mini|Textlogo Better Cotton Better Cotton (BC, bis 2021 Better Cotton Initiative, dt. etwa Initiative für bessere Baumwolle) ist eine Multi-Stakeholder-Initiative mit dem Ziel, nachhaltigeren Anbau von Baumwolle zu fördern. Die Organisation mit Sitzen in Genf und Londonhttps://bettercotton.org/about-bci/contact/ trägt den freiwilligen Nachhaltigkeitsstandard Better Cotton. In der Saison 2022/23 waren etwa 22 % an der Baumwoll-Weltproduktion Better Cotton.2023-24 Annual Report S. 8 (PDF; 67 MB)

Anders als Label wie Fair Trade, UTZ Certified oder dem Bio-Siegel zertifiziert BC keine Endprodukte. Nach Selbstdarstellung zielt sie darauf ab, die weltweite Baumwollproduktion insgesamt nachhaltiger zu machen, indem Baumwollfarmer in nachhaltiger Bewirtschaftung trainiert werden und gleichzeitig durch die baumwollverwertenden Mitglieder der Initiative Druck auf die Lieferkette ausgeübt wird, Baumwolle aus nachhaltiger Produktion zu verarbeiten.Joe Confino: Can the Better Cotton Initiative transform the global textile industry? Englisch. Online auf Guardian.co.uk vom 9. Dezember 2011. BC ist Mitglied der ISEAL Alliance.panda.org:

Geschichte mini|Ehemaliges Logo Die Gründung erfolgte 2005 von einer Reihe an Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Gründungsmitglieder aus der Industrie waren adidas, Gap (inzwischen ausgeschieden), H&M und IKEA sowie die Nichtregierungsorganisationen ICCO, IFAP, IFC, Organic Exchange, Oxfam (inzwischen ausgeschieden), das Pesticide Action Network UK und der WWF. 2009 wurde der neu erarbeitete Standard erstmals angewandt. Seitdem sind neben weiteren Unternehmen und NGOs diverse Produzenten, Handelshäuser und Verarbeiter der Initiative beigetreten.

Arbeitsweise Die Arbeit von Better Cotton findet auf sechs Ebenen statt:bettercotton.org: Definition von Produktionsstandards für „Better Cotton“ Unterstützung von Baumwollfarmern bei der Umsetzung Regelmäßige Prüfung und Bewertung von landwirtschaftlichen Betrieben Aufbau von Lieferketten für „Better Cotton“ Überwachung, Evaluation und Weiterentwicklung Bereitstellung von Foren zur Weitergabe von Wissen und Best practices

Anforderungen Der Nachhaltigkeitsstandard konzentriert sich auf die Bereiche Pestizideinsatz, Wasserverbrauch, Bodenschutz, Produktqualität und Soziales. (PDF; 528 kB) Ähnlich wie bei UTZ Certified setzt die Zertifizierung von Produkten als Better Cotton nicht voraus, dass alle Kriterien erfüllt sind, sondern neben der Sicherstellung bestimmter Mindeststandards lediglich kontinuierliche Verbesserung. Mindestabnahmepreise wie beim fairen Handel gibt es nicht.

Mehrere andere Gütesiegel für den Baumwollanbau werden von BC gleichwertig anerkannt: StandardLand/RegionZeitraummy Best Management Practice (myBMP)Australienseit 2014Algodão Brasileiro Responsável (ABR)Brasilienseit 2014Agro-2Griechenlandseit 2020Israel Cotton Production Standard System (ICPSS)Israelseit 2020Integrated Production System (IPS)Andalusienseit 2023Cotton made in Africa (CmiA)Subsahara-Afrika2013–2022

Auswirkungen Nach vorläufigen Feststellungen der Initiative verbrauchten die zertifizierten Farmer in Indien in der Saison 2011–2012 im Schnitt 20 % weniger Wasser pro Hektar und 40 % weniger Pestizide, während die Ernte gleichzeitig um 20 % und die Rentabilität um 50 % höher lag als bei Vergleichsfarmern.bettercotton.org:

Marktanteile In den Jahren 2023/24 wurden 5.635 Kilotonnen Baumwolle nach dem BC-Standard oder einem anerkannten Vergleichsstandard produziert. Das entsprach etwa 23 % der Weltproduktion. Davon wurden 2.089 kt (ca. 37 %) mit dem BC-Standard ausgezeichnet, der Rest nach den als gleichwertig anerkannten Nachhaltigkeitsstandards Algodão Brasileiro Responsável (3.003 kt), myBMP (408 kt), Agro-2 (101 kt), ICPSS (14 kt) und IPS (8 kt).

Unethisches Handeln und Greenwashing Laut der französischen Dokumentation Coton: l’envers de nos tee-shirts der Magazinreihe „Cash Investigation“ des Fernsehsenders France 2 aus dem Jahr 2017 (deutscher Titel: „Schmutzige Baumwolle – Sklaven der Textilindustrie“, 2019) sei BC effektiv nur ein Greenwashing-Label, das dazu führen könne, dass weniger rein biologische Baumwolle angebaut werde. Bauern, die vorher rein biologische Baumwolle ohne Zusatzstoffe und Pestizide und v. a. ohne genetisch manipulierte Samen anbauten, könnten dank der BC-Vergaberichtlinien jetzt die komplette Bandbreite an Pestiziden und gentechnisch veränderter Pflanzen verwenden. Ebenso werde nicht auf die Herkunft, sprich Ernte, und Verarbeitung Rücksicht genommen. Effektiv werde damit Kinder- und Zwangsarbeit in Kauf genommen, während die BC-zertifizierten Produkte aber als „grüne“, sprich „saubere“ Baumwolle verkauft werden.

Die britische Nichtregierungsorganisation Earthsight veröffentlichte 2024 Recherchen zum Baumwollanbau in den brasilianischen Cerrados. Die Agrarunternehmen SLC Agrícola und Grupo Horita betrieben dort Landgrabbing und zerstörten das Ökosystem in großem Stil. Die untersuchten Farmen seien aber alle BC-zertifiziert. In Brasilien, wo der Anbauverband ABRAPA das Siegel ABR vergebe, würden sich die Produzenten quasi selbst auszeichnen. Zudem seien die Standards von BC aber auch nicht ausreichend und würden nicht überprüfen, ob sich Unternehmen an lokale Gesetze zum Umwelt- und Landrechtsschutz halte. Earthsight warf BC daher Greenwashing vor bezeichnete das Zertifizierungssystem als „zutiefst fehlerhaft“. Die Handelsketten Inditex und H&M räumten daraufhin ihr Versagen ein.

Weblinks Offizielle Website Better Cotton Initiative bei der Christlichen Initiative Romero Sally Williams: How Pakistan's farmers are cleaning up cotton. Englisch. Online auf Daily Telegraph vom 27. Juni 2011.

Einzelnachweise

Kategorie:Internationaler Handel Kategorie:Globalisierungskritik Kategorie:Internationale Organisation (Genf) Kategorie:Gründung einer politischen Organisation 2005