in Teilen Maori-stämmig zu sein. Allerdings gibt es keinen vorgeschriebenen Mindestanteil an „Maori-Blut“. Dies kann durchaus zu Diskussionen führen; so entzündete sich im Jahr 2003 eine Kontroverse an der Nominierung von für das Rugbyteam New Zealand Māori, weil er nur zu 1/64 Maori-Vorfahren habe. Im Allgemeinen erleben insbesondere die Maori selbst ihre Identität als nicht genetisch festgelegt, sondern als eine Frage der kulturellen Identität.

Geschichte der Maori Herkunft der Maori

mini|Tāwhiao (bis 1894), der zweite König der Maori Neuseeland war eine der letzten Gegenden der Erde, die von Menschen besiedelt wurde. Archäologische und linguistische Forschungen führten bislang zu der Annahme, dass Neuseeland wahrscheinlich in mehreren Wellen besiedelt wurde, ausgehend von Ost-Polynesien zwischen 800 und 1300 n. Chr. Bei neueren Radiokohlenstoffdatierungen von Knochen der pazifischen Ratte, die nur als Begleitung von Menschen nach Neuseeland gelangt sein konnte, wurden aber nur Spuren gefunden, die nach 1280 datierten.

Maori berichten in ihren mündlichen Überlieferungen von diesen Immigrationswellen und beschreiben und benennen das dabei jeweils benutzte Waka, ein seetüchtiges Auslegerkanu. Verschiedene Stämme der Maori beziehen sich auf entsprechende Kanus und nennen nicht nur ihren Stamm, sondern auch ihr Kanu, wenn sie sich vorstellen. Ursprungsland ist in der Mythologie der Māori die Insel Hawaiki, von der bisher nicht geklärt ist, ob diese existiert, und wenn ja, welchen Namen sie heute trägt.

Kontakt mit Europäern vor 1840 mini|Erster Kontakt mit Maori 1642 in der Mörderbucht, heute / genannt Der neuseeländische Historiker beschreibt in seinem Buch das Volk der Maori als „die letzte große Gemeinschaft der Erde, die unberührt und unbeeinflusst von der Außenwelt lebte“. Erste europäische Erforscher einschließlich , der 1642 Neuseeland erreichte, oder Kapitän , dessen erster Besuch 1769 stattfand, beschrieben Begegnungen mit Maori. Diese frühen Berichte beschreiben die Maori als ein grimmiges und kämpferisches Kriegervolk. Kämpferische Auseinandersetzungen zwischen den Stämmen waren zu dieser Zeit häufig, und die Besiegten wurden manchmal versklavt oder getötet.

Ab den 1780er Jahren trafen Maori dann auf europäische Robben- und Walfänger, manche heuerten auf deren Schiffen an. Zunehmenden Einfluss auf die Maori hatten zu dieser Zeit auch Flüchtlinge aus der Sträflingskolonie Australien.

Für das Jahr 1830 wird die Anzahl der , also der Europäer in Neuseeland, auf zirka 2000 geschätzt. Der Status der Neuankömmlinge variierte damals von Sklaven bis zu hochrangigen Beratern, von Gefängnisinsassen bis hin zu solchen, die der europäischen Kultur freiwillig den Rücken kehrten und sich als Maori identifizierten. Letztere waren von nicht geringer Zahl und wurden als („europäische Maori“) bezeichnet. Sie waren bei den Maori durchaus geschätzt für ihr Wissen und ihre handwerklichen Fähigkeiten, auch im Waffenbau. (1811–1883), ein früher Siedler und Schriftsteller, schrieb zwei Bücher über das Leben der Siedler und der , die heute als Klassiker der neuseeländischen Literatur gelten, auch wenn sie nicht den Erfordernissen historischer Detailgenauigkeit genügen.

Doch die Europäer brachten auch Krankheiten mit, die für die Maori zum Teil verheerende Auswirkungen hatten. Schätzt man die Population der Maori im 18. Jahrhundert noch auf 220.000 bis 250.000, geht man für 1896 nur noch von etwa 40.000 Ureinwohnern aus. Krankheiten wie Tuberkulose, Masern, Typhus und Influenza konnten sich unter ihnen ungehindert ausbreiten, da ihr Immunsystem auf die neuartigen Krankheiten nicht vorbereitet war. Aber auch der Erwerb und Gebrauch von Schusswaffen, mitgebracht durch die Europäer und als Gegenleistung für neuseeländischen Flachs an die Maori verkauft, hatte bei Stammesstreitigkeiten gravierende Auswirkungen.

Die Musketenkriege

mini|Tāmati Wāka Nene, eine wichtige Figur der Neuseelandkriege, mit typischen Tätowierungen (tā moko), um 1870 Der enge Kontakt vieler Stämme zu den Europäern und deren Waffentechnologie, insbesondere Musketen, führte zu einem militärischen Ungleichgewicht zwischen den Stämmen und zu zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen diversen Stämmen, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts als die Musketenkriege in die Geschichte Neuseelands eingegangen sind. Da diese Gefechte mitunter sehr blutig geführt wurden, nahm die Zahl der Maori erheblich ab, auch wenn die genauen Opferzahlen nicht bekannt sind. Außerdem führten die Musketenkriege zu verschiedenen erzwungenen Wanderungsbewegungen einzelner flüchtiger Stämme mit Verschiebungen ihrer traditionellen Siedlungsgebiete.

Mit dem zunehmenden Einfluss von Missionaren, der Besiedlung in den 1830er Jahren und einer gewissen Gesetzlosigkeit geriet die britische Krone zunehmend unter den Druck zu intervenieren.

Die Neuseelandkriege nach 1840

Der Vertrag von Waitangi, der im Jahre 1840 unterzeichnet wurde, besagte, dass die Maori-Stämme ungetrübten Besitz von Land, Wäldern, Fischgründen und anderen Taonga haben sollten. Im Verlauf der Jahre bis 1872 kam es zu mehreren kriegerischen Auseinandersetzungen als Folge von Unklarheiten dieses Vertrags. Heute regelt das Unstimmigkeiten.

Beginn des Aufschwungs Die vorhergesagte Abnahme der Maori-Population trat nicht ein. Auch wenn in erheblichem Umfang Maori und Europäer heirateten und sich also durchmischten, behielten doch viele ihre kulturelle Identität. Es gibt deshalb zahlreiche Möglichkeiten der Definition, wer Maori ist und wer nicht. Insofern gibt es keine eindeutig homogene gesellschaftliche Gruppierung namens Maori.

Ab dem Ende des späten 19. Jahrhunderts gab es erfolgreiche Maori-Politiker wie , , und . Diese Gruppe, bekannt als , verfolgte das Ziel, ihr Volk nach den Bedrohungen im 19. Jahrhundert wiederzubeleben. Dies zielte nicht auf eine Abgrenzung, sondern durchaus auf die Übernahme westlichen Wissens und westlicher Werte wie in der Medizin oder Ausbildung, aber auf der anderen Seite die unbedingte Förderung der traditionellen Kultur wie der Künste. war ein großer Förderer von traditionellem Handwerk wie dem Schnitzen oder dem Tanz, dem . Er entwickelte zudem ein Programm zur Landentwicklung und verhalf vielen Stämmen dazu, ihr Land zurückzugewinnen.

Maori im Zweiten Weltkrieg Die neuseeländische Regierung beschloss eine Ausnahme für Maori, wonach sie nicht wie andere Bürger während des Zweiten Weltkriegs zum Militär eingezogen wurden, aber viele Maori meldeten sich freiwillig und formten das 28. oder Maori-Bataillon, das auf Kreta, in Nordafrika und Italien eingesetzt wurde. Insgesamt nahmen etwa 17.000 Maori an Kriegshandlungen teil.

Seit den 1960er Jahren Seit den 1960er Jahren erlebte die Kultur der Maori einen umfassenden Aufschwung. Die Regierung erkannte die Maori als politische Kraft an. Das wurde 1975 installiert, eine Instanz, bei der Maori ihre Rechtsansprüche, die sich aus dem Vertrag von Waitangi ergeben, anmelden können. Allerdings kann dieses Tribunal nur Empfehlungen aussprechen, die für die Regierung nicht bindend sind. Immerhin haben Maori beispielsweise grundsätzliche Ansprüche auf Fischen und Waldwirtschaft erfolgreich geltend machen können. Als Folge des Tribunals wurden zudem zahlreichen Entschädigungsgelder insbesondere für die Landenteignungen bezahlt, die nach Schätzung der Maori aber nur 1 bis 2,5 % des Schadens abdeckten.

Im Juni 2008 einigten sich die Regierung Neuseelands und ein Maori-Kollektiv aus sieben Stämmen nach über 20 Jahren Verhandlungszeit auf eine umfassende Entschädigung für die Ureinwohner. Dem Kollektiv, das rund 100.000 Maori im Zentrum des Landes repräsentiert, wurden 176.000 Hektar kommerziell genutzter Waldfläche und die Einnahmen aus deren Bewirtschaftung zugesprochen. Den Gesamtwert der Wiedergutmachung bezifferte die Regierung auf 500 Millionen Neuseeland-Dollar (etwa 243 Millionen Euro). Durch den Vertrag wurden die sieben Stämme zu den größten Waldbesitzern Neuseelands.

Im Jahr 1994 zeigte der Film Once Were Warriors (Die letzte Kriegerin), auf der Grundlage eines Romans aus dem Jahr 1991, einem breiten Publikum die Misere des Maori-Lebens insbesondere in städtischen Umgebungen auf. Der Film hatte in dieser Zeit die höchsten Einspielzahlen und erhielt international viele Auszeichnungen. Manche Maori befürchteten allerdings, dass dieser Film ein Bild erzeugt, das den Maori-Mann als generell gewalttätig erscheinen lässt.

Ende Mai 2024 kam es zu Massenprotesten der Maori gegen die Regierung des konservativen Premierministers Christopher Luxon. An Demonstrationen in Auckland und Wellington nahmen Zehntausende Menschen teil. Das Kabinett Luxon hatte zuvor angekündigt, eine Gesundheitsbehörde zu schließen, die sich eigens an Maori richtet. Die Regierung erwog außerdem eine Überprüfung des Vertrages von Waitangi, der die Ansprüche der Maori formuliert. Die Māori Party kündigte Widerstand dagegen an und brachte die Bildung eines eigenen Parlaments für die Maori ins Spiel.Te Pāti Māori protest live updates: Thousands turn out to join Budget Day protests across NZ; New Zealand Herald, 30. Mai 2024.Massenproteste der Maori gegen Regierung, Deutschlandfunk, 30. Mai 2024.

Die maorische Sprache

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging in vielen Gegenden Neuseelands , die Sprache der Maori, als Alltagssprache verloren. Heute sind viele Maori mittleren Alters dieser ursprünglichen Sprache nicht mehr mächtig. Seit den 1970er Jahren unterrichten deshalb viele Schulen die Kultur und Sprache der Maori, und in den Kindergärten entstanden sog. (Sprachnester), in denen mit den Kindern ausschließlich Maori gesprochen wird. Im Jahr 2004 startete Maori , ein staatlich finanzierter Fernsehsender, der seine Sendungen möglichst in Maori ausstrahlt, wenn auch mit englischen Untertiteln.