mini|Stiftsbasilika Waldsassen Die Liste der Äbtissinnen und Äbte von Waldsassen enthält die Namen der Äbtissinnen und Äbte des Klosters Waldsassen von seiner Gründung bis zur Gegenwart. Die Abfolge der Äbte und der Äbtissinnen lässt sich anhand der Klostergeschichte in drei Phasen gliedern. Diepold III. von Vohburg gelang mit der Gründung des Klosters der Landausbau und die Kultivierung im Egerland an den Grenzen seines Einflussbereiches. Aus dem Streubesitz, mit teils selbst neu gegründeten Orten – z. B. im Schönbacher Ländchen – formte sich allmählich mit dem Stiftland ein weitgehend geschlossenes Territorium. Mit Abt Georg III. Agmann endete zunächst als Folge der Reformation das Klosterleben; die Herrscher der angrenzenden Oberpfalz übernahmen den Besitz. Mit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges und der Rekatholisierung gab es einen Neuanfang des Klosters. Bedeutende Bauten und Kunstwerke wurden geschaffen, die die Zeiten weitgehend überdauerten. Unter Abt Albert Hausner wurden die Stiftsbasilika Waldsassen und die Dreifaltigkeitskirche Kappl vollendet. Unter Abt Eugen Schmid entstand die Stiftsbibliothek in ihrer jetzigen Gestalt. Der Erwerb von Katakombenheiligen wurde vorangetrieben. In der Zeit der Aufklärung und mit der Säkularisation in Bayern fand das Klosterleben 1803 ein jähes Ende. Etwa 60 Jahre später gelang es durch die Initiative des Regensburger Bischofs Ignatius von Senestrey, das Kloster von Seligenthal aus neu zu besiedeln. Die 1925 gewählte erste Äbtissin Richmunda Herrnreither engagierte sich wie ihre Nachfolgerinnen für die Bewahrung des umfangreichen kulturellen Erbes. Bei der Missionierungsarbeit in Bolivien setzten die Zisterzienserinnen mit dem Kloster Apolo und später mit dem Colegio Ave Maria in La Paz neue Akzente.
Äbte von der Gründung bis zur Reformation (1136–1537) mini|Stich mit einer Ansicht des Klosters von 1687 Die Liste orientiert sich an der Arbeit von Rudolf LanghammerLanghammer, Waldsassen – Kloster und Stadt, S. 209–213., ergänzende Angaben wurden mit Quellenangaben versehen. Abweichend von Langhammer beginnt in der Festschrift des Stiftlandmuseums Waldsassen die Zählung der Äbte bereits mit den wohl ab 1133 vom Mutterkloster Volkenroda eingesetzten Heinrich, Ulrich und Adeodat und es werden die bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts möglichen Varianten der Eingrenzung von Amtszeiten, vor allem abhängig von der Unschärfe bei der Bestimmung von Monaten oder Tagen um die Jahreswechsel oder den unterschiedlichen, teils fehlerhaften Überlieferungen, angeführt.Stiftlandmuseum, Ora et labora, S. 18f. Unter den Quellen, die Langhammer verwertet hat, befinden sich die Chronisten und Äbte Johannes III. von Elbogen und Johannes IV. Grübel. Spätere Nachrichten stammen beispielsweise von dem Humanisten und Geschichtsforscher Kaspar Brusch.
Für die Chronik der Klostergeschichte und die damit verbundene Abfolge der Äbte und Äbtissinnen gibt es kein Gesamtwerk über alle drei Phasen der Klostergeschichte. Die Stadtarchivare von Cheb (Eger) Heinrich Gradl, Karl Siegl und Heribert Sturm berühren in ihren Publikationen über den heutigen deutsch-tschechischen Grenzraum immer wieder die Geschichte Waldsassens. Eine Erforschung, wie es das Projekt Germania Sacra z. B. mit Alfred Wendehorst über die Bischöfe von Würzburg verwirklicht, gibt es für das Kloster oder das zugehörige Bistum Regensburg nicht. Die Chronik von Rudolf Langhammer, die 1936 erschien, behandelt ausführlich die erste Phase der Klostergeschichte. Trotz der Zeit des Nationalsozialismus und entsprechender öffentlicher Positionierung zum Sudetenland stellt er die Entwicklung sachlich ausgewogen dar. Der von ihm geplante zweite Band zur Klostergeschichte ist nicht erschienen.
Die Äbte von Waldsassen waren teilweise vor oder nach ihrer Wirkenszeit in Waldsassen Äbte anderer Klöster, besonders häufig der Tochterklöster Waldsassens. Diese waren Sedletz mit Königsaal und Skalitz, die angegliederten Klöster Walderbach und Maschau sowie Osek mit St. Bernhard (1232–1234).Stiftlandmuseum, Ora et labora, S. 14. Während Kloster Waldsassen in seiner Gründerzeit zur Kultivierung des Egerlandes beitrug und beispielsweise im Schönbacher Ländchen zahlreiche Dörfer gründete, gelangte es im Laufe der Zeit zu einem weitgehend abgeschlossenen territorialen Besitz, dem Stiftland. Zur Wahrung der Autonomie der Fürstabtei und zur Verteidigung des Stiftlandes trugen der befestigte Ort Tirschenreuth mit der Stadtburg und die Burgen Falkenberg, Altneuhaus, Neuhaus, Schwarzenschwall, Waldershof, Hardeck, Liebenstein und Schönficht bei.Langhammer, Waldsassen – Kloster und Stadt, S. 189–196. Von nachhaltiger wirtschaftlicher Bedeutung waren Anlagen wie das Steinhaus in der Freien Reichsstadt Eger und der Fischhof in Tirschenreuth.
Dem letzten Abt Georg III. Agmann folgten die Administratoren Johannes von Weeze und Heinrich Rudolf von Weeze. Der Pfalzgraf Reichard folgte als Administrator des Stiftlands 1560, damit war das Kloster aber noch nicht von der Pfalz annektiert. Das passierte 1571, als sich Reichard mit seinem Bruder Friedrich III. über eine Neuaufteilung der Besitztümer einigte. Erst jetzt begann die 50-jährige unmittelbare Herrschaft der Pfalzgrafen und Kurfürsten von der Pfalz. Als Folge des Dreißigjährigen Krieges verlor Friedrich V. die Oberpfalz an Maximilian I., die damit zum Kurfürstentum Bayern gehörte.Franz Binhack: Jahresgeschichten des Stiftes und Klosters Waldsassen von Johann Georg Ruprecht. Regensburg 1903.