Kanada ( und , Aussprache: [ˈkænədə] bzw. [kanaˈda]) ist ein föderaler Staat in Nordamerika, der zwischen dem Atlantik im Osten und dem Pazifik im Westen liegt und nordwärts bis zum Arktischen Ozean reicht. Bundeshauptstadt ist Ottawa, die bevölkerungsreichste Stadt ist Toronto, das zugleich die größte englischsprachige Stadt des Landes und kulturelles und wirtschaftliches Zentrum des anglophonen Kanada ist. Die an ihrer Einwohnerzahl gemessen zweitgrößte Stadt des Landes und zugleich seine größte französischsprachige Stadt ist Montreal, die ebenfalls ein wichtiges Zentrum darstellt.

Kanada grenzt im Süden und im Nordwesten an die Vereinigten Staaten, im Osten an das französische Überseegebiet Saint-Pierre und Miquelon und mit der 2022 geschaffenen Grenze über die Hans-Insel an Grönland, einen politisch selbstverwalteten Bestandteil des Königreichs Dänemark. Gemessen an der Fläche ist Kanada nach Russland der zweitgrößte Staat der Erde, es hat etwa 40 Millionen Einwohner und eine Bevölkerungsdichte von vier Personen pro Quadratkilometer.

Die Besiedlung durch die First Nations (Premières Nations) begann spätestens vor 12.000 Jahren, die Inuit folgten ihnen vor rund 5000 Jahren auf den nordamerikanischen Kontinent. Spätestens im 11. Jahrhundert n. Chr. und erneut im späten 15. Jahrhundert erreichten Europäer das heutige Gebiet Kanadas und begannen um 1600 mit dessen Kolonisierung. Dabei setzten sich zunächst Franzosen und Briten fest und gründeten zahlreiche Orte und Städte. Damals setzte sich insbesondere für die Gegenden um den Sankt-Lorenz-Strom und die Großen Seen die Bezeichnung „Canada“ durch, ursprünglich der Name eines Irokesendorfes. Die heutigen Atlantikprovinzen, ebenfalls zunächst ein Teil Neufrankreichs, wurden hingegen als Akadien bezeichnet. Frankreich trat 1763 nach mehreren Kriegen seine Kolonie Neufrankreich an Großbritannien ab. 1867 gründeten drei britische Kolonien die Kanadische Konföderation. Mit dem Statut von Westminster erhielt der Staat 1931 gesetzgeberische Unabhängigkeit. Weitere verfassungsrechtliche Bindungen zum Vereinigten Königreich wurden 1982 aufgehoben.

Kanada ist ein Königreich innerhalb des Commonwealth of Nations. Nominelles Staatsoberhaupt ist König Charles III., der vom Generalgouverneur von Kanada vertreten wird. Kanada ist ein auf dem britischen Westminster-System basierender parlamentarisch-demokratischer Bundesstaat und eine parlamentarische Monarchie.

Die koloniale Geschichte Kanadas legte die kulturellen, politischen und sozio-ökonomischen Grundlagen für die bis heute wahrnehmbare Teilung in zwei wesentliche Sprachzonen, von denen die größere überwiegend anglophon, die kleinere überwiegend frankophon ist. Auf bundesstaatlicher Ebene sind Englisch und Französisch die gleichberechtigten Amtssprachen. In der Provinzialverwaltung können diesbezüglich abweichende Bestimmungen gelten. Zahlreiche Bürger des Landes, in der Regel Einwanderer, sprechen eine andere Sprache als Muttersprache. Die Sprachen der Ureinwohner sind nahezu verschwunden und spielen im öffentlichen Leben nur in sehr begrenzten Gegenden eine Rolle.

Die Stellung der frankophonen Kanadier (einschließlich der Unabhängigkeitsbestrebungen Québecs) und die Rechte der indigenen Völker (neben den First Nations und Inuit die Métis) bilden wichtige Reibungspunkte und Konfliktlinien in Staat und Gesellschaft. Auch die Themen Klimawandel und Umweltschutz, Einwanderungspolitik und Rohstoffabhängigkeit sowie das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten, von denen kulturell und historisch bedingt ein ambivalentes Bild besteht, kennzeichnen die öffentlichen Debatten. Die Betonung der kulturellen Diversität (insbesondere zwischen den beiden weißen Gründernationen des heutigen Kanadas) und die verbreitete Skepsis gegenüber homogenisierenden Tendenzen (im Unterschied zum „Melting Pot“ USA) bestimmt das Selbstbild der Kanadier. Geopolitische Spannungen zeichnen sich im Hinblick auf das Abschmelzen der Eisflächen im Norden des Landes ab, die neue Verkehrswege eröffnen, auf die ausländische Mächte Anspruch erheben könnten.

Geographie

Ausdehnung und Grenzen Kanada ist mit einer Fläche von 9.984.670 km² nach Russland der zweitgrößte Staat der Erde und fast so groß wie Europa. Der Staat nimmt rund 41 % Nordamerikas ein. Im Süden und Nordwesten hat Kanada die längste Landgrenze der Welt zu den Vereinigten Staaten. Ein weiterer Nachbar ist das dänische Autonomiegebiet Grönland, das durch die rund 30 Kilometer breite Meerenge Kennedy-Kanal von der nördlichsten kanadischen Insel, Ellesmere Island, getrennt wird. Die winzige Hans-Insel war bis 2022 zwischen beiden Staaten umstritten, ehe sie durch das Ziehen einer etwa 1,2 Kilometer langen Staatsgrenze quer über das Eiland aufgeteilt wurde. Schließlich existiert mit der Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon südlich von Neufundland ein Überbleibsel der französischen Kolonie Neufrankreich.

Die Nord-Süd-Ausdehnung erstreckt sich von 83,11° nördlicher Breite am Kap Columbia auf Ellesmere Island in Nunavut bis zur Insel Middle Island im Eriesee bei 41,68° (etwa die Breite von Rom) und beträgt somit 41,43° oder 4634 Kilometer. Die größte Ost-West-Entfernung beträgt 5514 Kilometer von Cape Spear auf Neufundland (52,62° W) bis zur Grenze des Yukon-Territoriums mit Alaska (141° W). Die Gesamtlänge der Grenze zwischen Kanada und den USA beträgt 8890 Kilometer. Kanada hat mit 243.042 Kilometern zugleich die längste Küstenlinie der Welt. Die größte Insel ist die Baffininsel im Nordosten, welche mit einer Fläche von 507.451 km² zugleich die fünftgrößte Insel der Welt ist. Die nördlichste Halbinsel ist Boothia. 9.093.507 km² Kanadas sind Land- und 891.163 km² Wasserfläche.

Kanada hat Anteil an sechs Zeitzonen, siehe hierzu Zeitzonen in Kanada.

Geologie und Landschaftsgliederung mini|Der Kanadische Schild mini|Kanadas Klimazonen

Das geologische Grundgebirge der östlichen Provinzen sind alte, abgetragene Berge neben noch älteren Abschnitten des Kanadischen Schildes, die bis zu 4,03 Milliarden Jahre alt sind.Martin Meschede: Geologie Deutschlands. Ein prozessorientierter Ansatz, Springer, 2015, S. 5. Dieser umfasst eine ausgedehnte Region mit einigen der ältesten Gesteine. Um die Hudson Bay gelegen, nimmt er fast die Hälfte des Staatsgebiets ein. Abgesehen von einigen niedrigen Bergen im östlichen Québec und in Labrador ist die Landschaft flach und hügelig. Das Gewässernetz ist dicht, die Entwässerung der Region erfolgt über eine Vielzahl von Flüssen. Die südliche Hälfte des Schildes ist mit borealen Wäldern bedeckt, während die nördliche Hälfte einschließlich der Inseln des arktischen Archipels jenseits der arktischen Baumgrenze liegt und mit Felsen, Eis und Tundrenvegetation bedeckt ist. Die östlichen Inseln des Archipels sind gebirgig, die westlichen dagegen flach.

Westlich und südlich des Kanadischen Schildes liegen die Ebenen um den Sankt-Lorenz-Strom und die Großen Seen. Die natürliche Vegetation des südlichen Teils der dort liegenden Prärieprovinzen Saskatchewan, Manitoba und Alberta ist das Präriegras. Der nördliche Teil dagegen ist bis zur Tundra-Zone bewaldet.

Die teils vulkanisch aktiven Gebirgszüge der Coast Range und der Rocky Mountains, wie der Mount Edziza oder die Northern Cordilleran Volcanic Province im Norden British Columbias, dominieren das westliche Kanada. Sie verlaufen in Nord-Süd-Richtung durch Yukon und British-Columbia, die dortige Küstenlinie wird tief von Fjorden durchschnitten. Vor der Küste liegt Vancouver Island, ein Ausläufer des Küstengebirges.

Die höchsten kanadischen Gebirgsregionen liegen im Westen mit den Rocky Mountains – höchster Berg ist der hohe Mount Logan im Territorium Yukon – und der Kette der Küstengebirge am Pazifischen Ozean (Coast Mountains und Kaskadenkette). Ein weiteres wichtiges System verläuft entlang der Nordostküste von Ellesmere Island (Arktische Kordillere) bis zu den Torngatbergen in Québec sowie in Neufundland und Labrador. Im Osten Kanadas liegen die nördlichen Appalachen und die Laurentinischen Berge.

Der wichtigste Fluss Kanadas ist der 3058 Kilometer lange Sankt-Lorenz-Strom. Er dient als Wasserstraße zwischen den Großen Seen und dem Atlantik. Kanadas zweitlängster Fluss ist der Mackenzie River (1903 Kilometer) in den Nordwest-Territorien. Weitere bedeutende Flüsse sind der Yukon River und der Columbia River, die teilweise auch in den Vereinigten Staaten verlaufen, der Fraser, der Nelson, der Churchill und der Manicouagan sowie Nebenflüsse wie der Saskatchewan River, der Peace River, der Ottawa und der Athabasca.

Kanada ist zudem ein überaus seenreiches Land. 7,6 % seiner Landmasse sind mit insgesamt rund zwei Millionen Seen bedeckt. 563 Seen sind größer als 100 km². (englisch) Zu den größten Seen gehören der Große Bärensee (31.153 km²), der Große Sklavensee (27.048 km²), der Winnipegsee (24.420 km²), der Athabascasee (7.850 km²) sowie die Großen Seen (zusammen rund 245.000 km²), durch die mit Ausnahme des Michigansees die Grenze zum südlichen Nachbarland verläuft. Der größte gänzlich in Kanada gelegene See ist der Große Bärensee in den Nordwest-Territorien.

Klima mini|Klimadiagramm der Hauptstadt Ottawa

Kanada umfasst unterschiedliche Klimazonen (vom Polarklima bis zum gemäßigten Klima). Überwiegend bestimmt das boreale Klima mit langen, kalten Wintern und kurzen, heißen Sommern den größeren Teil Kanadas. Im Winter 2004/2005 wurden Temperaturen von −58 °C in Burwash Landing des Territoriums Yukon gemessen;Klimadaten liefert beispielsweise die tiefste je gemessene Temperatur wurde mit −63 °C in Snag im selben Territorium am 3. Februar 1947 aufgezeichnet.Weather Facts and Trivia, CBC Die höchste Temperatur wurde in Lytton (British Columbia) mit 49,6 °C am 28. Juni 2021 ermittelt.Canada weather: Dozens dead as heatwave shatters records, BBC

An der Westküste findet man maritimes Klima mit hohen Niederschlägen, da sich die feuchte, vom Ozean kommende Luft am Westrand des Küstengebirges abregnet. Den Niederschlagsrekord hält Ucluelet in British Columbia mit 489,2 mm an einem einzigen Tag (6. Oktober 1967). Die Jahreszeiten sind in den Provinzen Québec und Ontario am deutlichsten ausgeprägt, mit kalten Wintern, milden Frühjahren und Herbstmonaten und von Juli bis September oft sehr schwül-heißen Sommern mit Durchschnittstemperaturen um 25 °C.

Am häufigsten leiden die Prärieprovinzen Alberta, Saskatchewan und Manitoba unter Trockenheit. Eines der trockensten Jahre war das Jahr 1936, das trockenste jedoch 1961. Regina erhielt 45 % weniger Regen als im Durchschnitt. 1988 war so trocken, dass jeder zehnte Farmer aufgeben musste. Das wärmste Jahr in Kanada war das Jahr 1998.Top Ten Weather Stories, Environment Canada

Flora und Fauna mini|Nadelwald

Große Naturgebiete, vor allem in den Tundra- und Bergregionen, bedecken 70 % Kanadas. Das entspricht 20 % der weltweit verbleibenden Wildnisgebiete (ohne Antarktis). Noch ist mehr als die Hälfte der ausgedehnten Wälder Urwald.Vgl. Canada’s large intact forest landscapes, Global Forest Watch Canada 2003 (PDF; 4,4 MB) Die nördliche Waldgrenze verläuft von der Ostküste Labradors über die Ungava-Halbinsel Richtung Süden entlang des Ostufers der Hudson Bay und setzt sich anschließend schlangenlinienförmig Richtung Nordwesten zum Unterlauf des Mackenzie und weiter nach Alaska fort. Nördlich der Baumgrenze gibt es kaum oder gar keinen fruchtbaren Boden (Tundra). Die Vegetation der südlichsten Tundragebiete besteht aus niedrigem Buschwerk, Gräsern und Riedgras. Die nördlichsten Gebiete sind zu weniger als einem Zehntel mit den für die Polarregion typischen Moosen bedeckt.