Die Oblast Cherson ( ; ) ist eine von 25 Verwaltungseinheiten (Oblaste der Ukraine) im Süden der Ukraine. Sie hat 1.016.707 Einwohner (Anfang 2021).

Geographie Die südliche Grenze der Oblast bildet im westlichen Teil das Schwarze Meer, die Landenge von Perekop verbindet die Oblast mit der Krim. Im Osten davon bildet der Sywasch ein filigranes Geflecht von Wasserflächen, Inseln und Halbinseln als Übergang zum Asowschen Meer. Über die Halbinsel Tschonhar bestehen weitere Verkehrsverbindungen zur Krim. Die Oblast grenzt im Westen an die Oblast Mykolajiw, im Norden an die Oblast Dnipropetrowsk und im Osten an die Oblast Saporischschja.

Durchflossen wird die Oblast vom teilweise angestauten Dnepr, der sich ab Cherson in einem breiten, mit Inseln durchsetzten Delta fortsetzt, bevor er über den Dnepr-Bug-Liman ins Schwarze Meer abfließt. Vom Dnepr zweigt der Nord-Krim-Kanal ab, der den Süden der Oblast – und bis 2014 die Halbinsel KrimУкраїна перекрила канал надходження води до Криму, epravda.com.ua, 26. April 2014 (ukrainisch) – mit Wasser versorgt. Internationale Bekanntheit besitzt das in der Oblast liegende Naturschutzgebiet Askanija-Nowa mit seiner natürlichen Steppenvegetation. Mit den Oleschky-Sanden befindet sich das größte Wüstengebiet der Ukraine in der Oblast. Im Südosten der Oblast befindet sich im Asowschen Meer die Byrjutschyj-Insel.

mini|hochkant|Sitz der Verwaltung der Oblast Cherson

Größte Städte Hauptstadt der Oblast ist die gleichnamige am Nordufer des Dnepr gelegene Stadt Cherson.

Stadt Ukrainischer Name Russischer Name Einwohner1. Januar 2021 Cherson Херсон Херсон 283.649 Nowa Kachowka Нова Каховка Новая Каховка 45.069 Kachowka Каховка Каховка 35.400 Oleschky Олешки Алёшки 24.383 Henitschesk Генічеськ Геническ 19.253 Skadowsk Скадовськ Скадовск 17.344 Hola Prystan Гола Пристань Голая Пристань 13.760 Antoniwka Антонівка Антоновка 12.697 Beryslaw Берислав Берислав 12.123 Nowotrojizke Новотроїцьке Новотроицкое 10.627 Tawrijsk Таврійськ Таврийск 10.250 Nowooleksijiwka Новоолексіївка Новоалексеевка 10.080 Tschaplynka Чаплинка Чаплинка 9.539 Biloserka Білозерка Белозерка 9.364 Kalantschak Каланчак Каланчак 9.124 Welyka Lepetycha Велика Лепетиха Великая Лепетиха 7.830 Komyschany Комишани Камышаны 6.771 Nowa Majatschka Нова Маячка Новая Маячка 6.685 Welyka Oleksandriwka Велика Олександрівка Великая Александровка 6.487 Quellen: Ukrainisches Amt für Statistik, S. 42, 43. und Sekundärquelle City Population

Geschichte Die Oblast wurde am 30. März 1944 gebildet.Указ Президиума ВС СССР от 30.03.1944 об образовании Херсонской области в составе Украинской ССР Das Gebiet gehörte zuvor zur Oblast Mykolajiw und zur Oblast Saporischschja. Bis 1920 hatte das Gebiet nördlich des Dnepr dem Gouvernement Cherson, der südliche Teil dem Gouvernement Taurien angehört.

Im Jahr 1991 wurde die damals zur USSR und zur UdSSR gehörende Oblast nach dem Referendum über die Unabhängigkeit der Ukraine Staatsgebiet der Ukraine. In diesem Referendum stimmten von den Wählern in der Oblast Cherson 7 % gegen und 90 % für die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion.

Im Rahmen des russischen Überfalls auf die Ukraine 2022 wurde ein großer Teil des Gebiets von russischen Truppen besetzt. Für den Mai 2022 wurde von den Besatzern in den besetzten Teilen des Oblasts die Einführung des russischen Rubels als neue Währung angekündigt. Das Gebiet wurde außerdem vom ukrainischen Internet abgetrennt und stattdessen mit russischer Infrastruktur verbunden. Die Besatzer beschlagnahmten Farmen, verkauften das Getreide in bedürftige LänderDiese Länder nehmen gestohlenen ukrainischen Weizen ab. Capital, 17. Juli 2022. und zwangen die Arbeiter, für sie zu arbeiten, dazu kamen Geiselnahmen zur Erpressung von Lösegeld. Bis zu einer halben Million Tonnen Getreide wurde in Richtung Krim abtransportiert. Dazu kommen Zehntausende Tonnen Sonnenblumenöl sowie Landwirtschaftsmaschinen und Dünger wie auch Agrarchemikalien. Hohe Militärs und Silowiki seien in diese Schiebereien verwickelt gewesen. Verkäufe ins Ausland haben dank Interventionen der Ukraine teils verhindert werden können, womit die gestohlene Ware innerhalb Russlands verkauft werden würde. Teile des Landes konnten nicht bewirtschaftet werden, da die Bewässerung nicht aufrechterhalten wurde. Gewisse Gemeinden erwirtschafteten vor dem Krieg bis zu 70 Prozent ihrer Einnahmen durch Verpachtung von Land. Die Region werde ohne die in den letzten Jahren entwickelte moderne Landwirtschaft um Jahrzehnte zurückgeworfen. Es werde unter den Russen nicht einmal Ersatzteile für die modernen Traktoren geben.Империя злака, Nowayagazeta.eu, 15. Mai 2022. Nach erfolgreicher Intervention lieferte die Ukraine wieder zuverlässig an kapitalstarke Länder.Wohin verkauft die Ukraine ihr Getreide? – nicht nach Afrika. Agrarheute, 30. August 2022.

Am 30. September 2022 verkündete der russische Präsident Wladimir Putin nach einem am 27. September 2022 beendeten Scheinreferendum die Annexion der Oblast Cherson, einschließlich der nicht von russischen Truppen besetzten Gebiete.Russlands Annexion ukrainischer Gebiete und die Folgen. deutschlandfunk.de, 15. Oktober 2022.

Nach wochenlangen Kämpfen bat Sergei Surowikin Verteidigungsminister Schoigu in einem am 8. November 2022 veröffentlichten Video um den Befehl zum Rückzug vom rechten Ufer des Dnipro. Dem Ersuchen wurde stattgegeben, und Russland begann mit dem Abzug seiner übrig gebliebenen Truppen vom Nordufer des Dnepr.Abzug russischer Truppen: Russland räumt Cherson. taz. Am 11. November 2022 hatte Russland den Rückzug abgeschlossen.Jubel nach russischem Abzug. orf. Innerhalb weniger Tage erlangte die Ukraine knapp 5.000 km² ihres Gebietes in den Oblasten Cherson und Mykolajiw zurück.

Am frühen Morgen des 6. Juni 2023 wurde der in der Oblast liegende Kachowka-Staudamm zerstört. Dies führte zu einer gewaltigen Überschwemmung entlang des Dnipros südlich des Staudamms. Noch am selben Tag wurden erste Betroffene u. a. mit Zügen evakuiert. In Teilen der Stadt Cherson soll das Wasser bis zu 3,5 m hoch gestanden haben.

Administrative Unterteilung Die Oblast Cherson ist verwaltungstechnisch in fünf Rajone unterteilt; bis zur großen Rajonsreform am 18. Juli 2020 war sie in 18 Rajone sowie 4 direkt der Oblastverwaltung unterstehende (rajonfreie) Städte unterteilt. Dies waren die Städte Hola Prystan, Kachowka, Nowa Kachowka sowie das namensgebende Verwaltungszentrum der Oblast, die Stadt Cherson.

Rajone der Oblast Cherson mit deren Verwaltungszentren

Rajone der Oblast Cherson Deutsche Bezeichnung Ukrainische Bezeichnung Verwaltungszentrum Weitere frühere (bis 2020) Rajonzentren und rajonfreie StädteRajon BeryslawБериславський районBeryslawskyj rajonBeryslaw(Stadt)Nowoworonzowka, Welyka Oleksandriwka, WyssokopilljaRajon ChersonХерсонський районChersonskyj rajonCherson(Stadt)Biloserka, OleschkyRajon HenitscheskГенічеський районHenitscheskyj rajonHenitschesk(Stadt)Iwaniwka, Nyschni Sirohosy, NowotrojizkeRajon KachowkaКаховський районKachowskyj rajonKachowka(Stadt)Hornostajiwka, Nowa Kachowka, Tschaplynka, Welyka Lepetycha, Werchnij RohatschykRajon SkadowskСкадовський районSkadowskyj rajonSkadowsk(Stadt)Hola Prystan, Kalantschak

Bis 2020 gab es folgende Rajonsaufteilung: mini|hochkant=1.5|Karte der Rajone und rajonfreien Städte der Oblast bis 2020 Rajone der Oblast Cherson bis 2020 Deutsche Bezeichnung Ukrainische Bezeichnung Verwaltungszentrum 2020 (überwiegend) aufgegangen inRajon BeryslawБериславський районBeryslawskyj rajonBeryslaw(Stadt)Rajon BeryslawRajon BiloserkaБілозерський районBiloserka rajonBiloserka(Siedlung städtischen Typs)Rajon ChersonRajon HenitscheskГенічеський районHenitscheskyj rajonHenitschesk(Stadt)Rajon HenitscheskRajon Hola PrystanГолопристанський районHoloprystanskyj rajonHola Prystan(Stadt)Rajon SkadowskRajon HornostajiwkaГорностаївський районHornostajiwskyj rajonHornostajiwka(Siedlung städtischen Typs)Rajon KachowkaRajon IwaniwkaІванівський районIwaniwskyj rajonIwaniwka(Siedlung städtischen Typs)Rajon HenitscheskRajon KalantschakКаланчацький районKalantschazkyj rajonKalantschak(Siedlung städtischen Typs)Rajon SkadowskRajon KachowkaКаховський районKachowskyj rajonKachowka(Stadt)Rajon KachowkaRajon Nyschni SirohosyНижньосірогозький районNyschnjosirohoskyj rajonNyschni Sirohosy(Siedlung städtischen Typs)Rajon HenitscheskRajon NowoworonzowkaНововоронцовський районNowoworonzowskyj rajonNowoworonzowka(Siedlung städtischen Typs)Rajon BeryslawRajon NowotrojizkeНовотроїцький районNowotrojizkyj rajonNowotrojizke(Siedlung städtischen Typs)Rajon HenitscheskRajon OleschkyОлешківський районOleschkiwskyj rajonOleschky(Stadt)Rajon ChersonRajon SkadowskСкадовський районSkadowskyj rajonSkadowsk(Stadt)Rajon SkadowskRajon TschaplynkaЧаплинський районTschaplynskyj rajonTschaplynka(Siedlung städtischen Typs)Rajon KachowkaRajon Welyka LepetychaВеликолепетиський районWelykolepetyskyj rajonWelyka Lepetycha(Siedlung städtischen Typs)Rajon KachowkaRajon Welyka OleksandriwkaВеликоолександрівський районWelykooleksandriwskyj rajonWelyka Oleksandriwka(Siedlung städtischen Typs)Rajon BeryslawRajon Werchnij RohatschykВерхньорогачицький районWerchnjorohatschyzkyj rajonWerchnij Rohatschyk(Siedlung städtischen Typs)Rajon KachowkaRajon WyssokopilljaВисокопільський районWyssokopilskyj rajonWyssokopillja(Siedlung städtischen Typs)Rajon Beryslaw

Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung Die Oblast wurde im Jahr 1944 gegründet und besteht seither in unverändertem Umfang. Bis 1993 gab es ein stetiges Wachstum (Höchststand 1. Januar 1994 1.282.200 Personen). Seither nimmt die Einwohnerschaft ständig ab. Die städtische Bevölkerung sank seit 1989 um 17,68 %, die Zahl der Bewohner auf dem Land nahm im gleichen Zeitraum um 18,53 % ab. Seit der Jahrtausendwende verlor der Oblast rund 189.000 Bewohner oder 15,67 % der Bevölkerung.

rot: Volkszählungen in der Sowjetunion (bis 1989) und der Ukraine (2001); grün: Schätzungen des Ukrainischen Statistisches Amtes; Stichtag: jeweils 1. Januardatabase.ukrcensus.gov.ua

Volksgruppen Die Ukrainer stellten bei der letzten Volkszählung 2001 in allen Städten und Rajons eine deutliche Bevölkerungsmehrheit. Ihr Bevölkerungsanteil schwankte zwischen 76,5 % in der Stadt Cherson und 92,5 % im Rajon Welyka Oleksandriwka. Russische Minderheiten leben vorwiegend in den Städten und den städtischen Vororten.

JahrUkrainerRussenBelarussenTatarenArmenierMoldauerTürkenKrimtatarenTotalZahl%Zahl%Zahl%Zahl%Zahl%Zahl%Zahl%Zahl%Zahl%2001961.58482,00 %165.21114,09 %8.1860,70 %5.3530,46 %4.5480,39 %4.1790,36 %3.7360,32 %2.0720,18 %1.172.689100,00 %Quelle: Ergebnis der Volkszählung 20012001.ukrcensus.gov.uaBevölkerung nach Volksgruppen nach der Volkszählung 2001

Im Jahr 2001 war die Anzahl der Ukrainer nur unwesentlich höher als 1989. Durch den zwischen den Volkszählungen erfolgten Bevölkerungsrückgang stieg der Anteil der Ukrainer allerdings deutlich. Der Anteil der Russen, Belarussen, Moldauer und Krimtataren ist seit 1989 erheblich gesunken, während der Anteil der Tataren, Türken und Armenier deutlich gestiegen ist.2001.ukrcensus.gov.ua

Nationalität 1989 (%) 2001 (%) Veränderung (%) Ukrainer 75,782,0 +2,6 % Russen 20,2 14,1 −33,8 % Belarussen 1,0 0,7 −35,2 % Tataren 0,2 0,5 +150 % Armenier 0,1 0,4 +280 % Moldauer 0,5 0,4 −25,6 % Türken 0,0 0,3 – Krimtataren 0,5 0,2 −63,8 %

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