mini|Wappen der Familie Manfredi Die Manfredi waren ein italienisches Adelsgeschlecht, das sich auf eine deutsche Herkunft berief, bereits Mitte des 11. Jahrhunderts urkundlich auftritt, über 400 Jahre in Faenza, einer in der Romagna gelegenen Stadt als Patrizier und Führer der papstfreundlichen Partei der Guelfen eine führende Rolle gespielt hat und diese Stadt nach langem Ringen mit Rivalen aus der Partei der kaiserfreundlichen Ghibellinen mit kurzen Unterbrechungen von 1313 bis 1503 beherrscht hat. Dies anfangs als gewählte Volksvertreter mit dem Titel Capitano del Popolo und später mit dem Titel „Signore Sovrano“ (unmittelbarer Herr) und Vikar des Papstes. Seit Beginn des 15. Jahrhunderts trugen die Manfredi auch den Titel „Graf von Brisighella und von Val di Lamone“. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten haben die Manfredi auch wesentlich zur kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung von Faenza beigetragen, wo heute insbesondere der von ihnen neu erbaute Dom an sie erinnert.

Herkunft Wie bei allen alten Familien gibt es auch bezüglich der Manfredi verschiedene Legenden über die Herkunft der Familie, deren Extreme auf schmeichlerische Anhänger oder auf Gegner der Familie zurückgehen, die das Ansehen der Familie herabmindern wollten. Zur ersten Gruppe zählt die Behauptung, die Manfredi wären byzantinischen Ursprunges und wären aus Konstantinopel nach Faenza gekommen. Dazu gibt es jedoch nicht den geringsten Hinweis. Zum anderen Extrem zählt die Legende, wonach ihr Stammvater ein Bader aus Reggio nell’Emilia gewesen wäre, wofür es gleichfalls keine brauchbaren Hinweise gibt. Etwas wahrscheinlicher ist die These einer langobardischen Herkunft, für die zwar keine direkten Beweise vorliegen, für die jedoch der Umstand sprechen könnte, dass der Name der Familie und der Wahlspruch „Wenn ich mach“ germanischen Ursprungs sind.Wolfgang Kuhoff: Manfredi. In: Volker Reinhardt (Hrsg.): Die großen Familien Italiens. Kröner, Stuttgart 1992, ISBN 3-520-48501-X, S. 331 (= Kröners Taschenausgabe, Band 485).

Gewiss ist, dass die Familie urkundlich in Faenza bereits im 11. Jahrhundert mit Manfredo di Guido urkundlich auftritt, der, als er vor dem 7. Mai 1050 verstarb, zu den angesehensten Bürgern der Stadt Faenza zählte.

Geschichte Aufstieg aus dem Patriziat zur Herrschaft Die Familie der Manfredi zählte zum adeligen Patriziat der Stadt Faenza und verfügte früh über erhebliches Vermögen, da Guido di Alberigo Manfredi († nach 1174) in der Lage war, Kaiser Friedrich I. Barbarossa anlässlich seines Besuches in Faenza im Palazzo der Familie zu beherbergen. Mitglieder der Familie übten frühzeitig auch öffentliche Funktionen in der Stadt aus, da etwa Enrico di Alberigo Manfredi 1167 als Botschafter der Stadt zu Kaiser Friedrich Barbarossa entsandt wurde und 1185 als „Konsul“ der Stadt aufscheint. Dessen Sohn Alberico di Enrico Manfredi war 1211 Podestà der Stadt Faenza. Die Familie beschränkte sich jedoch nicht auf die Rolle des städtischen Patriziats, sondern erwarb auch umfangreichen Besitz an Landgütern, wobei Brisighella, Quarneto und Baccagno zu den schon im 13. Jahrhundert erworbenen ältesten Besitzungen zählen. Mit der Entwicklung politischer Ambitionen wurde die Familie zwangsweise Teil der internen Parteikämpfe in Italien, wo abwechselnd die kaisertreuen Ghibellinen oder die papsttreuen Guelfen die Oberhand hatten, je nachdem, wie erfolgreich die römisch-deutschen Könige, die in unregelmäßigen Abständen nach Italien zogen, bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche waren. Die Manfredi stellten mit Alberico di Guido Manfredi († 1145) bereits im 12. Jahrhundert einen der führenden Vertreter der papsttreuen Guelfen und blieben dieser Tradition treu. Dies hatte zur Folge, dass sie in Faenza regelmäßig mit der ghibellinischen Gegenpartei in Konflikt gerieten, deren wichtigste Vertreter die Familie der Accarisi war, was zu einer nicht enden wollenden gegenseitigen Vendetta ausartete, die nicht nur einzelnen Mitgliedern der Familie – wie etwa Enrico di Alberigo Manfredi († 1257) – das Leben kostete, sondern zu mehrfacher Vertreibung der Manfredi aus der Stadt führte.Wolfgang Kuhoff: Manfredi. S. 332

Herrschaft über Faenza mini|Astorre Manfredi di Mino da Fiesole (1455, National Gallery of Art, Washington D.C.) Die geschickte Ausnutzung dieser Umstände ermöglichte es Francesco I. Manfredi im Jahre 1313 durch Volkswahl in Faenza mit dem Titel „Capitano del Popolo“ mit demokratischen Mitteln an die Macht zu kommen. Die Abhängigkeit vom schwankenden Wohlwollen der Bevölkerung erschien ihm jedoch als keine stabile Grundlage einer dauerhaften Herrschaft, weshalb er sich dort – ohne jede päpstliche oder kaiserliche ErmächtigungVeniero Casadio Strozzi et al.: Faenza nell’età dei Manfredi. S. 18. – 1319 zum „Signore Sovrano“ (d. h., zum unmittelbaren, nur dem Papst unterstehenden Herren, der keiner Wahl mehr bedarf) in Faenza und Imola ausrufen ließ. Francesco I. Manfredi begründete damit die Herrschaft seiner Familie über die Stadt Faenza, die – mit Unterbrechungen – bis 1503 dauern sollte. Mit der Übernahme der Macht in Faenza verstärkte sich jedoch die Abhängigkeit der Familie von der wechselhaften politischen Großwetterlage in Italien. Dort wurde der interne Parteienkampf zwischen Guelfen und Ghibellinen zusätzlich noch durch die sogenannte „Babylonische Gefangenschaft“ der Päpste in Avignon (1305–1377) und das Abendländische Schisma in dem sich von 1378 bis 1449 zumindest zwei rivalisierende Päpste gegenüberstanden, die sich mittels ihrer Anhänger bekämpften und zeitweise Stellvertreterkriege führten, verstärkt. Hinzu kamen die wechselnden Großmachtanwandlungen der Herrscher von Mailand und der von Neapel, durch die Interessen Frankreichs in Italien und durch die schließlich erfolgreichen Bemühungen der Päpste akzentuiert wurden, die direkte Kontrolle über ihre Besitzungen in Italien durchzusetzen. Trotz dieser Schwierigkeiten folgten auf Francesco I. Manfredi nicht weniger als 10 Mitglieder seiner Familie, die zunächst noch als angemaßte Herren von Faenza später jedoch legal, als päpstliche Vikare regierten (ähnlich wie z. B. die Malatesta in Rimini).

Unterbrechungen der Herrschaft mini|Kardinal Albornoz auf dem Titelkupfer eines gedruckten Buches aus der Biblioteca nacional de Madrid Dass diese Herrschaft nicht unbestritten war, zeigen die verschiedenen Unterbrechungen, der sie ausgesetzt war. Bereits 1327 schien es, als würde die angemaßte Herrschaft der Manfredi über Faenza und Forli ein rasches Ende finden, als Francesco I. Manfredi gezwungen wurde, diese Städte an den kriegserprobten Kardinallegaten Bertrand du Pouget abzutreten. Trotz des – zunächst erfolglosen – Widerstandes einzelner Familienmitglieder erwies sich dieser Zwischenfall jedoch bloß als etwa zehnjährige Unterbrechung der Herrschaft. Eine weitere Unterbrechung drohte bereits 1349, als ein anderer päpstliche Legat, Hector de Durfort, versuchte Faenza zu erobern. Dies konnte jedoch mit Hilfe von Francesco Ordelaffi, des Herren von Forlì, der Söldner des schwäbischen Condottiere Werner Herzog von Urslingen († 1353/57) dem Kapitän der „Großen Kompagnie der Deutschen“ – sowie selbst der Ghibellinen – verhindert werden.Wolfgang Kuhoff: Manfredi. S. 334

Die nächste Unterbrechung der Herrschaft ergab sich aus der erfolgreichen Militäraktion des vom Papst zum Legaten und Generalvikar in Italien ernannten Kardinals Gil Álvarez de Albornoz y Luna (* um 1310, † 1367), die Romagna der direkten Kontrolle des Papstes zu unterstellen. Ein Teil der Manfredi unterwarf sich in Montefiascone, während Giovanni und Guglielmo di Riccardo Manfredi Widerstand leisteten. In der Folge kam es nicht nur zu deren Exkommunikation und sogar zum Aufruf zu einem Kreuzzug gegen sie. Angesichts der Tatsache, dass Kardinal Albornoz ein erfahrener Feldherr war, der nicht zu Unrecht den Beinamen „zweiter Gründer des Kirchenstaates“ erhielt, mussten sich auch diese beiden Manfredi letztlich 1356 unterwerfen und ins Exil gehen. Erst 1375 konnten sie mit Hilfe von Florenz und des Herren von Mailand, Bernabò Visconti (1323–1385), nach Faenza zurückkehren.

mini|John Hawkwood, Fresko im Dom von Florenz Dieser Rückkehr zur Herrschaft erwies sich jedoch als sehr kurzfristig, denn schon ein Jahr später, eroberte und plünderte 1376 der aus England stammende Condottiere John Hawkwood (italienisch: „Giovanni Acuto“) (* 1320/23, † 1394) Faenza, das daraufhin vom Heiligen Stuhl an den Markgrafen Niccolò II. d’Este (1361–1388) verkauft wurde. Die Manfredi ließen sich jedoch davon nicht abschrecken., Astorre I. Manfredi († 1405) gelang es im Jahre 1378, Faenza mit Gewalt zurückerobern. Trotz dieser Gewalttat erhielt er 1379 von Papst Urban VI. schließlich die seit langem erhoffte Legitimierung der Herrschaft der Manfredi durch die offizielle Ernennung zum päpstlichen Vikar von Faenza und der zugehörigen Gebiete. Er und seine Nachfolger führten daher ab diesem Zeitpunkt den stolzen Titel „Signore Sovrano e Vicario Pontifico di Faenza“ (etwa: souveräner Herr und päpstlicher Vikar von Faenza). Astorre wurde jedoch auf Befehl des päpstlichen Legaten Baldassare Cossa, dem späteren Gegenpapst Johannes XXIII., 1404 unterworfen und 1405 am Hauptplatz von Faenza als Rebell enthauptet.Veniero Casadio Strozzi et al.: Faenza nell’età dei Manfredi. S. 22. Giangaleazzo Manfredi der nach einer sechsjährigen Pause von 1410 bis 1417 regierte, erhielt von Papst Gregor XII. mit Bulle vom 28. Jänner 1412 die erbliche Belehnung mit der Grafschaft des Valle di Lamone. Er und seine Nachfolger trugen daher zusätzlich noch den Titel „Graf von Brisighella und von Val Lamone“.

Ende der Herrschaft Das Ende der Herrschaft der Manfredi in Faenza kam, so wie für viele der kleineren und größeren Herren in der Romagna, mit Papst Alexander VI. (1492–1503). Dieser erklärte 1499 alle Stadtherren der Romagna ihrer Rechte für verlustig, da sie ihm die Anerkennung der päpstlichen Oberhoheit und den Tribut schuldig geblieben seien. Tatsächlich ging es ihm dabei weniger um die Stärkung des Kirchenstaates, als darum, seinen Sohn, Cesare Borgia (* 1475/76, † 1507), der als Herrscher der Romagna vorgesehen war, standesgemäß zu versorgen. Faenza wurde jedenfalls im November 1500 von Cesare Borgia eingeschlossen und belagert, fiel jedoch nach langer und heftiger Gegenwehr erst nachdem die Republik Venedig ihre Unterstützung zurückgezogen hatte. Der damalige Herr von Faenza, Astorre III. Manfredi und sein Halbbruder Ottavio Manfredi wurden in der Folge auf Befehl Cesares in der Engelsburg in Rom am 9. Juni 1502 erdrosselt und am 12. Juni ermordet im Tiber aufgefunden.Wolfgang Kuhoff: Manfredi. S. 336 Nach dem Tod von Papst Alexander VI. und der Entmachtung Cesares ergriff als letzter seines Hauses ein Bruder Ottavios, Francesco Manfredi, mit dem Namen Astorre IV. im Oktober 1503 als 11. Herr in Faenza die Macht, wurde jedoch von dort bereits am 19. November desselben Jahres vom vormaligen Bündnispartner seines Hauses – der Republik Venedig – vertrieben.

Fortbestand der Familie In Pieve di Teco in der ligurischen Provinz Imperia berufen sich die dortigen Manfredi auf eine Abstammung von den Manfredi aus Faenza. Carlo Manfredi, Sohn des Bischofs von Faenza, Federico Manfredi, hat 1505 in Pieve di Teco den Palazzo Manfredi errichten lassen, der sich (Stand 2025) noch immer im Eigentum und Besitz der Familie befindet. Um die Verwaltung und Instandhaltung des Palazzo Manfredi ist die Fondazione Manfredi Firmian E.T.S. in Genua besorgt, die sich auch um die Besitzungen des seit 1956 durch Heirat verbundenen Hauses Firmian in Mezzocorona im Trentino kümmert.

Kulturelle Bedeutung