Saif ibn ʿUmar () war ein muslimischer Geschichtsschreiber der frühen Abbasidenzeit und eine der wichtigsten Autoritäten in den arabischen Darstellungen über die Frühzeit des Islams. Abgesehen davon, dass er in Kufa gelebt hat und dem arabischen Stamm der Tamīm angehörte, sind keine biographischen Daten über ihn bekannt.

Nach Ibn an-Nadīm hat Saif ibn ʿUmar zwei Bücher verfasst, das Kitāb al-Futūḥ al-kabīr wa-r-ridda, in dem er Berichte über die Ridda-Kriege und die Eroberungszüge zusammentrug, und das Kitāb al-Ǧamal wa-masīr ʿĀʾiša wa-ʿAlī, in dem er sich mit der Ermordung des Kalifen ʿUthmān ibn ʿAffān und der Kamelschlacht befasste.Ibn an-Nadīm: Kitāb al-Fihrist. Ed. Gustav Flügel. Vogel, Leipzig 1871. S. 94. Digitalisat Das erstgenannte Buch, das nicht eigenständig überliefert ist, bildete später eine der Hauptquellen der Berichte über diese Zeit in der Weltchronik von at-Tabarī. Auch der syrische Geschichtsschreiber Ibn ʿAsākir benutzte es in seiner „Geschichte der Stadt Damaskus“.

Die Zuverlässigkeit von Saifs Berichten war immer umstritten. Schon von muslimischen Traditionsgelehrten wurde ihm vorgeworfen, dass er Gewährsleuten, auf die er sich berief, Berichte in den Mund geschoben habe. Julius Wellhausen tat die gesamten Saif-Berichte als pro-tamīmische Tendenzliteratur ab. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es eine Gegenbewegung zu Wellhausens Ansicht, angeführt von Albrecht Noth, der argumentierte, dass Saif lediglich ein Sammler gewesen sei, der in seinem Werk nicht danach strebte, eine schlüssige Sichtweise darzulegen, sondern einfach alles festhielt, was ihm zufällig zu Ohren gekommen war.Albrecht Noth: „Der Charakter der ersten großen Sammlungen von Nachrichten zur frühen Kalifenzeit“ in Der Islam 47 (1971) 168–199. Ella Landau-Tasseron zeigte 1990, dass Saifs Berichte keineswegs nur darauf abzielten, den Ruhm des eigenen Stammes zu heben, sondern durchaus auch die Leistungen anderer arabischer Stämme thematisierten. Sie wies darüber hinaus nach, dass Saif selbst wiederum auf andere arabische Quellen zurückgegriffen hat, die zu seiner Zeit bereits schriftlich vorlagen.

1996 wurde jedoch die scharfe Verurteilung Saifs von Patricia Crone erneut bekräftigt, und zwar in einer Rezension der Edition einer neu entdeckten Handschrift von Saifs zweitem Buch. Crone urteilte, dass angesichts der neuen Veröffentlichung Noths Ansicht aufgegeben werden müsse, so heilsam sie zu ihrer Zeit auch gewesen sei.Patricia Crone: “Kitāb al-Ridda wa’l-futūḥ and Kitāb al-Jamal wa masīr ʿĀʾisha wa ʿAlī.” in Journal of the Royal Asiatic Society 6/2 (1996) 237-240, hier S. 239. Wilferd Madelung vertrat 2009 in einem Aufsatz die Auffassung, dass Saif als Übermittler von Berichten wertvolles frühes Quellenmaterial bewahrt hat, als Historiker jedoch ein engagierter und skrupelloser Autor ideologischer erfundener Geschichten gewesen sei.Madelung: “Sayf b. ʿUmar: Akhbārī and Ideological fiction writer”. 2009, S. 326.

Literatur Fred McGraw Donner: "Sayf Ibn ʿUmar" in Encyclopaedia of Islam. New Edition Brill, Leiden 1995. Bd. IX, S. 102–103. Martin Hinds: “Sayf b. ʿUmar’s sources on Arabia” in Studies in the History of Arabia I. Sources for the History of Arabia, part 2. Riad 1979. S. 3–16. Ella Landau-Tasseron: “Sayf Ibn ʿUmar in Medieval and Modern Scholarship” in Der Islam 67 (1990) 1–26. Linda D. Lau: “Sayf b. ʿUmar and the Battle of the Camel” in Islam Quarterly 23 (1979) S. 103–111. Wilferd Madelung: “Sayf b. ʿUmar: Akhbārī and Ideological fiction writer” in: M. A. Amir-Moezzi, Meir M. Bar-Asher, Simon Hopkins (Hrsg.): Le shīʿisme imāmite quarante ans après: hommage à Etan Kohlberg. Brepols, Turnhout 2009. S. 325–337. Julius Wellhausen: Prolegomena zur ältesten Geschichte des Islams. Berlin 1899. (=Skizzen und Vorarbeiten 6). S. 3–7. Digitalisat

Belege

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