Die FIA-Formel-E-Weltmeisterschaft (bis 2020 FIA-Formel-E-Meisterschaft) ist eine Rennserie für Formelwagen mit Elektromotor, die auf Initiative von Jean Todt ins Leben gerufen und von dem Promoter Alejandro Agag und seinem Unternehmen Formula E Holdings im Auftrag der FIA geplant wurde. Sie wird seit dem 13. September 2014 weltweit auf Stadtkursen ausgetragen.

Seit der Saison 2020/21 trägt die Serie offiziell das Weltmeisterschaftsprädikat der FIA und wird unter dem Namen ABB FIA-Formel-E-Weltmeisterschaft ausgetragen.

Fahrzeuge Erste Fahrzeuggeneration (2014–2018) mini|Weltpremiere für den Spark-Renault SRT_01E auf der IAA 2013 in Frankfurt mini|Spark-Renault SRT 01E

In der Debüt-Saison 2014/15 traten alle Teams mit dem gleichen Fahrzeug, dem Spark-Renault SRT 01E an. Die von dem Unternehmen Spark Racing Technology gebauten Fahrzeuge wurden von einem Elektromotor angetrieben, der genau wie die Elektronik der Fahrzeuge von McLaren Electronic Systems, ein Tochterunternehmen der McLaren Group, stammte und maximal 200 kW (272 PS) leistete. Die Höchstgeschwindigkeit der Fahrzeuge war auf 225 km/h begrenzt.

Die Chassis wurden von Dallara produziert. Als technischer Partner der Rennserie wurde Renault bekanntgegeben, die Batterien wurden von Williams Advanced Engineering zur Verfügung gestellt, waren 200 kg schwer und lieferten bei bis zu 1000 Volt eine maximale Energie von 28 Kilowattstunden.

Die Präsentation des Spark-Renault SRT_01E fand am 10. September 2013 im Rahmen der IAA statt.

Die Einsatzkosten der Fahrzeuge wurden begrenzt, in der Saison 2014/15 wurden die Autos den Teams gegen Abgabe eines Anteils der Sponsoreneinnahmen zur Verfügung gestellt. Chassis und die Aerodynamik der Fahrzeuge waren vorgegeben, lediglich im Bereich der Batterien und der Motoren waren Weiterentwicklungen geplant.

Die Rennserie sollte jedoch ab der zweiten Saison keine Einheitsserie mehr sein, auch andere Hersteller konnten Fahrzeuge für die Teilnahme an der Meisterschaft homologieren. Die Hersteller waren jedoch gezwungen, ihre Fahrzeuge auch mindestens zwei anderen Teams, sogenannten Kundenteams, zur Verfügung zu stellen. Das britische Unternehmen Bluebird gab frühzeitig bekannt, an einem eigenen Fahrzeug für die Formel E zu arbeiten, das von Bluebird selbst eingesetzt werden sollte. Allerdings sollten auch maximal 16 Fahrzeuge für Kundenteams gebaut werden. Allerdings wurde niemals ein Fahrzeug von Bluebird in der FIA-Formel-E-Meisterschaft eingesetzt.

Im Dezember 2014 wurde bekannt, dass mehrere Hersteller Interesse am Einstieg in die Formel E hatten, die Entwicklungsmöglichkeiten in den Bereichen Aerodynamik und Chassis jedoch auch weiterhin reglementseitig eingegrenzt werden sollten.

Im Februar 2015 gab die FIA acht Hersteller bekannt, die ab der Saison 2015/16 selbst Weiterentwicklung betreiben durften, jedoch nur an den Antriebskomponenten Motor, Inverter, Getriebe und Kühlsystem. Ab der Saison 2016/17 sollten die Hersteller dann auch die Batterien weiterentwickeln dürfen. Dies wurde jedoch später verworfen, stattdessen kommen auch weiterhin Einheitsbatterien zum Einsatz. Jeder Hersteller musste dabei jedem Team seine selbst entwickelten Komponenten für einen fest definierten Höchstpreis zur Verfügung stellen.

mini|Spark-Renault SRT_01E mit dem neu designten Frontflügel in der Saison 2016/17 Auch die Motorleistung im Rennen sollte gesteigert werden, in der zweiten Saison auf 170 kW und ab der dritten Saison auf 200 kW. Die ursprünglich für die dritte Saison vorgesehene Erhöhung der Maximalleistung auf 250 kW sowie die Erhöhung der Leistung im Rennbetrieb auf 200 kW wurde Anfang 2016 auf die Einführung der zweiten Fahrzeuggeneration in der Saison 2018/19 verschoben. Stattdessen wurde die Maximalleistung bei der Rekuperation von 100 auf 150 Kilowatt erhöht.

Zur Saison 2016/17 war ein neues Bodykit für die Fahrzeuge geplant. Die Änderungen beschränkten sich jedoch auf einen neuen Frontflügel, dessen Optik futuristischer wirken und das Fahrzeugdesign optisch somit noch weiter von anderen Formel-Fahrzeugen abheben sollte. Da die Endplatten nun mit zwei Streben an der Fahrzeugnase befestigt waren, war der Flügel zudem stabiler. In den ersten beiden Formel-E-Saisons kam es mehrmals dazu, dass die Fahrzeuge nach Berührungen die Endplatten des Frontflügels verloren.

Zweite Fahrzeuggeneration (2018–2022) mini|Spark SRT 05e in Nissan-Lackierung auf dem Genfer Auto-Salon 2018

Ende Januar 2018 wurde die zweite Fahrzeuggeneration mit dem Namen Spark SRT 05e präsentiert, die seit der Saison 2018/19 zum Einsatz kommt.

Mit der Einführung der zweiten Fahrzeuggeneration wurde die Energiemenge auf 54 Kilowattstunden gesteigert, es waren zudem keine Fahrzeugwechsel zur Rennhalbzeit mehr notwendig. Für die Herstellung der Batterien ab der Saison 2018/19 startete die FIA eine Ausschreibung, die McLaren Applied Technologies (MAT), ein Tochterunternehmen der McLaren Technology Group, gewann. MAT kooperierte bei der Entwicklung der Batterie mit den Unternehmen Sony, das die Zelltechnologie zur Verfügung stellte, und Lucid Motors, das für das Design und die Management-Software verantwortlich war.

Dritte Fahrzeuggeneration (2022–) In der Saison 2022/23 wurde die dritte Generation der Fahrzeuge eingeführt. Auch diese wurden von Spark Racing Technologies entwickelt. Die Maximalleistung der Fahrzeuge steigt auf 350 kW, außerdem sind die Rennwagen kleiner und leichter als das Vorgängermodell. Die Kapazität des Akkumulators wird verringert, dafür erhöht sich die Rekuperationsleistung auf 600 kW. Bis zu 350 kW werden an der Hinterachse zurückgewonnen, wo es zudem keine hydraulische Bremse mehr gibt. Außerdem verfügen die Autos über einen 250 kW starken Motor an der Vorderachse, der jedoch nur zur Rekuperation verwendet werden darf. Die Antriebsbatterie wird, wie schon bei der ersten Fahrzeuggeneration von WAE geliefert. Diese hat einen nutzbaren Energieinhalt von 38,5 kWh. Diese kann während eines Boxenstopps, dem sogenannten Attack-Charge, binnen 30 Sekunden mit 600 kW um 4 kWh nachgeladen werden.

Mit der Saison 2024/25 erhielt die dritte Fahrzeuggeneration ein Upgrade, mit dem angestrebt wird, die Rundenzeiten um mehrere Sekunden zu senken. Hierzu gehören u. a. Modifikationen an der Aerodynamik und am Motor. Diese Gen3 Evo genannten Fahrzeuge, soll ebenfalls für zwei Saisons eingesetzt werden. Hierbei wird erstmals während der Duellphase der Qualifikation, der Start- und Attack-Phase zusätzlich der Frontmotor mit 50 kW und 60 Nm genutzt werden.Detailanalyse: Alle Anpassungen am Sportlichen Reglement für die Formel-E-WM 2024/25 im Überblick, e-formel.de, 19. Oktober 2024, abgerufen am 9. November 2024 Die zur Verfügung stehende Gesamtleistung bleibt jedoch weiterhin bei 350 kW.Von 0 auf 100 in 1,86 Sekunden! Formel E stellt Fahrzeug-Upgrade „Gen3 Evo“ vor, e-formel.de

Zukünftige Fahrzeugentwicklung (Gen4 ab 2026/27)

Während der Saison 2025/26 wird die im November 2025 vorgestellte vierte Formel-E-Fahrzeuggeneration (Gen4) entwickelt, um ab Dezember 2026 in der Saison 2026/27 zum Einsatz zu kommen. Spark Racing Technology liefert weiterhin ein einheitliches Chassis. Für die Batterie mit 55 kWh Kapazität wurde Podium Advanced Technologies (PAT) aus Italien als Hersteller ausgewählt. Den einheitlichen Frontmotor für die 600 kW starken Fahrzeuge stellt Marelli her. Diese Antriebsleistung sowie 700 kW bei der Rekuperation soll erstmals permanent auf beide Achsen wirken dürfen und trotz nun 1012 kg Masse beim Sprint auf 100 km/h in 1,8 Sekunden einen heckgetriebenen Formel 1 deutlich distanzieren.https://racingnews365.com/breaking-formula-e-reveal-stunning-gen4-car-in-major-performance-step

Der Abtrieb und die Reifenhaftung der Gen4 soll ermöglichen, dass die von Dallara stammenden aktuellen Formel-2-Fahrzeuge übertroffen werden. Diese werden ab der FIA-Formel-2-Meisterschaft 2024 eingesetzt und haben beim FIA-Formel-2-Rennwochenende in Monaco 2024 sowie 2025 Zeiten unter 1:22 erreicht, während die F1 dort 2025 unter 1:10 fahren konnte und die Formel E unter 1:27. Die Reifen werden von Bridgestone anstatt wie vorher von Hankook bereitgestellt.

Teams

Bis einschließlich zur Saison 2017/18 waren zehn Teams zur Teilnahme zugelassen, pro Team gab es zwei Fahrer und vier Autos. Die Anzahl an Teammitarbeitern während eines Renntages ist streng begrenzt, die Teams dürfen nur zwei Renningenieure, einen Dateningenieur, vier Mechaniker und einen Teamchef haben. Kontrolliert wird diese Anzahl durch die Anzahl der Pässe, die jedem Team für den Zugang zum Fahrerlager zur Verfügung gestellt werden. Die Fahrer und das Personal, das den Motor betreut, sind hiervon ausgenommen.

Im Juli 2013 wurde eine Budgetobergrenze von zunächst 2,5 Millionen Euro pro Team bekanntgegeben, die später auf 3 Millionen US-Dollar korrigiert wurde (rund 2,2 Millionen Euro) und nur für das operative Geschäft der Teams gilt.

Ab der Saison 2018/19 wurde das Starterfeld auf maximal zwölf Teams erweitert.

Reifen Alle Reifen der Formel-E-Fahrzeuge stammen von einem Einheitslieferanten, für die Debüt-Saison konnte Michelin als Lieferant gewonnen werden. Es handelt sich bei den Reifen jedoch nicht um Slicks, sondern, dem Nachhaltigkeitsgedanken der Formel E folgend, um profilierte Allwetterreifen.

Anders als zu dieser Zeit in der Formel-1-Weltmeisterschaft wurden in der Formel E von Beginn an Niederquerschnittsreifen verwendet, die Räder haben einen Durchmesser von 18 Zoll. Jeder Fahrer verfügte in den Anfangsjahren dabei über fünf neue Vorder- und Hinterreifen pro Renntag, mit denen er das freie Training, das Qualifying und das Rennen bestreiten musste.

Im September 2015 beschloss die FIA, den Vertrag mit Einheitsreifenlieferant Michelin bis zur Saison 2018/19 zu verlängern. Zur Saison 2016/17 entwickelte Michelin einen neuen Reifen, der im Vergleich zum Reifen der beiden Vorsaisons schneller die benötigte Reifentemperatur erreichte und mehr Haftung bot. Der Rollwiderstand wurde dabei um 16 Prozent gesenkt, außerdem wurde der gesamte Reifensatz um fünf Kilogramm leichter. Neuer Reifenlieferant ab der Saison 2022/23 war Hankook, seit der Saison 2025/26 werden die Reifen von Bridgestone geliefert.

Stromerzeugung Die Betreiber setzen zur schadstoffarmen Stromerzeugung ihre eigenen Generatoren ein, welche auf Glycerin als Treibstoff umgerüstet wurden. Es wird kein lokaler Ökostrom verwendet.

Strecken

mini|Berlin E-Prix

Die in Anlehnung an die Formel-1-Grands-Prix E-Prix (Schreibweise bis 2016/17: ePrix) genannten Rennen finden auf Stadtkursen in Großstädten statt, eine Strecke soll 2,5 bis 3 Kilometer lang sein.

Im September 2013 veröffentlichte die FIA den provisorischen Rennkalender für die Saison 2014/2015, der endgültige Kalender mit zehn Veranstaltungen wurde im Dezember 2013 bekanntgegeben. Für die Folgesaisons war eine Erweiterung des Kalenders um jeweils zwei Rennen geplant.

Der Berlin ePrix 2015 fand auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof statt und war damit das erste Rennen, das nicht auf einem Straßenkurs ausgetragen wurde. 2016 wurde mit dem Mexiko-Stadt ePrix 2016 außerdem erstmals ein Lauf der Rennserie auf einer permanenten Rennstrecke (wenn auch mit modifizierter Streckenführung) ausgetragen.

Rennelemente

Pit Boost Seit 2025 werden die Rennwagen bei einem Boxenstopp nachgeladen. Der Ladevorgang dauert 30 Sekunden. Dabei wird mit 600 kW 10 Prozent der Energie des Akkus nachgeladen, d. h. 3,85 kWh. Die Standzeit beträgt 34 Sekunden. Somit bleiben 4 Sekunden für Einstecken und Abziehen des Ladesteckers.

Attack-Mode

Der Attack-Mode ist ein taktisches Element, das die Maximalleistung des Motors für eine kurze Zeit erhöht. Um den Attack-Mode zu erhalten, muss das Fahrzeug durch die Attack-Zone fahren und alle drei Aktivierungsstreifen treffen. Die Attack-Zone ist ein Bereich auf der Rennstrecke, der abseits der eigentlichen Rennlinie liegt.

Fanboost