Die Straßenbahn Turin ist einer der Hauptträger des öffentlichen Nahverkehrs in der norditalienischen Großstadt Turin, der Hauptstadt des Piemont. Sie wird heute von der Gruppo Torinese Trasporti (GTT) betrieben.
Turin besitzt das älteste Straßenbahnnetz in Italien, die erste Pferdebahn verkehrte bereits im Jahr 1871.http://www.tramditorino.it/storia_tram_1.htmhttp://www.tramditorino.it/storia_tram.htm
Das Netz besitzt eine Streckenlänge von 91 KilometernUrbanRail.Net – Torino, während die Gleislänge etwa 220 Kilometer beträgt.http://www.tramditorino.it/rete.htmhttp://www.tramditorino.it/storia_tram.htm
In der Straßenbahn gilt der Verbundtarif der Agenzia per la Mobilità Metropolitana e Regionale, der auch bei der U-Bahn, der S-Bahn sowie dem Stadt- und Regionalbusverkehr angewendet wird.
Überblick mini|hochkant|links|Straßenbahn auf der Via Po mini|Historische Wagen der Turiner Straßenbahn mini|Historischer Wagen bei einem Stadtteilfest mini|Haltestelle Sassi, Zahnradbahn Sassi–Superga
Das Straßenbahnnetz wird von 9 Linien befahren, die 11 verschiedene Linienwege besitzen, da einige Linienbezeichnungen für verschiedene Strecken benutzt werden: Dies gilt für die beiden Ringlinien um das Stadtzentrum, die 16 CD und die 16 CS – wobei CS für Circolare Sinistra (Ring gegen den Uhrzeigersinn) und CD für Circolare Destra (Ring im Uhrzeigersinn) steht – und die Linien zum Stadion der Juventus. Auch die Zahnradbahn Sassi–Superga, die den gleichnamigen Hügel auf einer Höhe von 672 Meter über dem Meeresspiegel erschließt, gehört zum Turiner Straßenbahnnetz.
Das Netz umfasst eine Gleislänge von 220 Kilometern (von denen 100 Kilometer auf eigenem Gleiskörper verlaufen) mit 470 Kilometern Erdkabeln, 696 Weichen (davon 195 funkferngesteuert) und 175 Ampeln mit Vorrangschaltung. Der Wagenpark der Turiner Straßenbahn ist weltweit einer der vielfältigsten. Im planmäßigen Betrieb verkehren Züge mit zum Teil sehr wertvollen historischen Fahrzeugen. Die Zahnradbahn Sassi-Superga verkehrt sogar mit Wagen aus dem Jahr 1884, die wie die gesamte Turiner Flotte sorgfältig restauriert wurden.
Die ATTS (Associazione Torinese Tram Storici, dt. Turiner Verein für historische Straßenbahnen) erhält gemeinsam mit der GTT Fördermittel der italienischen Regierung zum Fahrzeugerhalt, da die Straßenbahn als ökologisches Verkehrsmittel und kulturelles Erbe eine große Bedeutung für die Stadt besitzt. Jedes Jahr richtet die ATTS das Torino Trolley Festival aus, das erste und einzige Fest historischer und aktueller Straßenbahnen in seiner Art in Italien.
Aktuelles Liniennetz Stadtlinien Das Liniennetz umfasst zehn Linien, von denen die Linie 16 aus zwei Ringlinien (16 CS links, 16 CD rechts) und die Linie 9 aus einer Stammlinie und einer gestrichenen Linie (9, 9/) bestehthttp://www.tramditorino.it/rete.htmhttp://www.tramditorino.it/situazione_linee.htm: Linie Linienweg Länge Bemerkungen Piazza Hermada ↔ Piazzale Vallette 9,1 km Strada del Drosso ↔ Via delle Querce 17,8 km Piazza Castello ↔ Bahnhof Porta Nuova ↔ Piazza Castello 6,9 km Ringlinie mit historischen Fahrzeugen, verkehrt an Samstagen, Sonn- und Feiertagen sowie während der Weihnachtsferien Piazza Stampalia ↔ Corso Massimo D’Azeglio 9,4 km Piazza Bernini ↔ Juventus Stadium 5,5 km verkehrt nur bei Veranstaltungen in der Juventus Arena Piazza Statuto ↔ Corso Settembrini / Piazza Caio Mario 9,3 km aufgrund von Bauarbeiten für den Eisenbahntunnel Passante Ferroviario verkürzt Piazza Campanella ↔ Piazza Gran Madre 6,7 km Via Brissogne ↔ Piazza Coriolano 11,5 km Piazza Sabotino ↔ Via Rossini ↔ Piazza Sabotino 12 km Ringlinie im Gegenuhrzeigersinn Piazza Sabotino ↔ Via Rossini ↔ Piazza Sabotino 12 km Ringlinie im Uhrzeigersinn Piazza Gustavo Modena ↔ Basilica di Superga 3,1 km Zahnradbahn Sassi–Superga Die Linie 18 verkehrt zurzeit im Schienenersatzverkehr, da Bauarbeiten für die U-Bahn Turin einige Gleisabschnitte in der Via Nizza unerreichbar machen.
Bei Veranstaltungen im Stadio delle Alpi wurden einige Fahrten der Linien 3 und 9 in Richtung des Stadions umgeleitet. Später wurden diese Fahrten aufgegeben und durch eine Einsatzlinie 9/ auf ähnlichem Weg wie die Linie 9, aber in südlicher Richtung auf dem Corso Maroncelli verlängert und umgeleitet über den Bahnhof Porta Susa, der von der Linie 9 sonst nicht bedient wird. In der Zeit, als das Stadio delle Alpi abgerissen wurde, verkehrte die Linie 9/ nicht. Nach der Eröffnung der neuen Juventus Arena an gleicher Stelle am 8. September 2011 wurde die Linie 9/ mit dem Verlauf Piazza Bernini (Umsteigemöglichkeit zur U-Bahn-Linie M1) ↔ Juventus Stadium (nach Spielende sind die Fahrten bis zum Bahnhof Porta Nuova verlängert) wieder eingerichtet. Die Linie verkehrt ausschließlich bei Sportveranstaltungen im neuen Stadion.
Metrotranvia Die Linien 3 und 9 wurden in den 1980er Jahren als Metrotranvia (dt. Stadtbahn) errichtet. Heute werden sie als Straßenbahnlinien auf vollständig eigenem Gleiskörper bezeichnet. Auf diesen Linien werden Niederflurbahnen der Serien 5000 und 9000 eingesetzt.
Die Linie 4 hat eine ähnliche Charakteristik wie die Linie 3, jedoch werden andere Fahrzeuge eingesetzt. Auch die Linie 4 verfügt zum Großteil über einen eigenen Gleiskörper und erreicht so eine höhere Reisegeschwindigkeit. Auf dieser Linie verkehren Wagen der Serie 6000.
Geschichte Von der Eröffnung bis zur Nachkriegszeit mini|links|Pferdebahnen auf der Piazza Castello, Ende des 19. Jahrhunderts mini|Pferdebahn auf der Piazza San Carlo, Ende des 19. Jahrhunderts mini|Zahnradbahn Sassi-Superga in den ersten Betriebsjahren
In der Zeit des Risorgimento verkehrten seit 1845 bereits zwei Pferdeomnibus-Linien in Turin. Die erste Konzession für Pferdestraßenbahnen wurde im Jahr 1871 erteilt. Die Société Belge-Turinoise de Tramways (Sbt) baute mit belgischem Kapital in wenigen Jahren ein Netz von neun Linien auf. Im Jahr 1891 wurde mit der Società Torinese di Tramways e ferrovie economiche (Stt) eine weitere Gesellschaft gegründet, die drei neue Linien eröffnete. Ab dem Jahr 1893 wurden die Strecken elektrifiziert und zum Ende des Jahrhunderts war die Elektrifizierung abgeschlossen. In dieser Zeit fusionierten Sbt und Stt. Außerdem erhielt eine dritte Gesellschaft, die Società Anonima Elettricità Alta Italia (Saesi), die Konzession zum Bau neuer Strecken. Im Jahr 1901 wurde das Halten auf Zuruf abgeschafft und feste Haltestellen eingeführt. Die Gesellschaft Saesi wurde im Jahr 1907 kommunalisiert. Nachdem 1922 das Netz der Sbt-Stt eingegliedert wurde, wurde als einheitliche Betreibergesellschaft die Azienda Tranviaria Municipale gegründet. Bis zur Integration der Netze dauerte es jedoch noch eine Zeit, da die Sbt-Stt ein unabhängiges Streckennetz besaß, eigene Fahrzeuge einsetzte und zur Linienkennzeichnung Buchstaben statt Ziffern verwendete. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs stoppte die weitere Entwicklung und die Bombardierung der Stadt führte zu Einschränkungen des Straßenbahnverkehrs.
Von 1949 bis Mai 1982 Im Jahr 1949 erreichte das Netz der Turiner Straßenbahn mit 23 Linien seine größte Ausdehnung. In den 1950er Jahren wurden trotz eines starken Anstiegs der Turiner Bevölkerung sechs Linien stillgelegt. In der gleichen Zeit wurden jedoch auch die ersten Gelenktriebwagen mit einer Länge von mehr als 18 Metern (Serie 2700) eingesetzt. In den 1960er Jahren geriet die Straßenbahn durch die Massenmotorisierung ins Hintertreffen und weitere sechs Linien wurden mit der Linienreform von 1966 eingestellt. Aufgrund der Ölkrise 1973 kam es in der folgenden Dekade zu einer leichten Erholung. mini|Netzplan vor Mai 1982 Vor der Netzreform vom 2. Mai 1982 wurden nahezu alle Stadtteile von den 14 Straßenbahnlinien erschlossen.
Folgende Linien verkehrten vor dem 2. Mai 1982:
1 Via Catania – Corso Settembrini (1953–1982)1/ Corso Regio Parco – Corso Tazzoli (1961–1982)2 Piazza Campanella – Piazza Toselli (1929–1982)3 Largo Gottardo – Via Brissogne (1898–1982) 4 Via Crevacuore – Piazza Gran Madre (1924–1982) 5 Via Fattori – Piazza Coriolano (1901–1982) 6 Via Fidia – Piazza Castello (1924–1982) 7 Piazza della Repubblica – Piazza Coriolano (1975–1982) 8 Via Paroletti – Piazza Caio Mario (1914–1982) 9 Via Massari – Corso Sebastopoli (1925–1982)10 Largo Gottardo – Corso Tazzoli (1912–1982)15 Largo Gottardo – Corso Maroncelli (1924–1982)16 Piazza della Repubblica (Ringlinie) (1924–1982)19 Via Amati (Venaria Reale) – Piazza Galimberti (1925–1982)
Seit Mai 1982 mini|Wagen der Serie 2800 mini|Wagen der mittlerweile verschrotteten Serie 7000 in aktueller Farbgebung (2009)
Einige Linien verkehrten vor der Linienreform vom Mai 1982 teilweise auf gemeinsamen Streckenabschnitten, z. B. die Linien 2 und 4 im Stadtteil Parella, die Linien 3, 10 und 15 im Stadtteil Barriera di Milano, die Linien 3 und 5 im Stadtteil San Paolo und die Linien 5 und 7 im Stadtteil Vanchiglia. Ein Ziel der Linienreform war es, auf jeder Strecke nur noch eine Linie verkehren zu lassen. Außerdem wurden kürzere Linien zu Durchmesserlinien vereinigt. So vereinigte die Linie 18 die Linienwege der alten Linien 1 und 8. Insgesamt wurde die Netzreform von den Fahrgästen kritisiert, auch weil Buslinien verändert oder eingestellt wurden.
Das heutige Netz basiert auf dieser Reform, die auf den damaligen Verkehrsdezernenten Rolando zurückgeht. Der Plan sah die Einrichtung einer Metropolitana leggera (dt.: Stadtbahn) auf den Linien 1 bis 5 vor, die die Hauptlinien des Netzes mit langen Abschnitten auf eigenem Gleiskörper bilden sollten. Diese sollten von herkömmlichen Straßenbahnlinien (10, 13, 14, 15, 16 Ring, 17 und 18) ergänzt und somit ein gitterförmiges Netz erreicht werden, das Überlagerungen mit anderen Linien vermied und höhere Reisegeschwindigkeiten erreichte.
Von diesem Plan wurde zunächst nur die Linie 3 umgesetzt, während die Linien 2 und 5, die zunächst von Omnibussen bedient wurden, nicht gebaut wurden. Auch die Straßenbahnstrecken für die Linien 14 und 17 wurden nicht gebaut. In den folgenden Monaten wurde die Linie 12 eingerichtet, die die Lücken schloss, die durch die Einstellung der Linien 9 und 19 entstanden waren. Diese Linie wurde dann in die Linien 11 und 12 geteilt und im Jahre 1998 stillgelegt.
Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 1990 wurde die Linie 9 gebaut, die die gleichen Parameter wie die Linie 3 besitzt. Sie verbindet das Messegelände mit dem Stadtteil Lanzo einschließlich eines Abzweigs zum Juventus Stadium (ehemals Stadio delle Alpi). Zwischen 2002 und 2007 wurde die Linie 9 aufgrund von Bauarbeiten für die U-Bahn-Linie M1 im Schienenersatzverkehr betrieben. Seit der Wiedereröffnung können Straßenbahnwagen der Serie 7000 auf dieser Strecke nicht mehr eingesetzt werden.
In den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts wurde die Linie 4 um etwa 10 Kilometer auf 18 Kilometer verlängert. Der Großteil der Neubaustrecke verläuft auf eigenem Gleiskörper.
Im Jahr 2002 wurde die Linie 1 aufgrund von Bauarbeiten für die U-Bahn stillgelegt. Seit dem Jahr 2007 ist die Linie 1 durch die U-Bahn ersetzt. Im Jahr 2007 haben die Bauarbeiten die Via Nizza erreicht, deshalb ist seitdem auch die Linie 18 außer Betrieb.
Seit dem Jahr 2002 verkehrt in der Adventszeit und an den ökologischen Sonntagen (Domeniche ecologiche) die Linie 13/ mit historischen Fahrzeugen, die dem Linienweg der Linie 13 auf der Strecke Statuto – Gran Madre folgt. Diese Linie verkehrte auch während der Olympischen Winterspiele 2006.
Aufgrund der Bauarbeiten für den S-Bahn-Tunnel Passante Ferroviario wurde die Linie 10 ab August 2006 um den Abschnitt Porta Susa – Via Massari verkürzt und endete seitdem am Rondò della Forca. An Sonn- und Feiertagen verkehrte die Linie 10 nicht mehr. Im Jahr 2011 wurde die nördliche Endstelle zur Piazza Statuto verlegt und im September 2012 wurde die Linie in südlicher Richtung längs des Corso Settembrini verlängert.